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Utopien für Europa: Freude! Schöner! Götterfunken!
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Europa ist eine Utopie aus den Fünfzigerjahren. Das Pathos der Gründerjahre zündet heute nicht mehr. Ist die Utopie aufgebraucht? Keineswegs. Fünf Vorschläge, die den europäischen Götterfunken wieder anfachen können.

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alterknacker54 04.02.2018, 21:22
1. Eine echte Wohltat!

Das sind Visionen, wie man sie bei allen unseren PolitikerInnen vermisst! Alle Fünfe - sehr toll, wobei mir Vision zwei insofern am meisten zusagt, da man sie natürlich unabhängig von Europa in jedem einzelnen Land umsetzen könnte - auch bei uns! Und was auch auffällt: Unter dem visonären Beitrag kommt der Artikel mit dem kleinkariertem Ereignis des Tages (Mazedonien...) - das relativiert das Ganze dann leider doch wieder arg und holt einen auf den Boden der banalen Realitäten zurück - trotzdem: Ihr ganzen Gro-Ko-SchwätzerInnen: Arbeitet Euch mal an solchen Visionen ab und nicht an dem unsäglichen Klein-Klein, mit dem Ihr uns seit Monaten langweilt!

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Zaunsfeld 04.02.2018, 21:31
2.

Ich finde Punkt 3 am allerwichtigsten. Ohne mediale Gesamtöffentlichkeit wird es immer wieder möglich sein, ein europäisches Land gegen ein anderes aufzuhetzen, einfach indem man per nationaler Medien nur übereinander redet statt miteinander.

Dafür sehe ich nur 2 Möglichkeiten:
Entweder man erschafft die ultimative Übersetzungstechnologie, die es jedem Europäer erlaubt, mit jedem anderen in seiner Sprache zu reden ... ähnlich wie die in den Körper eingepflanzten Universalübersetzer bei Star Trek. Dieses Projekt wäre dann auch gleich auf die ganze Menschheit ausdehnbar, sofern es denn technisch umsetzbar ist.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass alle Europäer eine allen gemeinsame "Fremdsprache" schon in der Schule lernen. Das könnte wohl aus "Neid"-Gründen keine Sprache sein, die jetzt schon in einem Land gesprochen wird, z.B. Deutsch, Englisch oder Französisch, sondern es müsste eine künstliche Sprache sein, die aber gleichzeitig viele Elemente aller möglichen europäischen Sprachen beinhaltet.
Anbieten würde sich dafür Esperanto.

Ich stelle mir das so vor, dass natürlich jedes Kind in jedem Land seine eigene Muttersprache lernt. Und spätestens ab der 1. Klasse kommt dann für ALLE europäischen Kinder Esperanto als erste Fremdsprache dazu.
Dazu muss es dann Gesetz werden, dass es Medien geben muss, die europaweit in dieser Sprache veröffentlichen und senden. Jedes Gesetz und jede Verordnung jedes Landes und der EU als Ganzes muss neben der jeweiligen Muttersprache auch in dieser gemeinsamen Sprache veröffentlicht werden.
Es käme dann von ganz automatisch, dass Filme für den gesamten europäischen Markt in diese Sprache synchronisiert oder gleich gedreht werden. Das gleiche für Bücher, Zeitschriften usw.

Es gäbe dann eine Sprache, in der sich jeder Europäer mit jedem anderen unterhalten könnte.
Im Prinzip kann diese Funktion derzeit das Englisch erfüllen. Aber die Briten sind raus aus der EU und von allen anderen Ländern würde es sowieso als unfair angesehen werden, wenn ein Land allen anderen seine Sprache aufdrückt. Eine Sprache wie Esperanto, die für alle erst mal neu wäre, wäre da viel, viel leichter zu akzeptieren.

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torstenschäfer 04.02.2018, 21:34
3. Gute Idee, aber ausbaubar

Dass Europa neue Utopien benötigt (um den üblichen Ausdruck Narrativ mal zu vermeiden) - d´accord. Allerdings fürchte ich, dass man mit "Wir wollen teilen" keinen Hund hinterm Ofen hervorlockt. Auch "Gerechtigkeit" wird nicht viele begeistern. Denn beide Themen implizieren zunächst nur, dass etwas weggenommen wird. "Teilen" heißt im europäischen Kontext - gerade bei den öffentlichen Haushalten: abgeben. Und "Gerechtigkeit" mag vielleicht Reiche anders besteuern - aber davon hat Normalo ja erst einmal nichts Greifbares für sich. Abgesehen davon, dass die Beschränkung von Maximal-Einkommen praktisch nicht durchsetzbar sein wird - selbst wenn (was kaum zu erwarten sein wird) alle EU-Staaten mitmachten, so dürften Konzerne vermutlich notfalls ihren Stammsitz aus der EU heraus verlagern.

Das Europa von morgen muss GEMEINSAM die Themen anpacken, die den Menschen wirklich auf den Nägeln brennen. NICHT einen gemeinsamen Feiertag einführen oder ein europäisches Facebook, das sind doch Kopfgeburten, Alibi-Themen.

