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Umsturz in Tunesien: Arabische Führer fürchten Despoten-Dämmerung

Der Sturz des tunesischen Despoten Ben Ali versetzt die arabische Welt in Aufruhr. Ob in Ägypten, Algerien oder auf der arabischen Halbinsel - die Halbmond-Autokraten müssen plötzlich vor einem Domino-Effekt zittern. Welchem Machthaber droht als nächstem der Sturz?

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Hilfskraft 17.01.2011, 18:47
1. macht nichts!

Zitat von sysop
Der Sturz des tunesischen Despoten Ben Ali versetzt die arabische Welt in Aufruhr. Ob in Ägypten, Algerien oder auf der arabischen Halbinsel - die Halbmond-Autokraten müssen plötzlich vor einem Domino-Effekt zittern. Welchem Machthaber droht als nächstem der Sturz?
Wird Zeit, dass es so kommt.
H.

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wasissn 17.01.2011, 18:54
2. Eu

...und vielleicht nicht nur die arabischen Despoten.

Auch für die nicht demokratisch legitimierten EU-Bonzen wird es eine Dämmerung geben (müssen).

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kundennummer 17.01.2011, 18:59
3. Aus der Lameng

Ein Mitarbeiter des New Yorker Manhattan-Institutes hat vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass die Unruhen aus Nordafrika leicht nach Europa übergreifen könnten. Das war am 11. Januar 2011. Da war der tunesische Präsident noch nicht geflüchtet. Die Gründe für die Warnung sind nicht von der Hand zu weisen: Bei der Mehrheit der tunesischen Aufständischen handelt es sich um junge arbeitslose Muslime, die unter 25 Jahre alt sind und auf dem tunesischen Arbeitsmarkt schlicht nicht gebraucht werden. Genau das trifft allerdings auch für Millionen von jungen Muslimen zu, die diesseits des Mittelmeeres hier in Europa leben. Der Autor des New Yorker Manhattan-Institutes schrieb vor diesem Hintergrund, die Europäer könnten derzeit in Tunesien sehen, was auch bald auf sie zukommen werde. In Tunesien werden Europäer derzeit mit Steinen beworfen. Schlimmer noch: Britische Zeitungen berichten, dass Europäer auf den Straßen mit Macheten angegriffen und Touristinnen von den jungen Aufständischen auf den Straßen vergewaltigt werden.

Die deutschen Staatsmedien behaupten derzeit, der Bürgerkrieg in Tunesien sei ein »Warnsignal an alle arabischen Herrscher«. Da heißt es etwa: »Was in Tunesien passiert ist, ist ein historisches Ereignis und ein starkes Signal in die gesamte arabische Welt hinein. Es zeigt, dass Bevölkerungen sich erfolgreich gegen autoritäre und korrupte Herrscher erheben können, …« Das mag ja so sein. Aber ausgeblendet wird dabei vollkommen, dass dieses Warnsignal auch europäische Sicherheitsfachleute alarmiert.

Jung, muslimisch – arbeitslos. So hieß der Titel einer Diskussionssendung im deutschen Fernsehen. Junge Muslime sind mitten in Europa eben in der gleichen Lage wie in Tunesien. Und sie reagieren mit der gleichen Gewalt. Wenn sie in Tunesien den Hauptbahnhof in Brand setzen, dann haben wir Verständnis dafür und berichten groß darüber. Wenn sie als Migranten in Ländern wie Deutschland Tag für Tag Polizisten angreifen, dann schauen wir weg. Gerade erst lief ein Iraner durch die Göttinger Innenstadt mit einem Schild „Deutsche sind Hunde“ und stach auf Passanten ein. Und Mitbürger Cem Gülay sagt uns schon mal über die kommenden Migranten-Unruhen in Deutschland: "Es kann jederzeit passieren. Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen. Sie werden diesen Kampf in die Städte tragen, weil es euch dort am meisten schmerzt.”

Studien belegen, dass junge Muslime in Deutschland immer gewaltbereiter werden. Wir wollen das alles nicht wahrhaben. In unserer von den Medien gezeichneten heilen Welt ist Tunesien ganz weit weg. Und wenn es Unruhen unter jungen arbeitslosen Muslimen gibt, dann führen wir das auf ihre »schlechte soziale Lage« zurück.

In der Vergangenheit haben wir uns die innere Ruhe mit hohen Zahlungen an zugewanderte junge Muslime erkauft. Und zwar überall in Deutschland, ein Beispiel: In Nordrhein-Westfalen lebt schon fast ein Viertel aller Muslime von staatlichen Transferleistungen, also von Sozialhilfe und anderen Unterstützungsgeldern. Bei manchen dieser Gruppen sind die Zahlen extrem. 90 Prozent der in Deutschland wohnenden Libanesen leben von Sozialhilfe, 65 Prozent der Iraker – man kann die Auflistung beliebig fortsetzen. Wir können uns das alles finanziell nicht mehr leisten.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen: Was derzeit in Tunesien passiert, ist ein Blick in unsere Zukunft.

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elandy 17.01.2011, 19:12
4. gehört

Zitat von kundennummer
Ein Mitarbeiter des New Yorker Manhattan-Institutes hat vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass die Unruhen aus Nordafrika leicht nach Europa übergreifen könnten. Das war am 11. Januar 2011. Da war der tunesische Präsident noch nicht geflüchtet. Die Gründe für die Warnung sind nicht von der Hand zu weisen: Bei der Mehrheit der tunesischen Aufständischen handelt es sich um junge arbeitslose Muslime, die unter 25 Jahre alt sind und auf dem tunesischen Arbeitsmarkt schlicht nicht gebraucht werden.
Falsch. Nur eine falsche und zudem korrupte Wirtschaftspolitik verdammt sie zur Arbeitslosigkeit. Tunesien ist ein Land, dass aus eigener Kraft seiner Bevökerung Chancen verschaffen kann.

