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Unionsfraktionschef Brinkhaus: Ostdeutsche wurden "nicht fair behandelt"
DPA

Bei der Wiedervereinigung seien Fehler begangen worden, kritisiert Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Es fehle an Respekt vor den Leistungen Ostdeutscher. Ein "Wunder" sei die Einheit trotzdem.

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fenasi_kerim 03.10.2018, 10:25
20. Historische Verklärung

Schon ausweislich der Kohl-interviews ist klar, dass die Einheit keine Leistung war, zu der sie verklärt wurde. Vielmehr war ein Land wirtschaftlich schlicht am Ende und hat einen anderen beitreten müssen, als die Sowjetunion die Bücher gelesen und wieder zugeklappt hat. insofern ist eher Adenauers Prophezeiung, die Bundesrepublik werde den Osten von der Sowjetunion angeboten bekommen, während geworden

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yvowald@freenet.de 03.10.2018, 10:26
21. Situation in den jungen Bundesländern verbessern

"Ostdeutsche wurden nicht fair behandelt". Sehr richtig, Herr Brinkhaus. Es waren jedoch Ihre Altvorderen, Helmut Kohl & Co, die in erster Linie Verantwortung für die Zusammenführung der beiden deutschen Teilstaaten getragen haben.
Kohl hat die Wirtschaft und ihre Geldgeber einfach schalten und walten lassen.
Jetzt zu jammern ist sinnlos.
Die CDU sollte überlegen, wie sie die Situation für die Menschen in den jungen Bundesländern hier und heute verbessern kann.
Damit die dort lebenden Menschen wieder Hoffnung und Zuversicht schöpfen können. Also, ans Werk, Herr Brinkhaus.

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guka-le. 03.10.2018, 10:28
22. Treuhand!!!

die Treuhand soll aufgearbeiten werden. Aber was passiert dann?
Werden mehr Firmen ihren Hauptsitz in den wilden Osten verlegen?
Wird die Wirtschaftskraft die Zerstört wurde, eins zu eins wieder hergestellt?
Werden/wollen die Ingenieure/Ärzte/Akademiker die seit 30 Jahren in den Westen abgewandert sind, wieder in den Osten zurück kommen?
Lieber Leser,stellen Sie sich einmal vor heute würden Sie erfahren, dass der Kapitalismus ab heute nicht mehr funktioniert und ab morgen wird alles verstaatlicht und es zählt nicht mehr der einzelne sondern die Gemeinschaft. Jeder besitzt/bekommt das gleiche. Zum Glück nur Fiktion aber für die Menschen nach der Wiedervereinigung ist das Realität geworden.
Diese betroffene Generation ist bis heute schlichtweg Traumatisiert.

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kodu 03.10.2018, 10:28
23. Nach vorn sehen...

Die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl hatte genau einen Versuch, die sich bietende Möglichkeit zur Wiedervereinigung zu nutzen und das Zusammenfügen zweier strukturell unterschiedlicher Wirtschaft- und Gesellschaftssysteme zu organisieren. Dabei wurden der westdeutschen Wirtschaft Zugeständnisse gemacht, indem auch international durchaus konkurrenzfähige Ostkombinate abgewickelt wurden, und so der Markt von unliebsamem Wettbewerb bereinigt wurde.
In Kauf genommene Konsequenz: Der Zusammenbruch des ostdeutschen Arbeitsmarktes. Das Ergebnis: Massive Abwanderung der leistungsfähigen Bevölkerung aus der ehemaligen DDR. Dort hielt Perspektivlosigkeit Einzug, deren Ausläufer wir auch heute noch sehen, in den PEGIDA-Demonstrationen etc..! Verschärft wurde das Problem dadurch, daß an die entscheidenden Vewaltungsstellen, zunächst plötzlich DDR-Bürgerrechtler aus dem Umfeld der Kirchen traten, die sich lieber (oft heuchlerisch) an vermeintlichen SED- und Stasi-Seilschaften abarbeiteten, als sich um die ökonomische Zukunft ihres Landes zu kümmern. (Mir fällt dabei eine Geschichte ein, die ich im SPIEGEL las, wonach ein Professor aus der legendären Berliner Charité entlassen wurde, weil seine Unterschrift auf irgendeinem Stasi-Wisch stand, der Mann aber umgehend in der Universitätsklinik von Hannover (?) eingestellt wurde)!
Allerdings ist auch wahr : Die Ostdeutschen hätte es durchaus auch schlechter treffen können. Der durch Kohl politisch durchgesetzte Untauschkurs von 1.1 (bis 4000 DDR-Mark) und darüber hinaus 1:2, brachte auch unmittelbar erfahrbaren westlichen Konsum in die zu Industriebrachen mutierenden Gegenden.Die Infrastruktur wurden massiv erneuert. Viele Städte haben inzwischen sanierte und pittoreske Altsstadtkerne, denen nur eines fehlt: Die Menschen.
Das Frustpotenzial entsteht durch das immer stärker fühlbare Fehlen der in den Wendejahren ausgewanderten Menschen. Und damit der Perspektiven. Die würden jetzt gebraucht. Und ich habe Verständnis dafür, daß die Menschen besonders im kulturell und wissenschaftlich-technisch hochentwickelten Sachsen aber auch anderswo im Osten wütend sind, wenn ihnen, nachdem ihre eigenen Kinder weggelockt worden sind, nun mit "ausländischen Fachkräften" kommt, die diese Gegenden dann wohl besiedeln sollen.
Dennoch: Wir müssen gemeinsam nach vorn sehen. Um eine Umkehrbewegung zur Stärkung des Ostens in Gang zu setzen, bedarf es ernsthafter Anstrengungen und politisch resolut durchgesetzter Maßnahmen (mit Aussitzen und Abwarten wird es nicht gehen) ...z.B. die Ansiedlung von Forschungsinstituten etc...dann wird im Osten auch wieder (weiter) die Sonne aufgehen.

