Forum: Politik
Umbrüche in Europa: Es ist vorbei, bye-bye!

Frankfurt macht Minus-Zins-Politik, und London denkt über den Austritt aus der EU nach. Das zeigt: Der angelsächsische Kapitalismus ist nicht zu retten. Europa braucht weniger Markt und mehr Brüssel.

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zolko 06.06.2014, 12:31
370. Junckers als Revolution ?

In einem Artikel zu schreiben daß die Promotion zu Europachef des ex-Premierminsiter des Steuerhinterziehlandes Luxemburgs, der 17 Jahre im Amt war und in 2013 wegen Korruption gehen musste, und er seit Jahren Präsident des €uroraumes ist und damit die ganze €urokrise zugeschaut hat, jetzt das Ende des Kapitalismus sei und der Beginn einer Bürgerrevolution finde ich schon ein bischen naïv.

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pepe_sargnagel 06.06.2014, 12:35
371.

Zitat von Einfacher Bürger
Die Marktwirtschaft ist überhaupt nicht am Ende. Sie braucht vielleicht nur bessere Regeln.
Am Ende sind es genau diese Fragen, die man heute glücklicherweise noch stellen darf, aber völlig für Propaganda missbraucht werden.

Sie stellen meiner Mienung nach die Frage, ob es zwischen schwarz und weiß noch ein buntes Farbenspektrum gibt. Und das völlig zu Recht! Nur werden in öffentlichen Debatten nicht die "Bunten" gehört, sondern die verbohrtesten Personen im schwarzen bzw. weißen Farbtopf. Völlig bescheuert, aber leider mediale und öffentliche Normalität.

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robien 06.06.2014, 12:35
372. Augstein ist etwas voreilig ...

Zitat von sysop
Frankfurt macht Minus-Zins-Politik, und London denkt über den Austritt aus der EU nach. Das zeigt: Der angelsächsische Kapitalismus ist nicht zu retten. Europa braucht weniger Markt und mehr Brüssel.
Tja, der Kapitalismus siegt sich zu Tode, die aktuellen Ereignisse (Draghis Vollbremsung + Dax > 10.000) lassen daran keine Zweifel. Und womit sich die City beschäftigen will, wenn sie nach Großbritanniens EU-Austritt nicht mehr halb Europa mit ihren zweifelhaften Finanzkreationen überschwemmen kann, wird für Aussenstehende noch ein amüsantes Schauspiel bieten. Sich gegenseitig Derivate zu verkaufen, scheint mir jedenfalls ein nicht sonderlich erfolgsversprechendes Geschäftsmodell, genauso wie wir uns in Deutschland auch nicht gegenseitig die Haare schneiden können. Es kommt eben doch auf einen gesunden (und lokalen) Branchenmix an.

Aus dem begrüßenswerten Scheitern der Thatcher-Doktrin jedoch einen Erfolg der EU-Ministerialbürokratrie zu prophezeien, erscheint mir Vorschnell. Demagogen aller Orten zeigen sehr erfolgreich auf genehme Täter gegenwärtiger Krisen. Und es erscheint leider nicht ausgeschlossen, dass sie sich damit durchsetzen. Das Projekt Europa wäre damit für die nächsten Jahrzehnte gestorben.

Auch vor einer überbordenden Bürokratie graut mir. Die Vorstellung, dass in Amtstuben ein besseres Leben für uns alle geplant werden kann, ist absurd.

Allerrdings kann man an diesem Kapitalismus auch nur verzweifeln. Es muss einen besseren und faireren Kapitalismus geben, als es derzeit der Fall ist und dafür wird Brüssel in der Tat zwingend benötigt. Mit exessiven Börsen- und Unternehmengewinnen und ebensolchen Manager-Bonuszahlungen, denen alles, alles, alles untergeordnet ist, muss endlich Schluss sein. Diese maßlose Gier wirkt zerstörerisch, nicht zuletzt auch auf das Großkapital selbst. Leider erweist sich eben dieses Großkapital aber immer wieder aufs neue völlig merkbefreit und absolut unfähig zur Selbstsregulatuion.

