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Unionsfraktionschef Brinkhaus: Ostdeutsche wurden "nicht fair behandelt"
DPA

Bei der Wiedervereinigung seien Fehler begangen worden, kritisiert Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Es fehle an Respekt vor den Leistungen Ostdeutscher. Ein "Wunder" sei die Einheit trotzdem.

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reichsvernunft 03.10.2018, 09:55
10. Schöne Worte...

... solange Menschen im Staatsdienst auf beiden Seiten bis heute unterschiedlich bezahlt und behandelt werden kann man sich Aufarbeitung und Schmusekurs sparen. Wer im Westen Lehrer war bekommt bis heute fast das zweieinhalbfache an Rente von einem Lehrer im Osten (letzterer mit mehr Arbeitsjahren, keiner Parteimitgliedschaft und Übernahme nach der Wende). Ja, das ist fehlender Respekt. Das ist auch eine Zementierung sozialer Ungleichheit - die wirtschaftliche Spaltung mag ihren Ursprung in der unterschiedlichen "Herkunft" haben, aber im Wesentlichen hat man sich doch gefreut, auf Seiten der Wirtschaft, jetzt Massen an gut ausgebildeten Fachkräften zur Verfügung zu haben die wenig gewohnt waren, gut improvisieren konnten, gelernt hatten zu allem Ja und Amen zu sagen und nur die Hälfte gekostet haben, ohne über Steuern (denn die trägt ja der westdeutsche Bürger) in Ausbildung oder Infrastruktur investieren zu müssen. Klar war die Wirtschaft im Osten marode, und ja, viele dort mussten umlernen und umdenken, aber der Prozess hätte in 'nem Jahr durch sein können und der Osten mitwachsen, wenn man nicht das ganze Gebiet erstmal dem Kapital zum Fraß vorgeworfen hätte. Aus diesem politischen Totalversagen heraus kam doch erst die ewige Mär vom einfältigen Ossi und dem arroganten Wessi. Ich meine, immerhin sagt jetzt mal jemand der Gehör finden kann was dazu das nicht "naja, der Ostdeutsche konnte ja nix dafür, dass er ein Totalversager war" ist.

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snoook 03.10.2018, 09:59
11. Es ist dann auch mal gut!

Bei allem berechtigten Verständnis (und wir haben ja erst sehr spät heraus bekommen, wie die Ostdeutschen und letztlich der Staat abgezockt wurden), ist es jetzt nach fast 30 Jahren dann auch mal gut. Man muss sich mal überlegen, was nach der letzten "Stunde 0" in 30 Jahren alles passiert ist und aufgebaut wurde - und zwar in beiden Teilen Deutschlands: 1975 gab es schon genug Autos und Autobahnen, dass die Ölkrise 1973 die Menschen kalt erwischt hat.
Man kann aus heutiger Sicht nur bewundern, was damals in der DDR geschafft wurde - und zwar ohne Globalisierung - vieles von dem wäre heute so nicht mehr möglich. Aber diese Leistung und diese Kreativität auf Weltniveau fehlen heute leider völlig, man muss das so hart sagen. Und bevor dort wieder kreative Köpfe und Industrie nachwachsen, müssen eben erst die Rahmenbedingungen stimmen und damit meine ich die entsprechende Einstellung. Dieses Problem kann man aber dem Westen nicht anlasten. Das müssen die Menschen vor Ort ganz alleine schaffen! (Und bitte nicht vergessen: Strukturschwache Regionen gibt es auch zuhauf im Westen Deutschlands!)

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kamry 03.10.2018, 10:09
12. Ein Merkel Anhännger

möchte schlichten,um Wähler für die CDU zu ergattern.
Merkels Versprechungen sind alle nicht erfüllt worden.Wieso soll das jetzt mit Herrn Brinkhaus funktionieren?.

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Zaunsfeld 03.10.2018, 10:10
13.

Zitat von qwertreiber
Mal ganz ehrlich betrachtet haben nicht nur ehemalige DDR-Bürger viel eingebüsst. weder faktische noch emotionale Gewinner und Verlierer teilen sich nicht in Ost und West. Es gibt viele, die ehemaligen Grundbesitz in der DDR durch die Wiedervereinigung einfach verloren haben.
Welcher Westdeutsche hat denn Grundbesitz in der DDR verloren? Im Gegenteil: Vielen Ostdeutschen, die 30 oder 40 Jahre lang in einem selbst gebauten Haus auf einem legal erworbenen Grundstück gelebt haben, wurde nach der Wende dieses Grundstück samt Haus weggenommen, weil irgendwann zu Beginn der DDR der ursprüngliche Bewohner nach Westdeutschland umgeseidelt ist und das Grundstück einfach zurückgelassen hat und nun die Nachfahren es wieder haben wollten, obwohl sie sich 40 Jahre lang darum nicht geschert haben.

