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Trump-Wähler: Es waren nicht nur alte, weiße Männer
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Frustriert, männlich, weiß - so sieht angeblich der typische Trump-Wähler aus. Aber ist das wahr? Tatsächlich stimmten auch Frauen im großen Stil für den Mann, der mit sexuellen Übergriffen prahlte.

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Global Citizen 12.11.2016, 22:30
40. @CSc5911. Es geht um die Wähler nicht um HC

Zitat von CSc5911
Sorry, aber bei Ihrem zweiten Satz kann ich nicht mitgehen! Die Spielregeln waren/sind allen bekannt, und die Wahl ist nach allem, was mir bekannt ist, ordnungsgemäß verlaufen. Ihr erster Satz ist natürlich richtig (und durchaus wichtig, da hier im Forum gelegentlich das Gegenteil behauptet wird, wenn auch wahrscheinlich meist nur aus "Schludrigkeit"). Ad Al Gore: das sehe ich ehrlich gesagt viel kritischer als die Wahl in diesem Jahr. Da wurde per Gerichtsbeschluss einfach die erneute Auszählung beendet, so dass wir bis heute nicht wissen, für wen Florida damals tatsächlich gestimmt hat. Ich bin wirklich sehr vorsichtig, den Begriff "undemokratisch" zu verwenden, aber dafür ist er meiner Ansicht nach mal angebracht.
Hier geht es nicht darum, ob die Wahlen etwa gefälscht wären.
Aber der Wählerwille wurde durch das System verfälscht.

Hillary Clinton hat - das ist demokratische Tradition - Ihre "Niederlage" nach den gültigen Spielregeln anerkannt, was dazu führt, dass
die große Mehrheit auch der demokratischen Wähler das ebenfalls tun wird.

Die Spielregeln sind natürlich békannt, aber sie sind bei den Bürgern nicht gewünscht. Umfragen zeigen regelmäßig, dass die große Mehrheit der Amerikaner das Electoral College zugunsten der Volkswahl abschaffen möchte. Das verhindern die Republikaner regelmäßig und auch Trump wird hier - nachdem er davon profitiert hat als Vertreter der Wählerminderheit die Mehrheit der Wahlmänner gewonnen zu haben - entgegen seiner vorherigen Kritik nichts dagegen unternehmen, dem Mehrheitswillen Geltung zu verschaffen.

Er wird legaler Präsident, aber seine Legitimation für die Umsetzung radikaler Ziele hat er nicht.

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Thomas Kossatz 12.11.2016, 22:42
41. Schlaue Artikel ohne Datenbasis

Eine schlüssige Analyse kann trotzdem grottenfalsch sein. SPON verlängert Legenden.

1.) Trump hat die Wahl nicht gewonnen, Clinton hat sie verloren. Während Trump 1 Million Stimmen weniger als Romney vor vier Jahren einbüßte, blieben 6 Millionen Obama-Wähler zuhause. In 25 der Staaten lagen die Verluste an Stimmen im zweistelligen Bereich.

2.) Die Ursache für die Verluste ist die Abgehobenheit Clintons, die ihre Glaubwürdigkeit ruiniert hat. Wer vorgibt Facharbeiter zu vertreten, wer auf dem Parteitag gegen die Wall Street wettert und zugleich 250.000 $ Honorar einstreicht, um vor Bänkern eine Rede zu halten, demoliert sein Ansehen.

3.) Die Demoskopen lagen nicht so falsch. Da die erneuten FBI Veröffentlichungen in die Schlussphase fielen, wurde dieses nicht mehr erfasst. Umfragen geben die Absicht zum Zeitpunkt der Umfrage wieder, nicht am Wahltag. Zudem sind die Panel gemessen am Land klein und weisen deshalb hohe statistische Fehlerrraten auf, die zwar immer angegeben werden, aber nur selten von Journalisten berücksichtigt.

4.) Clinton hat mehr Stimmen erreicht als Trump, und das, obwohl viele in Kalifonien überhaupt nicht mehr wählen gingen, weil das Ergebnis klar war: Dort und in Washington State verlor Clinton 30 bzw. 20 % der Stimmen, die Obama erzielte.

Fazit: Die USA hat zum 4. Mal in Ihrer Geschichte einen Präsidenten, der keine Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht hat. Die Demokraten haben die Rechnung für die Feigheit bekommen, eine echte Alternative anzubieten, (Warren, Chuck Schumer). Ihr Vizekandidat Bernie Sanders hat zwischenzeitlich die Partei wieder verlassen.

Zwei desolate Kandidaten, ein desolates Wahlrecht, gemessen daran ist es in den USA ruhig geblieben.

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Global Citizen 12.11.2016, 22:54
42. @spongast: The winner takes it all

Zitat von spongast
Ich lese ständig dass Frau Clinton absolut mehr stimmen hatte und nur wegen des Wahlmänner Systems verloren hat. Wie passt das ?
Kurz erklärt:

- jeder Bundesstaat hat eine seiner Bevölkerungszahl entsprechenden Anteil an den 538 Wahlmännern

- der Kandidat mit der relativen oder absoluten Mehrheit der Stimmen des Staates erhält (Ausnahme Maine und Nebraska)
ALLE Wahlmännerstimmen dieses States zugeschlagen

- Clinton lag z.B. in Florida nur knapp hier Trum, bekam aber 0 Wahlmänner. Dieser Effekt kann aber in der Summierung der Wählerstimmen über die gesamte USA dazu führen, dass ein Kandidaten mehr Wahlmännerstimmen bekommt, als ihm nachdem summierten Gesamtergebenis der Wählerstimmen zustehen würden.

