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Umstrittene Gas-Pipeline: Kanzlerin setzt Nord Stream 2 durch
REUTERS

Um den Widerstand gegen Nord Stream 2 zu brechen, ist die Bundesregierung in Brüssel äußerst robust vorgegangen. Kanzlerin Merkel zeigt, wie wichtig ihr die Gas-Pipeline ist - und riskiert den Zorn von US-Präsident Trump.

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Wilde Grete 09.02.2019, 11:48
160. Wessen Interessen?

„Washington soll mehrere EU-Staaten nach Angaben von Diplomaten äußerst nachdrücklich auf ihre Interessen hingewiesen haben“
Wessen Interessen sind das? Die Washingtons oder der EU-Staaten?
Wenn es Washingtons Interessen sind, müsste das Possessivpronomen „seine“ lauten, da Washington, wie jeder Städtename sächlich ist.

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ulrich-lr. 09.02.2019, 12:26
161. Kosten

Zitat von rudi_ralala
Ich denke nicht daran, kann es auch nicht. Nur so viel. Der Betrieb der Nordstream Röhren kostet auch Geld. Das CNG wird in Portowaja auf 220 bar verdichtet und kommt in Greifswald mit 106 bar an. Die Verdichterstation hat eine Leistung von 366 MW. Ausserdem fällt natürlich Wartung an. Das sind nur mal die Hauptposten.
Ganz klar. So ist es.
Wenn man allerdings bedenkt, wie die gewünschte bisherige Alternative aussieht, kommt die Ostseepipeline ökologisch ganz gut weg. Auf 1.220 km keine einzige Verdichterstation - dank hoher Vorverdichtung, die sie richtig erwähnten, und großer Rohr-Durchmesser mit geringem Reibungswiderstand. Hightech. D. h. auf 1.200 km in der Ostsee kein CO2-Ausstoß.

Man vergleiche, welcher CO2-Ausstoß in der Ukraine produziert würde und bisher wird, da dort ziemlich alte und nicht gerade gut gewartete Pipelines liegen, mit hohem Reibungswiderstand, so dass alle 100 km eine Verdichterstation (ebenfalls sämtlichst technologisch auf dem Stand von vor 30 Jahren) den abgesunkenen Gasdruck wieder erhöhen muss. Das kostet Energie. Dort wird Gas für die Antriebe verbrannt, so dass CO2 schon beim Transport anfällt.

Ich bin gern bereit, das mal vorzurechnen. Wenn ich darf.

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Ruhrsteiner 09.02.2019, 12:34
162. an 52./...Es ist völlig ausgeschlossen, die EU in Frage zu stellen...

Strenggenommen ist Ihr Statement nicht korrekt. Korrekt wäre die Formulierung, es gibt keine Alternative zu einer politischen Vereinigung der europäischen Staaten. Ob sie sich dabei mit der EU (seit 2005) im derzeitigen desolaten, basarartigen Zustand zum Ausfeilschen unterschiedlichster nationalstaatlicher Interessen noch auf dem richtigen Weg befinden, das darf durchaus kritisch hinterfragt werden.

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spmc-12355639674612 09.02.2019, 12:44
163. Volle Zustimmung!

Zitat von worlorn
Von Russland soll eine militärische Bedrohung ausgehen? Wer das sagt, ist vielleicht der US-Propaganda auf den Leim gegangen oder nur ein Mietmaul. Die Russen wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit, nichts anderes. Aber sie haben ihre angestammte Einflusssphäre im GUS-Bereich und ihre Sicherheitsinteressen, wollen die NATO nicht an ihren Grenzen haben. Das sollte man respektieren. Schon die UdSSR war nicht expansiv über die Ostblockgrenzen hinaus, respektierte z.B. den neutralen Status von Österreich und Finnland. Putin hat bestimmte Dinge, die sich aus den Wirren der UdSSR/GUS-Auflösung ergehen haben, im russischen Interesse korrigiert. Das kann man verurteilen, aber alles Poltern und Jammern wird nichts nützen. Nehmen wir die Krim. Sie war seit dem Zarenreich, etwa ab 1800, ein Teil Russlands. Chrustschow hat sie in einem Akt des Verfassungsbruchs (gegen das explizite Verbot, russisches Gebiet woanders hin zu vergeben) Anfang der 1950er Jahre der damaligen Sovietrepublik Ukraine zugeordnet. Das geschah aus rein wirtschaftsstrukturellen Erwägungen innerhalb des UdSSR-Verbands. Als Chrustschow es durch das Politbüro brachte, konnte sich keiner vorstellen, dass die UdSSR mal zerbrechen könnte und die Krim auf einmal in einem anderen souveränen Staat wäre. Putin hat das jetzt korrigiert, wobei das sei angemerkt, die Mehrheit der Krim-Bevölkerung Russen sind und insgesamt 95% für den Anschluss waren. Die Russen werden die Krim auch nicht mehr hergeben, zu wichtig ist sie militärisch als Flottenstützpunkt im Schwarzen Meer. Oder möchte sich jemand sich mit der Atomgroßmacht Russland anlegen?
Dabei scheint in manchen Köpfen noch die anti-bolschewistische Propaganda des 3. Reichs mitzuschwingen. Und auch, wenn viele wohl der Meinung sind, dass Russland eine Diktatur und Putin der Diktator sei, kann man nur dazu mahnen, es sich mit den Russen nicht vollkommen zu verscherzen. Russland besteht schließlich nicht nur aus Putin. Wie Gregor Gysi einmal erwähnte, war wohl der größte Fehler Obamas, Russland zur "Regionalmacht" zu degradieren. Das hat die russische Führung natürlich geärgert und - verständlicherweise - von den USA abrücken lassen, um zu zeigen, dass man durchaus noch das Zeug zur Weltmacht hat.

