Forum: Politik
Vormarsch von Warlord Haftar: In Tripolis scheitert Europas Libyen-Politik
Esam Omran Al-Fetori/ REUTERS

Khalifa Haftar bläst zum Sturm auf Tripolis: Seine "Libysche Nationale Armee" ist ein Bündnis aus Gaddafi-Militärs, Salafisten und Söldnern. Der Zwei-Millionen-Metropole droht eine verheerende Schlacht.

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franz.v.trotta 08.04.2019, 17:19
10. Wie gehabt

Wir erinnern uns: Nach der Ermordung Gaddafis erklärte Hillary Clinton freudestrahlend: "We Came, We Saw, He Died". Die Folgen sieht man ... jetzt.

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Bernd.Brincken 08.04.2019, 17:23
11. Chaos-Vorwurf

Teil des westlichen Einfluss auf Libyen ist auch der stetige Vorwurf des 'Chaos', das dort herrschen soll. Solange nicht eindeutig geklärt ist, wer einem deutschen Beamten als Außen-, Wirtschafts- oder Innenminister gegenübertritt, bezeichnet man ein Land als gescheitert.
Dabei bedingt die geografische Lage nun einmal eine Ansiedlung entlang der Küstenlinie, wo sich historisch zwei Zentren - Tripolis im Westen, Bengasi im Osten - herausgebildet haben. Diese bestanden auch schon unter Gaddafi, durch den Bürgerkrieg verstärkten sich die regionalen Identitäten eher.
In der Lage hätte sich die EU, auch Deutschland, keinen Zacken aus der Krone gebrochen, mit beiden Lagern zu verhandeln und mit jedem erst einmal gegenseitig vorteilhafte Vereinbarungen zu finden. Auf der Basis hätte man auch eher einen Hebel gehabt, die politische Vereinigung der Lager zu fördern.
So aber, mit dem ständig von oben-herab Besserwessi-Auftritt verschafft man sich bei den Familienclans, die dort die Gesellschaft formen, keinen Respekt.
Man kann nur hoffen, dass Frankreich hier geschickter agiert, allein weil man aus der Kolonialzeit gelernt hat.

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rolf.scheid.bonn 08.04.2019, 17:33
12. Der fortdauernde Bürgerkrieg in Libyen...

... ist die Folge der verhängnisvollen militärischen intervebrion der Nato. Wir erinnern uns bitte, wer die Antreiber waren: Frankreichs Präsident Sarkozy, Friedensnobelpreisträger Obama, und bei uns führende Grüne wie Josef Fischer oder Daniel Cohn-Bendit. Das aktuelle Chaos in Libyen geht auf deren Rechnung, nicht auf Europa. Deutschland unter Merkel und Westerwelle hat sich damals nicht beteiligt. Was wurde die Bundesregierung dafür beschimpft, insbesondere von führenden Grünen. Das bleibt unvergessen. Jetzt, wo Gaddafi Geschichte ist und nach vielen Jahren Bürgerkrieg ohne Aussicht auf einen Sieger, kann man nur hoffen, dass General Haftar sich landesweit durchsetzt und eine autoritäre Herrschaft wie unter Gaddafi etabliert. Anders lässt sich das Chaos in Libyen nicht mehr bändigen.

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f36md2 08.04.2019, 17:37
13. An die Macht!

Diese Typen mit den Toyotas plus aufmontiertem MG kann ich nicht mehr sehen. Hauptsache: In der Gegend herum ballern. Sie alle wollen "an die Macht" - und dann? Da bekriegen sich gegenseitig Islamisten, Westorientierte, Madchalisten, Salafisten usw. Wenn es dann nicht geklappt hat, kommen sie nach Deutschland. Super!

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adrian.ruest 08.04.2019, 17:44
14. Feiges rechtes Geschreibe

Interessant wie hier wieder über den "Westen" hergezogen wird, von Feiglingen, die in den sicheren Stuben genau dieses Westens sitzen. In stabilen, friedlichen Ländern, die sich nach Jahrzehnten von Chaos und Krieg im 19. und 20. Jh. langsam zu Demokratien entwickelt haben. Praktisch jedes westliche Land erwuchs aus jahrelangen Kämpfen. Im Nahen Osten gesteht man den Leuten diese Entwicklungszeit aber nicht zu. Da ist der böse Westen an Revolutionen Schuld, die Menschen kommen ja natürlich nicht selbst auf die Idee, sich zu wehren. Und Mörder wie Hussein, Assad oder Ghadaffi sind natürlich viel besser für diese Staaten. Die sorg(t)en wenigsten für Ruhe. Und überhaupt, Demokratie und Menschenrechte sind ja auch nicht für alle passend.

