Forum: Politik
Völkermord-Debatte: Das größte Verbrechen überhaupt?

Die Qualifizierung von Völkermord als besonders schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist fragwürdig. Sie macht sich die rassistische Logik der Täter zu eigen.

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nofreemen 13.06.2016, 05:30
1. von Absicht und Zwang

Ja es ist gemein einem Eskimo einen Kühlschrank zu verkaufen und noch gemeiner allen Eskimos gegen deren Willen sie zu zwingen einen zu kaufen. Diese Art von Steigerungen, Sinn und Zweck des jewriligen Tuns abzuwägen ist schon frag- und Diskussionswürdig. Oder doch nicht? Ist Wortklaubetei die Lösung oder nur wieder Agression?

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MatthiasSchweiz 13.06.2016, 05:52
2.

Stalin war ein Scheusal, ohne Wenn und Aber. Aber ich nehme an, die Autorin weiss, dass während der Zeit des Holodomor auch in anderen Teilen der Sowjetunion unzählige Menschen ums Leben gekommen sind, und auf dem Gebiet der Ukrainischen Sowjetrepublik auch Russen, Juden, etc. Wenn sie das unterschlägt, tut sie genau das, was die ukrainischen Nationalisten seit Jahren aus politischen Gründen tun. Dass Stalins Verbrechen in ihrem Kommentar ausgiebig behandelt werden und andere nicht bestätigt das leider. Dass die Verbrechen der USA seit dem 2. Weltkrieg (nach Schätzungen direkt und indirekt bis zu 25 Millionen Tote) gar nicht erwähnt werden lässt alles noch einseitiger aussehen.

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GinaBe 13.06.2016, 06:03
3. Doppelmoral?

Ist Rassismus denn nicht auch eine reine Ideologie, die sich auf den angeblichen Mehrwert einer subjektiv ernannten privilegierten Definition von Menschsein stützt?

Hannah Arendt dozierte über die "Ideologie des Bösen", daß sie banal, d.h. beiläufig daherkomme.
In den Nürnberger Prozessen entsetzten sich die Zuschauer über die Harmlosigkeit, mit der über Massenmord als Befehlsausführung gesprochen wurde.

Nicht anders wurden Indianer systematisch getötet und in Reservaten eingesperrt, um sich des Landes anzueignen, die Büffelherden abgeschlachtet, als die Eisenbahnen gebaut wurden.

Tut mir leid- ich sehe in den Ausführungen keine Unterschiede, weil in beiden Beispielen Menschen "stören" und einer Ausnutzung eines Landes und seiner "Güter" im Wege stehen.

Ich fürchte sogar, die Logik der Sieger immer selbst selbst ist grundsätzlich eine rassistische, da diese sich auf die Hierarchie von kapitalen Werten stützt, aus der ein Großteil der Weltbürger ausgeschlossen bleiben.

Und wenn auch in den Verfassungen und Grundgesetzen genau diese Privilegiertheit ausgeschlossen werden, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bis hin zu Rechtstaatlichkeit und Chancengleichheit aller garantiert und als Ideal hochgehalten wird, kann das alles ja überhaupt nicht stattfinden, da ja genau die Gegenteile, eben die Hierarchisierung kapitalistischer Anlagen und deren Vermehrung in aber auch ALLER Konsequenz die Wirklichkeit bestimmt.

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Gela2006 13.06.2016, 06:07
4.

Dem habe ich nicht hinzuzufügen. Klasse.

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nexus32 13.06.2016, 06:45
5. Egal

Natürlich hat Fr. Hoffmann in der Sache recht. Aber außer vor Gericht, wo es um das Strafmaß geht, ist eine solche Sptzfindigkeit angesichts des geschehenen Grauens egal. Wichtig ist für mich das geschehene zu begreifen, zu betrauern und individuelle Lehren daraus zu ziehen. Auch wenn es für jeden einzelnen von uns lange und weit weg ist.

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licorne 13.06.2016, 07:02
6. Man könnte die Argumentation auch umdrehen

Wer einen Völkermord nicht ausdrücklich so nennt, verharmlost ihn. Wenn Menschen aufgrund ihrer genetischen Konstalletion als 'lebensunwert'oder gar als 'schädlich' für die eigene genetische Konstalletion definiert werden, dann gibt es kein Entkommen. In dieser Logik müssen diese alle vernichtet werden, weil Gefahr von ihren Genen ausgeht, eine böse Macht quasi darin unausweichlich in der DNA sitzt. Das ist schlimmer als die Verfolgung einer anderen Religion, Kaste usw.

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nolol 13.06.2016, 07:06
7. Finde ich gut geschrieben

Genau das ist auch meine Meinung. Das eröffnet natürlich auch die Frage, warum wir die hier genannten Länder, allen voran Russland und China, nicht genauso drängen wie die Türkei.

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klugscheißer2011 13.06.2016, 07:09
8. Nun bin ich aber gesapnnt...

Nun bin ich aber gesapnnt, wann in einer nächsten Resolution der deutsche Bundestag auch die Vernichtung der Hereros durch deutsche Kolonialtruppen als Völkermord einstuft und Hinterbliebenen die ihnen zustehenden Entschädigungen anerkennt.

Sollte das nicht geschehen, dann könnte man dazu neigen, den Armenien-Beschluss als großmäulige und besserwisserische Heuchelei anzusehen, mit der vor allem der von Erdogan mit harter Hand geführten Türkei eine Ohrfeige verpasst werden sollte.

Dabei könnte dieser Beschluss, den ich historisch gesehen inhaltlich teile, aber dessen Sinn ich wegen der zweifelhaften Zuständigkeit des deutschen Parlaments nicht so recht erkenne,
auch dazu führen, dass Erdogan in seinem Land mehr Rückhalt im Volk bekommt, weil er nun noch kräftiger die nationalistische Karte ausspielen kann.

Vernünftiger und logischer wäre es gewesen, mit einem eigenen Beschluss die eigene Schuld an den Hereros zu sühnen und dem Nato-Freund Türkei zu "empfehlen", mit seiner eigenen Geschichte ebenso selbstkritisch umzugehen. Aber ein Vorgehen in dieser Reihenfolge verbietet dann doch wohl die deutsche Überheblichkeit.

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pirin4 13.06.2016, 07:17
9. Warum dieser Artikel?

Die Autorin selbst bezeichnet ja zurecht den Holocaust als Völkermord, warum dann dieser Kommentar gegen den Begriff? Grundsätzlich ist jeder Mord ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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