Forum: Politik
Umgang mit Israel: U-Boote liefern, Klappe halten
REUTERS

Woher kommt die deutsche Obsession, wir müssten im Nahen Osten Frieden stiften? Auch wenn wir Deutsche uns gerne als moralische Führungsmacht sehen: Haben wir nicht mit dem Export der Willkommenskultur genug zu tun?

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HaPeGe 01.05.2017, 17:46
340. Einige Anmerkungen ...

Oh ja, ich weiß, auch als Deutscher, als deutscher Soldat damals, wie es sich anfühlt, wenn an der Grenze zur DDR eine hochgerüstete Truppe mit Nuklearwaffen steht, die den Finger am Abzug hat; während der Kuba-Krise 1962. Und diese Bedrohung hat auch erst 1989 nach dem Mauerfall aufgehört. Da sind die Israelis absolut nicht das einzige bedrohte Volk.

Wir haben bisher ein gutes, ja ein freundschaftliches, Verhältnis zu der Regierung in Jerusalem gehabt. Und Freunden darf man auch Ratschläge geben. Vor allem auch gut gemeinte Vorschläge. Und ein wirklicher Freund nimmt diese Ratschläge auch an. Israel hat in seiner ganzen Geschichte, seit seiner Gründung, nicht eine einzige UN-Resolution akzeptiert oder umgesetzt. Muss man eigentlich noch mehr sagen ?!

Ich fände es am allerbesten, wenn wir mit Israel genau so verfahren würden, wie mit den anderen Staaten im Nahen Osten: Keine Waffenlieferungen mehr ! Das wäre konsequent.

Und was den Holocaust angeht: Ich denke, dass das deutsche Volk diesen ungeheuren Sündenfall, wie auch die anderen Verbrechen der Nazi-Zeit recht gut aufgearbeitet hat. Wir haben alles dafür getan, dass dies nicht in Vergessenheit gerät. Und ich denke, dass wir dies vorbildlich getan haben. Und ich denke ebenfalls, dass wir dies auch ruhig anderen sagen können. Denn wer in Russland erinnert schon an die mehr als zwei Millionen Tote des Gulag ? Wer in China an die 36 Millionen Tote aus Maos "Großen Sprung" ?

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atherom 01.05.2017, 17:50
341.

Zitat von helmud
Israel bricht Völkerrecht und das anzuprangern ist eine Notwendigkeit. Wer dabei Ausnahmen macht, je nach Land, ist ein Pharisäer.
Womit bricht Israel das Völkerrecht? Weil es Westbank besetzt? Wem gehört eigentlich dieses Gebiet? Dem Osmanischen Reich? Dem Britischen Königreich? Jordanien (das es mal besetzt hielt, ohne, dass es Jordanien war)? Völkerrechtlich sind das "umstrittene Gebiete", aber keine "besetzte Gebiete". Pharisäer? Wo hat sich Minister Gabriel bisher für Bruch des Völkerrechts eingesetzt, in China? Im Iran? In der Türkei? Oder ist da alles in Ordnung? Merken Sie nicht, dass auch Sie nur dieses "Problem" haben?

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spon_3673092 01.05.2017, 17:51
342. Na klar..

Zitat von beobachter68
Herr Gabriel kann es nicht unterlassen als Enfant terrible der Deutschen Politik zu provozieren. Mindestens in Israel sollte er Zurückhaltung üben, egal ob er mit Netanjahu einverstanden ist oder nicht. Er war als Repräsentant Deutschlands da und ... das verpflichtet. Einmischung in der lokalen politischen Auseinandersetzungen ist das Letzte was ein Außenminister Deutschlands darf.
Ein Aussenminister dieses an so ziemlich jeden Krieg beteiligten Landes (siehe unkontrollierte Rüstungsexporte), soll den Chinesen und Russen z.b. immer auf den Schlipps treten(völlig zu recht!), aber in Israel soll der momentane Aussenminister plötzlich Porzellan zerschlagen haben? Sehr krude Wahrnehmung, wenn man bedenkt wieviele Resolutionen der UN Israel mittlerweile missachtet oder ignoriert hat.

Fleichhauer ist und bleibt was er ist: ein konservativer Bordellbesucher, ein Bundesparteisprecher der AfD in Spe, der den "deutschen" Saubermann spielt.. umso überzeugter seine Haare schwinden(kein Wunder das diese sich von dannen machen).