Auch was die Krim betrifft, bin ich überzeugt, dass dasselbe Ergebnis herauskäme wie bei der von Russland veranstalteten Abstimmung, wenn man noch einmal ein unabhängiges Referendum unter internationaler Aufsicht organisierte: Die Bevölkerung der Krim würde sich wieder für Russland entscheiden. Hätten die EU und die USA während der Unruhen in der Ukraine nicht mitgezündelt, sondern intelligenter agiert, wäre uns das Ganze höchstwahrscheinlich erspart geblieben.

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joejoejoe 09.02.2019, 12:48
164. Unehrlichkeit - Profitgier - Machtgier

Zitate: "Wenn Gazprom den vielen Zuleitungen eine weitere auf ... hinzufügen will, ist das für Europa keine schlechte Sache. Jede zusätzliche Leitung erhöht die Versorgungssicherheit. "
"Tatsächlich will Polen selbst zu einer Energiedrehscheibe werden. Eine Gaspipeline aus Russland hat Polen schon seit Langem (unter Umgehung der Ukraine). Jetzt bauen sie eine "Baltische Pipeline" mit EU-Geld von Norwegen nach Polen (an Deutschland vorbei). Warschau lobbyiert derweil in Washington, endlich US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 zu verhängen. "(Zitate aus Zeitonline)

Die Unehrlichkeit der Northstream-Gegner ist unübertroffen. Und die Polen setzen alles daran, Deutschland und auch der EU zu schaden zum eigenen Vorteil . Das muss man sich vorstellen: Das EU-Mitglied Polen, jährlich mit mehr als 10 Milliarden € von der EU subventioniert, agitiert im Verein mit der Trump-Administration gegen ein anderes EU-Mitglied, das einen grossen Teil der Subventionen für Polen bezahlt. und fordert von den USA Sanktionen gegen Deutschland.
Das Ukraine Argument zieht nicht, weil Polen selbst vor einigen Jahren eine Pipeline für russisches Gas zur Umgehung der Ukraine gebaut hat.
Und die Abhängigkeit von Russland wird nicht größer, wenn Gas durch Nordstream statt durch die Ukraine fließt. Außerdem kann Europa jederzeit den Lieferanten wechseln.

Sehr irritierend ist, dass die Kommission voll im Sinn der US-Interessen handelt, aber nichts dagegen unternimmt, dass in Polen Demokratie und 'Rechtsstaat abgebaut werden.
Dass die USA aus Profitgier und wegen ihres Dominanzstrebens Northstream blockieren wollen, liegt auf der Hand und ist nicht verwunderlich.
Grob irritierend aber ist für mich, dass eine Reihe auch führender Politiker von CDU und Grünen (Z. B. Röttgen, Bütikofer, Göring-Eckardt) anscheinend vorbehaltlos die amerikanische Position gegen Europa und vor allem gegen Deutschland stützen.

Ob das wohl damit zusammenhängt, dass fast alle diese Kritiker des Projekts Mitglieder in der Atlantikbrücke oder anderer, von amerikanischen Interessen dominierter Organisationen sind? Immerhin ist seit langem bekannt, dass Atlantikbrücke und Aspeninstitut Lobbyorganisationen amerikanischer Interessen sind.

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mohali 09.02.2019, 12:52
165.

Zitat von onkel-ollo
Es ist bezeichnend und auch beschämend, wie deutsche Regierungen über die Sicht, Meinung und Befürchtungen der Nachbarn hinweg gehen. Wo sie doch sonst immer eine europäische Solidarität in allen möglichen Alltagssituationen einfordern. Wenn schon der engste Partner Frankreich auf Distanz zu Deutschland geht, dann müssen doch im Berliner Regierungsviertel eigentlich Warnlämpchen aufleuchten. Hat Merkel diese Lampen aus den Fassungen gedreht? Augen zu und einfach durchbrettern? Das Zeichen aus Berlin lautet doch: Jeder macht seins, egal was, einfach durchziehen. Falls die EU eines Tages zerbricht, dann bitte diese Merkel'sche Pipeline-Episode in der Ursachenliste nicht vergessen!
Wann hat denn jemals auch nur ein Land der EU auf unsere Belange Rücksicht genommen? Wir waren, sind und werden immer der Zahlmeister für alle bleiben. Warum also sollten wir nicht einmal an uns und unser Volk denken. Nachdem wir unsere Kohlegruben zubuddeln und mit Rücksicht auch auf unsere Nachbarn aus der Atomverstromung ausstiegen (was uns im übrigen keiner dankte) müssen wir eben auf das Gas aus Rußland bauen. Warum sollen wir der Ukraine Milliarden in den Rachen werfen, Gas stehlen lassen und uns abhängig machen. Lieber bin ich von den Russen abhängig (die im übrigen im eigenen Interesse noch keinen Liefervertrag gebrochen haben) als von der Ukraine oder den Polen. Und wenn die EU zerbricht dann ist das den Egoismus der einzelnen Staaten geschuldet und nicht dem Zahlmeister der EU. Wenn ich die Wahl zwischen Trump-Amerika und Putin-Rußland bzgl. Vertragsabschluss habe weiß ich für wen ich mich entscheide. Wieviele Verträge hat Putin gebrochen und wieviel Verträge hat einseitig Trump gekündigt? Ohne Rücksicht auf seine Verbündeten. Sie Iran oder das Klimaabkommen. Noch Fragen?

