Forum: Politik
Tunesien in der Krise: Aufstand der Enttäuschten
REUTERS

Tunesien gilt als Vorzeigeland des Arabischen Frühlings - doch der Mord an einem Oppositionspolitiker zeigt, dass die junge Demokratie bedroht ist. Islamisten versuchen, auch dort ein neues religiöses Regime zu etablieren, notfalls mit Gewalt.

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hediyasdi 09.02.2013, 15:24
40. oh man

Ich bin 15 und bin schockiert. Tunesien ist nicht mehr das Land was es mal war. Als ich 2008 dort ear , war es friedlich und alle waren freundlich. 2012 - für mich der reinste schock. Verdreckte Straßen unfreundliche Leute und schamlose Männer. Und jetzt werden Politiker am helligten Tag erschossen.
traurig.
ich hoffe es bessert sich alles.

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juttaweise 09.02.2013, 17:32
41.

Zitat von atech
Irrtum. Die Muslime, die die Regime in Tunesien und Ägypten stürzten, sind nicht diejenigen, die die Islamisten an die Macht gewählt haben. Die Muslime, die heute in Tunsesien und Ägypten demonstrieren sind diejenigen, die nach dem Regimesturz freiheitlich-liberale Demokratien wollten. weil die Mehrheit der Menschen in diesen Ländern ungebildet ist. Und ungebildete Menschen sind nunmal religiös und Obrigkeits-hörig. Aber die Islamisten werden es schon schaffen, auch die Mehrheit der Bürger ihres Landes davon zu überzeugen, dass ein Gottesstaat nicht der Himmel auf Erden ist... im Gegenteil...
Auf der Beerdigungsfeier gestern waren mehrere hunderttausend Menschen im ganzen Land auf den Straßen. Wenn man die Videos sieht, sieht man in Tunis ein Meer von Menschen und nur die tunesische Flagge. Heute wurde eine "Gegendemonstration" von der mehrheitlich islamischen Regierung organisiert, um zu beweisen, dass sie die Mehrheit repräsentieren, begleitet von Hasssprüchen und den schwarzen Flaggen der Salafisten. Es wurden Busse mit Leuten eingefahren, die dafür Geld bekamen. 3000 sollen es gewesen sein. Es gab keine Übergriffe von Huligans (wie gestern) und keine Polizeieinsätze mit Tränengas. Heute ist es in Tunesien so, dass auch die ärmere, ungebildetere Schicht gegen die Regierung sind, weil von ihren Versprechen nichts eingehalten wurde, im Gegenteil. Leider gibt es die Miliz der Ennadha-Partei, die die Menschen schikaniert und auch tätlich angreift, ohne mit Bestrafung rechnen zu müssen. Nebenher agieren Salafisten mit Gewalt und Übergriffen auf Heiligtümer und Denkmäler Tunesiens. Dieses gesamte Scenario wird finanziert von Saudi Arabien und Qatar. Destabilisierung und Wahabisierung des Landes steht auf deren Fahnen. Die Qataries sind die eigentlichen Verbrecher, denn sie finanzieren nicht nur die Rebellen in Syrien, Mali und Tunesien! Nein, sie haben auch den Wahlkampf Netanjahus mit 5Mil. Dollar finanziert. Dreckige doppelmoralische Politik!

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juttaweise 09.02.2013, 17:50
42.

Zitat von seine-et-marnais
Da sprach doch gerade der tunesische Präsident am 06.02 vor dem Parlament der EU, kurz nach dem Attentat. Der gute Mann ist immerhin ein Vertreter der Parteien die diese Situation zu verantworten haben. Und das EU-Parlament applaudierte. Folgendes aus dem Link ;"À la fin de ce discours historique, qu'il a conclu par « Que la paix soit avec vous ! », les députés de toutes tendances politiques confondues se sont levés et ont ovationné M. Marzouki. L’euro-député vert Daniel Cohn-Bendit, tout comme le chef de file des conservateurs Joseph Daul, étaient submergés par les larmes. « Cela a été un des moments les plus émouvants ici au Parlement depuis longtemps », a reconnu le président de l'institution, l'Allemand Martin Schulz. « J'ai rarement vu des collègues si durs et si forts normalement pleurer ensemble, de gauche à droite, donc c'était un moment exceptionnel », a-t-il déclaré, la voix nouée." Zusammengaefasst, Cohn-Bendit wurde von Tränen überwältigt, und Martin Schulz sprach mit erstickender Stimme von einem der bewegenstgen Augenblicke des Parlaments der EU seit langer Zeit. Ich wollte meinen Augen und Ohren nicht glauben als ich dies in den ARTE-Nachrichten sah. Der Redner repräsentiert immerhin eine Regierung, eine Partei, die Oppositionelle und Kritiker verfolgt.
Danke für Ihren Beitrag, den hatte ich noch nicht gelesen! M. Mazourki, President von Tunesien, ist mit vielen Vorschusslorbeeren angetreten, da er vor allem Direktor der intl. Menschenrechtsorganisation war und außerdem Professor der Medizin ist. Im Ausland hat er auch daher einen guten Ruf. In Tunesien dagegen steht er mitlerweile auf gleicher Stufe wie Ghanouchi, d.h. ganz unten. Denn er hat mehrmals führende Wahabiten, Salafisten und religiöse Scheichs, die öffentlich zum Mord an Oppositionellen aufrufen, in seinen Palast in Cathargo eingeladen! Und er bekennt sich auch nicht öffentlich gegen die Gewalt die von diesen Gruppen ausgeht.