Das Europa von morgen muss sich VEREINT engagieren z.B. gegen:
Jugendarbeitslosigkeit
Steuerschlupflöcher für Großkonzerne (da ist wirklich etwas zu holen)

und für:
bessere Betreuung im Alter
Stärkung der Infrastruktur (Verkehr, Bildung)
Modernisierung des Individualverkehrs (neue Kfz-Antriebe)

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udo l 04.02.2018, 21:38
4. Ja ohne Zweifel

gibt es vieles was verbesserungswürdig ist und oder geändert werden müsste. Aber es ist in meinen Augen das Beste was wir haben, jetzt und vor allem für die Zukunft. Ich fühle mich eher als Europäer denn als Deutscher, und ich wünsche mir dass es immer mehr Menschen so ergeht.

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syracusa 04.02.2018, 21:40
5. wo kann man unterschreiben?

Wo kann man unterschreiben?

Besonders den Vorschlag mit einem EU-weiten öffentlich-rechtlichen Rundfunk finde ich überaus wichtig. ARTE und 3SAT sind gute Vorbilder. Daran koppeln sollte man ein Verbot staatlichen Einflusses auf die nationalen Rundfunkanstalten, wie er leider noch in vielen EU-Staaten konstitutionell verankert ist. Sowas ist undemokratisch.

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großwolke 04.02.2018, 21:41
6. Träumereien

Bis auf den ersten Punkt ist das alles Unfug, aber dieser erste Punkt ist unheimlich wichtig. In den Feldern, in denen alle Europäer gemeinsame Interessen haben, Verbrechensbekämpfung, Grenzschutz, Außenpolitik u.ä., müssen unbedingt europaweit handelnde Behörden, Dienstleister und auch bewaffnete Beamte her. Denn nur über gemeinsame Erfolge kann über die Zeit ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Für alles andere ist Europa einfach zu divers. Es ist nunmal ein Kontinent der Kleinstaaten, das wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahrhunderten auch nicht ändern. Damit müssen wir halt vorerst noch leben. Um den Rest noch kurz abzuhandeln: Zweitens ist kommunistischer Unsinn, Drittens scheitert daran, dass die Interessen der Leute nicht so weit reichen wie die Medien berichten würden, Viertens würde, solange es nur angehende Akademiker betrifft, die Spaltung in weltfremde Eliten und nationalistischen Pöbel nur verstärken, und für alle und jeden wäre es schlicht nicht bezahlbar. Und Punkt 5 - künstliche Feiertage funktionieren nicht, das sehen wir hier in Deutschland mit unserem "Nationalfeiertag" doch am besten. Die Politik führt ihre Rituale auf, und der Bürger interessiert sich abseits der Tatsache, dass er da frei hat, nicht wirklich dafür.

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DerNachfrager 04.02.2018, 21:43
7. Gruselig ! Der Autor zeigt die Entfremdung unserer Eliten.

Mehr Bürokratie, mehr "Umverteilung", mehr Entmachtung des Souveräns. Bin ich der einzige, der in diesen tollen Vorschlägen solche Begriffe wie "Subsidiarität", "Bürgerbeteiligung" und "Motivation durch Leistungsgerechtigkeit" vermisst ?

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desmoulins 04.02.2018, 21:46
8. Na endlich

Neu ist hier nicht alles, aber in der Bündelung liegt das Frische. Gerade eine neue, eine europäische, medilale Öffentlichkeit könnte etwas verändern, wie gerade der mediale gesteuerte, anti-europäische und vehement nationalistische Brexit gezeigt hat. Auf geht's!

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falenay 04.02.2018, 21:54
9. Schlecht recherchiert

Was soll das heißen, Europa sei eine Utopie aus den Fünzigern? Die Pan-Europäische Union wurde 1922 gegründet, Coudenhove-Kalergi hat sein Buch, welches als Pan-Europäisches Manifest gilt, 1923 veröffentlicht. Helmuth Plessner hat 1934 in Die Verspätete Nation deutlich gemacht, dass Deutschland wegen des geschichtlich entstandenden Fehlens nationaler Identität nur die Flucht in Formen der erzwungenen Hegemonie von Gemeinschaftsformen über die Gesellschaft (Kommunismus oder Faschismus) oder in die Gründung einer europäischen Gemeinschaft mit Deutschland als Motor und (nicht nur geographischem) Zentrum bleibt.

Davon ab ist das, was Europa braucht, zum Einen eine Demokratisierung er Entscheidungsstrukturen, um überhaupt eine politische Identifizierung zu ermöglichen (und dadurch politische Autorität zu erlangen) und zum Anderen eine Anpassung der Strukturen in Wirtschafts- und Finanzpolitik and die Währungsrealität, d.h. zumindest in der Eurozone eine gemeinsame Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik inklusive Steuersystemen, Sozialbeträgen und sämtlicher ordnungspolitischer Maßnahmen (bereits vor Einführung des Euro von Wirtschaftswissenschaftlern als NOTWENDIGE VORAUSSETZUNG für das Funktionieren gefordert).

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