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Vor dem TV-Duell: Das Unglück des Martin Schulz
REUTERS

Martin Schulz hatte gegen Angela Merkel nie eine Chance. Die Umfragen, die ihn Anfang des Jahres noch Kopf an Kopf mit der Kanzlerin sahen, ließen einen entscheidenden Umstand außer Acht.

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vera gehlkiel 31.08.2017, 18:22
120.

Mag ja alles lustig gemeint sein von Fleischhauer, aber wenn man den Artikel mit ein bisschen Kopf, also in Ruhe, durchliest, wird einem eher Angst und Bange, und es kommt dann fast gar nicht mehr drauf an, welcher Partei man sich zugehörig fühlt. Schulz trotz Bärtigkeit und geringem Bekanntheitsgrad doch zu wählen, wäre dann so gut wie ein reiner Selbsttherapieversuch gegen die Depression, die man kriegt, wenn man sich eine politische Landschaft vorstellt, die wirklich so unverrückbar öde ist, wie sie uns in diesem Beitrag ausgemalt wird. Ich war heute übrigens mit bei der Einschulung meines kleinen Neffen. Seine Begeisterung über all das Neue dort, von dem Haken mit seinem Namen für seine Jacke bis zur sehr warmherzig wirkenden Klassenlehrerin, alles war so hinreissend, dass ich fast schon ein bisschen neidisch auf ihn wurde. Und versuchte, einfach alles mit seinen Augen zu sehen. Die Namen an der Hakenleiste könnten sowohl drauf hinweisen, dass die Schule in Schweden, als auch, dass sie in Norditalien ist. Aber niemand wurde dort scheel angesehen, es gab kein Richtig und Falsch, ich als kinderlose Tante mit einem zwölf Jahre jüngeren Lebensgefährten im Schlepptau erregte ebenso wenig Misstrauen wie die Tatsache, dass der Kleine bereits in eine Patchworkfamilie hineinwächst, wobei der Stiefvater und seine Mama ebenfalls total unverheiratet sind. Niemand brauchte dort ein Leitbild, alle fühlten sich so frei, um miteinander gut klarzukommen. Die Lehrerin wünschte sich lediglich geringere Klassenstärken, als ich mit ihr plauderte, junge Paare eine höhere Bemessungsgrenze im Bezug auf das Schulessen und die Ganztagsoption. Aber nicht, um sich davon eine neue Diesellimousine zu kaufen, sondern nur, um etwas mehr Reserve in petto zu haben. Das Problem mit der Depression, in die Angela Merkel uns sukzessive hineingeführt hat, wird anhand der Tatsache besonders augenfällig, dass man heute eine Polemik über einen Politiker damit aufhübschen kann, dass man sein Aussehen mit dem eines Lehrers vergleicht. Ich möchte nicht, dass die Klassenlehrerin meines so hoffnungsfrohen kleinen Schatzes mit dem Gefühl leben muss, dass sie als Schablone für Menschen, die sich redlich mühen, aber nichts erreichen, tauglich ist. Komisch, schon wieder ein Grund, nach der Lektüre dieser Kolumne erst recht Martin Schulz zu wählen. Womöglich ist Fleischhauer sogar ein SPD-U-Boot, wer weiss?!

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rvankessel 31.08.2017, 19:04
121. Brilliant

Vielen Dank für diese Kolumne.

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Useless_User 31.08.2017, 19:05
122. Es ist doch so

Die Deutschen wollen keinen Wandel und Merkel ist schon wie Kohl. Ohne Vision, ohne Elan und vollkommen beliebig in ihrer Politik. Den meisten Deutschen geht es ganz gut und recht vielen sogar ziemlich gut. Soziale Gerechtigkeit finden alle toll, aber es ist nicht das entscheidende Thema. Alles läuft für die Mehrheit noch ganz normal; der Einzelhandel und Onlinehandel boomt, es wurde heftig geurlaubt. Die 10% denen es vollkommen schlecht geht, gehen schon lange nicht mehr wählen und weiteren 10% denen es nicht ganz schlecht geht, wählen Linkspartei und AfD.

