Forum: Politik
Vergleichsstudie: Soziale Ungerechtigkeit in Deutschland größer als in anderen EU-Län

Egal ob Generationengerechtigkeit, Bildung oder Arbeitsmarktchancen - die soziale Ungleichheit ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Ländern der EU. Nur bei der Gleichstellung von Mann und Frau schneidet die Bundesrepublik vergleichsweise gut ab.

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Koltschak 23.05.2009, 19:26
20. Frauen an die Front!

Heute, 18:12 #9
Iggy Rock

"trotz akutem Frauenmangel in den Managementetagen"

Ja, wirklich???

Ich meine, wirklichso geistig minderbemittelt, um diesen "Frauenmangel in den Managementetagen" zu beweinen!

Es gibt Untersuchungen genug, wie dieses kommt!

Hautpergebnis: Frauen wollen sich den Stress nicht antun, den es braucht, um in die Managementetagen zu gelangen!1

Sich dann aber wohlfeil beschweren und jammern! Das ist Frauengebiet!

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marrrrtin 23.05.2009, 19:31
21. Dänemark

Zitat von Alex066
In Dänemark, dem Wohlfahrtsstaat schlechthin ist das Einkommen z.B. ungerechter verteilt als in dem Turbokapitalismusland USA.
Wie genau meinen Sie das? Wenn man den Gini-Index zum Einkommen als Vergleich hernimmt, kommt Dänemark auf einen Wert von 0,24 (der beste Wert weltweit, d.h. die geringste Ungleichverteilung), während die USA auf einen Wert von 0,466 kommen (relativ starke Ungleichverteilung, die USA liegen damit gleichauf mit Costa Rica und China). Deutschland kommt hier, nur nebenbei, auf einen Wert von 0,288.

Oder meinten Sie hier etwa die Vermögensverteilung (für die ich keine Zahlen für Dänemark gefunden habe)?

Zitat von Alex066
Seit 1970 konnte sich dort (Dänemark) kein größeres Unternehmen mehr bilden, die wirklich wirklich großen Unternehmen hatten natürlich davon Vorteile.(Zum Nachteil der Verbraucher)
Waren Sie mal in Dänemark und waren Sie mal in den USA? Ich habe in Dänemark nur ganz wenige Menschen gesehen, denen es so richtig dreckig ging (keine Dach über dem Kopf, zu wenig Essen, keine Krankenversorgung), und die sozialen Verwerfungen, über die die dänische Presse so schreibt (ich kann dänisch und lese manchmal dänische Zeitungen), handeln eher von Menschen, die ihre Rechnungen nicht begleichen können, aber sich zu Hause vor dem Flachbildfernseher abfotografieren lassen. Bei meinen Reisen in die USA habe ich gerade solche Fälle, wo es Menschen richtig dreckig ging, jedoch recht häufig gesehen... Nun mag ja sein, dass hungernde Menschen ohne stabile Verhältnisse nicht per se unglücklicher sind als solche, die mit ihren Rechnungen Probleme haben, aber das finde ich dann doch etwas dreist...

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marrrrtin 23.05.2009, 19:42
22. Hohe Steuern

Zitat von Carguy
Die Initiatoren der Studie bleiben unbekannt. Das Ergebnis legt nahe, dass Staaten mit einer hohen Steuerlast wie Dänemark oder Schweden 'gute' bzw. gerechte Staaten sind.
Dem kann ich so nicht zustimmen. Denn auch die Niederlande sind vorne mit dabei, und dort sind die Steuern niedriger als etwa in Deutschland. Daran kann es somit nicht unbedingt liegen. Was Dänemark, Finnland, Schweden und die Niederlande aber gemeinsam haben (so weit ich das beurteilen kann - ich habe ein paar Jahre lang in Schweden gelebt, kenne Dänemark und Finnland wegen der Nähe auch recht gut, aber die Niederlande eher nur als Tourist und von Statistiken bzw. Rankings wie diesen), wäre in meinen Augen der Realismus und die pragmatisch-konsequente Herangehensweise in politischen Fragen. In Deutschland werden immer zig Sachen versprochen, die sich eh nicht halten lassen, während die Skandinavier da deutlich zurückhaltender sind.

Und noch was fällt mir auf: In Deutschland brüstet sich die Politik damit, dass das Land Exportweltmeister ist, hat dabei aber die Binnenwirtschaft total vernachlässigt (Investitionen in Deutschland sind ja schon ziemlich rar geworden, finde ich). Die skandinavischen Länder sind, wenngleich ebenso stark vom Rest der Welt abhängig, nie so weit gegangen, dass sie dafür das inländische Wohlergehen geopfert hätten (mit allen Auswirkungen für Arbeitsmarkt, verfügbarem Geld für Bildung...).

