Forum: Politik
Ukraine: Krieg aus Versehen
AFP

In Europa geht die Kriegsangst um: Zwar werden weder Russland noch die Nato absichtlich einen Waffengang starten. Aber die Gefahr eines Feldzugs aus Versehen wächst. Der Westen sollte sich aus diesem Konflikt zurückziehen. Die Ukraine ist das Risiko nicht wert.

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fleurdesel 28.04.2014, 16:00
340. Das ist so wahr!

Augstein, vielen Dank für diese Kolumne. Sie sollte auch unseren Politikern die Augen öffnen. Ich fürchte jedoch, dass Europa von den Amerikanern angetrieben wird, die Krise zu verschärfen.

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undog 28.04.2014, 16:00
341. "Jeder Mensch und Jede Nation hat die selben Rechte."

Zitat von citizenkane
ob es die Ukraine wert ist oder nicht. Wie soll man denn sowas überhaupt ermittel können. Sind die Menschen der Ukraine mehr/weniger wert als die Polens oder einer anderen Nation. Auf was für Grundlagen oder Kriterien soll man sich beziehen. Das ist eine Frage die nicht beantwortet werden kann. Jeder Mensch und Jede Nation hat die selben Rechte.
Keineswegs; denn Rechte sind ohne Rechtegeber nichts wert. Wir haben erheblich mehr Rechte als die ukrainischen und russischen Bürger, weil unserer Rechtegeber = Staat diese garantiert - und das haben wir mit viel eigenem Blut erkämpfen müssen, was wir anderen Völkern nicht abnehmen können. Der Weg zur Demokratie muss durchlitten werden, weil sich nur dadurch das demokratische Bewußtsein in der gesamten Bevölkerung verfestigt.

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ultimojudex 28.04.2014, 16:01
342.

Endlich ein Bericht der mir zu 98% aus den Herzen spricht. Die NATO hat sich in den letzten Jahren selber bis es weh tut abgerüstet, Russland ist in vielerlei Hinsicht flexibler. Man sollte sich davor Hüten die Russen fehl einzuschätzen.

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vox veritas 28.04.2014, 16:01
343.

Zitat von matijas
Die Chinesen konnten, wie 1989 geschehen, sogar mehr als 2000 (!) demokratisch gesinnte Demonstranten mit Panzern niedermachen. Waren Sie da auch für sofortige Sanktionen bzw. militärisches Eingreifen?
Die Chinesen wären aber nicht nach Osteuropa marschiert, oder?

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Tostan 28.04.2014, 16:01
344.

Zitat von Spiegelkritikus
Augstein liegt diesmal gründlich daneben. Erstens wird heutzutage kein grosser Krieg "aus Versehen" ausgelöst. Auch die beiden Weltkriege brachen nicht einfach aus, sondern wurden von bestimmten Gruppen initiiert, darunter allemal das Kapital.
Ach ja? die haben einfach mal so gesagt "da machen wir halt eine Weltkieg und Bomben alles zusammen, macht ja Spaß und wir verdienen und dumm und dämlich, zuerst an den Waffen und dann am Wiederaufbau?" Selbst die Nazis wollten keinen Weltkrieg in der Größenordnung(Hitler wollte kein Krieg mit England, geschweige denn mit Amerika). Die Amerikaner wollten noch weniger mitmachen. Erst Perl Harbor und Paukenschlag haben sie dann überzeugt ... Ach nee, Perl Harbor war ja eine Verschwörung des Kapitals.... Paukenschlag sicher auch. Diese kapitalistischen Frachter haben sich gemeinerweise selbst versenkt um den USA den Vorwand zu liefern, aktiv in den Europäischen Krieg einzugreifen.

