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Unionsfraktionschef Brinkhaus: Ostdeutsche wurden "nicht fair behandelt"
DPA

Bei der Wiedervereinigung seien Fehler begangen worden, kritisiert Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Es fehle an Respekt vor den Leistungen Ostdeutscher. Ein "Wunder" sei die Einheit trotzdem.

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Jack-in-the-box 03.10.2018, 10:38
30. Nicht fair behandelt?!

Welch gewagte Aussage, wenn man sich das Leben in der DDR noch einmal vor Augen führt. Ich erlebte dies in den 1980er-Jahren bei Besuchen im Rahmen des „kleinen Grenzverkehrs“. Niemals vergesse ich die vorherrschende Lethargie und Resignation angesichts der prekären Lebensumstände. Berufliches Fortkommen gesteuert, Chancengleichheit unterbunden, diffuse Ängste vor allem und jedem und die Stasi stets im Blick. Im Gegensatz dazu die Vorstellungen über den paradiesischen Westen, die das Westfernsehen vermittelte. Persönlich relativiert durch Schilderungen zum westdeutschen Arbeitsalltag mit allem Bestreben. Umso auffälliger, dass die Eigeninitiative vieler Ostdeutscher damals schon nicht reichte, um auch nur vor der eigenen Haustür zu kehren. Dies im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Mauerfall wurden die Uhren auf Null gestellt und eine Menge Menschen hat die durch die Einheit ermöglichten Chancen genutzt. Den Frust der Gescheiterten samt Folgegeneration bis heute abzubekommen, ist ungeheuerlich. Dabei hätte etwas Besseres als die Wiedervereinigung gar nicht passieren können. Weil alles besser war, als weiter in einem Unrechtsstaat zu leben. Vielleicht gab es suboptimale Entscheidungen in Politik und Wirtschaft. Aber das Ereignis kam ja auch plötzlich, war geschichtlich einmalig und Neuland auf allen Ebenen. Seid dankbar Leute und lasst es nach bald 30 Jahren endlich mal gut sein. Es braucht keine „besondere Unterstützung“ für die Entwicklung des Ostens mehr und in diesem Zusammenhang auch keinen leidigen Solidaritätszuschlag, der vielen Menschen weh tut. Ihnen laut Umfrage noch Arroganz vorzuwerfen, ist unglaublich. Armes Deutschland!

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sojus31 03.10.2018, 10:45
31. Die Ausführung

von Herrn Brinkhaus sind vielleicht mal ein Anfang für die Vollendung der deutschen Einheit. Bisher hat sich darüber niemand geäußert, auch nicht die aus dem Osten stammende Frau Merkel. Ein Beitrag könnten hier auch endlich mal die Medien leisten indem man aufhört ständig von Ossi und Wessi, alten und neuen Bundesländern zu reden. Oder wielange zählt man als NEU. Diese ständige Betitelung treibt nämlich immer wieder den Keil zwischen unser Volk. Die Fehler und Abzocke bei der Vereinigung kann man eh nicht mehr ändern. Aber wir sollten alle endlich zusammen wachsen. Ohne Beeinflussung von Medien und Politikern.

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Ottokar 03.10.2018, 10:52
32. Es ist nun fast 30 Jahre her

als ich 88 und 89 Verwandte und Freunde in der DDR besucht habe und die bange Frage auftauchte was nun. Alle waren begeistert, sie konnten Reisen, sie konnten Autos kaufen aber keiner hat geahnt was dafür von jedem zu tun ist. Wir, in Westdeutschland, sollten einmal darüber nachdenken wie es und gehen würde wenn die Vereinigung umgekehrt stattgefunden hätte. Wenn es bei uns über Nacht keine Verwaltung mehr gegeben hätte, wenn bei uns Betriebe geschlossen wurden da sie Unproduktiv waren....In der DDR wurde für alles vom Staat gesorgt und auf einmal, über Nacht war das vorbei. Denkt einmal darüber nach wie es den älteren Menschen dort ging die nicht mehr Jung genug waren von Grund auf neu anzufangen. Selbst habe ich Wochen gebraucht um meinen Freunden und Verwandten die Bundesrepublik zu erklären. Das war ein Integrationskurs im Kleinen.

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haarer.15 03.10.2018, 11:02
33. Ralph Brinkhaus

Naja, späte Einsicht, die man aber nicht mehr revidieren kann. Kohl wollte nach außen auch nur blühende Landschaften sehen, ohne das innere Seelenleben der Ost-Menschen zu betrachten. Das Resultat dieser ignoranten und sehr vordergründigen Sicht wird uns heute präsentiert. Herr Brinkhaus mag zwar recht haben, nur kommen diese Einsichten eine ganze Dekade zu spät. Als Erneuerer seiner Partei wirkt dieser Mann nach außen gerade nicht.