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jujo 03.10.2018, 10:10
14. ...

Zitat von clausde
Irgendwann wird es eine historische Aufarbeitung der Arbeit der Treuhandgesellschaft geben. Wenn es dann überhaupt noch Unterlagen gibt. Aus Sicht eines Wessies hat die Treuhand, zugunsten westdeutscher Glücksritter, den Osten platt gemacht. Das war die erste staatliche Demütigung des Westens gegen den Osten. Und da hat die Brinkhaussche CDU einen nicht unerheblichen Anteil gehabt. Der Osten war marode, es drängte die Zeit, dennoch hätte es andere intelligentere Lösungen geben können. Lösungen die es vermieden hätten, das die Diskussion über die Gräben zwischen Ost und West nach bald dreißig Jahren nicht mehr geführt werden müssten. Das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung hat in der Folge, leider einen bitteren Beigeschmack.
Ich hätte es (wessi ) nicht besser sagen können. Schon allein der Termonologie, der BRD gegenüber der DDR, war total daneben.
Das Westdeutsche Beamte nur mit "Buschzulagen", wie es verächtlich genannt wurde; bereit waren in die neuen Bundesländer zu wechseln war daneben. Ich weiß nur von meinem Berufsstand des Seemannes, das die allermeisten DDR Seeleute bei Westdeutschen Reedereien untergekommen sind und insofern eine "weiche Landung"
hatten. Ich kann nur mit der Aufforderung mal in die ostdeutschen Länder zu reisen nicht viel anfangen. Ich war noch nie im Saarland oder im bayrischen Wald, ich wüßte spontan auch nicht was ich dort soll?

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kuac 03.10.2018, 10:12
15.

Schon damals hatte LaFontaine von Kohls Plan gewarnt. Aber auch die Ossis wollten von Oscar nichts wissen. Die überwiegende Mehrheit wollte den schnellen Anschluss. Und so war das auch gekommen.
Alle fühlen sich in DE nicht fair behandelt. Die Ossis, die Deutschtürken, die Russlanddeutschen und auch die Migranten. Woran liegt das? Und warum will die ganze Welt dennoch nach Deutschland?

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m.gu 03.10.2018, 10:13
16. Ich gebe Herrn Brinkhaus vollkommen Recht, 29 Jahre nach Wieder-

Vereinigung wird die Masse der Ostdeutschen wie Menschen 2. Klasse in Deutschland behandelt. Geringerer Lohn, geringere Renten trotz gleicher Preise in den Verkaufsstellen, Stromanbieter usw. in Deutschland. Eine Schande von den Regierenden der Politiker der GroKo, die vor Scham im Erdboden versinken müssten. Vor allem viele Ostdeutsche sind von bitterer Armut, Wohnungslosigkeit betroffen. Siehe Beweis Quellen: "Studie mit präziseren Kriterien: Arme Familien sind ärmer als gedacht," sowie "Wohnungslosigkeit - 860 000 Menschen haben in Deutschland keine Wohnung." Eine Politik der sozialen Ungerechtigkeit im großen Stil nachweisbar durch die Politiker der CDU/CSU und der SPD.

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kajoter 03.10.2018, 10:19
17. Was will Brinkhaus damit ausdrücken?