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etwilli 03.10.2018, 10:30
24. Ein wichtiger Feiertag... (1v4)

Wir sollten an diesem Feiertag ehrlich Rückschau halten und daraus lernen.

Nach den Erfahrungen vom Aufstand 1956, dem Prager Frühling und mit dem Wissen um die Ereignisse auf dem Platz des "Himmlischen Friedens" in Peking, mit dem Wissen, dass jederzeit die Panzer anrollen können, sind Väter und Mütter zu zehntausenden spontan in Leipzig um den Ring marschiert - nicht um endlich die D-Mark, Jeanshosen und West-Autos zu haben!

Am Nachmittag vor der Demo in Leipzig war die gesamte Innenstadt gefüllt mit LKW's, besetzt mit Kampfgruppen und Bereitschaftspolizei, bewaffnet mit Maschinengewehren. Hunde dabei, riesige "Schiebe"-Gitter vor den Lastern. Auf dem Stasigebäude und den umliegenden Häuser waren MG installiert, die Frau eines Kollegen, Ärztin - mittags ins Krankenhaus eingezogen mit dem Auftrag, sich auf Schussverletzungen vorzubereiten... trotzdem sind wir abends zur Demo gegangen.

Nur einer, damit das Kind im schlimmsten Fall nicht allein ist...

Viele der heutigen Helden des Laptops denken, das die Ossis nur den Konsum wollten, sie wollten die Wessis abzocken und um ihr Geld erleichtern. Sie wollten Jeans, Recorder und Bananen, deshalb haben sie todesmutig demonstriert und sich in Lebensgefahr begeben.

Menschen sind aber keine egoistische Einzelwesen, sondern immer Teil einer sozialen Gemeinschaft. Wer die Beweggründe der Bürger damals und die der Bürger heute falsch einschätzt, könnte eine ziemliche Überraschung erleben.

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etwilli 03.10.2018, 10:32
25. Ein wichtiger Feiertag... (2v4)

Dann kam die Vereinigung, die schnell gehen musste wegen der notwendigen Zustimmung der Besatzungsmächte und dem Willen der Bürger.

Die Betriebe in der DDR waren so schlecht nicht und es gab durchaus Betriebe, die Mittelständlern entsprachen. Sie waren in Kombinaten zusammengefasst.

https://www.mdr.de/zeitreise/quelle-und-ddr-produkte-100.html

Nicht der Osten hat die Strukturen platt gemacht. Der Westen hatte "gewonnen" und hat "seine" Wirtschaft geschützt, die Ost-Betriebe wurden unter Nutzung der Unerfahrenheit der "Ossis" mit der Marktwirtschaft aufgeteilt und sind heute weg oder Westbesitz.

In unsere Firma kamen damals Vertreter einer Westfirma, die das gleiche Produkt herstellte. Unsere Leitung übergab die Kundenkartei, denn man versprach ja eine tolle, gemeinsame Zusammenarbeit. Der Marktanteil der Ost-Firma im Westen war damals größer als der der westlichen Firma und reichte bis Kanada. (Bessere Qualität und niedrigere Preise)

Heute sind die Firmengebäude vermietet, es sitzt noch ein Angestellter auf dem Gelände, der Anfragen an die ehemalige Ost-Firma beantwortet und Vertreter der Westfirma ist. Die West-Firma hat sich die Ost-Firma einverleibt, lästige Konkurrenz beseitigt und vermietet nun zusätzlich die Immobilien. Die knapp 500 Beschäftigten waren nach Übergabe der Kundenkartei sehr schnell arbeitslos.

So hat der Osten Kapitalismus gelernt und dieser Kahlschlag wirkt bis heute nach.

