Forum: Politik
Verdächtigt wegen der Hautfarbe: "Ich denke über die Länge meines Bartes nach"
privat

Wie fühlt es sich an, nur wegen der dunklen Hautfarbe kontrolliert zu werden? Der in Berlin lebende Israeli Zeev Avrahami erzählt, was das allgegenwärtige Misstrauen mit ihm macht.

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Pela1961 05.01.2017, 18:23
1. So langsam

gehts mir auf den Keks. Irgendwie habe ich das Gefühl, die von der Kontrolle Betroffenen beschweren sich an der falschen Stelle. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Kontrollen auch Unschuldige kontrolliert werden. Und wenn nach einem rothaarigen Täter gefahndet wird, werde ich als Rothaariger halt kontrolliert. Wenn ein männlicher Vergewaltiger gesucht wird, wird die Kontrolle auf wenige Frauen ausgedehnt werden. Und wenn man in den 70er Jahren in die Niederlande einreiste, musste man mit Bart, altem R 4 und längeren Haaren an der Grenze verstärkt damit rechnen, kontrolliert zu werden.
Das ist tragisch, aber nicht zu ändern. Wie bitteschön soll die Polizei ihre Parameter für Kontrollen festlegen, wenn sie es nicht nach den Kriterien machen darf, zu welcher Bevölkerungsgruppe die Täter höchstwahrscheinlich gehören?
Man könnte sogar so weit gehen, dass man alte Nazi-Kriegsverbrecher am ehesten in der deutschen Bevölkerung findet. Ist das jetzt racial profiling oder ganz einfach eine Erfahrungstatsache?

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lachina 05.01.2017, 18:26
2. Tut mir Leid für Herrn Avrahami,

es ist übel, wenn man aussieht wie die Täter, und traumatisierte Menschen erstmal zurückschrecken, ähnliches ist mir freilich als junger Mensch in Südfrankreich passiert, ich, groß, blond, deutsch, jagte einem jüdischen Überlebenden erstmal Angst ein., bevor wir uns kennen lernten. Rassismus würde ich es nicht nennen, eher einen Reflex, dass man einen bestimmten Vorfall nicht ZWEIMAL erleben möchte. Ich war 2015 zu Sylvester in Köln - und ja, auch ich lächle offensichtlich arabischstämmige Männer nicht mehr an, wenn ich sie nicht kenne.

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olfnairolf 05.01.2017, 18:26
3. Zeichen

Mir geht es leider genauso. Die Welt ist eben voller Zeichen und Symbole und wenn ich das Pech habe dass eines dieser Zeichen derer ich mich bediene eine Bedeutung bekommt oder sich die Bedeutung ändert muss man es eben lassen.....jedenfalls wenn es geht.

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candidesgarten 05.01.2017, 18:29
4. Willkommen im Club

Tja, das ist der Preis für die pseudo-moralischen Prinzipen der anderen. Ich habe gleichfalls ein dunkles Erscheinungsbild. Dank der völlig planlosen Flüchtlingspolitik -die jede Art der Vorsortierung für vollkommen unmoralisch erklärte - beginnen Frauen sich zu erschrecken, wenn ich ihnen im Dunkeln begegne. Und was soll ich sagen, ich verstehe es. Vor kurzem wurde ich Zeuge wie ein mir nicht unähnlicher Mann ein Mädchen im Eingang eines Supermarktes kurz belästige ( Wegversperren, I love you) , bevor er dann schnell und grinsend weiterging ( Nebenbemerkung: Sehr zu seinem Glück). Das Ganze geschah zu einer absolut üblichen Tageszeit, gegen 18 Uhr, in einer belebten Straße. Welche Chance hätte das Mädchen, wenn es allein gewesen wäre? Soll es seine Wege nun so wählen, dass immer Zeugen da sind? Was ist mit Joggen im Stadtpark? Nein, ich werde mich an die Angst der Frauen gewöhnen müssen. Ein wunderbares Gefühl. Ich werde mir die Verursacher meines neuen Lebensgefühls gut merken.

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DJ Bob 05.01.2017, 18:32
5.