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juttaweise 09.02.2013, 18:12
43.

Zitat von
widder58 Beitrag anzeigen Überall, wo Westen und Golfstaaten die Länder destabilisiert haben um ungeliebte Ex-Verbündete loszuwerden, ist das erwartete Chaos ausgebrochen. Für den Krieg im Irak und die Folgen mußte sich kein einziger westlicher Politiker verantworten- das macht internationale Gerichtshöfe zur Farce. In Tunesien spielt sich gleiches ab wie im von der NATO zerbombten Libyen oder Ägypten. Die vom Westen gewollte Destabilisierung fällt der ganzen Welt auf die Füße. Aber man wills offenbar, wie Syrien zeigt, immernoch nicht begreifen.
Zitat von mbockstette
Ihr Beitrag besteht aus unreflektierten Behauptungen und anti-westlicher Draufhau-Rhetorik. Sie ignorien nicht nur die wahren Gründe der Araberrebellion sondern verfälschen die Abläufe in infamer Art und Weise. Womöglich hat der Westen auch noch den Gemüsehändler Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid in Brand gesetzt, weil er Ex-Präsiden Ben Ali lso werden wollte. Sidi Bouzid hat sich nicht aus Wut oder Ärger über den Westen verbrand, sondern wegen der trostlosen Zustände und mangelden Perspektiven für sein weiteres Leben. Würden Sie in Tunis mit Ihren abgedroschenen und gelinde gesagt verlogenen Argumenten hausieren gehen , Sie würden von den Demonstranten in die Wüste geschickt werden und zwar mit Schimpf und Schande.
Der Forist widder58 hat Recht, auch wenn Sie es nicht so sehen(wollen). Seine Meinung ist auch in Tunesien angekommen. Denn die gehen sogar soweit, dass sie annehmen, dass der Westen, allen voran die USA und UK, diese Destabilisierung wollen. Die Hauptschuldigen an der Gewalt und Nichtbeachtung der intl. Rechte, sind allerdings die Saudis und Qatar. Sie unterstützen die islamische Regierung finanziell und schicken ungeniert ihre religiösen Scheichs, die dann in den Schulen, Unis und Kindergärten ihre fundamentalistische Sichtweise den Leuten eintrichtern. Bei der ärmeren Bevölkerung im Süden geht es soweit, dass sie den Leuten Geld geben, damit sie ihre kleinen Mädchen vom Kleinkind an vom Kopf bis Fuß verschleiern. Die Mehrheit der Tunesier stemmt sich gegen diese Eindringlinge und deren Hasstiraden. Allerdings wollen sie natürlich mit aller Macht einen Bürgerkrieg vermeiden. (viele Tunesier glauben, die Ermordung des Oppositionellen Belaid wurde ausgeführt, um sie in Rage zu bringen und sich zur Gewalt hinreißen lassen). Die Beerdigungsfeier gestern war ein vorbildliches Beispiel dafür, wie Hunderttausende friedvoll einem Ermordeten das letzte Geleit geben.

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juttaweise 09.02.2013, 18:44
44.

