Forum: Politik
Unterhaus nach Zwangspause: Johnsons vergiftetes Angebot
Jessica Taylor/AFP

Nach seiner Niederlage vor Gericht liefert sich Boris Johnson einen wütenden Schlagabtausch mit der Opposition. Im Unterhaus provoziert der britische Premier - und stellt seine zaudernden Gegner vor ein Dilemma.

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ksail 26.09.2019, 08:54
1. Johnson hat Recht...

Boris Johnson steht sein Langem dafür, im Zweifel ohne Deal aus der EU zu gehen. Das wusste seine Partei, die ihn zum Premierminister gemacht hat. Von daher ist es konsequent, wenn er sich nicht dem Parlament verpflichtet fühlt, sondern die Entscheidung an Neuwahlen festmacht. Und die Entscheidung, zu einem bestimmten Termin aus der EU zu gehen, auch wenn bis dahin kein Deal steht, ist noch nicht mal von ihm gefällt wurden, sondern vom Volk und von der Vogängerregierung. Es ist seit bald drei Jahren völlig unklar, was die Abgeordneten eigentlich wollen, außer raus aus der EU und immer wieder einen Aufschub des Termins. Wenn jetzt endlich (!) ein Schlußstrich gezogen wird, kann eine zukünftige Regierung ja mal langfristige Überlegungen anstellen, wie UK zur EU stehen will. In diesem Schwebezustand ist das leider nicht möglich.

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arborbp 26.09.2019, 08:54
2. Was die Briten eigentlich wollen

Was das Parlament eigentlich will (und eventuell alle Probleme lösen könnte) ist, dass ein Freihandelsabkommen mit der EU abgeschlossen wird. Eigentlich kein Problem. Aber die EU wird sich hüten dem zuzustimmen. Sollte die EU dies tun, ist es sicher, dass am nächsten Tag die EU weitere Kündigungen erhält.

Seien wir mal ehrlich, die meisten Länder sind in der EU nur wegen dem wirtschaftlichen Aspekt Mitglied und nicht wegen dem "Europa" Gedanken (meine persönliche Meinung die ich mir in den Jahren gebildet habe). Würde die EU sich wieder zurück in den EWG verwandeln, stimmten die meisten Länder bestimmt zu.

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toll_er 26.09.2019, 08:56
3. Irrsinn

Was sich da abspielt, ist Irrsinn. Johnson will den Brexit mit Gewalt und hart, und was wollen die anderen? Seine Gegner? Brexit , ja, aber nicht so oder anders, Brexit nein, oder doch oder vielleicht? Ja, insofern hat Johnson recht, das Parlament dort drüben ist ein armseliger Haufen.

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s.l.bln 26.09.2019, 09:04
4. Die vierte Staffel...

...der Brexit Sitcom beginnt gleich mit einem Knallertwist: das Parlament verweigert sich dem Flehen des verhaßten Premier, ihm das Mißtrauen auszusprechen.
Eigentlich kann man sowas gar nicht schreiben. Herrlich.

Natürlich hätte Johnson gerne, daß er von den "Brexitverweigerern" zum Märtyrer gemacht wird, um dann als strahlender Held wieder aufzuerstehen.
Es geht hier aber nicht um einen schlechten Tom Cruise Film, sondern um britische comedy. Da muß schon ein besseres Drehbuch her.
Bin gespannt.

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isi-dor 26.09.2019, 09:11
5.

Ein Premierminister, der das Parlament, also den obersten britischen Souverän auffordert, ihm selbst das Misstrauen auszusprechen, sollte besser zurücktreten und nie wieder für ein politisches Amt kandidieren. Es ist dann doch wohl offensichtlich, dass er das Amt weder ausführen kann, noch gar will.
Aber den Souverän aufzufordern ihn rauszuschmeißen und dann wieder anzutreten, das ist moralisch der absolute Tiefpunkt, den sich ein Politiker rausnehmen kann.

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isi-dor 26.09.2019, 09:15
6.