Merkel hat die CDU vollkommen sozialdemokratisiert und sich die Erfolge der SPD in der großen Koalition selbst ans Revers geheftet. Für die SPD bleiben da nur maximal 25% übrig, eingeklemmt zwischen der CDU und der Linkspartei und AfD. Wenn die SPD nun der Agenda 2010 usw. abschwören würde, söge sie lediglich einige Prozent der wenigen Linkspartei und AfD Wähler auf und verlöre am anderen Rand noch mehr an die CDU und die wiedererstarkte weichgespülte Apotheker-, Steuerberater- und Pfründelordsiegelbewahrerpartei FDP.

Für die SPD heißt das: Es gibt keinen Ausweg.

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kaiserudo 31.08.2017, 19:15
123. Merkel wird abgewählt. Schulz ist kanzler

Die Wahlen kommen doch noch, oder waren die schon ?

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Useless_User 31.08.2017, 19:20
124. Hartz IV

Zitat von index77
Ganz kurz gab es die Hoffnung, Schulz würde die Schuldzuweisung, Sanktionierung, sprich die harte Kälte aus den Hartz IV Reformen anfassen. Das gab viel Zustimmung. Darf oder will er aber doch nicht. Also wird die SPD weiter zurecht keine Wählergunst zurück gewinnen.
Es gibt zur Zeit nur ca. 4 Millionen Hartz IV beziehende Personen in Deutschland und ein Drittel davon sind Kinder, ein Viertel ist nicht erwerbsfähig. Viele Menschen aus der Gruppe der Hartz IV Bezieher haben auch früher, als es noch Sozialhilfe gab, nicht gewählt.

Die SPD kann hier also keinen Blumentopf gewinnen.

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BettyB. 31.08.2017, 19:21
125. Seltsam

Auch Fleischhauer scheint nicht bekannt zu sein, dass bei der Bundestagswahl Abgeortnete ins Parlament (Erststimme) und Parteien (Zweitstimme) gewählt werden und es keine direkte Wahl eines Kanzlers oder einer Kanzlerin durchs Volk gibt. Natürlich verschweigt Fleischhauer auch, dass die SPD stimmstärkste Partei werden könnte, da der derzeitige Unterschied zur CDU wirklich überwindbar zu sein scheint. Doch wer für Reichenschutz ist, erklärt ungern und wohl auch gezielt nicht das Wahlrecht, denn es könnte ja der Favoritin Stimmen kosten. Dumm daran, dass das wohl kaum jemand merkt, da sich die Medienvertreter in Deutschland diesbezüglich wahrlich einig zu sein scheinen...

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rubberducki 31.08.2017, 19:26
126. No comment!

Sorry ... aber irgendwie ist das Thema Bundestagswahl 2017 im Spiegel schon so oft sinnbefreit durchgelutscht worden ... da hat genau dieser Kolumnen-Beitrag noch gefehlt. Meine Synapsen weigern sich beharrlich, den Inhalt rational zu bewerten ... schon das Lesen bis zum Schluss war nicht einfach. Gibt es beim Spiegel auch so etwas wie eine journalistische Qualitätssicherung???

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Pfaffenwinkel 31.08.2017, 19:28
127. Und jetzt

wähle ich Schulz - gerade zum Trotz.

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Outdated 31.08.2017, 19:48
128. der Kolumne fehlt der gewohnte Biss

aber das geben sie ja selber zu ;P

Es ist tatsächlich schwer zu verstehen was die SPD dazu trieb Schulz aufzustellen, oder vielleicht auch nicht, jeh nachdem welche Prämissen man voranstellt.
Jedenfalls gab es von Anfang an nur wenig das für Martin Schulz sprach.
Mangelnde Bekanntheit, wie sie zurecht sagen, ist eines davon, aber das ginge zu weit.

jedenfalls nächstes mal bitte mehr Elan.

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LadyLoki 31.08.2017, 19:49
129.

Moment mal... Da wundert sich der der Spiegel, dass Herr Schulz von den Medien "geframed" wurde?
GEHTS NOCH????
Gehört der Spiegel seit Neuestem nicht mehr zu den Medien????
Und dass gerade hier gegen die SPD geschrieben und für Frau Merkel Werbung gemacht wird, ist ein Trauerspiel allererster Güte.
Früher war der Spiegel das Sturmgeschütz der Demokratie, heute ist er zum feuchten Zündblättchen verkommen, wie ein Kabarettist einmal richtig formulierte.
Ich war heute hier das letzte Mal, der Spiegel ist für mich endgültig gestorben.
Da lese ich doch lebeer die TAZ oder die Frankfurter Allgemeine...

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