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Völkermord-Debatte: Das größte Verbrechen überhaupt?

Die Qualifizierung von Völkermord als besonders schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist fragwürdig. Sie macht sich die rassistische Logik der Täter zu eigen.

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arch.aisch 13.06.2016, 07:22
10. Kompliment

Ein guter, sachlicher Kommentar, dem nichts hinzu zu fügen ist. Massenmord ist Massenmord. Mord ist Mord.

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ohnesorge 13.06.2016, 07:24
11. Natürlich ist jede Definition einer Vernichtung von Menschen schwierig,

aber daraus zu folgern, dass Massaker an den Armeniern nicht als Völkermord zu bezeichnen, wäre der bessere Weg, ist falsch. Gerade die Reaktion der Türkei zeigt ja, dass sie eben gerade weiterhin so tun wollen, als sei es ein "normales" Kriegsgeschehen gewesen. Anders herum gibt es sicher noch viele Völkermorde, die bisher nicht als solche bezeichnet wurden. Da gibt es noch einiges aufzuarbeiten, auch bei den betroffenen Nationen. Manche z.B. Ruanda sind da vorbildlich und haben sogar ein eigenes Völkermordmuseum, das mein Mann letztes Jahr besuchte. Dort stellen sie sich ihren eigenen Gräueltaten an den Tutsis. Die genaue Definition ist immer wichtig, auch wenn es nur einen Toten gibt. Deshalb versucht man immer heraus zu finden, war es Mord oder Totschlag.

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behemoth1 13.06.2016, 07:28
12. Vergangenheit

Wir alle haben so unsere Probleme mit unserer Geschichte, kaum einer steht wirklich dazu und das ist nicht nur in der Türkei so, man könnte viele Länder dabei aufzählen.
Wer andere Länder deswegen an den Pranger stellen will, der sollte zuerst seine eigene Geschichte betrachten und sie in Ordnung bringen.

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Maulwürfin 13.06.2016, 07:33
13.

Gut, nicht unwahr aber das Problem wäre doch eher im Bezug zur historischen Konnotation des Begriffs zu suchen und in den ursächlichen Handlungen die seine Entstehung prägten. Massenmord ist eines, der Begriff Völkermord beinhaltet darüber hinaus allerdings noch die weitergehende Absicht eben so lange zu morden bis die unerwünschte Gruppierung verschwunden ist und genau deswegen ist er doch das schlimmstmögliche Verbrechen. Für einen Völkermord ist es also nicht ausschließlich relevant wieviele Personen bisher tatsächlich umgekommen sind, sondern eben auch wievielen weiteren das Lebensrecht abgesprochen wird. Die Verkürzung des Begriffs auf Ethnien oder Völker ist allerdings tatsächlich kritisch zu hinterfragen, denn, wie vom Autor richtig beleuchtet, gibt es selbiges auch bei anders definierten Menschengruppen. Letztlich sollte der Begriff erweitert werden und die gewollte Vernichtung irgendwie definierter Menschengruppen in ihrer Gesamtheit umfassen. Seien es Lehrer, Homosexuelle, religiöse oder ethnische Gruppen oder Anhänger von irgendwas. Letztlich sollte es egal sein wie die Gruppe definiert wird, solange ihre vollständige Vernichtung gewollt und zumindest teilweise umgesetzt wird sollte der Tatbestand des Völkermords gelten.

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Rayleigh 13.06.2016, 07:40
14.

Ihr letzter Absatz hat für mich den Artikel gerettet. Völkermord/Massenmord ist immer zu verurteilen, egal, ob unsere Vorfahren dies den Juden antaten oder ob die Täter Osmanen, Japaner, US-Amerikaner oder Israelis sind. Wer soll bitte nach 100 Jahren noch ernsthaft beurteilen, ob die Absicht zum Völkermord wirklich vorlag?

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herr wal 13.06.2016, 07:40
15. Diskutieren Sie über diesen Artikel.

Würde ich ja gerne, aber es geht nicht. Da fällt mir nichts mehr ein. Die Autorin hat schlicht und einfach recht.

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erzengel1987 13.06.2016, 07:43
16. mh

In meinen Augen haben die USA trotzdem ein mehrfachen Völkermord begangen, da es mehrere verschiedene Stämme waren, die zum Teil komplett verschwanden.

Sonst könnte man jeden Völkermord irgendwo relativieren.

Eventuell kann der Begriff Völkermord auch durch Massenmord an der Zivilbevölkerung ersetzt werden. Dazu würde ich auch die Massenbombardements im 2 WK zählen insbesondere die beiden Atombomben.

Bzw der Fragwürdige Einsatz der deutschen V2 Raketen gegen die Englische Bevölkerung.

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conrath 13.06.2016, 07:45
17. Vielen Dank für Ihren Artikel.

Klare Aussage bei eindeutiger und notwendiger Abgrenzung. Ich wartete schon lange darauf. Ein Artikel im besten SPIEGEL Sinne.

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thinklink 13.06.2016, 07:46
18. Danke

Der Text spricht mir aus der Seele! Mir scheint diese ganze Völkermord-Debatte lässt das Verbrechen selbst aus dem Blickfeld geraten! Das ist wirklich unakzeptabel.
Die Reaktion Erdogans und seiner Büttel war erwartbar, denn seine Leute können vom schlafenden Grauen Wolf bis zum glühenden fanatischen Islamisten, alle möglichen Gewalttäter - man könnte auch sagen Terroristen und Fanatiker - mobilisieren. Denn nichts anderes tun diese Typen: Mit Terror - iund Morddrohungen alle anders denkenden einschüchtern und mundtot machen. Leider glauben manche Türken hier, sie müssten sich noch glüchender nationalistisch aufführen als wären sie daheim geblieben - schlechtes Gewissen wegen wirtschaftlicher Chancen der eigenen Nation den Rücken gekehrt zu haben? So kommt es mir in vielen Gesprächen vor!

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ansv 13.06.2016, 07:47
19. Dein Völkermord war schlimmer als mein Völkermord

Ist das nicht verrückt? Dieses Aufwiegen?

Gleichzeitig sind die Motive der Beurteilung genauso fragwürdig. Die Türken wollen keine "Völkermörder" sein, weil sie gerne möglichst lange als "die Guten" gelten wollen. Deutschland will die Herero-Geschichte vergessen, damit keine finanziellen Regressansprüche zu befürchten sind. Wer ist jetzt "besser"?

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