Forum: Politik
Tories und Labour bei der EU-Wahl: Die Verzwergung der Mächtigen
Kirsty Wigglesworth/DPA

In Großbritannien sind Tories und Labour in Brexit-Kämpfen verfangen, die Konkurrenz zieht davon. Bei der EU-Wahl stehen die Etablierten vor einem Debakel. Ist das Zweiparteiensystem am Ende?

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ddcoe 22.05.2019, 20:41
1. Redlich verdient

Wenn Torries und Labour ins Bodenlose fallen bei der Europawahl, dann ist das redlich verdient. Was dort im Parlament abgelaufen ist in den letzten Monaten hatte viel von Realsatire und wenig mit Politik zu tun. Das sich der Totalausfall May immer noch berufen fühlt und mit neuen dilletantischen Vorschlägen zu erheitern macht es auch nicht besser.

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Haarfoen 22.05.2019, 20:48
2. Hier ist eine Generation am Ende ...

Hier ist nicht nur ein 2-Parteien-System am Ende, sondern eine ganze Generation. Alte Menschen, die in ihrer kleinkarierten Welt von Nationalismus, Besitz, fehlender Zukunftsfähigkeit und Kleingeisterei gefangen sind. Das ist alles so öde, nicht nur in GB. Da fehlt jeglicher Geist und Esprit.

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kenpegg 22.05.2019, 21:05
3. Wie bitte?

"Seit Jahrzehnten bestimmen deshalb Tories und Labour die Politik."
Von 2010 bis 2015 bestimmte eine Tory/Liberal Koalition die Politik oder schon vergessen?

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stelzerdd 22.05.2019, 21:47
4. Die Liberalen

Die Liberalen haben jahrzehntelang als großer Player die britische Politik mitbestimmt und bestimmt, als der Aufstieg von Labour nicht absehbar war. Churchill hat mal bei den Liberalen angefangen...
Warum sollte es keinen Wiederaufstieg geben? Die 1-Themen-Brexit-Partei wird sich erledigt haben wenn es den Brexit gibt. Wahrscheinlich müssen die Briten erstmal ihren Brexit machen um dann irgendwann unter den richtigen Prämissen wiederzukommen.
Wenn es dann noch Briten gibt und nicht nur Engländer, Schotten, Waliser, Nordiren(?)....

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Liberalitärer 22.05.2019, 22:03
5. In der Theorie

Zitat von kenpegg
"Seit Jahrzehnten bestimmen deshalb Tories und Labour die Politik." Von 2010 bis 2015 bestimmte eine Tory/Liberal Koalition die Politik oder schon vergessen?
Im Prinzip stimmt das aber und die Labour Party hat viel für die britischen Arbeitnehmer erkämpft zusammen mit dem TUC. Allerdings wissen zumindest gewisse Teile bei Labour auch, dass die EU nicht gerade auf sozialistischen Traditionen beruht.
Fast alles wurde auf nationaler Ebene erkämpft. Ein europäischer NHS? Ein ferner Traum ist das.

Viele glauben, das könne man einfach mal so ändern. Das ist unrealistisch. Ein paar Erasmusler sollen das richten, das typische deutsche Arbeitnehmerkind hat im UK keine Chance, mangelnde Sprachkenntnisse, mangelnde Abschlüsse, ein völlig anderes Rekrutierungsystem der Arbeitgeber, umgekehrt ist das auch so und das Feriensemester hilft da nicht wirklich. Das ist in Frankreich oder Spanien nicht wirklich anders. Ja, es gibt Expats, aber die haben es nicht einfach, da fast nichts anerkannt wird oder alles fehlt.

Wie sagt Radio Eriwan: In der Theorie ja,....

PS.: Visionen ersetzen kein schlüssiges Konzept. Corbyn und Labour bemühen sich um Schadensbegrenzung - Schäden auch dieser zeitweise neoliberalen EU Politik.

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kuac 22.05.2019, 22:13
6.

