Forum: Politik
Toleranz auf der Liegewiese: Wem gehört das Freibad?
Mohssen Assanimoghaddam / DPA

Wer hat die Hoheit auf der Liegewiese? Wieviel Toleranz muss sein? Nach einer Kolumne über das Berliner Columbiabad ergab sich ein bemerkenswerter Austausch mit einem Leser.

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Malto Cortese 08.07.2019, 19:01
120.

Dies ist ein freies Land. Wem es im Freibad nicht gefällt, der kann ja jederzeit gehen.

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quark2@mailinator.com 08.07.2019, 19:03
121.

Habe mir beide Texte durchgelesen und finde mich mehr beim Leser wieder als beim Journalisten. Diese Romantisierung der immer dünneren Rechtsdecke im Öffentlichen Raum als allgemeine Toleranz liegt mir fern. So wie Jugendliche allgemein zunehmend keinerlei Rücksicht mehr nehmen (von Respekt vor Älteren ganz zu schweigen), so hat man eben in den letzten Jahrzehnten auch eine Zunahme von Lärm und Radau. Der Rückzug der Polizei und Ordnungsämter nach 18:00h sorgt dafür, daß auch unter der Woche bis früh um 5 gesungen und gebrüllt wird und irgendwer hat offenbar keinen Auspuff am Motorrad, bzw. muß nachts die Stereoanlage bei offenem Fenster testen. Dabei ist das hier eine "teuere Gegend", weit weg vom "falschen Ende" der Stadt. Und auch wenn es ungern gehört wird, ein Großteil jener, die keine Ruhe geben wollen, sind leider eindeutig aus Nahost. Sie sprechen auch Arabisch bzw. Türkisch, da sollte es kaum eine falsche Zuordnung meinerseits geben. Da ich schon oft dort im Urlaub war, ist mir klar, daß das ganz normales Verhalten ist. Nur eben nicht hierzulande. Wenn man früh auf Arbeit muß, kann das auf Dauer ein Problem werden. Insofern, nein, Toleranz ist hier nicht angebracht und nicht positiv. Auch wenn die Deutsche Bahn inzwischen so unpünktlich ist, daß meine bulgarischen Freunde sich beschweren, wir müssen unser Land nicht virtuell nach Süden verlagern lassen.

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paysdoufs 08.07.2019, 19:08
122. Überschrift

Was ist ein “migrantischer Sicherheitsdienst“? Warum braucht ein Freibad im Deutschland des Jahres 2019 überhaupt einen Sicherheitsdienst? Und warum muss dieser (vorzugsweise?) „migrantisch“ sein?

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paysdoufs 08.07.2019, 19:10
123. Überschrift

Zitat: „Toleranz hat eine Hierarchie. Tolerieren kann man nur aus der Position der Macht heraus.“ Eine überaus interessante Überlegung...

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leroyrs 08.07.2019, 19:15
124.

Die Familie in Düsseldorf ist ja unter Polizeischutz gegangen worden. Die Frage ist, ob Toleranz bedeutet, nicht akzeptables Verhalten - darunter zähle ich "Bedrohung" zu dulden ?

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KayYou 08.07.2019, 19:24
125. Ich bin als Kind

Zitat von newera2100
@seeyouin1982: Vielleicht haben Sie nie in einer Gegend / Stadt ohne grossen Ausländer- o. Migrantenanteil gelebt, und sind sich daher des Unterschiedes in generellem Verhalten gegenüber Mitmenschen nicht bewusst. Ich bin in Städten fast ohne Bürger mit Migrationshintergrund grossgeworden, und muss feststellen dass es dort gewisse Dinge nicht gab, vor allem was die generelle Respektlosigkeit gegenüber Mitmenschen und Obrigkeit, und das Ignorieren von Regeln angeht (ich bin auch kein blinder Verteidiger jeglicher Regel, aber es gilt "die Freiheit des einzelnen hört da auf, wo die Freiheit des nächsten anfängt"). Ja, es es war auch keinen heile Welt, aber verdammt viel näher dran als die Zustände die man heute in vielen Teilen Deutschlands so beobachten kann. Wenn Sie mich fragen in welch einer Gesellschaft ich lieber leben würde, und welche Art von Gesellschaft ich mir für meine Kinder wünsche, dann ist die Antwort ganz klar eine Gesellschaft in der Mitbürger einander respektieren, in der des weniger Gewalt- oder Eigentumsverbrechen gibt, und in der gewisse andere Werte / Tugenden noch nicht verloren gegangen sind. Natürlich sind Verallgemeinerungen falsch. Nicht jeder Asylsuchende ist ein Wirtschaftsmigrant, und nicht jeder Migrant ist respektlos oder kriminell. Aber die heutige Gesellschaft im D scheint verlernt zu haben differenziert und logisch zu denken.
aus einer Industriestadt in eine etwa gleich große Stadt mit "Geschichte" umgezogen. Da wurde dann stets so etwas wie "Verpflichtung" vermittelt, so nach dem Motto: Du darfst hier leben, also bist Du auch dafür verantwortlich, dass es hier lebenswert bleibt. Etwas, dass ich bei meiner dagebliebenen Verwandtschaft nie gehört habe. Und die stammen aus der Gegend.