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alfredov 01.05.2017, 17:52
343. Das ist die große Arroganz des Außenministers

Manchmal überschlägt sich seine Politik. Dann ist es nicht seine Sache sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Wie gesagt durch seine Arroganz wollte er bei den israelischen, vermeintlich regierungsfeindlichen Gruppen sich doch nur profilieren. Das war eine große Dummheit. Als wenn es nicht andere, wichtigere Dinge zu lösen gäbe.

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Kurt Kraus 01.05.2017, 17:52
344. Auf den Punkt, aber eines muss noch betont werden

Selbst ein hochproblematischer Politiker wie Netanyahu wirkt neben jedem beliebigen Palästinenser-Häuptling sympathisch. Da gibt es die korrupte PLO-Führung und die islamistischen Fanatiker der Hamas. Wer solche Figuren auf den Schild hebt, wird eben bestraft, denn Bösartigkeit wird nicht immer bestraft, aber Dummheit schon. Mit gewaltlosem Widerstand könnten die Palästinenser Netanyahu vor sich hertreiben - hier ist eine Situation, wo das ausnahmsweise mal funktionieren würde, weil es sowohl Israel als auch seine Freunde eine freie Presse haben. Aber nein, sie laufen den Endsiegparolen der Hamas hinterher. Was Israels Militär daran hindert, die Palästinenser ins Meer zu treiben, sind seine Skrupel, nicht die militärisch lächerlichen Figuren der Hamas. Netanyahu kann mit dem Status Quo hervorragend leben, die Palästinenser weniger. Irgendwann müsste das Lernen durch Schmerz doch einsetzen?

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simonweber1 01.05.2017, 17:54
345. Bevor

Zitat von leetness
Breaking the Silence wurde von Soldaten eben jener Armee gegründet die hier angeblich diskreditiert werden soll. Die sprechen die Warheit aus, das hat mit dem Untergraben der Verteidigungsfähigkeit einen ... zu tun. Ihr Standpunkt entspricht nur der Propaganda die N. und seine lustigen brandgefährlichen Rechtspopulisten mit Lügen garniert in die Kameras gesprochen haben. Solch einen Unsinn muss man erst mal glauben. Reden Sie erst mal mit diesen Menschen bevor Sie diese in gehorsamster Kadavertreue als Lügner diskreditieren weil das in Ihre politische Agenda passt.
man dazu übergeht jeden demokratisch gewählten Präsidenten den man nicht mag und Netanjahu muss man wirklich nicht mögen, in die rechtspopulistische Ecke zu schieben, sollte man sich breiter informieren. Ob Breaking the Silence wahrhaftig berichtet ist zunächst einmal Ihre Behauptung. Im Prinzip geht es aber um das Verhalten Gabriels. Ein deutscher Außenminister, der Chefdiplomat schlechthin, war in Israel Gast und hat sich dort als Gast entsprechend zu verhalten. Wenn man weiß, dass die israelische Regierung die NGOs die Gabriel aufsuchen wollte als "regierungsfeindlich" einstuft und er ebenso wußte, dass beim Besuch des belgischen Ministerpräsidenten es bereits diesbezüglich einen Eklat gab, dann ist sein Verhalten in der Tat instinktlos ohne Absprache mit der israelischen Regierung ein solches Treffen zu vereinbaren. Der israelische Ministerpräsident stellte klar, dass er ein Treffen ausländischer Diplomaten mit Vertretern von Gruppierungen wie Breaking the Silence nicht akzeptieren werde. Meine rote Linie lautet, dass ich mich nicht mit Diplomaten treffen werde, die nach Israel kommen und radikalen Randgruppen Legitimität verleihen, die unseren Soldaten zu Unrecht Kriegsverbrechen vorwerfen und die Sicherheit Israels untergraben, sagte Netanjahu. Seinen Standpunkt hätte auch er gerne dem deutschen Außenminister erklärt: Doch Gabriel, so Netanjahu, habe ein Telefonat abgelehnt.
Ja so geht Diplomatie in Deutschland heute... Nach dem Motto : Wir sind wieder wer im Weltgeschehen. Wir sind die Verfechter der " westlichen Werte" was auch immer genau diese Werte bedeuten mögen. Großkotziges arrogantes inzwischen kan man sagen typisch deutsches Verhalten. Besser für Gabriel wäre: Hättest Du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben.

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flo_bargfeld 01.05.2017, 17:54
346. Klappe halten – oder vielleicht doch besser sagen, was ist?