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Pilchard 23.05.2009, 19:53
23. Und was kommt jetzt...?

Zitat von sysop
Egal ob Generationengerechtigkeit, Bildung oder Arbeitsmarktchancen - die soziale Ungleichheit ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Ländern der EU. Nur bei der Gleichstellung von Mann und Frau schneidet die Bundesrepublik vergleichsweise gut ab.
Alle Parteien, welche bisher die "Bürgerliche Mitte" für sich in Anspruch nehmen haben nichts an dieser Ungerechtigkeit verändern können oder wollen. Unter der SPD wurde Hartz 4 sogar als Zukunftsprogramm verkauft und es wird davon geredet, dass Deutschland heute schlechter da stehen würde, als ohne Hartz 4.

Ein anderer Forist hat ja schon darauf hingewiesen, dass andere Länder unter den weltwirtschaftlichen Bedingungen besser abschneiden. Es ist nicht nur die "böse Globalisierung."

Was mich an dieser Studie am meisten wurmt ist die Tatsache, dass Zigtausende von Menschen diese negative Kluft seit Jahren erleben. Doch wenn eine Partei darauf aufmerksam macht, warnt man gleich vor dem Linksruck und spricht von Populismus. Was ist denn die Alternative? Weiter so wie bisher?

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Alex066 23.05.2009, 19:54
24. .

@marrrrtin

Ja, ich meinte die Vermögensverteilung.
Die Bundesrepublik Deutschland weist einen Gini-Koeffizienten von 0,78 auf. Damit sind die bundesdeutschen Vermögen nur knapp gleichmäßiger verteilt als in den USA mit einem Koeffizienten von 0,81. Im Land habe ich mich allerdings geirrt ,-( ich meinte Schweden,nicht Dänemark.Dort liegt der Koeffizient bei nur wenig zu steigernden 0,89, wobei ich
vermute, dass sich die skandinavischen Länder stark ähneln.
Im Italien, mit gering ausgeprägten Sozialnetzt, in dem die
private Vorsorge eine noch höhere Bedeutung hat, lieder
er bei erstaunlich geringen 0,42.

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Pilchard 23.05.2009, 19:58
25. ...ups

Zitat von Pilchard
Unter der SPD wurde Hartz 4 sogar als Zukunftsprogramm verkauft und es wird davon geredet, dass Deutschland heute schlechter da stehen würde, als ohne Hartz 4.
Ich meinte, dass davon geredet wird, dass Deutschland dank Hartz 4 heute besser da steht, als ohne.

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Wiedereinaussteiger 24.05.2009, 04:20
26. ..alles wirklungsloser Dünnpfiff..

Der Mumpitz an solchen Studien ist immer, dass das unersucht und gefragt wird, was dem Auftraggeber der Studie bei seinen Eigeninteressen nützt.

Problematik hierzulande ist nicht die Ungleichverteilung von Einkommen oder Besitz, sondern die extreme Ungleichverteilung der Belastung zum Unterhalt des Staatswesens.

Klar, dass das untere Drittel sich nicht beteiligen kann. Der eigentliche Skandal ist, dass die öberen Drittel oder 25% nicht adäquat zum Unterhalt des Gemeinwesens beitragen. Hierzu zählen Selbständige, Manager, Bankiers, hohe Beamte. Durch die Deckelung der Sozialbeiträge und durch die hohe Steuerprogression tragen zu ganz hohen Teilen überwiegend diejenigen die Last der Staats- und Sozialfinanzierung, die jeden Tag brav zur Arbeit gehen, andererseits aber nicht in so hohe Gehaltsregionen kommen, dass hinter der Deckelung gutes Geld übrigbliebe.

Diese Menschen werden ausgesaugt, fiskalversklavt.

Wohingegen diese sogenannte "Mitte" extrem benachteiligt ist, wenn es um die soziale Absicherung geht. Seit Hartz IV existiert ein hohes Risiko, im Falle eines Arbeitsplatzverlustes, auch unverschuldet, seine Ersparnisse und Immobilie zu verlieren. Andere gesellschaftliche Gruppen hiingegen sind in "Spezialsystemen" weit besser geschützt: Beamte, Selbständige, deren VErsicherungsbeiträgen noch echte Leistungen gegenüberstehen, im Gegensatz zu den "Arbeitslosenversicherungen" und "Rentenversicherungen"; die das Papier bald nicht mehr wert sind. "Die Rente ist sicher!"?? Ja, für Blüm, und für die Manager, und für hohe Beamte gibt es sehr auskömmlichen Pension. Aber der normale Angestellte wird sich noch wundern, wie wenig ihm bleibt.

