Forum: Politik
Umweltzerstörung: Wie Greta unser Denken prägt
Pontus Lundahl/ AFP

Als ich im Smog von Delhi auf meine Frau wartete, wurde mir klar, wie sehr Greta Thunberg inzwischen mein Denken beeinflusst. Und vermutlich nicht nur meins. Das macht Hoffnung für den Klimaschutz.

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Jess Traven 28.07.2019, 15:11
290.

"Ich halte außerdem das Reisen an sich für sinnvoll. Weil man dabei lernen kann, besser mit Andersartigkeit umzugehen"

Ich habe 20 Jahre lang die Welt beruflich bereist.
Ich gebe Ihnen recht: es hat meine Toleranz und Freiheit gestärkt.
Aber ich sehe nicht, dass Urlaubsreisen in fremde Länder ( egal ob Kreuzfahrten, Strandaufenthalte, Ressortbesuche ) per se für die Erweiterung von Toleranz und Freiheit beitragen. Im Gegenteil: ich reise seit 10 Jahren nicht mehr, sondern staune über Reiseverhalten und Berichten von Bekannten und Kollegen und stelle fest, wie sehr sich diese entweder in touristischen Blasen bewegen oder das Andersartige immer noch als etwas Exotisches bewerten und daheim umso überzeugter sind, wie viel besser doch unsere Lebensform ist.

Als Journalist der über Geschehnisse in der Welt berichtet, werden sie auf Ihren Reisen immer wieder Menschen begegnen und kennenlernen, die Ihnen ( mit der Technologie von heute sowieso ) aus der Ferne mit Berichten zuarbeiten können ?
Vielleicht ist es ja sowieso an der Zeit dass die lokalen Journalisten & Fotografen mehr Raum bekommen und diese über Netzwerke ihre Arbeiten ( so z.B. mit Ihrer Hilfe ) verbreiten können. Ganz klar ist: jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung von Ereignissen, Eigeninteressen ( Sie sicher auch ) und daher erfordert dies ein Vertrauen zu solchen Menschen und eigene Vor-Ort-Arbeit und Überprüfung wird nicht komplett zu vermeiden sein, aber evtl. können Sie das Reisen reduzieren ?

Was mich hinsichtlich der Kommentare betroffen macht:
recht viel Unverständnis über ihr emotionales, bzw. ethisches Dilemma, sehr starke Aversion gegen „Klein-Greta“ und alles einhergehend mit unglaublichen egoistischen Selbstverteidigungsargumenten mit geringstem Ansatz von Toleranz, Interesse, Selbstreflexion oder Respekt.

Ich mache mir seit vielen Jahren Sorgen um die Umwelt und in der Tat hat Greta Thunberg & „Friday for Future“ mich dazu bewegt mein Verhalten nochmals anzupassen. Recht konsequent.
Fliegen ? Nein. Mein CO2-Fußabdruck aus der Vergangenheit ist so groß, dass ich keine Reserve für meinen Sohn und somit die nächste Generation gelassen habe.

Ihre Gedanken zu möglichen Wegen ( Klimaschutz über kapitale Erfolgsstories ) finde ich anregend und aber auch erschreckend. Richtig, der Mensch lässt sich nicht ändern. Daher geht es weiter, wie Sie hoffen evtl. anders. Aber ich gestehe: das Beispiel der Elektromobilität bedeutet weitere Ressourcen-abbau, … usw. Ich denke es geht einfach nicht ohne auch radikale und private Konsumeinschränkung.
Nehme wir damit den Druck nach oben raus ? Ich denke nicht: die private Veränderung ( über Verzicht ) nimmt die Politik und Wirtschaft NICHT aus der Verantwortung, denn Konsumreduktion in Eigeninitiative und-kontrolle wird ganz schnell enorme wirtschaftliche Probleme aufwerfen.
Und somit zu neuem Handeln zwingen. Ob zum Guten ? wer weiß.

Danke für Ihren Artikel.