Diesem Komplettversagen kann leider nur mit ordungspolitischen Eingriffen auf möglichst hoher Ebene begegnet werden. Ideal wären weltweite Regelungen, die aber mit den BRIC-Staaten, den USA und wohl auch Großbritannien vorerst nicht nicht zu machen sind. Gut, dann eben Europa. Aber dann muss es auch endlich gemacht werden!!! Ich weiß nicht, wie viel milionenfach diese Forderung schon erhoben wurde, sie muss endlich umgesetzt werden, sonst droht doch noch die Planwirtschaft, ersatzweise das Auseinanderfallen jeglicher Ordnung.

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n.r.g.mecklenburg 06.06.2014, 12:40
373. lutzhunger

Wer nachdenkt und aus der gesamten Geschichte Schlussfolgerungen zieht, der weiss, dass die nächsten Ismen Dezentralismus und Regionalismus heissen werden. Begründet durch immer kürzerer Kommunikationswege und durch Überbevölkerung bedingte, eingeschränkte Mobilität ( Staus etc.). Je kleiner ein System, desto stabiler ist es. Der in der Wirtschaft lange Zeit propagierte Gedanke, dass Konzentration und Synergien dass Allheilmittel sind stimmt, wurde nur falsch interpretiert.

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libertine^10 06.06.2014, 12:42
374. Missverständnis

Zitat von andreasoberholz
Ja da sind sie aber doch ganz nah bei Augstein. Gewinne privatisieren. Verluste sozialisieren. Mit Marktwirtschaft hat das wenig zu tun. Wäre der Markt der Übergott dann hätten wir 2007/08 alle Banken ihrem Schicksal überlassen müssen. Haben wir aber nicht….. und das war meiner Ansicht nach der größte Fehler den wir machen konnten. Wer aus eigener Kraft nicht überleben kann hat am Markt nichts mehr verloren. Das ist doch das Credo der Hardcore Kapitalisten. Gilt allerdings nicht wenn sie selbst betroffen sind.

Sie haben mich da missverstanden. Ich prangere genau wie sie an, dass die Euro-/Bankenrettung mit Marktwirtschaft eben nichts zu tun hat genauso wenig wie die makroökonomische. Steuerung durch die Notenbanken.

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anselmget 06.06.2014, 12:48
375. Alles vorbei, Herr Augstein?

Der Kapitalismus, so wie wir ihn kennen ist also am Ende. Nach einer solchen, doch recht happigen Aussage wäre es interessant gewesen zu erfahren, was denn nun kommt. Hier wird aber nur noch kurz von Institutionen und Gesetzen geredet, von den doofen Briten und heldenhaften Protagonisten der französischen Revolution. Wie ein andere Forist schon forderte: Butter bei die Fische, Herr Augstein, wie wird/soll es denn werden?

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Hamada 06.06.2014, 12:51
376. Gute Analyse

Nur warum haben Sie die konservative USA ausgespart, die auch nicht den Kapitalismus lassen kann?
Es ist schon komisch, als Reformen noch möglich waren hat man sie nicht gemacht. Jetzt werden schmerzhafte Revolutionen auf uns zu kommen. Ich denke die Ukraine Krise gehört auch zu diesem Umbruchszenarium.

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zipfel 06.06.2014, 12:53
377. Ach, ist er wieder mal tot?

Wie manche Kolumne ihn bisher wohl schon sterben liess... Da hat wohl keiner mehr den Ueberblick. In Asien lebend sei mir hier gestattet, folgendes einzuwerfen: Er lebt und ist bester Gesundheit. Er schafft Wachstum, Wohlstand und laesst die Armut zusehends schrumpfen. Wo Bruessel liegt interessiert hier so wenig, wie Zusammensetzung oder Funktion eines Europaparlaments. Hier schuettelt man nur den Kopf ueber einen Kontinent, der sich selber ein Grab schaufelt. Was Marktwirtschaft oder Kapitalismus sind, hat man in Europa doch laengst verlernt. Und egal wieviele tote Philosophen zitiert werden; es ist Europa das zerfaellt, nicht der Kapitalismus.