Ich vermute, er will nach all der Schelte um Pegida, Chemnitz, Neonazis und ewig jammernde Ostdeutsche einige verbale Streicheleinheiten verteilen. Gut, das ist sein Job.
Dagegen: In mir wächst allmählich eine Frustration, die alllerdings schon ein paar Tage nach dem Mauerfall begann. Als durchaus patriotischer Mensch war auch ich überwältigt von den neuen Entwicklungen - die Zukunft konnte nur positiv sein. Ich arbeitete zu der Zeit in Lübeck und die Stadt wurde sofort von Bürgern der DDR überflutet. Die Züge waren überfüllt und die Polizei gab es auf, die fälligen Knöllchen an all die Parksünder zu verteilen. Es herrschte ein absolutes Chaos, wenn auch ein positives. Aber während wir "Wessis" neugierig auf die Menschen waren, schienen die "Ossis" nur den Konsum im Sinn zu haben. Die großen Kaufhäuser konnten all ihre Lagerwaren verkaufen und bei den Gebrauchtwagenhändlern stand nach kurzer Zeit kaum noch ein Auto auf dem Hof. Das Theater bot Freikarten für alle DDR-Bürger an und das über Monate. Es kam kein einziger. Stattdessen stand man lieber an, um das sogenannte Begrüßungsgeld zu empfangen - häufig zum wiederholten Mal.
Das alles war frustrierend und es zeichnete kein gutes Bild der Ostdeutschen.
Als ich einige Jahre später in Ostdeutschland arbeitete, bekam ich den Eindruck, dass viele Ostdeutsche ein tief verwurzeltes Gefühl einer Benachteiligung empfanden. Das Wort von den Jammer-Ossis ist nicht grundlos entstanden. Ich kam mir in ihrer Gegenwart häufig wie ein Schuldiger vor, ohne zu wissen, worin genau der Anklagepunkt bestand.
Ja, ich habe mich auch einige Male über die Großkotzigkeit und Unverfrorenheit meiner westdeutschen Landsleute geschämt. Immobillienmakler, Bauunternehmer oder Automobilfirmen, u.a. gerade Mercedes und ihre Taxis - sie sind wirklich mit dem Ellenbogen und über Bord geworfenen, moralischen Maßstäben durch die neuen Bundesländer gezogen und haben dort einiges dafür getan, dass sie für viele Ostdeutsche zum Prototyp des "Wessis" wurden.
Der quasi normale Wessi aber - so einer wie ich -, der die Wende begrüßte und den Soli für völlig angebracht ansah, was hat der im Laufe der Jahre wahrnehmen müssen? Das war neben der o.a. Befindlichkeit vieler Ostdeutscher vor allem der ungeheure Rechtsruck. Alles, was in Westdeutschland eigentlich zum Staatsverständnis gehörte, das "Nie-Wieder" und all die "Bäh-Bäh-Wörter" mit entsetzlichem Nazigestank, das kroch allmählich aus seinen Löchern. Und heute, am Tag der deutschen Vereinigung, bin ich leider sehr skeptisch, ob all das damals eine gute Entwicklung war. Ob ich diese Vereinigung damals mit dem Wissen von heute begrüßt hätte, wage ich zu bezweifeln. Daher steht mir heute nicht der Sinn nach Feiern und hohlen Sonntagsreden. Westdeutschland und seine politische Kultur gibt es leider nicht mehr und ich beginne, dieses immer stärker zu bedauern.

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j.vantast 03.10.2018, 10:21
18. Immer langsam

Sicher hat Kohl damals mit leeren Versprechungen unheimlich viel Schaden angerichtet. Kohl wollte alles übers Knie brechen, das war damals schon einfach unsinnig und ist es heute noch. Kohl wollte in die Geschichte eingehen, nun, das hat er auch geschafft. Aber mit Ruhm ist das nicht verbunden.
Auf die Treuhand hätte man wohl verzichten können, Kohl hätte sich vielmehr intensiver mit der Situation im Osten befassen müssen als den Osten seinen gierigen Parteikollegen und Lobbyisten zwecks Leichenfledderei zu überlassen.
Natürlich war es für viele aus dem Osten eine Stunde Null, aber dies bedeutete nicht nur einen mühsamen Neuanfang sondern auch enorme Chancen.
Und Arroganz gab es im Osten genauso. Es gibt noch immer Menschen im Osten die tatsächlich glauben die DDR wäre enorm innovativ gewesen. Eigenartig nur das man selbst 1989 noch mit Kohleöfen heizte und Fahrzeuge mit Zweitaktmotor fuhr. Die Menschen im Osten werden auch nicht vorankommen indem sie ewig ihre Ostalgie pflegen. Die momentane politische Entwicklung im Osten wird jedenfalls ganz sicher nicht dafür sorgen dass es im Osten vorangeht.

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Rodini 03.10.2018, 10:22
19. Immer der arme Osten.....

Der Anschluß konnte den Ostdeutschen damals nicht schnell genug gehen, es gab genug Stimmen die darin Probleme sahen und gewarnt haben -Ich sehe die Bilder von 89 noch vor mir, wie geradezu hysterisch nach der D-Mark geschrien wurde- .Vieles davon ist leider eingetreten. Ich schreibe Anschluß und nicht Wiedervereinigung, weil es das faktisch war. Die DDR wurde quasi eliminiert, selbst fortschrittliche Dinge der DDR wurden auf die Müllhalde der Geschichte geschmissen, darunter leiden noch heute viele Ostdeutsche an ihrem Selbstbewußtsein und das mit Recht..Das sich eine neue Rechte in den neuen Ländern etabliert hat, ist nicht verwunderlich aber auch nicht zu Entschuldigen. Wer rechte Saat sät, muß auch damit leben, wenn keine großen Firmen mehr in den Osten wollen und dieser vom Rest abgehängt wird. Ich könnte in meinem Bekanntenkreis keinem Ausländer guten Gewissens empfehlen z. B nach Sachsen zu gehen. Sie wollen unter sich bleiben? dann bleiben Sie es doch ,aber beklagen sie sich nicht noch. Unter den aktuellen Bedingungen hätte ich bei einer Volksabstimmung seinerzeit gegen einen "Anschluß" und lediglich für eine engere Assoziation, sozusagen einer Wiedervereingung als Testphase gestimmt.

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