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Hamberliner 28.07.2019, 15:41
291. Re: Unverbesserlich

Zitat von litholas
Intelligente Menschen haben die Rechnung aufmerksam nachvollzogen, und gemerkt, dass mit dieser Aufforstung in 30 bis 60 Jahren so viel CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird, wie die Menschheit in 20 Jahren ausstösst.
Die Rede ist offenbar von der Tom-Crowther-Studie der ETH Zürich..

Wenn Aufforstung alleine nicht ausreicht (behauptet die Studie das überhaupt?), ist damit noch lange nicht widerlegt, dass sie einen entscheidenden Beitrag zur Klimarettung leisten kann.

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aliof 28.07.2019, 15:51
292. So viel mehr ist bereits jetzt möglich!

Zitat von Dr.Gnaa
[Zitierter Beitrag von der Moderation nachträglich gelöscht] Das ist das verrückte daran, jeder beteiligt sich nur mit 2,x% am Ausstoß von CO2. Und keiner ist bereit, wegen dem bisschen etwas zu tun. •Tempolimit (100/80 km/h) auf Autobahnen und Landstraßen. •Kersionsteuer! •Günstigerer ÖPVN! Kostenlose Parkplätze an den Bahnhöfen. •Im Stuttgarter Umland kosten jetzt alle Parkplätze Gebühren, mit der Änderung der Tarifgestaltung zum 1.4.2019 im VVS Bereich wurden alle Parkplätze etwas teurer! Super Idee! •Güter auf die Bahn! •Wiedereinführen von Autozügen! •Und bitte keinen Ablasshandel CO2 Steuer und Zertifikatshandel! •Überschüssigen Ökostrom nicht gegen Geld an Ausland abgeben, sondern zu H2 umwandeln. Speicher und Erdgas damit strecken! •Mehr Radfahren!
.. als Ihre sehr brauchbaren Vorschläge , die ja lediglich eine Umstellung einiger Gewohnheiten benötigen, also sofort wirksam werden können ..
(bei natürlich gesetzlichen Vorgaben und strikten Kontrollen.)

Zusätzlich sind schon jetzt auch globale , richtig schwergewichtige Programme (im Prinzip) und sofort möglich anzugehen, und mittelfristig umzusetzen , nämlich eine umfassende Aufforstung (mit echten Bäumen) des gesamten Planeten :

Ohne jede Störung irgend einer menschlichen Aktivität sind aus dem Stand möglich :
•in Russland 151 Millionen Hektar,
•in den USA 103 Millionen Hektar,
•in Kanada eine Fläche von gut 78 Millionen Hektar,
•in Australien 58 Millionen Hektar
•in Brasilien knapp 50 Millionen Hektar.
•Und in China 40 Millionen Hektar.
(Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/waelder-koennten-zwei-drittel-aller-co2-emissionen-ausgleichen-a-1275799.html)

Übrigens : dadurch, daß wir unser Tierfutter in Brasilien, unser Palmöl in Indonesien, unsere Kleidung in Bangladesh, und unsere japanischen Autos in China produzieren lassen … müssen wir uns zu unseren 2 % hier produzierten Abfällen und Abgasen auch die Anteile der dort produzierten zurechnen lassen .. womit wir dann schon bei 5 bis 7 % wären (eigene Schätzung).

Zudem (Beiträge 141 und 203) : eine ÜBER-Bevölkerung wird es nie geben und ‚Sie haben die Wahl' ..mit einem gelegentlichen Blick auf die Webseite https://earth.nullschool.net/

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bananaropa 28.07.2019, 16:27
293. Die Rettung des Planeten kann nicht mehr gelingen ? dazu ist es zu spät