Das war schon in 2000 so und scheint in 2016 noch viel massiver zu sein. Das wird die finale Auszählung zeigen.

Das Verfahren entspringt einer über 200 Jahre alten Regel in der US-Verfassung, ist also legal. Das Ergebnis stellt aber die Legitimität des auf diese Weise Gewählten in Frage.

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Steffen Gerlach 12.11.2016, 22:56
43. Frauen wählen Grabscher

Der Widerspruch scheint mir geringer zu sein als immer dargestellt. Ich würde mich vermutlich auch dazu durchringen, einen Unsympathen, Teilrassisten und Grabscher zum Präsidenten zu wählen, sobald ich die Erwartung hätte, dass seine Politik meinem Land besser dienen wird als die des anderen Kandidaten. Auch ohne Hochschulabschluss kann man verstehen, worum es bei einer Wahl letztendlich geht.

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kaiservondeutschland 12.11.2016, 23:55
44. Schwäche der Linken

Wenn die Linken sich nicht mehr um die einfachen Leute kümmern, tun es eben die Populisten (Brexit, Trump, AfD, Le Pen). Die Linke ist (Ausnahme Bernie Saunders) an Trump schuld, nicht deren Wähler.

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makwd 13.11.2016, 00:23
45. Wahlmänner vs. absolute Stimmen

Zitat von spongast
Ich lese ständig dass Frau Clinton absolut mehr stimmen hatte und nur wegen des Wahlmänner Systems verloren hat. Wie passt das ?
In fast allen US-Bundesstaaten gilt "The winner takes it all.", d.h., wer in dem jeweiligen Bundesstaat die Mehrheit hat (egal ob 70% vs. 30% oder 49,6% vs. 49,7%) bekommt alle Wahlmänner für diesen Bundesstaat "gutgeschrieben". Somit hat im Zweifel derjenige mehr Wahlmännerstimmen, der mehrere Bundesstaaten knapp gewonnen hat, auch wenn der andere wenige Bundesstaaten haushoch gewonnen hat (und über die ganze USA mehr absolute Stimmen hat)...

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dlmb 13.11.2016, 00:47
46. Lustig...

Wie man krampfhaft auf der Hautfarbe und dem Bildungsstand der Wähler herumreitet. Wenn es darum geht, unbequeme Wahlausgänge zur "erklären", ist Rassismus dann doch wieder eine Option...

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Aurora vor dem Schilf 13.11.2016, 00:55
47. Warum Amerikaner Trump wählten

Der Schluss in hiesigen Kommentaren, in den USA nähme man ein paar sexistische Ausfälle ggf nicht so genau ist falsch eingedenk der Tatsache, dass dort Kinder streckenweise nicht nackt am Strand sein dürfen, ein Nippel eine Staatsaffäre auslösen und eine versehentliche harmlose Berührung am Arm im Büro eine Klage wegen sexueller Belästigung auslöst. Und zwar fix.

Trumps Umfragewerte waren - berücksichtigt man seine enormen Ausfälle - sogar verhältnismässig stabil. Genau wie die von Clinton. Von Trumps Wählern waren ab und an mal 5% empört. Und haben sich wieder besonnen resp ansonsten haben alle stur zu ihrem Kandidaten gehalten.

Mir scheint, Wahlen in den USA, sind zu einer Art stur ablaufender Religion verkommen, die nicht mehr hinterfragt wird. Wahlkampf-Plattitüden hat auch nicht Trumpf hoffähig gemacht, sondern bereits viele andere Präsidenten vor ihm.

Unter diesem Aspekt sollte man auch eine mit Arroganz vorgetragene Einlassung hinterfragen, er wurde vorrangig von Leuten "ohne College-Abschluss" gewählt. Das sagt wenig über das eigentliche Problem aus. Immerhin gingen die Börsenkurse nach oben. Ursache dafür waren garantiert nicht Typen ohne College-Abschluss.

Als Einwohner der stärksten Macht der Welt dürfte den meisten Leuten in US einfach leidlich egal sein, ob sich der Rest der Welt vor einem Atomkrieg oder wirtschaftlichen Repressalien fürchtet. - im Gegenteil ist es vielleicht das, was Trumps Wahl für seine Wähler attraktiv gemacht hat. Die Vorstellung, eine reiche, unbezwingbare Grossmacht zu sein. Koste es, was es wolle.

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Msc 13.11.2016, 01:00
48.

Es geht nicht darum, wer Trump gewählt hat. Es geht darum, wer Clinton NICHT gewählt hat. Und das war vor allem die ehemalige Mittelschicht in den Industriestaaten des mittleren Westens. Die, auf die sich die Demokraten sonst immer verlassen konnten. Aber die Deindustrialisierung und Amerikas horrende Infrastrukturprobleme sind dort am verbreitetsten und machen den Menschen das Leben schwer. In Washington, New York und San Francisco interessiert das aber keine Sau. Und genau darauf wurde reagiert. Viele wollten einfach GAR NICHT wählen, weil sie aufgegeben haben an das System zu glauben. Das kam natürlich dem Kandidaten mit dem größeren Charisma zu Gute. Trump konnte einfach mehr Leute motivieren, weil sie eine Chance auf Veränderung sahen.

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HansGnodtke 13.11.2016, 01:38
49. Na also, geht doch!

Wirklich erfreulich: SPON findet zurück zur Fähigkeit die US Wahlen zu analysieren, ohne dass der Schaum vorm Mund mit der Tinte in der Feder zusammenfließt. Das läßt hoffen

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