Forum: Politik
Umstrittene Rede: Das sagte Varoufakis, als er den Stinkefinger zeigte

Nach seinem Dementi hat Giannis Varoufakis seine Stinkefinger-Rede nun auf Twitter selbst verbreitet. Sie liefert den Kontext, warum der griechische Finanzminister von Manipulation sprach. Hier die entscheidenden Stellen des Vortrags im Wortlaut.

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erlachma 17.03.2015, 18:20
100.

Zitat von nobby_l
Ich persönlich denke eher, dass Herr Schäuble über eine deutlich qualitifziertere Einschätzung der Situation verfügt als viele andere.
Da mögen Sie Recht haben, wobei ich nicht weiß, was "qualitifziertere" bedeutet.
Qualifizierte Einschätzung jedenfalls hat Schäuble nicht, ihm fehlt grundlegendes VWL-Wissen. Das zeigt er tagtäglich.

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williwamser 17.03.2015, 18:21
101. Textur der strittigen Passage

Wow, jetzt nach Lektüre des englischen Originals:

Ein Konjunktiv mit "should", also das Durchspielen einer fiktiven Situation und Reaktion: Man könnte/sollte (damals) mit Bankrotterklärung reagieren kombiniert mit Ausstieg aus Euro und sofortiger Rückkehr zur Drachme, wobei letzteres von Stinkefingermetapher begleitet ist.....

"Fiktiv" und "Konjunktiv" und "Metaphorik" fast schon bis zu einem "fuck you" und "fuck you self". Und dann ein "Fake"-Vorwurf und dann dieser Varou"faki"sname, das schreit alles nach Missverstehen und heiliger Hermeneutik als Antidotum.

Immerhin: Die verbale Vorstellung/das Gedankenspiel aus dem Euro auszusteigen ist hier mit dem gestischen und dem verbalen (finger) Stinkefinger für Deutschland gekoppelt. Wer gegen den Ausstieg aus dem Euro ist, weil die Drachme nicht existent ist, der dürfte also schon noch Freude empfinden, bei aller Reduktion der Vorstellung ins Konjunktivische - durch mangelnde monetäre Resourcen im Moment nicht zu verwwirklichen - Freude daran empfinden, sich vorzustellen, wie man drachmengestützt den Stinkefinger hebt und dann entsprechend agieren kann.

Wahrhafte Lust.

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younghawk 17.03.2015, 18:24
102.

Zitat von jeze
Varofakis hat es nicht so gemeint, wie es dargestellt wurde. Nennen sie das, wie sie wollen - der Punkt ist, dass Varoufakis das OPFER ist. Es gehört sich nicht jemandem ein Bein zu stellen und ihn dann danach zu beurteilen, ob er sich in der Reaktion darauf korrekt verhalten hat. Das ist genau das, was hier passiert.
Herrje, jetzt ist er auch noch Opfer... Es wird ja immer schlimmer mit den linken Jubelgriechen hier.
Er ist ein Lügner, einfach nur ein Lügner.
Selbst wenn Sie der (falschen) Interpretation des SPON Redakteurs zum Ziel des Stinkefingers folgen: er hat den Stinkefinger gezeigt. Dass Video ist nicht gefälscht. Er hat behauptet, dass Video sein gefälscht und den Stinkefinger nicht gezeigt. Lüge, ganz einfach Lüge.

Wenn ein deutscher Politiker
diese Nummer gebracht hätte, der wäre einen Tag danach zurückgetreten (worden)....

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spon_3011784 17.03.2015, 18:25
103. Leicht beeindruckbar, liebe SPON-Leser

Die gesamte Rede sagt überhaupt nichts anderes aus, als der Ausschnitt: Griechenland soll Deutschland den Stinkefinger zeigen, wie es Argentinien getan hat. Ob Griechenland dabei noch im Euro bleibt, ist völlig doch unerheblich.

Weiterhin hat der Minister gesagt, dass der Finger montiert sei. Offensichtlich völliger Blödsinn. Da hilft auch nicht, dass er angeblich (siehe oben) nicht so gemeint war. Er wurde nicht montiert.

Auf der Jauch-Redaktion herum zu hacken macht gar keinen Sinn. Hirn anschalten schon.

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jpuhle 17.03.2015, 18:27
104. Bitte die Rede genau lesen: Er hat doch den Stinkefinger gezeigt!

Der Autor dieses Artikels, sowie auch alle Leser hier, mögen die hier zitierte Rede bitte noch einmal genau lesen und durchdenken. Denn: Herr Varoufakis zeigt Deutschland sinnbildlich sehr wohl den Stinkefinger und findet das auch gut so. Entweder hat Herr Maxwill die Rede und ihre entscheidende Sequenz nicht verstanden, oder er verdreht absichtlich die Bedeutung des entscheidenen Stinkefinger-Absatzes.

Hier die Erläuterung weshalb Herr Varoufakis doch Deutschland freudig den Stinkefinger zeigte. Beim oberflächlichen Lesen dieser komplexen Rede wird es nämlich offenbar nicht jedem deutlich.

Zunächst einmal unterscheidet Herr Varoufakis zwischen der Situation Argentiniens und der Situation Griechenlands:

- Argentinien hat eine eigene Währung, die es bei Bedarf abwerten kann.

- Griechenland hat keine eigene Währung, solange es im Euro ist und könnte folglich nur dann eine Abwertung herbeiführen, wenn es den Euro verließe, was aber nur mit einem zeitlichen Verzug, Herr Varoufakis spricht von 8 Monaten, möglich wäre. Dies schließt er jedoch -eben wegen des zeitlichen Verzuges- für Griechenland aus, denn in der Zwischenzeit würde eine Kapitalflucht mit katastrophalen Folgen für Griechenland einsetzen.