In zwei Wochen werde ich 60. Jahrgang 59, die Baby-Boomer Jahre.
In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Jetzt sind wir 7,3 Milliarden. Das ist die erste Katastrophe.
Als ich Mitte der 70er Jahre zur Schule ging dachte ich: Man könnte, politisch gewollt und gesteuert, doch den Verbrauch pro 100 km für PKW in den nächsten Jahren absehbar reduzieren und den Preis analog erhöhen, 5 Liter bis 1980, 4 bis 1990, 3 bis 2000. Am Ende würde jeder Liter 10 DM also ca. 5 Euro kosten und alle würden weniger Ressourcen verbrauchen. Das war nur eine Utopie. Das Gegenteil geschah ? SUVs und Brötchenpanzer durchqueren unsere autogerechten Innenstädte.
Fleisch esse ich seit 40 Jahren nicht mehr. Aber das Mikroplastik ist nun ja auch im Fisch und den Meeresfrüchten angekommen. Und Fleisch aus Massenproduktion gibt es immer für alle so billig wie nie.
Heute arbeite ich als Lehrer am Berufskolleg und Gewerkschafter. Was sollte ich den Schüler*innen denn vermitteln?
- Was wichtig und was unwichtig ist: Wissen die das heute seit Greta eigentlich nicht schon selbst?
- Dass korrektes Englisch unbedingt geübt werden muss, damit sie auch wirtschaftlich funktionieren: Ist das im Anblick unserer ökologischen Katastrophe noch der richtige Ansatz?
- Dass in Erziehungswissenschaft die Vermittlung von Erziehungsstilen nicht so wichtig ist: Sollte nicht vielleicht ?Wie überleben wir auf diesem Planeten? auf dem Lehrplan stehen?
Und als Gewerkschafter: Lehrer funktionieren als knappe Ressource. Die Ökonomisierung der Bildung findet längst statt. Sie gipfelt in der Diskussion um die Digitalisierung. Wir konzentrieren uns auf das Medium statt auf Inhalte und besprechen die Stärke der WLAN-Verbindung. Bildung muss ökonomisch funktionieren, dann ist sie ?Gute Bildung?. All das kritisieren wir als Gewerkschaft zu Recht ? na und? Gute Arbeitsbedingungen: können wir uns leider im Moment nicht leisten: Lehrkräftemangel. Die ?schwarze Null? steht. Änderungen gehen nicht, weil die Gegebenheiten so sind wie sie sind. Also fordern wir turnusmäßig mehr Geld.
Wir liefern uns Arbeitskämpfe um mehr, aber mehr wovon und wofür?
Alles falsche Ansätze, Time is over!
Wir sind in den letzten 70 Jahren gereist, haben uns die Welt angesehen. Wir haben sie uns ?untertan? gemacht, im besten imperialistischen Sinne und ohne Rücksicht auf Ressourcen, die Natur und die Lebenswirklichkeit anderer Menschen. Wir haben das gemacht, was wir am besten können: verbraucht.
Dreckige Produktion wurde dahin verlagert, wo es scheinbar nichts ausmachte, zumal die Menschen dort so billig arbeiten.
Die Situation jetzt: Menschen aus armen, ausgebeuteten Ländern machen unter Lebensgefahr ihre ?Reisen?. Sie fliehen dahin, wo sie Lebensmöglichkeiten, Essen und Zukunft sehen. Die Flüchtlingsbewegung hat begonnen.

Greta Thunberg ist keine Mahnerin für eine gute Zukunft sondern für eine aufgegebene, verbrauchte Welt. Ihr Verdienst ist aber, die ganze Welt aufgerüttelt zu haben. Ob wir wirklich etwas mit dieser Mahnung anfangen können, werden wir sehr schnell sehen.

Zeit haben wir keine mehr. Und das ist die letzte Katastrophe.