Wenn der Spiegel dazu auffordert, "Klappe (zu) halten" und auf diese Weise versucht, Debatten abzuwürgen, läuft etwas grundlegend falsch. Der Spiegel hat für mich (und für viele andere Leser) nur dann eine Berechtigung, wenn er Debatten fördert statt ihre Verhinderung zu forcieren – und das gilt nicht nur beim Thema U-Boote für Israel. Doch "Sagen, was ist" scheint für Teile der Redaktion offenbar nur noch bei genehmen Themen die gültige Losung zu sein.

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Reinhardt Gutsche 01.05.2017, 17:55
347. Politisch-moralische Äquivalenz

Zitat: „Das Bemerkenswerte an der deutschen Position ist die Unfähigkeit, sich in die Bewohner eines Landes hineinzuversetzen, das seine Existenz allein seiner Wehrhaftigkeit verdankt.“

Diese Unfähigkeit geht Deutschland nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber Rußland als Nachfolgestaat der Sowjetunion ab, seinem mit Abstand wichtigsten Kriegsfeind in dem bislang blutigsten und opferreichsten Krieg der Geschichte. Es gibt keinen Grund, den 17 Mio zivilen Opfern Hakenkreuz-Deutschlands (nach Richard Overy), darunter allein über 3 Mio verhungerte Kriegsgefangene der Roten Armee, eine moralische Ebenbürtigkeit zu den übrigen Opfergruppen abzusprechen. Nicht nur Israel, auch Rußland - in lebendiger Erinnerung an den Vernichtungskrieg der Operation „Barbarossa“ - verdankte und verdankt seine Existenz allein seiner Wehrhaftigkeit. Die Drohungen der heutigen Feinde Israels, die Juden ins Meer zu treiben, haben ihren äquivalenten Vorläufer im genozidalen „Generalplan Ost“ Himmlers, die sowjetische Bevölkerung westlich des Urals um 30 Millionen zu dezimieren (Hungerplan) und den Rest nach Sibirien zu treiben. Im historischen Gedächtnis sind diese Erfahrungen mit Deutschland für die Russen das, was die Erinnerung an die Shoa für die Juden ist. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, beide historische Phänomene in der Äquivalenz ihrer diabolischen Planung und systematisch-gründlichen Exekution politisch-moralisch unterschiedlich zu bewerten. So gesehen ist heute die Krim für Rußland das, was die Golan-Höhen und die Westbank für Israel sind.

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JDR 01.05.2017, 17:56
348.

Zitat von -volver-
Hat nicht auch gerade Israel, aufgrund der verbrechen des Holocaust, eine verpflichtung dazu, eine vorbildliche demokratie zu sein, die sich für die wahrung des menschen- und des völkerrechts einsetzt, statt immer wieder dazu ermahnt zu werden?
NIcht ganz falsch. Vergleichen wir also israelische Antiterroroperationen mit libanesischen. Israelische Kriegsführung mit dem Kampf der Hezbollah in Syrien. Behandlung von Zivilisten in besetzten Gebieten, mit jenen iranischer Milizen gegenüber Flüchtlingen aus Mossul. Vergleichen Sie gezielte Neutralisierungen mit wahllosen Terror. Vergleichen Sie rechtsstaatliche Strukturen, in denen Menschen für Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden, auch wenn sie gegen einen Terroristen begangen werden, mit der finanziellen Förderung und öffentlichen Rühmung terroristischer Taten.

Wissen Sie was, ich beginne zu glauben, der Staat Israel schneidet da gar nicht so schlecht ab.

Vergleichen Sie aber nicht einen Staat, an dessen Grenzen sich eine Atomschwellenmacht mit der erklärten Absicht, ihn zu vernichten, positioniert, mit der Bundesrepublik Deutschland, die 50 Jahre von anderen verteidigt wurde und jetzt einen dicken Speckgürtel "zum Russen" hat.

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KV491 01.05.2017, 17:56
349.

Zitat von crazy_swayze
[...] Ich war nie Nazi, mein Vater war nie Nazi. Mein Urgroßvater hätte vielleicht einer sein können (war er nicht). Warum muss ich mich dann ständig wie ein Nazi behandeln lassen, wenn ich eine Wortmeldung zu einem aktuellen Konflikt habe?
Wirklich empörend. Überhaupt gab es in D ja eigentlich kaum Nazis.

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