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Unionsfraktionschef Brinkhaus: Ostdeutsche wurden "nicht fair behandelt"
DPA

Bei der Wiedervereinigung seien Fehler begangen worden, kritisiert Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Es fehle an Respekt vor den Leistungen Ostdeutscher. Ein "Wunder" sei die Einheit trotzdem.

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clausde 03.10.2018, 08:43
1. Treuhandgesellschaft

Irgendwann wird es eine historische Aufarbeitung der Arbeit der Treuhandgesellschaft geben. Wenn es dann überhaupt noch Unterlagen gibt. Aus Sicht eines Wessies hat die Treuhand, zugunsten westdeutscher Glücksritter, den Osten platt gemacht. Das war die erste staatliche Demütigung des Westens gegen den Osten. Und da hat die Brinkhaussche CDU einen nicht unerheblichen Anteil gehabt. Der Osten war marode, es drängte die Zeit, dennoch hätte es andere intelligentere Lösungen geben können. Lösungen die es vermieden hätten, das die Diskussion über die Gräben zwischen Ost und West nach bald dreißig Jahren nicht mehr geführt werden müssten. Das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung hat in der Folge, leider einen bitteren Beigeschmack.

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aku12 03.10.2018, 08:52
2. Stimmt, aber eben nicht ganz

Michael Kretschmer (CDU): "Die Deutsche Einheit ist die größte patriotische Leistung des Landes", sagte er der "Rheinischen Post". "Im Westen haben Menschen auf Wohlstandszuwachs verzichtet, in Ostdeutschland hat sich der überwiegende Teil der Bevölkerung ein neues Leben aufgebaut." (SPON)
Ja, viele Menschenn im Westen haben auf Wohlstandszuwachs verzichtet, aber leider nicht alle --- im Gegenteil: die allerreichsten Westdeutschen haben sich an der Wiedervereinigung - und dies mit tatkräftiger Hilfe der Politik) eine goldene Nase verdient.

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der_bulldozer 03.10.2018, 09:11
3. Sehr nett

Ist alles sehr nett was da gesagt wird. Diese Einsicht kommt aber 29 Jahre zu spät. Im Osten ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, trotz aller Erfolge und Anstrengungen. Ich komme aus dem Osten und weiß wovon ich rede.

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Lion 03.10.2018, 09:20
4. Nicht anbiedern, Herr Brinkhaus, handeln!

Dem notorischen Selbstmitleid vieler Ostdeutscher sollten Sie nicht falsches Verständnis entgegenbringen. Solange ein Teil im Osten nicht kapiert, dass gerade auch Migranten am wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes mitbeteiligt waren, so lange verdienen sie kein Verständnis. Es gibt keinen Grund für kollektives Selbstmitleid und den ewigen Opferstatus so mancher Ostdeutscher. Es gibt auch keine Entschuldigung für die Liebe zu rechtsradikslen Parteien. Wer die Diktatur herbeisehnt ist nicht das Volk. Eine sozialere Politik könnte helfen, Herr Brinkhaus aber kein anbiederndes Gerede.

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OhMyGosh 03.10.2018, 09:26
5. Artikel 23: Kein Anschluß unter dieser Nummer

Im November 1989 legte der damalige BK Helmut Kohl einen Stufenplan ( "Zehn-Punkte-Programm" ) zur Vereinigung Deutschlands und Europas vor, der inzwischen als Wegbereiter für die Wiedervereinigung angesehen wird. In Teilen der DDR-Bürgerbewegung dagegen herrschte Skepsis gegen Kohls Plan vor. Deren Vorbehalte sind im Nachhinein mehr als verständlich, denn in bester Kolonialisierungsmanier übernahmen CDU-Altlasten wie Kurt Biedenkopf und Bernhard Vogel Regierungsämter im Osten der Republik. Insofern ist Herrn Brinkhaus durchaus beizupflichten. Unter den Publikationen, die sich mit dem mehr oder minder erzwungenen Anschluss der DDR an die BRD befassen, fällt das Buch des renommierten Historikers Horst Schneider "Artikel 23: Kein Anschluß unter dieser Nummer" durch das Aufdecken vieler unbekannter Hintergründe und analytische Sorgfalt auf. Der Autor belegt augenfällig die zahlreichen Rechtsbrüche, die mit diesem Ereignis verbunden waren und sind.