Zitat von ksail
Boris Johnson steht sein Langem dafür, im Zweifel ohne Deal aus der EU zu gehen. Das wusste seine Partei, die ihn zum Premierminister gemacht hat. Von daher ist es konsequent, wenn er sich nicht dem Parlament verpflichtet fühlt, sondern die Entscheidung an Neuwahlen festmacht. Und die Entscheidung, zu einem bestimmten Termin aus der EU zu gehen, auch wenn bis dahin kein Deal steht, ist noch nicht mal von ihm gefällt wurden, sondern vom Volk und von der Vogängerregierung. Es ist seit bald drei Jahren völlig unklar, was die Abgeordneten eigentlich wollen, außer raus aus der EU und immer wieder einen Aufschub des Termins. Wenn jetzt endlich (!) ein Schlußstrich gezogen wird, kann eine zukünftige Regierung ja mal langfristige Überlegungen anstellen, wie UK zur EU stehen will. In diesem Schwebezustand ist das leider nicht möglich.
Johnson will, was Cummings ihm vorgibt: Den No-Deal-Brexit, an dem diejenige Milliardärsclique nochmal richtig absahnt, die auf den Niedergang des britischen Pfunds gewettet hat und sich jetzt in den Bordellen von Monaco vergnügt.

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vothka 26.09.2019, 09:32
7.

Zitat von isi-dor
Johnson will, was Cummings ihm vorgibt: Den No-Deal-Brexit, an dem diejenige Milliardärsclique nochmal richtig absahnt, die auf den Niedergang des britischen Pfunds gewettet hat und sich jetzt in den Bordellen von Monaco vergnügt.
Ich habe eine gute Nachricht für sie.
Wenn sie sich da so sicher sind - können sie auch auf ein fallendes Pfund setzen.
Dank skurilster Finanzinstrumente die absolut jedem zugänglich sind -inkl fast unbegrenzter Hebelmöglichkeit - alles kein Problem.

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Adrianstein 26.09.2019, 09:36
8. @arboprop . Pauschale, problemferne Betrachtung

" Würde die EU sich wieder zurück in den EWG verwandeln, stimmten die meisten Länder bestimmt zu."
Überlegen Sie doch einfach mal . Die EWG 1988 war in einem anderen Entwicklungsstadium der Arbeitsteilung/ Zuliefer und Outsourcing- Netzwerke . Auch die Staaten bis zum Beitritt v. Portugal, Österreich und Spanien waren ähnlich strukturiert im Gegensatz dazu Griechenland, und der ehem. "Ostblock" Restrukturierungs -raum ..................... Dazu kommt , dass die Vorstellungen innerhalb der GB nicht einheitlich sind, und Fairness bei Rees-Mogg anders definiert wird, als bei den Liberaldemokraten, um es vorsichtig zu formulieren.
Privilegien dieser Art sind in der Tat kein gutes Beispiel, auch wenn es die zweitgrösste Volkswirtschaft Europas ist.

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Adrianstein 26.09.2019, 09:39
9. @arboprop . Pauschale, problemferne Betrachtung

" Würde die EU sich wieder zurück in den EWG verwandeln, stimmten die meisten Länder bestimmt zu."
Überlegen Sie doch einfach mal . Die EWG 1988 war in einem anderen Entwicklungsstadium der Arbeitsteilung/ Zuliefer und Outsourcing- Netzwerke . Auch die Staaten bis zum Beitritt v. Portugal, Österreich und Spanien waren ähnlich strukturiert im Gegensatz dazu Griechenland, und der ehem. "Ostblock" Restrukturierungs -raum ..................... Dazu kommt , dass die Vorstellungen innerhalb der GB nicht einheitlich sind, und Fairness bei Rees-Mogg anders definiert wird, als bei den Liberaldemokraten, um es vorsichtig zu formulieren.
Privilegien dieser Art sind in der Tat kein gutes Beispiel, auch wenn es die zweitgrösste Volkswirtschaft Europas ist.

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