Sie Herr Zeev Avrahami sind herzlich willkommen in Deutschland. Und Hut ab vor ihre Einstellung.
Das sie soviel Verständnis für die Polizei haben obwohl sie unter "Generalverdacht" stehen aufgrund ihre Aussehen
Ich gehe davon aus das bei Ihnen der "Israeli" spricht der weiß was es heißt mit terror zu leben.
Ich persönlich wünschte wir hätten mehr von Ihre Sorte hier.

Und nochmals ich wünsche Ihnen und ihre Familie weiterhin alles Gute und darauf das sie sich hier wohlfühlen und vorallem sicher!

Shalom!

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Philipp Reinhard 05.01.2017, 18:38
6. Bringt den Polizisten Profiling bei, nicht rassistische Klischees.

Die Hautfarbe sagt einfach gar nichts aus. Alles andere ist ein blödes rassistisches Klischee, das offensichtlich bei vielen Polizisten immer noch existiert. Das müsste schnellstens abgebaut und durch bessere Kritieren ersetzt werden. Für unser aller Sicherheit. Jeder Türsteher kann ziemlich genau einschätzen, ob eine Person Probleme machen wird - ohne auf die Hautfarbe zu schauen. Das müssten Polizisten auch lernen. Stattdessen wird weiterhin die rassistische Praxis verteidigt und als alternativlos bezeichnet. Das ist dumm und peinlich - wie leider vieles bei der deutschen Polizei.

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edisonswaybacktogaslighti 05.01.2017, 18:39
7. Ziemlich gruselig

Vielen Dank den Autor*innen. Dachte noch bei mir: "Warum probiert er's nicht einfach mit einem Lächeln?" Da fällt mir ein Kriterium für passiv-aggressiv ein: Inkonsistenz zwischen Gedanken und Äußerungen, innerer und nach außen gekehrter oder gezeigter Befindlichkeit. Das dürfte wohl richtig übersetzt heißen, nur das richtige G[rundg]efühl könne die Begegnung - wenn überhaupt, nur - im Vorfeld klären?

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jaguaros 05.01.2017, 18:41
8. Wirklich spannende Frage

Es gibt zur Zeit kein Rezept, keine Frage. Es stimmt dass die Gefahr mehr oder weniger von Menschen kommt die ausserlich an Arabien oder Afrika erinnern. Fuer die Polizei ist es wirklich sehr schwierig zu unterscheiden. Leider gibt es die verfluchten Aktivisten die bei jeder Gelegenheit protestieren. An eine kurze Kontrolle ist weiss Gott nichts auszusetzen, soweit keine Daten oder was auch immer gesammelt werden. Den PA oder Pass zu zeigen duerfte doch keinem Schwierigkeiten bereiten. Das Problem sehe ich in der Ueberarbeitung und Nervositaet der Polizei. Aber hier haben die keine Schuld - muss wo anders gesucht werden.

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syn4ptic 05.01.2017, 18:42
9.

Das passiert Tag für Tag - auch Deutschen.

Liebe SPON-Redaktion fragt doch einfach einmal Polizisten direkt danach, nach welchen Kriterien der eine oder andere von ihnen z. B. Fahrzeuge aufhält. Da finden sich sehr oft die Top 10 der Fahrzeuge der jungen Erwachsenen wieder. Oder nach welchen Kriterien Personenkontrollen unter den Einheimischen vorgenommen werden: ich habe es bisher nur sehr selten erlebt, dass ein Anzugträger mit Aktenkoffer aufgehalten wird. Punks, Männer mit langen Haaren oder langem Bart, auffälliger Kleidung oder Frisuren (Iro, Dreadlocks usw.) hingegen werden immer wieder zur Personenkontrolle aufgefordert. Das hat sehr viel mit Erfahrungswerten und Wahrscheinlichkeiten zu tun und eher wenig mit gewollter Diskriminierung.

Das ist nicht neu und auch nichts Besonderes. Unter anderem deshalb stößt der künstliche Aufwasch, der hier um das Thema gemacht wird, bei mir auch auf keinerlei Gegenliebe.

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