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Wahlen in Ägypten: Muslimbrüder vor der Machtfrage

Erstmals in seiner 5000-jährigen Geschichte hält Ägypten freie Wahlen ab. Die*Sieger stehen schon jetzt so gut wie fest: die Muslimbrüder und ihre Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" - Millionen werden die Islamisten wählen. Dabei wissen die selbst gar nicht,*was sie mit der Macht anfangen wollen.

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cingulator 28.11.2011, 08:00
1. Ich wage zu behaupten...

...dass die Muslimbruderschaft sehr wohl weiß, was sie wollen - die Macht.

Und sie wissen auch, was ihre Anhänger von ihnen verlangen: die Durchsetzung ihres extremkonservativen, frauenfeindlichen, homophoben und anderen Religionen gegenüber absolut intoleranten Weltbildes.

Dabei steht die Muslimbruderschaft vor demselben Problem wie die Vorgängerregierungen: eine dramatisch ansteigende Bevölkerung bei schrumpfender Landmenge, Hunger (USA liefert järlich gratis für 2 Milliarden Getreide), hohe Arbeitslosigkeit und Bildungsmangel.

Diese Probleme könnte man langfristig mit mehr Bildung angehen, vor allem mit Bildung für Frauen - meist sinkt dann auch die Geburtenrate (siehe ausgerechnet Iran!) und die Gesellschaft wird, auch aufgrund der geringeren Konkurrenz, etwas friedlicher. Bildung für Frauen wird es mit den Muslimbrüdern aber wohl nicht so leicht geben. Kurzfristig werden sie die sozialen Probleme also genau so lösen wollen, wie schon die Kommunisten und die Nazis vorgingen: man vertreibt/exekutiert alle 'Feinde' und konfisziert/verstaatlicht/verteilt deren Besitz.

Anders als in Deutschland gibt es in Ägypten seit 1948 so gut wie keine Juden mehr, denen man den Besitz und evtl. auch gleich das Leben nehmen könnte, aber man hat ja noch Millionen Kopten, die oft wirtschaftlich erfolgreiche Händler, Gewerbetreibende sind. Seit dem Sturz Mubaraks haben mindestens 100.000 von ihnen das Land verlassen. Viele liberale Muslime, die keine Lust auf oder berechtigte Angst vor einer menschenverachtenden-gottachtenden Theokratie haben, werden das Land wohl in den nächsten Jahren verlassen - wohl vor allem Richtung Europa.

Pech nur, es ist wie mit Hase und Igel: die anderen sind auch schon da und werden als geschätztes Wählerpotential von Politik und Medien hofiert.

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fechner.christian@gmx.de 28.11.2011, 08:23
2. wissen nicht was sie mit der Macht sollen ?

man kann unseren Eliten und Journalisten nur mal empfehlen den Koran zu lesen. Danach fragt sich sicher keiner mehr was diese Leute wohl mit der Macht machen werden!

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RagabAbdelaty 28.11.2011, 08:24
3. Die MUslimbrüder sind die besten

Die Muslimbrüder sind die besten, die Ägypten derzeit regieren können; sie sind ausgebildet, verfügen +ber qualifizierte Anhänger in allen Institutionen und sind auch friedlich. Ich glaube nicht, dass sie politische Probleme verursachen, ganz im Gegenteil tragen sie zur Stabilität des Landes bei. Ihre Beziehungen zu anderen Grupperungen sind auch gut, auch zu den Christen. Ich hoffe, dass eine Regierung mit Führung der Muslimbrüder niemanden ausschließt und aus allen ägyptischen Strömungen besteht.

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panzerknacker51 28.11.2011, 08:33
4. Arabischer Frühling?

Nach den Vorgängen in Tunesien, Libyen und Ägypten dürfte es jetzt wohl an der Zeit sein, das (von Anfang an) unpassende Gefasel von dem sogenannten "arabischen Frühling" zu beenden...