der Krieg wurde erst zum Weltkrieg, nachdem Frankreich und Großbritannien nach dem Überfall auf Polen "den Bündnissfall ausgerufen haben". Und ob es diesen Überfall auf Polen gegeben hätte, wenn eben diese Alliierten nicht bei Tschechien so passiv geblieben wären?
Zitat von Spiegelkritikus
Zweitens muss jeder, der die Vorgeschichte des Ukrainekonflikts kennt bzw. zur Kenntnis nimmt, zum Schluss kommen dass die eigentlichen Eskalateure im Westen, genauer: den USA, sitzen. Die Ukraine wurde mit viel Aufwand und Geld systematisch so weit destabilisiert, dass Russland schliesslich zur Verteidigung seiner Interessen bzw. zum Eingreifen gezwungen war.
Natürlich. sicher. Russland hat ja auch absolut beschwichtigend auf die Ukraine eingewirkt. Da ist weder Geld geflossen noch gab es verzerrende Propaganda im (auch in der Ukraine ausgestrahlten) russischen Radio und Fernsehen. Die einzigen Agressoren sitzen natürlich in den USA. klar. Russland ist der pazifistische Gute.

In meinen Augen sind die USA in dieser Krise der kriegstreibende böse Teufel. Wähnend Russland der unschuldige pazifistische gute Beelzebub ist. Die beiden sind absolut nicht zu vergleichen.

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spaiche 28.04.2014, 16:02
345. danke herr augstein

vielen dank für ihren beitrag. zum frieden

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grafkoks2002 28.04.2014, 16:02
346. Magenverstimmung

Das Problem ist, dass Russland der Osten der Ukraine längst entglitten ist. Der Ball liegt nun in Moskau - öffentlich auf den Tisch zu hauen und die Spacken zur Räson zu rufen. Ein Blick in die Geschichtsbücher lässt zumindest den Schluss zu, dass die Russen (Putin) gerade gar nicht so glücklich über die Situation sind. Wenn Sowjets/Russen nach 1914 einen Vertrag mit einem Gegner unterzeichnet haben, haben sie den eingehalten. Man kann über die Sowjets sagen, was man will, man kann über die Russen sagen, was man will: Wenn Tinte unter einem Abkommen klebt, dann galt der in den letzten 100 Jahren immer.

Nachdem Russland dem Einsatz von OSZE-Kontrolleuren zugestimmt und das so - sinngemäß - unterschrieben hat, hätte man sich auf ihr Wort verlassen können, denn die Geschichte spricht hier für die Russen. Nun aber ist genau ein solches Abkommen gebrochen worden.

Die Krim (als strategisch wichtiger Flugzeugträger), das war ein Coup, auf den Punkt geplant, durchgezogen, fertig. Interessant ist ja, wie schnell man etwa von Moskau aus auf die Bedenken der Tartaren reagiert hat, wie man Ukrainern Sicherheitszugeständnisse gemacht hat (inklusive dem Behalten der Staatsbürgerschaft), wie Gelder freigegeben wurden, damit es ja nicht zu Engpässen kommt und plötzlich ein Murren unter den Unzufriedenen entsteht.

Im Osten der Ukraine: Eskalation. Für was? Strategisch hat die östliche Ukraine keinen Wert für Russland. Landgewinn? Pffff... Donezk, okay, da gibt es eine halbwegs funktionierende Stahlindustrie. Aber ansonsten bietet der Teil der Ukraine eine prächtig blühende Korruption und einen enormen Braindrain der studierten Eliten. Korruption haben die Russen im eigenen Land schon genug und Braindrain ebenfalls. Landwirtschaftlich ist das Gebiet nicht so interessant wie der westliche Teil.

Geht es um Nationalismus? Den Russen in Russland das Gefühl zu geben, die größten Muckibudenswinger der Welt zu sein. Russland, die Orthodoxie, das Sein in der Größe? Klar kann das ein Grund sein, denn wirtschaftlich betrachtet ist Russland ein Zwerg. Man hat Gas. Glückwunsch. Man hat Waffen. Immerhin. Aber der Rest? Klar ist Russland ein Markt, bricht der aber weg (Sanktionen), wird kaum ein westliches Unternehmen in eine ernste Schieflage geraten.

Um die Geschichte mit dem Schulhofschläger aufzunehmen: Im Fall der Krim hat Putin ein Pausenbrot geklaut und allen anderen den Mittelfinger gezeigt, herzhaft ins Brot gebissen und die Mett-Zwiebel-Kombination auf herzhaftem Paderborner Landbrot genossen.

