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Türkei nach dem Putsch: Wo die Würde nichts mehr gilt
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Präsident Erdogan lässt seine Gegner demütigen, AKP-nahe Medien verbreiten Angst und Schrecken. Wer jetzt noch von EU-Beitritt oder Visaliberalisierung spricht, sollte sich die Bilder aus der Türkei genau ansehen.

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360° 20.07.2016, 16:28
1. Einst brachte Mao die Masse dazu, Millionen Vögel zu jagen.

Weil sie es wären, die von den Feldern die Körner fräßen und so für schlechte Ernten verantwortlich wären.

Das war natürlich nicht der wahre Grund. Mao testete damit nur, wie sehr er die Massen hinter sich vereinen kann. In der Jagd auf einen Feind, den er ihnen vor gibt. Und als Mao sah, wie sehr dieses Experiment gelang, wagte er den folgerichtig nächsten Schritt: er erklärte nun bestimmte Menschengruppen zu Volksfeinden und hetzte die Massen gegen diese auf.

Was für Mao seine Vogeljagd war, ist für Erdogan sein „Geschenk Gottes“ (dem er womöglich kräftig nachgeholfen hat): der angebliche „Putsch“. Putschisten, die niemand so wirklich sah. Denn die paar hundert Soldaten waren mehr Kinder und Wehrpflichtige, die – oftmals nichts von einem Putsch wissend – einfach Befehlen folgten und auf Brücken oder anderswo mit ihrem Gerät Stellung bezogen. Oder, vor Angst zitternd, versuchten Redakteure bei CNN Türk davon zu überzeugen, dass sie nicht mehr senden sollen.

Erdogan sah, wie er als Folge dieses Putsches – unter Anleitung seiner Geheimdienstleute – die Massen mobilisieren konnte. Wie die Opposition zu Hause blieb und keine eigenen Demonstrationen zu veranstalten wagte. Erdogan hat seine „Vogeljagd“ erfolgreich abgeschlossen. Nun kann er den nächsten Schritt gehen.

Die tausenden Verhafteten – viele Staatsangestellte in Schlüsselpositionen, die nichts mit dem „Putsch“ zu tun hatten – sind schon der nächste Schritt. Und Erdogan versichert sich gleichzeitig der Zustimmung seiner Leute, in dem er sie weiter demonstrieren lässt. Und so die Straßen „besetzt“ und damit der Opposition jeden Mut nimmt, eigene Oppositionen gegen die Säuberungen a la Mao zu organisieren.

Und die EU-Mächtigen? Schauen zu wie Lämmer ihrem zukünftigen Schlächter bei dessen Arbeit. Einige Blöken, als würde das irgend etwas verändern.

Taten, Handlungen, Sanktionen, das Einfrieren von Geldern müsste längst vorbereitet sein – aber die EU-Mächtigen sind mächtig genug um sich selber an den Steuergeldern der Bürger reichlich zu bedienen. Aber zu schwach, um zukünftiges Unheil für die EU rechtzeitig abzuwehren.

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fottesfott 20.07.2016, 16:36
2. Der Autor hat völlig recht

Dies ist ein ultimativer Lackmustest für die Werte der EU und es ist streng genommen zum aktuellen Zeitpunkt schon skandalös zu nennen, dass sich die führenden Mitglieder der Bundesregierung noch nicht völlig unmissverständlich zu den Ereignissen geäußert haben, selbst wenn man konzediert, dass sie vermutlich wie die Mehrheit der Betrachter staunend vor TV und Smartphone-Display sitzen.
Sie sollten sich ferner Gedanken darüber machen, wie man mit der Vielzahl berechtigter Asylanträge türkischer Staatsbürger wegen politischer Verfolgung umgehen will, und ferner wie man die Verfolgung politischer Minderheiten der Türkei auf deutschem Staatsgebiet z.B. durch Geheimdienst oder auch nur die vielfältigen Aufforderungen zur Denunziation in den Griff bekommen will. Visaerteilung für Mitarbeiter der türkischen Geheimdienste dürften nicht der geeignete Weg sein.

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caty24 20.07.2016, 16:41
3. Amnesty international

Es darf nicht passieren ,dass Menschen für immer verschwinden.
Amnesty international sollte umgehend vor Ort recherchieren.

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joki81 20.07.2016, 16:41
4.