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vera gehlkiel 08.07.2019, 19:31
126. @spon_4_me

Zitat von spon_4_me
So sehr ich Ihre Meinung schätze, ich denke nicht, dass es eine vorgeschobene Eskalation ist (eher eine instrumentalisierte) oder dass die Eskalation nur oder hauptsächlich von rechts kommt. Ich vermute vielmehr, dass die Gesänge der Fanclubs unseres Vereins lediglich süßer in unseren Ohren klingen als die der anderen Seite. Und ja: Natürlich hat die Politik die Notwendigkeit, Integration auch zu finanzieren und in den Alltag der Bürger wiederum sinnvoll zu integrieren, teils aus Verblendung, teils aus neoliberaler Marktgläubigkeit nicht offen mit uns Bürgern diskutiert. Wissen Sie, ich lebe ein außerordentlich privilegiertes Leben, in dem ich fast alles Neue und Fremde zu einer Bereicherung sublimieren kann. Aber ich gehe auch nicht in Freibäder, fahre selten ÖPNV und schicke meine Kinder auf Privatschulen, in denen Fremde in der Regel hochkultivierte Diplomatensprößlinge sind. Dennoch bilde ich mir ein, mich an Zeiten zu erinnern, in denen Kritiker einer Position nicht als erstes wahlweise islamophob oder vaterlandslos waren, in denen es mehr Mut zum Widerspruch und weniger Neigung zum gruppen-konformen Denken gab, in denen Leute noch gefragt wurden, welche Politik sie zum Thema A und B gerne hätten anstatt das eine vermeintlich zu wählen und das andere dann ob aus falsch verstandenem Paternalismus, ob aus Ohnmacht angesichts der Kraft des Faktischen serviert zu bekommen. Die folkloristischen Anekdoten eines Herrn Kuzmany sind ja ganz spaßig (hat nicht irgendein anderer SPON-Autor ein ganzes Buch mit solchen Briefwechseln veröffentlicht?), aber sie zeigen doch auch, dass der Kampf vorüber ist und dass die Anderen gewonnen haben. Uns bleiben Schülerscherze und Klingelstreiche.
Für mich sind wir die anderen, die angeblich gesiegt haben. Und jetzt nachschmecken, wie bitter sich ein Pyrrhussieg nach dem anderen immer schon im Moment des Triumphes ausnimmt. Links wie Rechts herrscht wohl Konsens darüber, dass der Beginn der Globalisierung mit dem des Vietnamkriegs 1962 zusammenfällt. Jetzt, fast schon sechzig Jahre danach, soll ich mir verwundert die Augen reiben, wenn mal zwei Schwarzafrikaner mit ihren klapprigen Fahrrädern am Haus vorbeifahren?! In welcher Blase hat meine bürgerliche Sozialisation - wobei ich erst zweiundvierzig bin - denn stattgefunden, wenn nicht in einer maximaler konsumistischer Undurchlaessigkeit, wenn ich nicht in der Lage bin, mein edles Asia-Handy, meine Silicon-Valley Software und diese echt top sitzende und super bequeme Buxe am Hintern, Made in Mexico, mit der Metapher "Multikulturalismus, vollendeter", ins einigermaßen Deckungsgleiche zu bringen?! Geht es echt ums "Bedrohtsein", oder nicht doch ums "Belaestigtsein"?! Nicht an sich um die profane Vorfahrt in der Einkaufspassage, die uns zum Kern aller Grundsätze vom unermesslichen Wert menschlichen Lebens zusammenzuschnurren droht?! Ist Rechtssein im Sinn von Reaktionär sein nicht vielfach ganz schlicht die allerbequemste Option von allen?!