Doch der Osten der Ukraine ist leider ein Mettbütterchen, das zwei Tage im Schulranzen lag.

Nun hat Putin ein Problem: Spukt er es aus, lachen die anderen auf dem Schulhof. Er muss es runterschlucken.

Augstein hat nicht Recht, wenn er sagt, man soll die Ukraine aufgeben. Das wäre ein fatales Signal an die Menschen, die einfach nur ihre Ruhe haben wollen - und das ist die Mehrheit. Der Westen muss nun einfach Ruhe bewahren. Viel Ruhe. Zurzeit deutet auf jeden Fall mehr darauf hin, dass sich die Russen an der Ukraine eine fette Magenverstimmung holen als der Westen.

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kim.remspecher 28.04.2014, 16:02
347.

genauso denke ich schon seit Tagen.
zurückziehen und raushalten. Es gibt hier weder die "bösen" Russen noch den "guten" Westen. Es gibt eine multiethnische Ukraine, die es genau wie das ehemalige Jugoslawien bisher nicht geschafft hat seine Inneren Konflikte friedlich aufzuarbeiten. Jetzt kommt es zum Knall, den sowohl die Russen als auch die Amis aus strategischen und wirtschaftlichen Interessen für sich entscheiden wollen.
Der Umsturz vom Maidan war berechtigt und verständlich. Die Folgen aber zu fragwürdig.
Also: Raushalten!

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konservativ24 28.04.2014, 16:02
348. So ist es...

...und in Kiew wird ehedem nur ein Oligarch durch den nächsten ausgetauscht. Sicherlich haben westliche Geheimdienste und Think Thanks die Entwicklung angestoßen und Putin spielt eben nicht mit. Würden die USA in Kuba oder den USA auch nicht machen und dort leben nicht einmal US Amerikaner. Die Ostukrainer sollten abstimmen, ob sie bei der Ukraine bleiben wollen. Aber die Westukraine sollte nicht per Eigendynamik in EU und Nato. Hochkoruppt und pleite - die CIA macht nen`` Putsch und wir zahlen - nein danke.

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B.Buchholz 28.04.2014, 16:06
349.

Großartiger Ansatz! Das wird Putin künftig bescheidener machen. Schließlich hat ja auch nicht das für den Westen finanziell verkraftbarere Wettrüsten den Warschauer Pakt in die Knie gezwungen, sondern der vereinigte Rückzug. Und die osteuropäischen Länder werden eine solche Haltung des Westens natürlich auch mit Freuden zur Kenntnis nehmen. Aber die sind ja wahrscheinlich alle eh das Risiko nicht wert...

Mal ehrlich: Man kann es ja gut meinen und "Hardliner" doof finden, aber weder die Nazis sind von alleine verschwunden, noch das Sowjetreich aus Selbsteinsicht, und auch die deutsche Einheit wäre bis heute nur ein Traum, wenn es nach manchen Leuten geht, für die "der Westen" ein Dauerfeindbild ist...

Die USA haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das 1000jährige Nazireich nicht älter als 12 wurde und wir hier in einer Demokratie leben. Zudem dafür, dass wir danach schlicht nicht einfach verhungert sind. Vom Wohlstand durch Westbindung ganz zu schweigen. Danach dann fast alleine als Nuklearmacht dafür, dass der kalte Krieg nicht heiß wurde und die Grenzen so blieben, wie sie waren. Danach dann dafür, dass die Sowjetunion zerfiel, Deutschland wiedervereinigt werden konnte und sich viele Staaten ihre Zukunft selbst gestalten konnten. Und überall hört man jetzt unentwegt Putinversteher und irgendwas von geheimen US-Verschwörungen, die quasi nur durchgezogen werden, um Europa und Deutschland zu schaden. Da würd ich mich als Ami nach allem echt herzlich bedanken. Wir wissen und können ja alles selber besser (woran wir auch gerne Israel ständig erinnern), denn wir können ja Appeasement und Ostermärsche - und was bitte sonst ändert realpolitisch die Welt, so dass man sich darauf verlassen kann?

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