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Liquid 28.11.2011, 08:36
5. da muss ich ihnen recht geben

Zitat von cingulator
...dass die Muslimbruderschaft sehr wohl weiß, was sie wollen - die Macht. Und sie wissen auch, was ihre Anhänger von ihnen verlangen: die Durchsetzung ihres extremkonservativen, frauenfeindlichen, homophoben.....
das zusätzliche problem wird auch das damit zusammenhängende einbrechen der tourismusindustrie sein, für mich ist bei ägypten als urlaubsland vorläufig abgehakt. was aber auch kommen wird, man sucht sich, wie so oft, um von den kommenden innenpolitisch problemen ablenken zu können, wieder außenpolitische Erfolge. Und as verheißt nichts gutes.

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internetwitcher 28.11.2011, 08:37
6. Märchen aus 1001 Nacht!

Bleiben wir mal ganz sachlich: Die Story vom demokratischen Aufbruch in den arabischen Staaten, der zum arabischen Frühling verklärt worden ist, ist eine Erfindung unserer Journalisten. Da war der Wunsch der Vater des Gedankens!
Real ist dass die Muslimbruderschaft ca. 70 Prozent bekommen werden. Und so Sachen wie gemäßigte Islamsiten gibt es leider nicht. Es gibt auch keine bisschen Schwangerschaft oder gar gemäßigte Neonazis! Gerade Islamisten definieren sich ja, den Koran zu 100 Prozent wörtlich auszulegen. Und der Koran lässt halt einfach keine Demokratie zu. Es gibt kein islamisches Land auf der Welt, das so etwas wie eine Demokratie hat. Frauenrechte und die Rechte von religiösen Minderheiten werden vom Koran negiert!

Unsere Journalisten sollten endlich die Realität anerkennen und die eigene Bevölkerung nicht weiter so plump hinters Licht führen!

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passiflore 28.11.2011, 08:52
7. es gibt keine Alternative zur Scharia

Natürlich werden die Muslimbrüder die Mehrheit bekommen und die Scharia einführen, was denn sonst? Ein Land, das seit 5000 Jahren mit Demokratie nichts zu tun hatte, wird sie nicht aus sich selbst heraus generieren können.
Der Islam ist nun mal keine Religion wie das Christentum oder der Buddhismus, sondern auch explizit eine staatliche Ordnungsmacht, die sich seit Anbeginn angemaßt hat, die weltlichen Dinge zu regeln.

In jedes Machvakuum stößt in der islamischen Welt die Religion als Staatsgrundlage vor, weil sie diesen Anspruch ja auch seit ihrer Gründung erhebt. Und da dieser Anspruch "von Allah gewollt" ist, wird es auch keine "light-Version" geben, sondern es wird wörtlich Allahs Wille vollzogen werden. Soweit zum tollen "arabischen Frühling".

Reform bedeutet im Islam nicht, weltlicher zu werden (in Irrtum, dem wir im Westen immer aufsitzen), sondern sich strenger an den Koran zu halten.

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worldwatch 28.11.2011, 08:54
8. "Millionen werden die Islamisten wählen. Dabei ...

... wissen die selbst gar nicht, was sie mit der Macht anfangen wollen."
Bloedsinn! Was Anhaenger des Islam mit "Macht" anfangen, resp. pflichtschuldig anzufangen haben, ist seit rd.1.380Jahren klipp und klar, und mittels Hadith noch praeziser geworden, als politisches Programm kodifiziert.

In Staaten allerdings, die sich der Aufklaerung, Demokratie und Freiheit verfasst haben, nennt man dies hingegen 'Machtmissbrauch'.

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Reqonquista 28.11.2011, 09:00
9. Demokratie

Zitat von sysop
Erstmals in seiner 5000-jährigen Geschichte hält Ägypten freie Wahlen ab. Die*Sieger stehen schon jetzt so gut wie fest: die Muslimbrüder und ihre Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" - Millionen werden die Islamisten wählen. Dabei wissen die selbst gar nicht,*was sie mit der Macht anfangen wollen.
Scharia bedeutet Ausgrenzung von Andersdenkenden und Rechtsnachteile für Frauen.

Demokratie bedeutet für mich nicht nur das Recht auf eine freie Wahl, sondern auch einen Schutz der Minderheiten (Christen, Schwule, etc.) in Ägypten und im Zweifelsfall auch eine andere Regierung wählen zu können.

Das wird durch die Muslimbrüder nicht unbedingt gewährleistet.

Es würde auch einen Bruch mit den Grundlagen ihrer Religion bedeuten. Diese ist dem Grunde nach Antidemokratisch!!!

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