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Spiegelkritikus 06.06.2014, 13:19
378. Europa braucht weniger Brüssel bzw. Intervention zugunsten des Kapitals

Zitat von sysop
...... Europa braucht weniger Markt und mehr Brüssel.
Diese Aussage Augsteins ist dann korrekt, wenn man sie nicht als Postulat, sondern als Tatsachenbeschreibung versteht. Da diese EU massgeblich vom internationalen Grosskapital dominiert wird, kommt der anhängigen Politik zuvörderst die Aufgabe zu, den Bestand und die Reproduktionsbedingungen des Kapitals zu sichern. Nichts anderes stellt die Krisen- bzw. Europolitik der letzten Jahre dar und die Regierung Merkel agiert diesbezüglich "mustergültig". Auch die EU-Erweiterungspolitik und das Ausgreifen der Nato folgt(e) ökonomischen und geostrategischen Imperativen, bei denen die vom Grosskapital beherrschte US-Politik kräftig mitmischte und wie derzeit bei der Angliederung der Ukraine weiter mitmischt.

Betrachtet man die Entwicklung des Kapitalismus, so lassen sich zwei wesentliche Entwicklungen unterscheiden. Die erste betrifft das Zunehmen staatlichen bzw. politischer Intervention zugunsten der Arbeiterschaft, die die allmähliche Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen (einschliesslich Sozialversicherung) und damit gleichzeitig die Sicherung der Reproduktionsbedingungen kapitalistisch organisierter Gesellschaften zum Ziel hatte. Die Ware Arbeitskraft muss erhalten und so weit entlohnt werden, dass sie auch die produzierten Waren erwerben können, ansonsten bricht das Wirtschaftssystem zusammen, wenn nicht durch Export ausgewichen werden kann. Könnte die heutige deutsche Industrie nicht so viel exportieren, hätte diese Gesellschaft angesichts der schwachen Massenkaufkraft ein Riesenproblem.

Die Zweite Entwicklung betrifft die immer engere Kooperation von (Finanz-) Kapital und Politik mit zunehmenden Interventionen der letzteren zugunsten des ersteren. Die Reproduktionsbedingungen des Kapitals verschärfen sich angesichts weltweiter Konkurrenz immer mehr und die westlichen Gesellschaften sind schon seit geraumer Zeit mit einer ausgeprägten Überproduktionskrise konfrontiert. In der Eurozone kann lediglich Deutschland aufgrund seiner gefragten Exportprodukte und eines unterbewerteten Euro noch gegensteuern, die anderen Staaten befinden sich mit überbewertetem Euro auf dem absteigenden Ast.

Die internationale Verflechtung von Banken und Unternehmen erheischt eine zunehmende staatliche Intervention zur Sicherung der Kapitalinteressen. Pleiten sog. "systemrelevanter" Wirtschaftsakteure werden verhindert, damit nicht das ganze System ins Wanken kommt bzw. zusammenbricht. Würde man marktwirtschaftlichen Prinzipien folgen, wäre das unweigerlich der Fall. Daher haben wir die kuriose Situation eines veritablen "Sozialismus" für Banken und andere Grossunternehmen, während den Bevölkerungen ein hartes neoliberales Diktat auferlegt ist, ganz besonders in Südeuropa.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es in der Tat mehr "Brüssel", sprich: Staatliche Intervention und finanzielle Unterstützung
zugunsten des Kapitals braucht, will man dieses System zu Lasten der einfachen Bevölkerungen erhalten.

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Marienkäfer 06.06.2014, 14:59
379.

Zitat von ColynCF
Was für ein Vertrag soll das sein? Außerdem hat jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Also können sich die Länder auch entschließen, einem Bündnis beizutreten oder nicht. Alles andere würde nur bedeuten, dass die großen Blöcke auf ewig zementiert .....
Dieser Vertrag wurde bei der Wiedervereinigung und der Neuordnung zwischen dem Westen und dem Ostblock aufgesetzt. Das war die Grundlage aller anderen Vereinbarungen. Kann man bestimmt googeln. Die Profis wissen das ganz bestimmt. Und gemach, ich bin ein Putingegner - noch. Aber in diesem Zusammenhang ist das Verhalten Putins neu zu bewerten - für mich jedenfalls.

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