Forum: Politik
Verdächtigt wegen der Hautfarbe: "Ich denke über die Länge meines Bartes nach"
privat

Wie fühlt es sich an, nur wegen der dunklen Hautfarbe kontrolliert zu werden? Der in Berlin lebende Israeli Zeev Avrahami erzählt, was das allgegenwärtige Misstrauen mit ihm macht.

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bakunicus 05.01.2017, 19:15
20. nichts neues ...

bleibt nur die frage, warum trotz massiver rechtsextremer gewalt in den letzten 2 jahrzehnten nicht auch personen mit lonsdale oder thor steinar kleidung, oder ähnlichen klamotten ...
.... warum die nicht auch endlich gezielt kontrolliert werden.

ich rieche neonasos 5 kilometer gegen den wind, auch wenn sie nicht springerstiefel und bomberjacken tragen.

und wenn mich nun jemand der relativierung bezichtigt, der möge sich fragen, was wohl los wäre, wenn linke oder asylanten für tausende von brandstiftungen in den letzten 2 jahren verantwortlich gewesen wären.

so sehr ich verstehe warum die polizei so handeln, bleibt sie doch stets auf dem rechten auge blind.
da ist eine massive glaubwürdigkeitslücke ...

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Katzazi 05.01.2017, 19:20
21.

*seufz* Also ich bin weiblich und sehe "deutsch" aus und anhand der Kommentare, die ich ab und an bekomme, nehme ich an, dass ich nicht ganz grässlich aussehe. Ich bin auch ziemlich häufig allein unterwegs. Auch in Großstädten wie Köln und Hamburg. Aber ich kann es absolut nicht verstehen, warum jetzt so getan wird, als würde ich jetzt for dunkelhäutigen Männern Angst haben oder Angst haben sollen oder müssen. Ja, ich würde sicherlich bei denen, die wahrscheinlich Silvester 2015 aktiv waren vorsichtig sein und versuchen einen Bogen um sie zu machen. ABER nicht wegen ihrer Hautfarbe, sondern aufgrund ihres Verhaltens. Ähnlichem Verhalten begegnet man aber abends in diesen Städten durchaus auch von ANDEREN Männern/Männergruppen. Von denen halte ich mich ähnlich fern. Die sind nicht weniger unangenehme und auch häufig besoffen. Das dürfte so ziemlich jede Frau kennen. Neben "nordafrikanern" sowohl bei "türkischen" oder "russischen" oder "polnischen" aber eben auch bei "deutschen" Männern. (Seltener allerdings bei wirklich Dunkelhäutigen). Es ist das generelle Auftreten und Verhalten dass einen den Bogen machen lässt. Und das war es immer schon. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer derartigen Gruppe von "deutschen" jungen Männern oder einzelnen "normalen" "nordafrikanischen", dann werde ich mich garantiert zu letzteren setzen, in der Hoffnung, bei ihnen vielleicht etwas "Schutz" zu bekommen. Sind die auffälligen jungen Männer "nordafrikanisch" und die "normalen" "deutsch", werde ich mich zu den deutschen gesellen.

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petrapanther 05.01.2017, 19:20
22.

Zitat von Pela1961
gehts mir auf den Keks. Irgendwie habe ich das Gefühl, die von der Kontrolle Betroffenen beschweren sich an der falschen Stelle. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Kontrollen auch Unschuldige kontrolliert werden. Und wenn nach einem rothaarigen Täter gefahndet wird, werde ich als Rothaariger halt kontrolliert. Wenn ein männlicher Vergewaltiger gesucht wird, wird die Kontrolle auf wenige Frauen ausgedehnt werden. Und wenn man in den 70er Jahren in die Niederlande einreiste, musste man mit Bart, altem R 4 und längeren Haaren an der Grenze verstärkt damit rechnen, kontrolliert zu werden. Das ist tragisch, aber nicht zu ändern. Wie bitteschön soll die Polizei ihre Parameter für Kontrollen festlegen, wenn sie es nicht nach den Kriterien machen darf, zu welcher Bevölkerungsgruppe die Täter höchstwahrscheinlich gehören? Man könnte sogar so weit gehen, dass man alte Nazi-Kriegsverbrecher am ehesten in der deutschen Bevölkerung findet. Ist das jetzt racial profiling oder ganz einfach eine Erfahrungstatsache?
"gehts mir auf den Keks. Irgendwie habe ich das Gefühl, die von der Kontrolle Betroffenen beschweren sich an der falschen Stelle. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Kontrollen auch Unschuldige kontrolliert werden."

So etwas schreibt sich sehr leicht, wenn man selbst nicht betroffen ist.

"Und wenn nach einem rothaarigen Täter gefahndet wird, werde ich als Rothaariger halt kontrolliert.[...]"