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im_ernst_56 28.07.2019, 16:33
294. Zu 270 Konterspieler Betr.: Arbeitsplätze

Zitat von konterspieler
Ist Irgendeinem - von FDP-Lindner bis hiesigen Forumskommentatoren - jemals aufgefallen, das wir seit Jahren in Deutschland einen aberwitzigen Fachkräftemangel an Arbeitskräften haben? Da sind mindestens eine Million Stellen, die deshalb nicht besetzt werden können. Und angenommen, es würden in der Autoindustrie 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen, so wären die dabei freiwerdenden Arbeitskräfte, mit einer kurzen Weiterbildung vielleicht, binnen kurzem allesamt in neue gleichwertige Arbeitsstellen zu vermitteln. Warum wird das von den Leuten, die sich heute gerne als "Arbeitslosigkeits-Apokalyptiker" betätigen, obwohl sie sich früher nie für Arbeitsplätze eingesetzt haben, nunmehr in der ganzen Diskussion um das Klima demagogisch-vorsätzlich umgangen, bzw. verschwiegen. Noch einmal: die gesamte Deutsche Industrie, das Handwerk, die Software-Branche, sogar die Gastronomie, und, und, und, alle jammern tränenden Auges jede Woche nach den fehlenden Arbeitskräften! Und nun soll es plötzlich eine "grosse Arbeitslosigkeit" geben, weil die Wirtschaft auf klimafreundliche Technologien und auf Erneuerbare Energien umstellen muss? Das direkte Gegenteil dürfte der Fall sein: es werden noch viel mehr gut qualifizierte Arbeitskräfte gebraucht, als bisher!
Einspruch, Euer Ehren. Man kann das Problem nicht von der Metaebene betrachten. Der Umstand, dass viele Stellen unbesetzt sind, ist doch darauf zurückzuführen, dass es an qualifizierten Bewerbern fehlt. Zu glauben, wer gestern in der Autoindustrie gearbeitet hat, könne morgen mit etwas Weiterbildung irgendeinen anderen Job machen, ist doch etwas weltfremd (abgesehen davon, dass die Jobs in der Autoindustrie, der IG Metall sei Dank, alle ziemlich gut bezahlt sind und die Autowerker kaum bereit sein werden, für die Hälfte dessen zu arbeiten). Zur Erinnerung: Die Umstrukturierung im Ruhrgebiet und im Saarland (Kohle und Stahl) hat Jahrzehnte gedauert. Solange werden grüne Wirtschaftstheoretiker (Praktiker gibts leider wenige) kaum warten wollen.

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MissDoLittle 28.07.2019, 16:36
295. Böses Erwachen

Also ich finde Greta toll. Verschwörungstheoretiker und alle anderen, die ihr kommerzielle oder gar bösartige Absichten unterstellen, kann ich nicht verstehen. Was soll das bringen? Dass die meisten Menschen nicht in der Lage sind, ihr Verhalten umzustellen, wenn die Umstellung mit Mehraufwand verbunden ist, ist leider ein Fakt, genauso wie der anthropogene Klimawandel. Aber muss ich, nur weil ich selber unfähig bin, die Fähigen unbedingt angreifen und schlecht machen? Was bringt das? Wir werden uns alle umstellen müssen, früher oder später. Die durch den anthropogenen Klimawandel zu erwartenden Folgen für unsere jetzige Gesellschaft sind doch mehr als deutlich zu sehen. Klimaflüchtlinge und Kämpfe um Ressourcen sind bereits in vielen Teilen unserer Erde Realität. Weder Europa noch Deutschland wird sich den wachsenden Klimaflüchtlingsströmen und härter werdenden Kämpfen um Ressourcen entziehen können. Und wir alle sind Mitverursacher dieser zu erwartenden gesellschaftlichen Krise, egal ob klimabesorgter Klimasünder, klimasündender Unbesorgter oder klimaschädigender Klimawandelleugner. Leider sind die wenigsten von uns in der Lage, mit Blick in die Zukunft zu handeln. Und aus Vergangenheit und Gegenwart wird nicht viel gelernt. Die aktuelle Hitzewelle und der damit einhergehende mediale Klimahype werden nach ein paar Tagen Regenwetter und bei kühleren Temperaturen schnell wieder vergessen sein. Und genau deshalb sind Menschen wie Greta wichtig, die versuchen, das Thema nicht einschlafen zu lassen. Denn es wird ein böses Erwachen geben, wenn wir weiterhin verschlafen, (i.) etwas gegen den anthropogenen Treibhauseffekt und (ii.) die zu erwartenden Folgen zu tun.

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