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Sleeper_in_Metropolis 08.04.2019, 17:53
15.

Zitat : "Sie warnen davor, dass die Eroberung der Hauptstadt durch den selbsternannten Feldmarschall eine Rückkehr des Gaddafi-Regimes bedeuten würde."

Naja, verglichen mit den Bürgerkriegszuständen seit Gaddafis sturz wäre das sicherlich nicht das schlechteste für das Land. Da muss man sich nur die jüngere Ägyptische Geschichte anschauen : Nach dem Chaos des "arabischen Frühlings" ist man sowohl in großen Teilen der Bevölkerung als auch im Westen mehr oder weniger heimlich ganz froh, das jetzt wieder ein tendenziell pro-westlicher Herrscher die Zügel fest in den Händen hält - auch wenn es tlw. harte Hände sind.

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isi-dor 08.04.2019, 17:59
16.

Libyen wurde nicht von Europa, sondern von den USA zerbombt.

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Observator 08.04.2019, 18:06
17. Politik des Westens - erinnert an antiken König Midas - nur reziprok!

Dem "Westen"geht es in seiner Außenpolitik so etwa wie dem aus der antiken Sagenwelt berühmten König Midas - nur eben reziprok.
Beim König Midas wurde alles, was er anfasste zu Gold, daran ist er dann - ebenfalls der Sage nach - zugrunde gegangen.
Die westliche Außenpolitik hat einen ganzen Gürtel, der inzwischen von Nordafrika über Nahost bis zur pakistanischen Grenze reicht - ausgenommen ein paar verbündete islamische Staaten, die über viel Kleingeld verfügen - in ein politisches und wirtschaftliches Trümmerfeld verwandelt.

Herausragend dabei war insbesondere die Intervention in Libyen, die für ganz Nordafrika regelrecht die "Büchse der Pandora" aufgerissen hat.
Ein funktionierender Staat wurde auf der Schlachtbank der westlichen Globalpolitik und dem Erhalt der Dollardominanz zerschlagen, die gut gefüllten Waffenarsenale Ghaddafis überschwemmten in der Folge ganz Nordafrika, das Hauptventil gegen den Migrationsdruck in Richtung Europa wurde geöffnet - mit inzwischen allen bekannten Folgen, wozu u.a. auch mit der Brexit und die veränderte innenpolitische Situation sowohl in Deutschland als auch in der EU gehört.

Deutschland hatte damals 2011 in Libyen nicht mitgemacht - sich sogar an der Seite von Russland und China in der UN der Stimme enthalten - welch eine Schande: so tönten damals maßgebliche deutsche Medien und auch transatlantische Politiker. Merkel hätte, Westerwelle hat aber nicht.

Dafür wurde dann aber die deutsche Politik scharf gemacht, dieses "totale außenpolitische Versagen" wenigstens mit einem intensiven Engagement in Syrien auszuwetzen. (Das neue Syrien sollte aus Wilmersdorf kommen)

Als dann aber stattdessen die Flüchtlingsströme kamen, war die Folge, dass Merkel, nachdem sie in der Syrienpolitik in der Unterstützung der breiten Front gegen Assad A gesagt hatte, nun auch in der Aufnahme der Flüchtlinge B sagen musste.

Ergo: Ein Debakel, bis zum Horizont reichend!

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hilfe2018 08.04.2019, 18:08
18. Man kommt immer wieder zu der Erkenntnis,

der Imperialismus aus Amerika mit Unterstützung aus EU und Israel richt nur NOT un ELEND auf der Welt an.
Mit Gaddafi an der Spitze es gibt familiäre beweise dafür, herrschte ordnung im land und davon profitierten auch wir Europäer.

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franz.v.trotta 08.04.2019, 18:10
19. Selbsterkenntnis

In einer Bilanz seiner Regierungszeit erklärte Obama 2016 in einem Interview: Er habe vieles erreicht, aber auch Fehler gemacht. Als seinen größten Fehler bezeichnete er sein Vorgehen in Libyen nach dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi.
Man sollte diejenige, die heute daran erinnern, nicht beschimpfen.

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