Zitat von ddcoe
Wenn Torries und Labour ins Bodenlose fallen bei der Europawahl, dann ist das redlich verdient. Was dort im Parlament abgelaufen ist in den letzten Monaten hatte viel von Realsatire und wenig mit Politik zu tun. Das sich der Totalausfall May immer noch berufen fühlt und mit neuen dilletantischen Vorschlägen zu erheitern macht es auch nicht besser.
Was soll denn May machen? Brexit ist für GB ein Verlustgeschäft und niemand kann daran etwas ändern.

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Schartin Mulz 22.05.2019, 22:44
7. Der Trend

geht, nicht nur in GB, zu Parteien mit eindeutiger Postitionierung.
Ob man nun Tories oder Labour wählt, beide wollen einen irgendwie gearteten Brexit. Oder auch nicht.
Andere Parteien positionieren sich klar. Farage und co für den Brexit, LibDems und Grüne dagegen.
72 % der Wähler wollen eine Partei wählen, die eindeutig sagt, ob rein oder raus.
Für die "großen" bleibt da nicht mehr viel über.

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spon-facebook-10000012354 22.05.2019, 22:55
8. Durchaus rational

Hier treffen m.E. drei Komponenten aufeinander, die das negative Ergebnis sehr wahrscheinlich machten:
1. Im UK wurde ein Volksentscheid, kein Referendum durchgeführt: In der Politikwissenschaft wird der Begriff Volksentscheid stets verwendet, um die Abstimmung über eine vom Volk vorgebrachte Vorlage zu einem politischen Gegenstand (ein sogenanntes Initiativverfahren) zu bezeichnen. Ein Referendum bezeichnet im Gegensatz dazu stets eine Abstimmung über eine von der gewählten Vertretung (Parlament) oder der Regierung erarbeitete Vorlage. Dies bedeutet dass faktisch dem Parlament ein Auftrag erteilt wurde ein Verfahren für das Verlassen der EU zu erarbeiten.
2. Im britischen Parlamentswahlsystem gibt es lediglich ein einfaches Mehrheitswahlsystem. Demnach ist gewählt, der die einfache Mehrheit der Wählerstimmen in einem Wahlbezirk auf sich vereinigt hat. Das System bevorzugt größere Parteien. Minderheiten haben keine Chance, politisch im Parlament vertreten zu sein.
3. Der Abgeordnete ist deshalb primär seinem seinen Wahlbezirk verpflichtet. Jetzt kommt jedoch die regionale Divergenz der Ergebnisse beim Brexit-Entscheid zum Tragen. Während die Einwohner Schottlands und Nordirlands mehrheitlich für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU abgestimmt haben, sind in weiten Teilen Englands hauptsächlich die Befürworter des Brexit zu finden. Ausnahmen bilden hierbei die großen Städte des Landes, wie beispielsweise London, York, Oxford, sowie die Regionen westlich von London, in denen eine fortgesetzte EU‐Mitgliedschaft mehrheitlich befürwortet wurde. Die Wahlergebnisse in Wales, weichen regional stark voneinander ab, sind jedoch tendenziell ausgeglichen.
Insofern war das Scheitern des Parlamentes bei der Umsetzung des Volksentscheides zu erwarten.

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rrjmaier 22.05.2019, 22:55
9. Das 2 Parteien System ist im Britschen Wahlsystem verankert

Das Britische Wahlsystem -"first past the post" macht es nahezu unmöglich für kleinere Parteien eine bedeutende Anzahl von Abgeordneten in das Unterhaus zu entsenden.
In meinem Wahlbezirk war bei der letzen Wahl die stimmen Verteilung wie folgt Labour 5678, Scottish National Party: 5510, Conservatives, 5230, Liberal Democrats 4767, UKIP 2301, Das heißt Labour hat den Sitz mit 24% der Stimmen gewonnen, alle anderen Stimmen sind "verloren".
Hierbei ist noch Anzumerken dass mein Wahlkreis etwas ungewöhnlich ist da er eine sehr breite Streuung hat. Die meisten Wahlbezirke sind wesentlich mehr polarisiert. z.B. Con 50, Lab 40, Lib 5, sonstige 5
Aber das Resultat bleibt das selbe, nur die "grosse"n Parteien kommen durch.

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