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Verfassungsreform: Marokkos König gibt Teile seiner Macht ab

Der Druck aus dem Volk wurde immer größer, nun gab Mohammed VI. Details zu seiner Verfassungsreform bekannt: Der König will*einen Teil seiner Macht abgeben und der Regierung mehr Rechte einräumen. Wichtige Funktionen will der Monarch allerdings behalten - auch den Oberbefehl über die Armee.

Ursprung 18.06.2011, 10:47
1. Koenig und Buerger im Konsens

Nach unseren Masstaeben kann man die Verhaeltnisse in Marokko nicht gut finden. Grenzbeamte sind zwar in operettenhafte Uniformen gewandet aber vermutlich hoffnungslos unterbezahlt. Sie stauben Geld ab bei Grenzuebertritten, ein Geschaeftsfreund hatte schon mal in meinem Beisein an der spanischen Grenze zu Ceuta eine Zoellnerhand an seiner Geldboerse in der Gesaesstasche.
Das Land und die Leute sind aufgeschlossen bis modern und mondaen, zumindest in Brennpunktorten.
Eine der besten und gepflegtesten Yachtmarinas im westlichen Mittelmeer mit ueberdurchschnittlichem technischen und Service-Standard liegt in Marokko (Smir).
Der allenthalben sichtbare Koenigskult ist nicht viel anders als in europaeischen Koenigsreichen.
Eine-Person-Marktstaende, meist Frauen aus Marokko, bevoelkern auch spanische Grenzgebiete, auch auf der Iberischen Halbinsel, wo Touristen sind und beide Staaten tolerieren das pragmatisch, auch die problemlosen taeglichen Grenzgaenge.
Es ist offenbar wohltuend anders in Marokko als es zuletzt in Aegypten war und nun in Syrien ist. Dann ist sogar ein Konsens moeglich zwischen "denen da oben" und den Buergern. Die Erstarrung scheint nicht groesser zu sein als bei uns.

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mardas 18.06.2011, 14:10
2. Zu wenig Reformen

Zitat von sysop
Der Druck aus dem Volk wurde immer größer, nun gab Mohammed VI. Details zu seiner Verfassungsreform bekannt: Der König will*einen Teil seiner Macht abgeben und der Regierung mehr Rechte einräumen. Wichtige Funktionen will der Monarch allerdings behalten - auch den Oberbefehl über die Armee.
Der Ministerpräsident bekommt mehr Macht, doch das Parlament hat nach wie vor viel zu wenig Macht. Es wäre besser, das Parlament bekäme mehr Macht, anstatt dass es einen starken Ministerpräsidenten gäbe, auch wenn das schon noch ein Fortschritt ist.

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Rbatia 18.06.2011, 19:31
3. Propaganda

Die feiernden Marokkaner warteten bereits eine halbe Stunde bevor die Rede überhaupt losging mit Fahnen, Plakaten und Tröten ausgestattet in Seitenstraßen auf ihren Einsatz. Sie feierten also nicht die Verfassungsreformen, die weder die Macht des Königs beschneiden noch mehr Demokratie einführen werden, sondern taten das, wofür sie bezahlt wurden. In Rabat wurden gestern abend und auch heute Aktivisten der Bewegung 20. Februar von eben jenen "Roylisten" beschimpft, bedroht und verprügelt, die Polizei stand tatenlos daneben.
Es gilt also nicht, die Verfassung zu ändern, sondern repressive Strukturen und Handlungsweisen.


www.marokkokratie.wordpress.com

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Hamberliner 18.06.2011, 21:04
4. Westsahara

Zitat von sysop
Der Druck aus dem Volk wurde immer größer, nun gab Mohammed VI. Details zu seiner Verfassungsreform bekannt: Der König will*einen Teil seiner Macht abgeben und der Regierung mehr Rechte einräumen. Wichtige Funktionen will der Monarch allerdings behalten - auch den Oberbefehl über die Armee.
Er soll erstmal aufhören, das Referendum in der Westsahara zu blockieren, damit die Saharauis allein, ohne die Invasoren des Grünen Marsches und deren Nachkommen und Nachkömmlinge, sich für einen eigenen Staat entscheiden können. Wer von Eltern abstammt, die schon zu spanischen Kolonialzeiten da gelebt haben wird sich ja wohl feststellen lassen. Er und sein Vater haben es ja geschafft, die marokkanische Bevölkerung in dieser Frage gehirnzuwaschen, jeder Marokkaner ist fanatisch wie fälschlich überzeugt Marokko reiche im Süden bis nach Maruetanien, es gäbe kein saharauisches Volk, und demzufolge müssen die Bewohner der Flüchtlingslager bei Tindouf wohl aus ganz Afrika zusammengekarrte Penner sein. Vor diesem Hintergrund nützt es gar nichts, wenn "His Ma-jetski" ein bisschen Macht abgibt. Die UNO (deren Fahrzeuge ich selber nutzlos in El Aaiun herumkurven gesehen hab) lässt sich von ihm bzw. seinem Vater seit Jahrzehnten auf der Nase herumtanzen. Wir von der EU sollten den Saharauischen Staat anerkennen wie das die AU tut und diplomatische Beziehungen aufnehmen wie das auch viele Länder tun, sogar Uruguay.

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karmamarga 19.06.2011, 08:02
5. Der Mann hat ein schwieriges Amt

Zitat von sysop
Der Druck aus dem Volk wurde immer größer, nun gab Mohammed VI. Details zu seiner Verfassungsreform bekannt: Der König will*einen Teil seiner Macht abgeben und der Regierung mehr Rechte einräumen. Wichtige Funktionen will der Monarch allerdings behalten - auch den Oberbefehl über die Armee.
Das Land in die Moderne führen und nicht in die Hand der Fundis. Er wird sich noch lange auf die auf ihn eingeschworenen Stämme stützen müssen, um die Stabilität im Land zu garantieren bis auch diese sich in eine konstitutionelle Demokratie integriert haben weren. Der Übergang wird Generationen dauern aber ist von M6 gewollt, so wie ich das verstehe. Er unterhält freundschaftliche Beziehungen mit dem spanischem Königshaus und wird sich dort so manchen Rat für den beabsichtigen Übergang holen.
Wie ich ihn verstehe wünscht er sich die Aufwertung der Frau als eigenständige mit allen Rechten ausgestatteten Person. Jedenfalls gibt er sich so als moderner Familienvater in der Öffentlichkeit zunächst einmal als Vorbild. Das wird dauern und auch da hat er sowohl die Fundis als auch Konservativen im Land gegen sich. Man kann ihm nur ein glückliches Händchen wünschen bei seinem Dauerspagat zwischen Moderne und Tradition. Allein schon damit es auch am Südzipfel Europas ruhig bleibt. Er hat jede europäische Unterstützung in seinen Bemühungen verdient aber keine Bevormundung in Dingen, die wir nicht verstehen können.

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