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rieberger_2 03.10.2018, 11:03
34.

Als ein Kind des Kalten Krieges war für mich die Wiedervereinigung in erster Linie die Beseitigung eines anormalen Zustandes. Gleichzeitig ein Sieg der Freiheit gegen ein autoritäres System. Ein System , das von Menschen bedient wurde, gegen die ich in meiner Wehrpflicht stand. Ich empfand und empfinde kein Mitleid mit diesem System, allerdings auch keine Ablehung oder sogar Hass, Verachtung gegen diese Menschen. Für ihre Empfindlichkeiten kann ich nichts. Es sollte aber doch langsam eine Situation entstehen, in der es keine Rolle mehr spielt, ob ich ein sog. Wessie oder Ossis bin, ob Preuße oder Süddeutscher . Wir sind Deutsche und gut ist.

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kuac 03.10.2018, 11:05
35.

Zitat von Ottokar
als ich 88 und 89 Verwandte und Freunde in der DDR besucht habe und die bange Frage auftauchte was nun. Alle waren begeistert, sie konnten Reisen, sie konnten Autos kaufen aber keiner hat geahnt was dafür von jedem zu tun ist. Wir, in Westdeutschland, sollten einmal darüber nachdenken wie es und gehen würde wenn die Vereinigung umgekehrt stattgefunden hätte. Wenn es bei uns über Nacht keine Verwaltung mehr gegeben hätte, wenn bei uns Betriebe geschlossen wurden da sie Unproduktiv waren....In der DDR wurde für alles vom Staat gesorgt und auf einmal, über Nacht war das vorbei. Denkt einmal darüber nach wie es den älteren Menschen dort ging die nicht mehr Jung genug waren von Grund auf neu anzufangen. Selbst habe ich Wochen gebraucht um meinen Freunden und Verwandten die Bundesrepublik zu erklären. Das war ein Integrationskurs im Kleinen.
Den älteren ging doch gar nicht schlecht bei der Wiedervereinigung. Sie bakamen die volle Rente, ohne je einen Cent in die Rentenkasse der BRD bezahlt zu haben.
Den schnellen überhasteten Anschluss haben wir Kohl und den Ostdeutschen zu verdanken. Kohl wollte Wähler und die Ossis wollten DM und Reisefreiheit. Über die Folgen der schnellen Einführung der "freien Marktwirtschaft" hatte niemand nachgedacht.

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Claudia_D 03.10.2018, 11:08
36.

Zitat von PRAN1974
Viele Frauen aus dem Osten erhalten sogar eine höhere Rente als die Frauen im Westen, die früher noch oft in die Hausfrauen-Rolle gedrängt wurden.
Und dies, ohne jemals eine "harte Mark" in die Rentenkasse eingezahlt zu haben.

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micha_schmieder 03.10.2018, 11:13
37. unglaubwürdiges Gelaber

von Herrn Brinkhaus. Jetzt versucht man, den Ossi's Honig auf den Bauch zu schmieren, nachdem diese mit AfD & Pegida die offene Revolution proben. Allein für dieses Wachrütteln kann man den Sachsen nur dankbar sein. Dieses Wahlkampfgequatsche kann nur an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn jetzt wirklich Taten folgen (Renten, Löhne ...). Noch ein Wort zu den Kommentaren hier: Die Wessi's, die sich über die undankbaren Ossis beklagen, haben gar nichts verstanden. Vor allem nicht, dass die normalsterblichen Ossi's von ihrem Betrag (dem westdeutschen) garnichts erhalten haben. Westdeutsche Baufirmen haben die Infrastruktur im Osten aufgebaut (mit Ossis als Billiglöhnern). Die Gewinne aus den Subventionen sind alle wieder in den Westen abgeflossen. Begreift das nur keiner? Kein einziges DAX-notiertes deutsches Industrieunternehmen hat seinen Hauptsitz in den Osten verlegt ... die Ossis werden nur als verlängerte Werkbank von Porsche, Mercedes, Siemens & Co. benutzt. Arbeiten dürfen wir für die, deren Tariflöhne bekommen wir aber nicht.
Die Ossis wohnen nun in einem wunderbar wiederaufgebauten Land ... nur es gehört ihnen nichts mehr davon. Für sehr viele Ossis hat die Wende einen wirtschaftlichen Niedergang gebracht. Was nutzt es mir, dass ich jetzt in die Karibik fliegen darf ... es mir aber niemals werde leisten können? Aber dankbar soll ich sein, weil ich es ja theoretisch könnte ... DAS MACHT WÜTEND

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kuac 03.10.2018, 11:13
38.

