Forum: Politik
Votum über Unabhängigkeit: Briten drohen Schottland mit Verlust des Pfunds
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Im September entscheiden die Schotten, ob sie sich vom britischen Königreich loseisen. Mit dem Pfund würde das Land aber auch danach gern weiter bezahlen. Nun erhöht London den Druck: Spaltet sich der Nachbar ab, kann er sich seine eigene Währung suchen.

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alohas 12.02.2014, 16:45
160.

Zitat von syracusa
Das ist Unsinn und steht in Widerspruch zur wissenschaftlich nachweisbaren Realität. Der Mensch lebt noch nicht mal so lange in staatlichen Gebilden, als das sich in irgend einer Weise in genetisch verankertem Verhalten bemerkbar machen könnte. Noch sehr viel weniger lang, nämlich .....
Ich gebe Ihnen insofern Recht, dass die Idee des Nationalstaats erst gut 200 Jahre alt ist; das ist aber auch die Idee der bürgerlichen Demokratie, die sie hoffentlich nicht als Wahnsinn bezeichnen. Dass sie das Beispiel von Linzern und Passauern wählen ist ein geschickter Kniff von Ihnen. Nehmen wir deshalb lieber mal ein anderes Beispiel: Frankfurt/Oder und Posen, ist ja sowieso alles EU. Auch nicht sehr weit voneinander entfernt, es dürfte dennoch aufgrund der Sprache z. T. erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten der indigenen Bewohner dieser Städte geben und was die Identität betrifft, fühlen sich beide seit jeher als Deutsche bzw. als Polen, obwohl sie bis 1919 gemeinsam im Deutschen Reich lebten. So ist das Prinzip der heutigen Nationalstaaten doch eher eine Korrektur zu den früheren Großreichen oder Adelsstaaten, die oft quasi als Besitz von Herrscherfamilien angesehen wurde, denen die Ethnie ebenso wie die Rechte der Bürger latte war.

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forenaccount 12.02.2014, 16:48
161.

Zitat von alohas
Nationalstaaten sind kein Wahnsinn, sondern realistisch; d.h. sie entsprechen i. d. R. dem normalen Zugehörigkeitsgefühl und der Identität ihrer Bevölkerung. Als Wahnsinn könnte man eher einen vereinten EU-Staat bezeichnen. Dieses Konstrukt erinnert doch in erschreckender Weise eher an die Großreiche vor dem 1. WK, die durch imperiales Vormachtstreben die Katastrophe ausgelöst haben.
Was bitte ist an einem Nationalstaat "realistisch"?
Was daran "realistisch" ist, sehen Sie in den ehemaligen und gegenwärtigen Krisengebieten in Spanien, Frankreich und Großbritannien/Irland, aber auch in den extremen Nord-Süd-Gegensätzen in Italien. Zum Teil Deckel, die brutal übergestülpt wurden, mit Kartätsche und Knute gestiftet (Einigungskriege).

Die EU mit Nationalstaaten mit ausgeprägt imperial-chauvinistischen Tendenzen am Vorabend des WK I. zu vergleichen, wo jeder sein eigenes Süppchen kochte, und niemand von Frankreich bis Russland, über Deutschland und Österreich, von Großbritannien bis Italien initiativ etwas gemacht hätte, um ein Hineinschlittern zu verhindern, ist unhistorisch und geradezu grotesk.

Und mein Zugehörigkeitsgefühl überlassen Sie bitte mir - ich habe z.B. absolut kein Problem damit, auf ein zwischengeschaltetes Deutschland zu verzichten. Auf blödsinnige Grenzen, die das tägliche Leben unnötig erschweren (ich bin im deutsch-französischen Grenzgebiet aufgewachsen), habe ich dagegen echt keine Lust mehr.

Starkes Europa, starke Regionen und von mir aus kann ein bischen Rumpfnationalstaat als Lametta übrigbleiben.

Ist zwar gerade nicht "in": die konsensuale Schweiz funktioniert im Prinzip ähnlich mit starken Kantonen - und kann bei der Weiterentwicklung der EU durchaus als Vorbild dienen ... ;-)

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gerhard38 12.02.2014, 16:55
162. optional

Ob die Schotten das Pfund als Währung behalten wollen, ist allein der Entscheidung der Schotten überlassen ob der Quasselkopf Cameron das will oder nicht. Ob die Schotten als unabhängiger Staat mit dem Pfund am besten bedient sind ist eine ganz andere Frage.

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Blindleistungsträger 12.02.2014, 16:58
163. Unterm Schottenrock

Im September wird sich zeigen, ob die Schotten Eier unter den Karos haben - oder lange Unterhosen. Wenn ich mir die Wunschliste ansehe, dann tippe ich auf die Feinripp-Variante. Zwei Dinge kommen mir bei der Lektüre in den Sinn: 1. Schon wieder Rosinenpicker. 2. Die haben nicht den Mut, das wirklich durchzuziehen. Wenn die Engländer denen noch ein wenig drohen, dann werden die umfallen.