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Gute Miene 03.10.2018, 09:29
6. Loben allein reicht nicht

Angleichung von Löhnen und Renten - immer noch nicht. Wenn man vergleichbare Lebensverhältnisse im ganzen Land möchte, muss man in einigen Regionen mehr Geld in die Hand nehmen, auch wenn den Netto-Zahlern das nicht gefällt. Natürlich machen "die im Osten" einen guten Job - wie die Menschen überall in unserem Land! Ich habe im Westen auf nichts verzichten müssen! Vielleicht sollten wir auch hier mal sagen: Wir schaffen das!

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hansfitter 03.10.2018, 09:34
7.

Es gab andere Pläne für Ostdeutschland,.Leider wurde damals, bei der Bundestagswahl, im Osten massiv auf Kohl gestimmt Dieser hatte den eins zu eins Umtausch einer wertlosen Währung versprochen. Das Geld welches dafür aus dem Fenster geworfen wurde,fehlte Nachher an anderer Stelle. Es wäre besser eingesetzt gewesen, wenn man damit der Ostdeutschen Wirtschaft Hilfe zur Selbsthilfe gegeben hätte. Dann hätte man auch die Treuhand nicht gebracht. Auch ich war damals im Osten unterwegs auf Montage und habe den desolaten Zustand der Infrastruktur und Betriebe gesehen. ich habe erlebt wie die Stimmung von euphorisch über ernüchtert nach enttäuscht umgeschlagen ist. Schade! Der Westen ist daran jedoch nicht alleine Schuld.

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qwertreiber 03.10.2018, 09:50
8. Einseitige Sicht

Mal ganz ehrlich betrachtet haben nicht nur ehemalige DDR-Bürger viel eingebüsst. weder faktische noch emotionale Gewinner und Verlierer teilen sich nicht in Ost und West. Es gibt viele, die ehemaligen Grundbesitz in der DDR durch die Wiedervereinigung einfach verloren haben. Den Preis hat also nicht nur "der Osten" bezahlt. Auch die Kosten für den Wiederaufbau des Ostens hat zum Großteil jeder einzelne "West"-Bürger bezahlt, was einfach an der Zahl der Menschen und der Einkommensverhältnisse liegt. Ich erwarte auch von der Politik da zwar Verständnis für die Emotion des Einzelnen zu haben, das ganze aber nicht zu einer einseitigen Opfer-Story mutieren zu lassen, die sich an Himmelsrichtungen orientiert. Das wäre genauso schwachsinnig undifferenziert wie heutige Politik immer noch nach Sitzordnung der Weimarer Republik zu sortieren.

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PRAN1974 03.10.2018, 09:52
9.

Als Westdeutsche ist man also arrogant? Dann muss man den Ostdeutschen leider Undankbarkeit vorwerfen. Immerhin habe ich für die Einheit "auf Wohlstandszuwachs verzichtet". Diese Aussage möchte ich aber in Frage stellen. In Westdeutschland ist man nicht nur Nettozahler für Ostdeutschland, sondern auch für die EU insgesamt. Trotz der Transferleistungen profitieren wir insgesamt davon, wie wir gerade in umgekehrter Weise an den Briten beobachten können. Außerdem sollte jeder Mensch in Deutschland sich glücklich schätzen, dass DDR, Sowjetunion und Kalter Krieg Geschichte sind! Eine rein wirtschaftliche Betrachtung aus westdeutscher Sicht ist deshalb nicht zielführend.
Hat man bei dieser Befragung nur Menschen in den jeweiligen Landesteilen befragt oder auch Ostdeutsche, die später in den Westen ausgewandert sind? Deren Sichtweise könnte sich deutlich unterscheiden. Zum Glück sterben die Ex-DDR-Bürger langsam aus oder gehen in Rente. Viele Frauen aus dem Osten erhalten sogar eine höhere Rente als die Frauen im Westen, die früher noch oft in die Hausfrauen-Rolle gedrängt wurden. Eine wirkliche Einheit kann es aber wohl nur mit Menschen geben, die in Gesamtdeutschland aufgewachsen sind und nicht mehr ständig vergleichen und hadern. Diese Menschen sind jetzt übrigens an die 30 Jahre alt und auch für die 40-jährigen dürfte die Teilung in ihrer Erinnerung keine große Rolle mehr spielen. Selbst 50-jährige haben höchstens noch Teile ihrer Ausbildung in der DDR gemacht und den größten Teil ihres Berufslebens in Gesamtdeutschland verbracht!

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