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Helene S. 08.07.2019, 19:39
127. Anregende Korrespondenz

Es ist nochmal gut gegangen, zeigt aber klar die Schattenseiten der offenen und Multikulti Gesellschaft. Daher sollten alle Migranten erstmal verdaut werdn bevor neue Schiffe in Lampedusa anlegen dürfen. Zuviel Migration schadet nämlich.

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einerkeiner 08.07.2019, 19:54
128.

Zitat von mostly_harmless
Es steht Ihnen selbstverständlich frei, die Fakten zu leugnen, an den Fakten ändert das gar nichts. Und diese Fakten sind nunmal, dass die Rechtsradikalen genau da ihre Hochburgen haben, wo es die wenigsten Ausländer gibt. Und diese Fakten gelten nicht nur in diesem konkreten Kontext und in diesem Land. In der Schweiz war die Zustimmung zum Minarettverbot ebenfall in den Regionen mit dem niedrigsten Ausländeranteil am höchsten. In Ungarn, Polen oder der Tschechischen Republik kann der von den Regierenden geschürte Hass ebenfalls genau da am Besten gedeihen, wo es die wenigsten Ausländer gibt. Und der Grund ist ganz banal, dass man Lügen und Hass über Ausländer schwieriger "an den Mann" bringt, wenn der Kollege ein Ausländer ist oder man beim türkischen Gemüsehändler einkauft. Achja, und was nun ihre Unterstellungen angeht: Wer - wie Sie - keine Argumente hat, ist halt auf Unterstellungen oder Beledigungen angewiesen. Wers braucht .... schulterzuck ...
Nun ja, da Sie schon von Fakten sprechen, muss ich Sie leider korrigieren. Die Osteuropäischen Regierungen schüren größtenteils mitnichten "Hass" (außer Orban vielleicht), sondern setzen lediglich die Haltung der Mehrheit ihrer Bürger um. In der Hinsicht ist man dort demokratischer als in Deutschland, wo auch gerne mal Politik gegen die Mehrheitsmeinung gemacht wird. Das liegt daran, dass dort Regierungen tatsächlich abgewählt werden wenn sie Mist bauen (in Deutschland undenkbar).

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ach-nur-so 08.07.2019, 19:55
129.

Schöne Idee. Schöner Schlagabtausch auch. Habe gelernt, dass Regeln etwas Nützliches, Wohltuendes sind - es mitunter aber nützlich und wohltuend sein kann, nicht um jeden Preis (und sei es schlechte Laune und Puls) auf deren Einhaltung zu pochen. Den lieben Gott einfach einen guten Mann sein zu lassen. Den Tag zu genießen - und sei es aus Trotz. Aber das habe ich nicht hier gelernt, das wusste ich als jemand, der sein Geld fahrend (Stadt, Land) verdient schon. Wenn mein Tag gelingen soll und ich nicht mit Bauchschmerzen in den Feierabend gehen will, brauche ich Nerven aus Drahtseil und ein Füllhorn voller Wohlwollen. Der Raum, in dem ich mich da bewege, ist nämlich auch nicht meiner; er gehört den GLCs und diversen 5er- und 7er-Baureihen, deren Fahrer*innen per Gaspedal verzweifelt ihre demütigenden Freibad-Erlebnisse zu kompensieren versuchen. Doch sie alle sehen dabei aus, in ihren machtvollen High-End-Geschossen, als gelinge ihr Tag nicht und als hätten sie Bauchschmerzen. Ich mag Regeln ja auch. Und sie dürfen gerne eingehalten werden. Sehr gerne sogar. Warum auch nicht? Es kostet ja nichts, außer ein bisschen Anstand und Respekt seinen Mitmenschen gegenüber. #zwinkersmiley "Glück ist Erwartungsmanagement" (E. v. Hirschhausen). Dieses Wissen im Hinterkopf zu haben, aber nicht zu verbittern, das ist ganz, ganz hohe Kunst. Und übrigens: Toleranz ist gut. Aber sie muss Grenzen haben, sonst ist es Gleichgültigkeit. Ommmmm.

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