Im Bezug auf Rechtsstaatlichkeit kann man die Türkei auf absehbare Zeit abschreiben... die EU-Beitrittsverhandlungen gehören gestoppt, und auch andere Mitgliedschaften (OSZE, Europarat, NATO) sollten auf den Prüfstand. Der Flüchtlingsdeal muss auf die einzige Formel reduziert werden, Geld (dass dann allerdings auch gezahlt werden muss) für die Erfüllung der türkischen Pflichten zur Grenzsicherung. Für mich am bedenklichsten ist die Zahl der Unterstützer, die Erdogan in Deutschland hat, wie man an den Randalierern am Samstag gesehen hat... Erdogan baut seine SA auf, auch hier in der Bundesrepublik.

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rabandie 20.07.2016, 16:42
5. man möchte wenigstens hoffen,

dass die freien europäischen Länder absolut strikt das Überschwappen der Ausseinandersetzung nach Europa unterbinden. Keine AKP Demonstrationen bei uns, keine Hetze, keine Einschüchterung. Ansonsten sofortige Ausweisung von Agressoren.

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Safiye 20.07.2016, 16:43
6. Diese Türkei ist schon seit vier, fünf Jahren nicht mehr ...

...demokratisch, pluralistisch und weltoffen. Nun werden bald viele gebildete Türken sich aufmachen und ihr Heil in der Flucht suchen. Erdogan weiß das und verbietet ihnen nun sogar zu reisen. Geht es noch totalitärer ?! Und Europa und die USA schauen gelassen zu, weil es doch ein innenpolitisches Problem ist, wenn Menschenrechte dort mit Füßen getreten werden. Ich dachte wirklich, wir hätten aus der Geschichte gelernt, aber das sich in der Türkei das Deutschland der 30er Jahre mit kernigen Parolen, Mundtotmachen jeglicher Opposition und Verfolgung Andersdenkender unwidersprochen im 21. Jahrhundert wiederholen könnte, das finde ich unerträglich ... Wie weit dürfen Erdogan und sein AKP gehen bevor endlich die Welt aufwacht und sie als das sehen was sie sind ... islamo-faschistisch. Und an alle Türken, die ihn in Deutschland so anhimmeln: Geht doch zurück, wenn Euch dieses Lebensmodell, in dem man den Mund nicht aufmachen darf, so viel besser gefällt als das des "Westens". Niemand wird gezwungen, im Kern Europas zu leben. Die, die heute den türkischen Präsidenten so vehement verteidigen, würden die Türkei in ihrer momentanen Verfassung keine drei Monate ertragen. Aus der Distanz durch die rosarote Brille sieht immer alles super aus. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Rosa dann aber als ein tiefes schwarzes, in das die Türkei gerade fällt.

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klmo 20.07.2016, 16:47
7. Würde und Politik

Die Anbiederung unserer Bundeskanzlerin gegenüber Erdogan im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise löste in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung große Bedenken aus. Erstaunlich, wie schnell diese Bedenken bestätigt wurden. Dabei stelle ich mir immer die Frage, was Geheimdienste wie BND oder CIA zu den Vorgängen in der Türkei zu sagen haben. Den ihr Informationsgehalt dürfte wesentlich umfassender und präziser sein. Wahrscheinlich läuft unsere Außenpolitik auf einer dualen Ebene, also Interna verso Öffentlichkeit.
So wie ich die Amerikaner kenne, werden die in punkto Kommunikationen alle Details kennen. (Siehe unsere Kanzlerin als erfolgreiche Versuchsperson.) Aber wer will schon einen Nato-Partner als Verbündeten diskreditieren? Und genau da fängt auch beim Westen die falsche, verkappte Moral an. Würde hin oder her.

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conny1969 20.07.2016, 16:48
8. 2016 ist wirklich interessant

Ein Kartenhaus nach den anderen fällt in sich zusammen,
ein Luftschloß nach dem anderen löst sich auf.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Kollaps einiger Banken und der Zusammenbruch des Euro und wir sind in der Realität angelangt. Wahrscheinlich sind wir darauf genau so gut vorbereitet wie auf den Brexit.

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tas 20.07.2016, 16:48
9. Täter zu Opfern

Schreibt doch nur einen Artikel zu den von Panzer überfahrenen Zivilisten in der Türkei. Schreibt etwas zu den 47 Toten Polizisten die von einem Militärhubschrauber im Kugelhagel zerfetzt wurden. So etwas einseitiges kann es nicht geben. Jeder weiß was hinter dieser Kampagne steckt, aber bewahrt euch einen Schuss Glaubwürdigkeit.

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