Zitat von jjh76
Machen wir uns nichts vor: Die "ancien regimes" von Tunis bis Kairo sind nicht gefallen, weil es dort plötzlich eine flächendeckende "geistig-moralische Wende" gab. Sie fielen, weil der innere Druck durch massive soziale und ökonomische Probleme zu groß geworden war. Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit und gallopierendes Bevölkerungswachstum beim völligen Fehlen von Ressourcen und tragfähigen politischen Konzepten. Meinetwegen hat der Westen hie und da, je nach Interessenlage nachgeholfen, aber ohne endogenen Überdruck wäre da nichts gegangen. Nun, die Diktatoren sind weg, die Probleme sind immer noch da. Jetzt beginnen die Leute dort zu begreifen, dass diese Probleme nur sehr, sehr schwierig zu lösen sind und schon gar nicht von rückwärtsgewandten Steinzeitklerikern. Sie haben Wunder von der Revolution erwartet und wie bei jeder Revolution sind diese Wunder ausgeblieben. Aber es ist dem Menschen offenbar inhärent, dass er diese Erkenntnis auf dem rauhen Weg lernen muss - die Verlockungen der Heilsversprecher sind einfach zu groß. Der positive Nebeneffekt könnte sein, dass die religiösen Ultras als das entlarvt werden was sie sind - als Schwätzer, die auf kein weltliches Problem eine konstruktive Antwort haben. Wenn die arabische Welt das versteht, wird bei ihr flächendeckend das beginnen, was das "christliche" Abendland schon vor 300 Jahren durchgemacht hat - die Emanzipation des Geistes von der Religion, die Aufklärung. Das hat auch bei uns Blut gekostet. Der Gewinn für sie, für uns, für die gesamte Menschheit wäre enorm - mehr als man mit jeder Kriegsmaschinerie erreichen könnte.
Sehr treffende Analyse. Nur was können die Sekulären Kräfte tun gegen eine Geldmaschine aus dem Golf, die ihre Ideologie exportieren will? Ist Bürgerkrieg das Einzige was bleibt?

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juttaweise 09.02.2013, 19:11
45.

Zitat von jjh76
Der positive Nebeneffekt könnte sein, dass die religiösen Ultras als das entlarvt werden was sie sind - als Schwätzer, die auf kein weltliches Problem eine konstruktive Antwort haben. Wenn die arabische Welt das versteht, wird bei ihr flächendeckend das beginnen, was das "christliche" Abendland schon vor 300 Jahren durchgemacht hat - die Emanzipation des Geistes von der Religion, die Aufklärung. Das hat auch bei uns Blut gekostet.
Kleiner Nachtrag: Bei der Aufklärung haben natürlich die Wissenschaften und verbreiteter Bildung im Wesentlichen mit beigetragen, da sie für mehr Menschen zugänglicher wurden. Das steht den arabischen Ländern ja heute alles zur Verfügung. Wer oder was könnte ihnen zur Aufklärung helfen? Oder wie emanzipiert man den Geist vom Glauben? Viele aufgeklärte Tunesier sind jedenfalls heute schon davon überzeugt, dass man Staat und Religion trennen sollte.

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Worldwatch 20.02.2013, 07:46
46.

Zitat von fatherted98
...wird von den Islamisten uebernommen werden...ueber kurz oder lang. Die Mehrheitsverhaeltnisse in diesen Laendern ist eben so....die Opposition wird unterdrueckt oder vertrieben werden...und das blutig. Ueber kurz oder lang wird es hunderttausende Opfer geben....und der Islamismus macht vor dem Mittelmeer nicht halt....
"Die Mehrheitsverhaeltnisse" in diesen Laendern wohl eher nicht so.
Aber, wie Sie richtig schrieben, werden dort Islam(_"ismus")diktaturen mittels -auch aus "Bruderstaaten" beborgter- Extremistengewalt stets durchgedrueckt.
Und ja, es wird, wieder einmal, und wie all zu oft in der Weltgeschichte, ein blutiger Ideologiekrieg. Und, ich fuerchte auch, mit Ihrem letzten Satz werden sie, insb. wegen der Gefahrenignoranzen der sog. "EU" und dessen Zwangsmitglieder, leider recht behalten.
Insb. wenn man bedenkt, welche Gefahren schon jetzt da sind, und sich teils schon realisiert haben, und wo, teils, nur gluecklichste Umstaende viele Opfer in Europa, wie auch neuerlich in D., verhindert werden konnten.
Der radikal-extremistische Islam(_"ismus") ist bereits angekommen in Europa, wie auch in D..
Inklusive mittels politisch-administrativer Blindheiten, die auch noch mittels sog. "Begruessungskultur"-und "Konferenz"-Selbstbetrug, ohne eigene Interessen auch nur zu artiklieren oder gar einzufordern, abgesegnet werden.

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Worldwatch 20.02.2013, 08:01
47.

Zitat von seine-et-marnais
... Ich wollte meinen Augen und Ohren nicht glauben als ich dies in den ARTE-Nachrichten sah. Der Redner repräsentiert immerhin eine Regierung, eine Partei, die Oppositionelle und Kritiker verfolgt.
Danke fuer den Hinweis!
Nun, ganz die Stilbluete der sog. "EU", die es von den Europaeern politisch, und durch freie Wahlen, wie hoffentlich Referenden, zu beseitigen gilt!
Die "EU": Unterstuetzer der Unfreiheit, der Antidemokratie und Feind der Intressen der europaeischen Buerger.

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