Dieses Gemeinwesen derer Kohls, Schröders und Merkels ist daher zu hohen Teilen ungerecht, da es diejenigen, die das Allermeiste beitragen zum Statswesen mittlerweile am schlechtesten schützt. Geschützt hingegen snid die Privilegien der Politker, hoher Beamter, Manager und Kapitaleigner. Und natürlich all die Interessen der sozialen Belange. Einschließlich der Lobbys, dei es so prachtvoll verstehen, mit der Sozialfrage Interessen zu propagieren. Für die Interessen der täglich Arbeitenden kämpft fast niemand, außer Gewerkschaften.

Solche Studien gehen mir daher am Allerwertesten vorbei. Denn einen Handlungsdruck auf die Politik der staatsbesatzenden Altparteien entfesseln solche Studien nicht.

Oder hätte man schon mal ernsthaft gemerkelt, dass nach "Pisa" der Staat tatsächlich und ernsthaft und erfolgreich in Bildung investiert? Wie kann das dann noch sein, dass allein in NRW 4000 Lehrer fehlen?? Da steht doch öffentliches Problembewusstsein und das Tun der Regierungen in krassem Widerspruch.. Für alle möglichen und unmöglichen Aufgaben wird Geld locker gemacht; ein Jürgen Rüttgers fliegt mit Delegation in die USA, um mit General Motors über Opel zu "verhandeln".. Aber in seinem Land fällt enorm viel Unterricht aus.

Die Frage der sozialen Gerechtigkeit ist mit der Studie nur sehr unzureichend beleuchtet. Die größte Ungerechtigkeit ist, dass arbeitenden Menschen alles aus der Tasche gesaugt wird und dass deren soziale Absicherung, wenn was schiefgeht, ein übel niedriges Niveau erreicht.

Sozial ungerecht ist nicht, dass Generationen von Immigranten die Sozialhilfekarriere bezahlt wird: Sozial ungerecht ist, dass diejenigen, die das jahrzehntelang bezahlen, auch dahin abrutschen können.

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britta 25.05.2009, 08:19
27. Vergleichsstudie

Zitat von sysop
Egal ob Generationengerechtigkeit, Bildung oder Arbeitsmarktchancen - die soziale Ungleichheit ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Ländern der EU. Nur bei der Gleichstellung von Mann und Frau schneidet die Bundesrepublik vergleichsweise gut ab.
Die "Macher" dieser Studie haben wohl noch nie etwas von der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf gerade in diesem Lande gehört, von den halb so hohen Renten von Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien (aufgrund Kindererziehung).
Diese Macher sollten sich mal das Buch
"Geschlechterpolitik im Prozess der europäischen Integration" von Nora Fuhrmann
zu Gemüte führen.

Wer hat denn diese obige "Vergleichsstudie" finanziert?

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Diomedes 31.05.2009, 12:26
28. Gleiches & Ungleiches

Zwei vergessene Faktoren: Zum einen hat Deutschland jenseits der Elbe die Folgen der vierzigjährigen russisch-bolschewistischen Kolonialherrschaft zu bewältigen, die dem Rest Europas entweder erspart geblieben ist oder die das ganze Land verwüstet hat, daher gibt es hier strukturelle Unterschiede und zudem hat sich Deutschland durch seine unüberlegte und unnötige Einwanderungs- und Asylpolitik künstlich größere Unterschichten ins Land geholt; solche Faktoren sollte man bei derartigen Studien vielleicht ein wenig zur Sprache bringen.

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mohojan 05.06.2009, 13:20
29. Interessante Studie

Ich bin weiß Gott kein Freund von Statistiken, aber manchmal decken sich Ergebnisse doch mit eigenen Erfahrungen und so verhält es sich in diesem Fall. Wenn ich die heutige Situation in Deutschland mit der in den 80ern vergleiche, ist die Kluft klar größer geworden. Ich habe für mich persönlich in Deutschland leider keine Möglichkeiten mehr gesehen und bin deswegen nach Polen ausgewandert.

Interessant in dieser Statistik ist, dass Polen in den verschiedenen Statistiken des Forschungsinstituts Berlinpolis knapp vor oder hinter Deutschland liegt, insgesamt einen Platz davor. Allerdings hat Deutschland wohl eine fallende, Polen eine steigende Tendenz. Und in einem der für mich beruflich und für die Zukunft des Landes wichtigsten Punkte "Bildungs- und Ausbildungschancen" lag Polen weit vor Deutschland. Das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen, der Lerneifer und das Bildungsniveau ist unglaublich, ich staune tagtäglich, zum Beispiel über fast muttersprachlich Deutsch sprechende Polen.

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