Zitat von kundennummer
Jung, muslimisch – arbeitslos. So hieß der Titel einer Diskussionssendung im deutschen Fernsehen. Junge Muslime sind mitten in Europa eben in der gleichen Lage wie in Tunesien. Und sie reagieren mit der gleichen Gewalt.
PI-Propaganda, die nicht hierhir gehört.

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daniellaun 17.01.2011, 19:25
5. -

Ich glaube am ehesten, dass Lybien das nächste Land ist, das seinen Diktator verliert.

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Sebastian Hauk 17.01.2011, 19:25
6. Der Irak fehlt

Hallo,

das Urlaubsland der Deutschen in der arabischen Welt hat ihre Herrscher vertrieben. Erwartet werden jetzt woanders noch Ümstürze. Aber anscheindend nicht im Irak. Der fehlt nämlich bei den Flaggen. Wurde der jetzt vergessen?

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Layer_8 17.01.2011, 19:26
7. Titel

Zitat von sysop
Der Sturz des tunesischen Despoten Ben Ali versetzt die arabische Welt in Aufruhr. Ob in Ägypten, Algerien oder auf der arabischen Halbinsel - die Halbmond-Autokraten müssen plötzlich vor einem Domino-Effekt zittern. Welchem Machthaber droht als nächstem der Sturz?
Wenn ich Islamist wäre, würde ich mir jetzt die Hände reiben. Ich würde dem Volk das blaue vom Himmel erzählen, und das demokratieungeübte, meist ungebildete Volk würde mich wählen. Danach würde aber nicht mehr gewählt werden, davor wäre Allah mit seiner Shariah.

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kb26919 17.01.2011, 19:30
8. Es sieht wohl so aus

als ob die Despoten an der Macht in islamischen Laendern sich davor fuerchten durch andere Despoten ersetzt zu werden.
Sitzen doch alle auf sehr wackeligen Thronen.

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salamalaikum 17.01.2011, 19:31
9. Algerien: kein Domino, sondern ein dicker Brocken

El Watan berichtet heute über zwei interessante Ereignisse:

1. sei Obamas wichtigster Antiterror-Berater, ein hochrangiger CIA-Beamter, in Alger eingetroffen (http://www.elwatan.com/actualite/le-...107518_109.php );

2. riegelt die Regierung seit letzter Nacht Städte ab, verbietet Sport- und Kulturveranstaltungen, stört Internet- und Mobilfunknutzung. (http://www.elwatan.com/actualite/la-...107511_109.php)

Das zeigt, weshalb die G20 Tunesien relativ wenig interessiert: die Aufmerksamkeit gilt Algerien, oder viel mehr seinen Petroreserven. Ausser Öl und Gas gibt's auch jede Menge Bärtige, aktive Terroristen (AQMI) und milliardenschwere Generäle, die ihre Pfründe verteidigen werden. Geht jetzt noch das Volk auf die Strasse, wird's kompliziert...

Die Algerier leben seit 60 Jahren in kriegsähnlichem Zustand, die Leute sind an Gemetzel gewöhnt und gewaltbereit, oft nach dem Motto jeder gegen jeden (FLN gegen MNA gegen Harkis gegen Pieds Noirs gegen Zivilbevölkerung). Während in Tunesien kaum jemand einen langen Bart trägt, war die Islamische Front 1991 stärkste demokratische Kraft (47% der Stimmen), was die Generäle natürlich anfochten und als Folge betrieb der FIS 10 Jahre lang flächendeckenden Terrorismus. Seither "versöhnt" sich die Nation, die Herrscherkaste kann es sich leisten, die Islamisten durch bevorzugte Behandlung (Jobs, Wohnungen, Konzesssionen, günstige Pachten usw) zu besänftigen. Ein paar FIS-Leute sind noch aktiv und machen ihre Geschäfte in der Sahara (Al - Qaida Maghreb Islamique und Polisario). Ein historisch buntes Treiben also, das bis heute anhält.

Die meisten Algerier leben aber in grösserer Armut und Verzweiflung als die Tunesier, ihre Motivation sich aufzubäumen ist deshalb grösser. Sie verstehen auch nicht, weshalb es ihnen dreckiger geht, als allen Nachbarn ? Das Land exportiert Gas und Erdöl - und besitzt trotzdem kaum Infrastruktur, verglichen mit Tunesien oder Marokko. Das Volk weiss auch, wer die Differenz in die Tasche steckt und ungefähr wieviel - bei Petroexporten von 70 Milliarden Dollar jährlich sind die zwei oder fünf Millarden, die Ben Ali in 25 Jahren geschnappt hat, Portogeld!

Bouteflika wird von neuem die bärtigen Schreckgespenster aufwecken, damit er weltweit Unterstüztung kriegt. Der Gaspreis wird steigen. Die Russen werden ein Wort beitragen, sie liefern die meisten Waffen ins hochgerüstete Land. Die unbeliebten Marokkaner werden Truppen aufziehen. Auch Sarkozy muss genau aufpassen: schon bei einer Niederlage der algerischen Fusballer gehen Stadtteile in Marseille in Flammen auf, 4 Millionen Algerienstämmige leben in Frankreich. Die G20 wird also nicht tatenlos zusehen (siehe Meldung oben).

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