Zitat von Jack-in-the-box
Welch gewagte Aussage, wenn man sich das Leben in der DDR noch einmal vor Augen führt. Ich erlebte dies in den 1980er-Jahren bei Besuchen im Rahmen des „kleinen Grenzverkehrs“. Niemals vergesse ich die vorherrschende Lethargie und Resignation angesichts der prekären Lebensumstände. Berufliches Fortkommen gesteuert, Chancengleichheit unterbunden, diffuse Ängste vor allem und jedem und die Stasi stets im Blick. Im Gegensatz dazu die Vorstellungen über den paradiesischen Westen, die das Westfernsehen vermittelte. Persönlich relativiert durch Schilderungen zum westdeutschen Arbeitsalltag mit allem Bestreben. Umso auffälliger, dass die Eigeninitiative vieler Ostdeutscher damals schon nicht reichte, um auch nur vor der eigenen Haustür zu kehren. Dies im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Mauerfall wurden die Uhren auf Null gestellt und eine Menge Menschen hat die durch die Einheit ermöglichten Chancen genutzt. Den Frust der Gescheiterten samt Folgegeneration bis heute abzubekommen, ist ungeheuerlich. Dabei hätte etwas Besseres als die Wiedervereinigung gar nicht passieren können. Weil alles besser war, als weiter in einem Unrechtsstaat zu leben. Vielleicht gab es suboptimale Entscheidungen in Politik und Wirtschaft. Aber das Ereignis kam ja auch plötzlich, war geschichtlich einmalig und Neuland auf allen Ebenen. Seid dankbar Leute und lasst es nach bald 30 Jahren endlich mal gut sein. Es braucht keine „besondere Unterstützung“ für die Entwicklung des Ostens mehr und in diesem Zusammenhang auch keinen leidigen Solidaritätszuschlag, der vielen Menschen weh tut. Ihnen laut Umfrage noch Arroganz vorzuwerfen, ist unglaublich. Armes Deutschland!
Das denke ich auch. Falls die Ostdeutschen jetzt mehrheitlich nach rechts driften und glauben, dass das ihre Probleme lösen wird, dann irren sie sich wieder gewaltig.
In keinem ehemaligen Sowjet-Land geht es besser als in Ostdeutschland. Ständiger Vergleich mit West Deutschland bringt uns nicht weiter. Sonst könnten auch die meisten West Deutschen Länder sich mit Bayern vergleichen und ewig jammern!

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charlybird 03.10.2018, 11:32
39. Da fange ich aber mal ganz einfach an zu überlegen,

ja haben wir denn schon Wahlkampf ?
Einige Forenteilnehmer haben hier schon erkannt, dass natürlich der Westen in Form von Treuhand und ''privater'' Freihand ab 1990 dort gewaltig zugeschlagen hat.
Aber es war die Kohlsche Regierung, die die ganzen Treuhand-Raubzüge, inklusive Immo-Kungelei, D-Mark Rubeln, Scheinexporte, und auf was für abenteuerliche Geschäftsideen man damals gekommen ist, nicht verhindert hat.
Und es waren nicht wenig Ostdeutsche, vornehmlich in gehobenen Positionen, die sich an diesen Geschäften aktiv und/oder als Strohmänner gegen ordentliche D-Märker hergegeben hatten.
Natürlich sind andere dabei auf der Strecke geblieben, und es ist auch richtig, dass man deren Lebensleistung auch nicht immer gewürdigt hat, aber dabei muss man auch sagen, dass vieles, was geleistet wurde, im Westen einfach keinen Wertbestand hatte.
Ich denke, wenn Herr Brinckhaus hier die Lebensleistiung der Ostdeutschen gewürdigt wissen will, selbstredend, aber er sollte nicht die Abermilliarden, die der westdeutsche Steuerzahler aufgebracht hat, um das Land dort zu sanieren, vergessen. In den meisten Städten dort drüben sieht es aus, wie in Disneyland und hier gammelt die Infrastruktur vor sich hin.
Sich dann aber nach fast 30 Jahren immer noch in der Opferrolle zu sehen, eine fast pathologische Xenophobie entwickelt zu haben und als ''demokratische'' Antwort darauf Neunazis auf den Leim zu kriechen, ist durch das kapitlistische Unrecht der Vergangenheit definitiv nicht zu entschuldigen.

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