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bran_winterfell 03.10.2018, 10:33
26. Ich kann es nicht mehr hören...

wer wurde "unfair" behandelt, warum erleben laut meinem Ministerpräsidenten Ramelow "auf der emotionalen Seite […] die Menschen im Osten nahezu täglich Verletzungen"? So ein Unsinn, mit sowas zündelt und spaltet man... ich lebe jetzt seit knapp 20 Jahren im "Osten" bzw. eher in der Mitte Deutschland, die Menschen sind hier nicht besser oder schlechter als anderswo, sind genauso eingebildet oder nicht eingebildet und denken wie überall auch oft gerne, dass es überall besser ist als da, wo man gerade ist...
und wer hier von einem "mehr oder minder erzwungenen Anschluss der DDR an die BRD" fabuliert, der hat wohl seine eigenen ganz speziellen alternativen Erinnerungen an die Vorgänge damals. Zum einen wäre die DDR ohne Einheit ganz schnell ausgeblutet ( „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr“)- ist ja selbst so noch ein großes Problem, zum anderen gab es in der DDR entsprechende Wahlen, in der BRD nicht - sprich dort wurde niemand explizit zur Wiedervereinigung befragt. Sicher in Ordnung soweit, denn niemand in der BRD hatte das moralische Recht, den Menschen in der DDR eine Wiedervereinigung zu verweigern, politisch aber vielleicht ein Fehler.

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etwilli 03.10.2018, 10:33
27. Ein wichtiger Feiertag... (3v4)

Es ist für den Osten nach der Wende niemals vorgesehen gewesen, eine Gründungskultur zu schaffen.
Dann hätte man aus den Betrieben beispielsweise GmbH's mit Beteiligung der Belegschaften gründen können und aus der Mitte der Belegschaften wären "Unternehmer" entstanden.

Dort, wo es in Ausnahmefällen so geschehen ist - z.B. bei der Sektkellerei "Rotkäppchen" Freyburg, dort haben die Firmen überlebt. Die Sektkellerei hat als Ost-Firma dann in den letzten Jahren Westfirmen gekauft... Ein weitere Erfolgsgeschichte ist Multikar in Thüringen...

Es gab aber für Ostdeutschland nie die Chance einer solchen Entwicklung. Alles was da war wurde aufgeteilt, verramscht oder platt gemacht.

Kapitalismus ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Die so viel gerühmte "individuelle Gier", die dem System zugrunde liegt und Motor des Erfolges im Westen sein soll, hat den Osten platt gemacht und lässt auch die heutige "Willkommenskultur" in einem sehr fahlen Licht erscheinen.
Um es mit einem Bild zu beschreiben: die "Ossis", die gerade schwimmen lernen wollten, hatten nicht mal Schwimmflossen und wurden in ein Becken mit Haien geworfen, in dem die meisten "Wessis" mit U-Booten unterwegs waren.

Dann aus dem U-Boot heraus festzustellen und zu verkünden, dass es nur am mangelnden persönlichen Einsatz und an der mentalen Neigung der "Ossis" zum Jammern liegt, dass sie kein Unternehmertum entwickeln und sich selbst helfen, ist ziemlich zynisch.

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etwilli 03.10.2018, 10:34
28. Ein wichtiger Feiertag... (4v4)

Notwendig sind wohl in der heutigen Lage nicht "Maßnahmen für den Osten", sondern für Maßnahmen für Gesamtdeutschland.

Die "marktkonforme Demokratie", die zu Dieselskandal, Lebensmittelskandalen, Steuerkriminalität insbesondere großer Unternehmen, Verfall der Infrastruktur, Verschlechterung der (Aus-) Bildung, übermäßigem Einfluss des Bankensektors, teilweiser Privatisierung der Daseinsfürsorge, Verschlechterung der Nachhaltigkeit mit immer stärkeren Umweltbelastungen, sozialen Spannungen usw. geführt hat, muss wieder zurückgeführt werden in eine echte Demokratie. Lobbyismus, Korruption und Amtsmissbrauch müssen bekämpft werden. Direktdemokratische Beteiligung der Bürger etwa nach Schweizer Vorbild sollte etabliert werden.

Der Staat muss wieder die "Leitplanken" für die Wirtschaft vorgeben und sie auch um- und durchsetzen. Wo das national nicht möglich ist, sind internationale Regelungen erforderlich. Die wirtschaftliche Konfrontation mit Russland, die auf geopolitischen Zielen der USA beruht, sollte beendet werden.

Nur so kann dem Mittelstand, der nach wie vor Träger der Wirtschaft ist, sowohl in Westen und als auch im Osten das nötige Umfeld für seine Arbeit gewährleistet werden. Bei der Rückkehr zu einer demokratischen, sozialen Marktwirtschaft werden sich dann auch im Osten Deutschlands die Spielräume ergeben, die ein angemessenes, nachhaltiges Wachstum und den Aufbau einer mittelständischen Industrie ermöglichen.

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claudio_im_osten 03.10.2018, 10:35
29. Na, lieber Herr Brinkhaus,

was für eine Aussage - mit der sich die ostdeutschen Ministerpräsidenten derzeit gegenseitig übertreffen. Und wie absurd! Die Deutschen mit Migrationshintergrund wurden und werden auch nicht fair behandelt - und es fehlt an der Würdigung für ihren Anteil an der Wertschöpfung, die uns den Aufbau Ost erst möglich gemacht hat.
Machen Sie deutlich, dass wir alle zusammengehören - und dass wir alle Deutschland sind! Das wäre zum Tag der Einheit die richtige Position mit einem Blick nach vorn; genau auf diese Botschaft aus Berlin kommt es derzeit an.

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