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Promethium 09.02.2019, 13:08
166.

Zitat von oldman2016
Die Nachfrage nach Erdgas wird weltweit steigen. Das wird den Erdgaspreis treiben.
Nein, das Angebot steigt viel stärker. Es drängen immer mehr Anbieter auf den Markt. Das South Pars Gasfeld ist immer noch nicht voll erschlossen. Das ist größer als alle anderen bekannten konventionellen Erdgasfelder der Erde zusammen.
Fracking ist inzwischen eine Standardtechnologie geworden, die weltweit einsetzbar ist.

Es gibt inzwischen ca. 20 Anbieterländer für LNG!

Aber der ganz große Hammer sind die Methanhydrate (gefrorenes Erdgas) von denen es ungeheure Mengen gibt. 2013 gelang es den Japanern erstmals Methanhydrate zu fördern.
Das bedeutet das Erdgas in naher Zukunft aus allen möglichen Regionen der Erde kommen wird. Und da man nicht überall Pipelines bauen kann oder will, wird ein Großteil davon in Form von LNG auf den Markt kommen.
Deshalb tut sich auch bei der LNG Technik einiges in Sachen Effizienz. Das bedeutet das die Pipelines bald nur noch für Strecken über Land gebaut werden, also dort wo LNG Tanker nicht hin können.

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haarer.15 09.02.2019, 13:41
167.

Zitat von zausi
Steckt nur Geld in diese kommunistischen Länder.. Hoffentlich werden sich die Befürworter daran erinnern, wenn die uns ohne Hoheitabzeichen besuchen...
Ohje, in was für einer "Welt" leben Sie denn ? Da scheint ja nun wirklich Hopfen und Malz verloren.

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Ruhrsteiner 09.02.2019, 13:52
168. an 166.: Vor der EU gab es eine EG, davor eine EWG...

Wer damals bereits auf deutsche Interessen Rücksicht nahm? Bereits 1945/46 die Niederlande, ein Charles de G.
, Italien, Belgien, Luxemburg, EWG extern auch Spanien.... Auch die USA mit Einführung der D-Mark und massiver Importnachfrage nach "precise engineering Technology made in Germany" ab 1951, was das "Wirtschaftswunder" auslöste.... ( Erst etwas recherchieren, dann kommentieren ….)

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Promethium 09.02.2019, 14:15
169.

Es ist ganz wesentlich zu wissen, das LNG nur zu einem kleinen Teil aus den USA kommt!

Die USA haben einen Marktanteil von unter 5% auf dem globalen LNG Markt. Das bedeutet das mehr als 95% des LNGs nicht aus den USA kommt! Die Story, das wir ohne die Pipelines auf Erdgas aus den USA angewiesen wären, ist absurd! Mit einem LNG Terminal könnten wir jetzt schon aus ca. 20 Anbietern wählen und es werden immer mehr. Kanada ist z.B. neu hinzu gekommen, aber in der Liste unten noch gar nicht erfasst. Es werden immer Anbieter dabei sein die LNG liefern und auch welche die es günstiger als Russland tun. Mit der Pipeline sind wir von einem Anbieter abhängig und müssen zahlen was der verlangt.

Hier die Liste der Länder die 2018 bereits LNG anboten mit Marktanteil in Prozent.

Qatar, 81, 27.6%
Australia, 56.2, 19.2%
Malaysia, 26.4, 9%
Nigeria, 21.3, 7.3%
Indonesia, 16.2, 5.5%
US, 13.1, 4.5%
Algeria, 12.4, 4.2%
Russia, 11.1, 3.8%
Trinidad, 10.8, 3.7%
Oman, 8.4, 2.9%
PNG, 7.7, 2.6%
Brunei, 7, 2.4%
UAE, 5.2, 1.8%
Peru, 4.1, 1.4%
Norway, 4.1, 1.4%
Angola, 3.7, 1.3%
Eq. Guinea, 3.6, 1.2%
Egypt, 0.8, 0.3%

2018 World LNG Report
27th World Gas Conference Edition

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