Seiner Darstellung nach ging Argentinien in zwei Schritten vor:

1. Erklärung der Zahlungsunfähigkeit (mit dem einhergehenden hohen Verlust für die Gläubiger.

2. Abwertung der eigenen Währung (sicherlich um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen)

Auf Griechenland übertragen befürwortet er den ersten Schritt und schließt den zweiten Schritt aus. Diese Feinheit hat Herr Maxwill anscheinend nicht verstanden.

Zu Punkt 1 sagt Herr Varoufakis: "Mein Vorschlag war, dass Griechenland im Januar 2010 innerhalb des Euros einfach seine Zahlungsunfähigkeit hätte erklären sollen - so wie es Argentinien gemacht hat - und dann Deutschland den Stinkefinger zeigen und sagen hätte können: 'Also jetzt könnt ihr dieses Problem alleine lösen - okay?"

Später ergänzt er hierzu: "(...) Und vergessen Sie nicht, dass Griechenland nichts hat, was Argentinien hatte: Argentinien hatte in dem Moment, als es die Zahlungen einstellte und dem IWF den Mittelfinger zeigte - wofür ich applaudiere und sie liebe - riesige Ländereien, die Millionen Tonnen Sojabohnen produzieren können, die China in diesem Moment kaufen wollte. Griechenland hatte nichts dergleichen."

Er applaudiert Argentinien also und liebt sie dafür, dass sie den Gläubigern den Stinkefinger zeigten, bedauert aber gleichzeitig die mangelnde Souveränität Griechenlands in Fragen einer eigenen Währung.


Lediglich Punkt zwei, also den Euroaustritt, lehnt Herr Varoufakis in dieser Rede also ab, nicht jedoch das Erklären der Zahlungsunfähigkeit incl. Zeigen des Mittelfingers an die Gläubiger.

Das ist ja das Grundproblem dieser griechischen Regierung: das eine haben zu wollen, ohne das andere tun zu müssen.

Wenn ich mir die bisherigen Forumsbeiträge durchlese, bedauere ich, wie leicht sich die Leser von einer irreführenden Kommentierung beeinflussen lassen.

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maxxx99 17.03.2015, 18:29
105. Herr Maxwill, vielen Dank!!!....

....für die saubere Recherche und die dementsprechende Richtigstellung des eigentlichen Sachverhaltes! Sie sind Ihrer Verantwortung, Meinungsbildner für Millionen von Menschen zu sein (die arbeitsbedingt nicht die Zeit haben, stundenlang im Netz nach der Wahrheit zu suchen) gerecht geworden. Nach meinem subjektiven Eindruck eher eine Ausnahme in der jüngsten Vergangenheit. Danke!!!

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28franzl 17.03.2015, 18:31
106.

Der Originaltext gibt es ganz doch eindeutig wieder, dass Varoufakis den Stinkefinger zeigt und Deutschland genau das wünscht, was die Geste bedeutet.
Insoweit ist hier gar nix zu relativieren. Er hat alles sehr nüchtern erklärt, nur bei Deutschland da kann er sich nicht beherrschen. Ich weise gar nicht, wie man das anders interpretiern kann.

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karend 17.03.2015, 18:33
107.

Zitat von rwadel
Mit anderen Worten: Es ist legitim "Fälschung" zu rufen, auch wenn der Beweis vorliegt. Ich wundere mich immer wieder, auf welche Ideen die Varoufakis-Freunde (oder EU-Hasser) kommen
Eu-Hasser oder nicht doch eher Euro-Kritiker? Wer den Euro kritisch betrachtet, muss die EU noch lange nicht verdammen.

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cosy-ch 17.03.2015, 18:34
108. Jauch wie 'Jauche'

Der mediengeile Zampano auf seinem Miststock regt sich auf wenn einer Furzt...eh sorry, wenn ein so erbärmliches gewähltes Regierungsmitglied eines EU Lands den mittleren Finger hebt. Auweia!

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younghawk 17.03.2015, 18:35
109.

Zitat von BettyB.
Vom "Hemd aus der Hose" zum "Stinkefinger mit konjunktivischer Verbindung" und das alles nur, um von einer exzellenten ökonomischen Analyse abzulenken. Pleite ohne Ausstieg aus dem Euro bleibt übrigens immer noch eine Alternative und Umstieg von "bestehen bleibender Währung" auf "neue Währung" auch keine, da die Euro-Konten der Griechen aus rechtlichen Gründen umgehend zu Fremdwährungskonten würden. Aber wen interessiert das schon, wenn andere Meinungen "gefragt" sind...
Es macht mich immer so betroffen, wenn Laien das mit der Ökonomie nicht ganz verstehen.
Ich gebe Ihnen hier mal eine wirklich exzellente ökonomische Analyse (im Gegensatz zu dem, was Sie für eine solche halten):
Es gibt in der Tat genau eine Lösung: Griechenland erklärt sich für bankrott, also kompletter Schuldenschnitt. Und tritt aus dem Euro aus. Tertium non datur. Warum? Ach, warten Sie es einfach ab. Es wird ungefähr im Sommer soweit sein, weil sich die Griechen mit Ihrer Kasperlpolitik bis dahin sämtliche Sympathien verscherzt haben (na, vielleicht wird noch der griechenversteher Juncker ein letztes "alternativlos" brüllen- aber zum Glück ist er in dieser Frage ja gar nicht zuständig). Es wird kein drittes Hilfspaket geben, weil es nicht mehr in allen anderen Euro-Ländern ratifiziert würde. Das ist auch gut so, weil die sog. Rettungspolitik natürlich völliger Blödsinn war, denn die hat dem unweigerlichen Bankrott nur hinausbefzögert.

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