Wenn es um die Fahndung nach einem konkreten Täter geht, dann hat niemand ein Problem damit, wenn Leute, die so ähnlich aussehen, kontrolliert werden. Hier geht es aber darum, dass ganze ethnische Gruppen unter Generalverdacht gestellt werden.

"Und wenn man in den 70er Jahren in die Niederlande einreiste, musste man mit Bart, altem R 4 und längeren Haaren an der Grenze verstärkt damit rechnen, kontrolliert zu werden.
Das ist tragisch, aber nicht zu ändern."

Die Frisur kann man ändern, die Hautfarbe hingegen nicht.

"Wie bitteschön soll die Polizei ihre Parameter für Kontrollen festlegen, wenn sie es nicht nach den Kriterien machen darf, zu welcher Bevölkerungsgruppe die Täter höchstwahrscheinlich gehören?"

Wenn der Polizei nichts besseres einfällt, als wahllos südländisch wirkende Typen in Lieferwagen zu kontrollieren, dann haben wir ohnehin verloren. Wie viele Terroristen wurden mit der Methode denn schon gefasst?

"Man könnte sogar so weit gehen, dass man alte Nazi-Kriegsverbrecher am ehesten in der deutschen Bevölkerung findet. Ist das jetzt racial profiling oder ganz einfach eine Erfahrungstatsache?"

Der Unterschied ist, dass kein Mensch alte weisse Männer misstrauisch anguckt, nur weil sich in der Gruppe wohl noch ein paar Altnazis befinden.

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mborevi 05.01.2017, 19:21
23. Ich bin ...

... während der 1960er Jahre, der Che Guevara Zeit, in Südamerika als Bartträger einmal eine Nacht lang eingelocht worden. Bis sich herausstellte, dass ich nur Wissenschaftler war. Das ist unvermeidlich, wenn man in irgendeinem Aspekt Gesuchten ähnelt. Daraus irgendein Problem zu konstruieren zeugt von einer unglaublichen Menschenverachtung, die aus reiner Ideologie resultiert. Polizei: Weiter so, Ihr habt mein Vertrauen!

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gloriavictoria 05.01.2017, 19:30
24. Ach Leute, nervt doch nicht!

Ich will hier Sicherheit, keine Gedankenpolizei und meine Steuern nicht für irgendwelche Kriminellen ausgeben.

Schließlich ist das als "Ureinwohner" auch immer noch mein Land! Wem es nicht gefällt als Zuwanderer, der kann doch einfach gehen...

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Atheist_Crusader 05.01.2017, 19:31
25.

Wie soll es denn anders gehen? Das ist die große Frage.

Leider ist es nunmal so, dass Personen mit einem mittelöstlichen/nordafrikanischen Aussehen extrem überproportional an bestimmten Delikten (inklusive islamistischen Terroranschlägen) beteiligt sind. Würde die Polizei da einen auf politisch korrekt machen und dem deutschen Rentner genauso viel Gewicht beimessen wie dem jungen Tunesier, dann würde das die Effektiviät der Polizei drastisch senken.
Natürlich tut es mir leid um jeden der zu Unrecht da hineingerät. Aber Herr Avrahami trifft es schon ganz gut: "Ich weiß auch nicht, wie es wirklich anders gehen soll."
Der Mann hat in Israel gelebt. Einem Land umgeben von zig Millionen Menschen, die es am liebsten ausgelöscht sehen wollen. Da entwickelt man einen gewissen Realismus was Sicherheit angeht.

Interessant finde ich nur, wie wenig diese Probleme in den betroffenen Gruppen reflektiert werden. Da heißt es dann erfahrungsgemäß meist: "Ihr Deutschen, seid nicht solche Rasisten!" und nicht "Brüder, ruiniert uns nicht den Ruf mit solchem Verhalten!".
Unter den meisten Deutschen scheint sich der Gedanken durchgesetzt zu haben (war das was mit einem 70 Jahre alten Lernprozess?), dass man auch dann zu einer Gruppe gerechnet werden kann, wenn man ihr einfach nichts entgegensetzt. Entsprechend fällt dann das Echo zu den Hirnfürzen von AfD, NPD, Pediga und Konsorten aus. Ich warte aber noch immer auf ein entsprechendes Echo von moderaten Muslimen die sich gegen das Faschisten-, Sexisten- und sonstiges Pack aus den eigenen Reihen aussprechen. Oder die Türken die auf ihre kriminellen Landsleute schimpfen statt auf die "rassistische" Polizei die diese festnimmt.

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wutbürger2010 05.01.2017, 19:38
26. Es gibt auch terrorverdächtige Fluggäste

Wer desöfteren innerdeutsch mit dem Flugzeug unterwegs ist, z.B. Flug von Düsseldorf nach München, der wird bemerken, dass hier zunächst einmal jeder Passagier am Check in-Schalter als potentieller Attentäter betrachtet wird.