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Le petit Suisse 12.02.2014, 16:59
164. Schottland versus Katalonien

Es ist noch nicht so lange her, da wurde in diesem Forum über den Austritt Kataloniens aus Spanien diskutiert. Die Foristen waren fast einhellig der Meinung, dass dies nicht akzeptabel wäre. Eine Teilnahme an der EU wäre für Katalonien nicht möglich. Und nun kommt Schottland mit dem gleichen Anliegen, und die Mehrheit der Foristen will die Schotten sofort in der EU ? Ja was nun denn ? Ist es nur das Oel ?

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Blindleistungsträger 12.02.2014, 17:10
165. Das hat mich auch gewundert

Zitat von St.Georg
Warum wollen die denn die Queen behalten? Das Königreich England und damit die Krone ist doch für die Unterwerfung Schottlands in den.....
Die wollen unabhängig sein UND die Queen behalten? Vielleicht ist das ja alles nur ein irrer Übersetzungsfehler und die wollen eigentlich etwas ganz anderes als Unabhängigkeit.

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spon-facebook-1324034099 12.02.2014, 17:12
166. Zentralbankmacht

Zitat von gerhard38
Ob die Schotten das Pfund als Währung behalten wollen, ist allein der Entscheidung der Schotten überlassen ob der Quasselkopf Cameron das will oder nicht. Ob die Schotten als unabhängiger Staat mit dem Pfund am besten bedient sind ist eine ganz andere Frage.
Die Zentralbank kann sich weigern Einlagen schottischer Banken anzunehmen oder ihnen Kredit zu gewähren. Das wäre ein sehr ernstes Problem. Die Schotten wären aller Wahrscheinlichkeit nach gezwungen eine eigene Zentralbank zu gründen.

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Tevje 12.02.2014, 17:19
167. Brauchen die Schotten nicht,

Zitat von crimesceneunit
können ja bei der NSA und dem GHCQ mal nachfragen wie das geht. Die beherrschen das in Perfektion! Und dann Deutschland ausspionieren, wir lassen uns nämlich alles willig von unseren "Friends" gefallen. Dann werden aus five eben six eyes - einer mehr oder weniger...
Sean Connery ist einer der Ihren und wer könnte das Business schon beser vermitteln? Wozu also nachfragen?

Ansonsten: mit ihrem Öl können die Schotten schon eine der Minen-Ökonomien à la Südafrika aufmachen, aber wenn das Fracking in den USA, Europa und Asien die Preise drückt, werden sie erfahren, was es heisst, vom Diktat der Rohstoffpreise abhängig zu sein und keine eigene Wirtschaft zu besitzen. Die Prozente, die Laphroiag mehr gibt, als die Banken, können da auch kein Trost mehr sein....

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syracusa 12.02.2014, 17:20
168.

Zitat von alohas
Ich gebe Ihnen insofern Recht, dass die Idee des Nationalstaats erst gut 200 Jahre alt ist; das ist aber auch die Idee der bürgerlichen Demokratie, die sie hoffentlich nicht als Wahnsinn bezeichnen.
Quatsch! Die Idee des bürgerlichen Demokratie war ausschließlich deshalb an die Idee des Nationalstaats gebunden, weil die Macht der Feudalherrscher eben nicht an sowas wie Kultur oder Tradition gebunden war. Die "Bürger" der frühen Nationalstaaten waren ja ganz explizit nicht alle Bürger, sondern nur die, die auch Steuern zahlen konnten und v.a. die nicht vom Arbeitslohn leben mussten.

Mit dem Frühkapitalismus hat auch die Idee des Nationalstaats ihre Existenzberechtigung verloren.

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forenaccount 12.02.2014, 17:27
169.

Zitat von syracusa
Die Zugehörigkeit des Menschen zu seinem sozialen Umfeld ist in vielfältiger Weise hierarchisch gegliedert. Abgesehen vom Reisepas, der Steuerquote und dem Mitbestimmungsrecht über gemeinschaftliche Entscheidungen unterscheidet einen Freiburger in absolut gar nichts von einem Baseler, und einen Linzer in gar nichts von einem Passauer. Die kulturelle und v.a. die sprachliche Bindung ist zwischen dem Liner und dem Passauer sehr viel größer als zwischen dem Passauer und einem Emdener.
Das kann ich aus eigener Erfahrung so unterstreichen. Während ich mich mit dem Urs und dem Jacques problemlos unterhalten kann, habe ich nach meinem Umzug nach Ostfriesland immer wieder Sprach- und Mentalitätsbarrieren zu durchbrechen. Für mich ist das noch immer tiefstes Ausland. Selbst der Humor ist größtenteils inkompatibel. ;-)

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