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TV-Beichte eines chinesischen Journalisten: "Ich gebe mein Verbrechen bereitwillig zu
REUTERS/ CCTV

Sein Kopf war kahlrasiert, seine Hände gefesselt: Ein inhaftierter Journalist hat im chinesischen Staatsfernsehen eingeräumt, falsche Informationen über das zweitgrößte Bauunternehmen des Landes verbreitet zu haben. War das Geständnis erzwungen? Der Fall hatte für große Aufregung gesorgt.

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rotkaeppchen_online 26.10.2013, 12:57
1. Pressefreiheit

Zitat von sysop
Ein inhaftierter Journalist hat im chinesischen Staatsfernsehen eingeräumt, falsche Informationen über das zweitgrößte Bauunternehmen des Landes verbreitet zu haben.
Ich empfinde es durchaus bedauerlich, dass der Anteil falscher Meldungen auch in deutschen Medien überwiegt.

Würden Journalisten den Konjunktiv bei eigenen Vermutungen oder dünner Beweislage nutzen, wie z.B. der Aussage gut unterrichteter Kreise, die in der Regel der Schwippschwager des Hausmeisters sind, wäre jedem die Situation klar.

Bei eindeutigen Falschmeldungen halte ich den Entzug des Presseaufweises als mögliche Strafe für angemessen. Das ist keine Zensur und nur ein passiver Eingriff in die Pressefreiheit, um das Verbreiten von offensichtlichen Falschmeldungen zu beschränken.

Die Macht der Medien wird bei uns im Land zu groß. Es gibt kaum Kontrolle darüber, was berichtet wird und schlimmer, worüber nicht. Denn z.B. welcher Politiker regelmäßig in der Nachrichten sein Gesicht zeigen darf und wer regelmäßig in den Kakao gezogen wird entscheidet einzig und alleine eine kleine Minderheit. Und deren Macht zur Beeinflussung steigt stetig. Es ist übliche Praxis, dass sich Politiker Sendezeit erkaufen. Dafür gibt es genügend Beispiele.

Die Sender von Herrn Berlusconi verstecken sich z.B. hinter der Pressefreiheit. Und was die Bildzeitung mit dem einen oder anderen Politiker veranstaltet, hat mit Pressefreiheit wenig zu tun.

Ein Umdecken hin zu einer besseren Pressekultur, wie ich sie z.B. vom Spiegel der sechziger Jahre kenne, wäre wünschswert.

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stasilaus 26.10.2013, 13:28
2. Gelogen wie gedruckt

Zitat von sysop
Sein Kopf war kahlrasiert, (...)
Ich habe mich in den letzten Jahren schon gewundert, warum viele deutsche Journalisten ihre Haare so kurzgeschoren tragen. Es scheint da eine interne Regelung in den Arbeitsverträgen zu geben......

Ausserdem, alte Fahrensmänner gehen davon aus, dass in den Zeitungen zumeist nicht die tatsächlichen Geschehnisse stehen. Entweder aufgebrezelt oder abgeturnt, je nach Tendenz. Und ab und zu gefälscht im Gefallen (oder auf Anordnung) für den Grossen Bruder.

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brrrp 26.10.2013, 13:30
3. optional

@rotkaeppchen_online: WÄRE es nicht auch möglich, dass dieses Geständniss erzwungen wurde ? Zumal die Quelle das chinesische Staatsfernsehen ist...
Ich bin ganz im Gegenteil der Meinung, dass ZUVIEL Kontrolle darüber stattfindet was in den Medien berichtet wird! - nicht nur in China... ;-)

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Demokrator2007 26.10.2013, 13:40
4. Journalismus im Spiegel der Zeit

Zitat von rotkaeppchen_online
Ich empfinde es durchaus bedauerlich, dass der Anteil falscher Meldungen auch in deutschen Medien überwiegt. ... Ein Umdecken hin zu einer besseren Pressekultur, wie ich sie z.B. vom Spiegel der sechziger Jahre kenne, wäre wünschswert.
Ich will ihrem Vorwurf nicht komplett widersprechen, aber das es sich bei deutscher Medienberichtertattung ÜBERWIEGEND um Falschmeldungen handelt finde ich ziemlich gewagt.

Allerdings gibt es einen starken Trend zum unter- oder übertreiben bei der Berichterstattung. Dies ist sicherlich der Privatisierungskultur von Medien geschuldet. Einen besonderen Touch hat das Ganze zusätzlich durch das Internet bekommen, weil seit dem Hype des WWW jeder meint Journalist zu sein und dies auf möglichst dramatische Art und Weise kund tun will, meistens durch irgendwelche Blogs.

Darunter leidet die Qualität des echten Journalismus, weil es inzw. immer mehr darum geht, die Nachricht möglichst schnell zu verbreiten. Da ist ordentliche Recherche oft nicht möglich.