Da muss ich mich für einen 45 Minutenflug frei machen, durch einen Ganzkörperscanner durch, muss auch noch meine Schuhe ausziehen (bei Schuhgröße 48 ist man scheinbar verdächtiger), damit diese innen und außen untersucht werden können.

Und falls ich noch einen Rucksack in verdächtigem Camouflage-Muster dabei habe, dann ist ganz schnell der Sprengstoff-Schnelltest dran und der kann dauern und dann wird man von allen Seiten angestarrt.

Zudem muss man sich anhören, dass ein Gürtel mit großer Metallspange doch eigentlich als flugzeugunzulässig gilt: „Das müssten Sie doch eigentlich wissen !“ Woher sollte ich ?

Und dies bei sehr vielen Kontrolleuren und ohne Intimsphäre, bei teils lautem, fast befehlsartigem Gesprächston und in Sichtweite stehen gutbewaffneter und schutzwestentragender Polizisten. Und die gleiche Tour natürlich auch wieder beim Rückflug, innerdeutsch.

Alle diese Sicherheitsvorkehrungen ertragen die meisten Fluggäste mit Ruhe und Gelassenheit. Es ist doch auch für die eigene Sicherheit und die Sicherheit des deutschen Luftraums.

Ich hätte nie gedacht, dass dies in Deutschland einmal möglich sein würde. Aber in Zeiten des Terrors passt man sich eben schnell an.

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Horst-Güntherchen 05.01.2017, 19:41
27. Abwägung

Lieber 100 mal falsch kontrolliert als 1 mal vergewaltigt.

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postmaterialist2011 05.01.2017, 19:43
28. Jammerlappen

Wenn all diese Beiträge hier von normalen Spiegel und Spiegel Online Lesern und nicht von P.I. News Verlinkern und dem Trollzentrum in St. Petersburg, dann hat die AfD auf ganzer Linie gesiegt. Ich wohne in Berlin und für mich und alle Menschen die ich kenne hat sich so gar nichts geändert seit dem Zuzug der Flüchtlinge. Weder fühle ich mich unsicherer, noch habe ich irgendwo Angst mich in dieser Stadt zu bewegen. Wie hätte man denn 2015 knapp 1 Million Menschen die vor den Grenzen stehen sicherheitstechnisch screenen sollen und wer hätte garantiert, dass hierbei nicht die gleiche Promillezahl an vermeintlichen Terroristen und Verbrechern mit falscher Identität ins Land gekommen wären ? Wer sagt uns, dass IS-Rückkehrer mit europäischem Pass ungefährlicher sind und wer hier einen Anschlag verüben will, der schafft es auch wenn er keinen Flüchtlingsstatus hat. Dieser Generalverdacht nur weil jemand Arabisch aussieht ist totaler Blödsinn und bringt so gar nichts. Dass die Polizei in Deutschland eine überproportionale Anzahl an Rassisten und Rechtsextremen anzieht ist nicht erst seit dem Begriff "Nafri" bekannt und racial profiling, sowie willkürliches Duzen von Menschen mit dunkler Hautfarbe ist ja nichts Neues. Wenn ein AfD-Funktionär sich auf einer Dienstreise mit einer Mitarbeiterin ein Zimmer teilt und sie dann sexuell bedrängt und belästigt ist das scheinbar OK, wenn ein arabisch aussehender Mann eine Frau anlächelt, dann ist es "versuchte Vergewaltigung" und hat mit seiner kulturellen Prägung zu tun ? Irgendwas stimmt nicht in diesem Land und verdammt viele Menschen zeigen gerade ihre ganz hässliche Fratze.

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vulcan 05.01.2017, 19:44
29.

Zitat von Philipp Reinhard
Die Hautfarbe sagt einfach gar nichts aus. Alles andere ist ein blödes rassistisches Klischee, das offensichtlich bei vielen Polizisten immer noch existiert. Das müsste schnellstens abgebaut und durch bessere Kritieren ersetzt werden. Für unser aller Sicherheit. Jeder Türsteher kann ziemlich genau einschätzen, ob eine Person Probleme machen wird - ohne auf die Hautfarbe zu schauen. Das müssten Polizisten auch lernen. Stattdessen wird weiterhin die rassistische Praxis verteidigt und als alternativlos bezeichnet. Das ist dumm und peinlich - wie leider vieles bei der deutschen Polizei.
Sie haben es nicht so ganz verstanden - gerade die Hautfarbe/der Typus ist es doch, der die Leute bei entspr. Fahndungen usw. verdächtig macht.
Der islamistische Terrorist ist ein Klischee, aber leider ein Wahres.

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