Was das Thema betrifft, halte ich chinesischen Staatsjournalismus für unglaubwürdige Propaganda.

Sowas wie die Snowden-Enthüllungen halte ich in China aber auch Rußland für ziemlich unwahrscheinlich.

Ciao
DerDemokrator

P.S. Ich halte meine Kommentare für kritische Meinungsäußerungen, oft nochmals auf Glaubwürdigkeit überprüft, sofern Fakten eine Rolle spielen.

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Palmstroem 26.10.2013, 13:40
5. Wer kontrolliert die Wächter

Zitat von sysop
Sein Kopf war kahlrasiert, seine Hände gefesselt: Ein inhaftierter Journalist hat im chinesischen Staatsfernsehen eingeräumt, falsche Informationen über das zweitgrößte Bauunternehmen des Landes verbreitet zu haben. War das Geständnis erzwungen? Der Fall hatte für große Aufregung gesorgt.
Wenn man bedenkt, welche Lügen die Medien etwa über Christian und Bettina Wulff verbreitet haben, bleibt die Frage - wer kontrolliert die Wächter.
In den angelsächsischen Ländern gibt es dafür Entschädigungen in Millionenhöhe - bei uns mal 50 Tausend, Peanuts, die niemand jucken.

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alexsgb 26.10.2013, 13:42
6. traurig

Es ist traurig in unserem Land so einen kommentar zu lesen. Die Pressefreiheit ist unantastbar. Und das soll sie auch bleiben. Werden Falschmeldungen über wen und was auch immer verbreitet, haben wir das Instrument der Gegendarstellung und im Ernstfall die Möglichkeit eine Verleumdungsklage anzustreben. Wenn so viele Meldungen der Presse falsch währen, würden Bild wie Spiegel wie Focus voll davon. Sind sie es? Ich glaube nein. Also liegt die Vermutung nahe, das die Berichterstattung der deutschen Presse soweit in stimmt. Ob alle Berichte die man so liest geschmacklich einwandfrei und frei von nonsens sind sei dahingestellt. Aber das sind persönliche Noten, die jeder Leser für sich und vor seinem Gewissen verantworten muss. Egal ob direkt oder indirekt. Ein Eingriff in die Presse ist ein Eingriff in die Freiheit aller. Nicht nur in die Freiheit der bösen Nachrichtenagenturen die Sie hier ganz offen und indirekt der Volksverhetzung bezichtigen. Das sind Nazi- Methoden. Oder Stasi von mir aus. Armer geist.

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uweborn 26.10.2013, 13:54
7. Wenn Macht missbraucht wird

um kritischen Journalismus zu unterdrücken, egal in welchem Land, ist das eine Riesenschweinerei! Allerdings muss man dafür nicht erst nach China schauen. In Deutschland machten kritische Journalisten unwissend Bekanntschaft mit illegalen Aktivitäten des Verfassungsschutzes. In GB wurden kritische Journalisten von Regierungsseite als Terrorhelfer bezichtigt. Man braucht nicht viel Vorstellungskraft um zu wissen, wohin die Reise geht.

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dunnhaupt 26.10.2013, 13:59
8. Die Presse ist sensationslüstern

Es liegt in der Natur der Medien, nur das Interessante zu berichten. Niemand kauft eine Zeitung, die berichtet, dass die meisten Menschen zufrieden ihrem Beruf nachgehen, die Rosen im Garten gießen, oder abends gemütlich im Wirtshaus sitzen.

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Fridolin_Forenfleiß 26.10.2013, 14:13
9. "War das Geständnis erzwungen?"

Zitat von sysop
Sein Kopf war kahlrasiert, seine Hände gefesselt: Ein inhaftierter Journalist hat im chinesischen Staatsfernsehen eingeräumt, falsche Informationen über das zweitgrößte Bauunternehmen des Landes verbreitet zu haben. War das Geständnis erzwungen? Der Fall hatte für große Aufregung gesorgt.
Das klingt selbst als rethorische Frage dumm. In ehemaligen kommunistischen Staaten, die sich jetzt zu pseudodemokratischen Raubtierkapitalismen entwickelt haben, scheint es immer noch ein völlig falsches Verständnis von Rechtsstaatlichkeit zu geben. Die Justiz in China und Russland ist nicht dazu da, Bürgern zu ihrem Recht zu verhelfen, sondern nach wie vor Instrument politischer Steuerung und Unterdrückung. Eine echte Gewaltenteilung gibt es nicht. Insofern kann man kein Wort solcher "Geständnisse" glauben. Selbst wenn sie stimmen würden. Sie kommen praktisch nie aus freien Stücken zustande und meist auch nicht gewaltfrei.

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