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Wahlen in Brasilien: Angst vor der Diktatur
DPA

Jair Bolsonaro kündigt "umfassende Säuberung" an, spottet über das "Geflenne" der Kritiker - und wird mit seinem hartrechten Kurs wohl Brasiliens neuer Präsident. Unter seinen Gegnern macht sich Panik breit.

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neanderspezi 26.10.2018, 21:05
10. Die schönsten Kälber wählen ihren Liebhaber selber

Brasilianer scheinen eine schlecht informierte Gesellschaft vorzustellen, dabei hätten sie durchaus die Möglichkeit eine nahezu adäquate politische Gestalt in Präsidentenpose auf den Philippinen zu bewundern, der Typ heißt Duterte. Wesentlich anders wird es ihnen auch nicht ergehen, wenn sie diesen machtgeilen Bolsonaro als Zuträger ihren Stimmchen auf den Präsidentenposten hieven. Man könnte direkt meinen, dass Menschen denen die Lebensqualität gekürzt werden soll, dies in masochistischer Unterwerfung sich herbeiwünschen. Eins werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit noch erfahren dürfen, nämlich dass dieser Bolsonaro sich um ihr Wohlergehen einen Dreck kümmern wird und den Prozess des Umschaufelns von Privilegien und Wohltaten von unten nach oben forcieren und den Schutz ihrer bisherigen Rechte als lästiges soziales Blendwerk lächelnd verramschen wird, um sie den Oligarchen des Landes gefügiger zu machen. Vielleicht werden sie auch noch mit Unterstützung des Militärs ihren Bolsonaro als ausgekochten Autokraten kennenlernen dürfen.

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knok 26.10.2018, 21:07
11. @manicmecanic

Stimmt, die bisherige Politik ist katastrophal gescheitert. Und das mit den Schilderungen der Brasilianer glaube ich gerne. Nur: Warum muss zum Wechsel der Politik gleich ein gewaltbereiter, frauenfeindlicher religiös-extremistischer Antidemokrat gewählt werden? So einer wird es nicht besser machen, Duterte, Trump, oder - ohne die jetzt untereinander oder mit Bolsonaro vergleichen zu wollen - Mussolini, Hitler und Franco haben es auch nicht besser gemacht als die Vorgänger - im Gegenteil. Es ist das gleiche wie bei uns. Wenn man mit Bewältigung der Flüchtlingskrise unzufrieden ist, warum muss man dann gleich die Zerstörung der Umwelt, die Gefährdung der Sicherheit (EU) und die Einschränkung der Freiheit (v.a. junger Menschen) mitwählen?

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Hans Jurgen Meier 26.10.2018, 21:09
12. Zitate von Jair

Bolsonaro ist nicht nur ein normaler rechtkonservativer oder rechtspopulistischer Kandidat. Dieser Mann ist eindeutig Faschist. Wenn daran jemand Zweifel hat, kann man sich auch mal ein paar Zitate (mit Quellen) von ihm anschauen: https://en.wikiquote.org/wiki/Jair_Bolsonaro . Unter anderem sagt er, dass er den Putsch und Machtergreifung am ersten Tag als Präsident plant, oder dass die Militärdiktatur in Brasilien nicht genug Leute umgebracht hat.

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geotie 26.10.2018, 21:11
13.

Mich wundert, wo diesmal alle Führsprecher von Bolsonaro bleiben? Ansonsten, wie kann einer zum Präsidenten gewählt werden, der nicht einmal für die Menschen da sein will? Der zuvor schon den Mord an seine politischen Gegener androht? Sein Sohn hat schon mal erklärt, wie man die Gegner mit Geld und Kugel ruhig stellen will. Aber, war ja nur ein Ausrutscher. Jetzt!

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widower+2 26.10.2018, 21:21
14. Naturgesetz?

Zitat von Darwins Affe
1) Südamerika war schon immer das Land von Caudillos --- ègal von rechts oder links. Bolsonaro wird die Probleme Brasiliens genauso wenig lösen können wie seine Vorgänger. 2) Wenn das Wachstum der Bevölkerung das BIT laufend übersteigt, bleibt halt für den Einzelnen immer weniger. Auch Umverteilung (S. Argentinien oder Venezuela) macht den Kuchen immer kleiner.
Blicken Sie doch zum Beispiel mal nach Uruguay. Seit vielen Jahren eine wirtschaftlich durchaus prosperierende Vorzeige-Demokratie.

Es geht also in Südamerika auch anders.

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neanderspezi 26.10.2018, 21:25
15. Bolsonaro will Gewalt mit Gewalt kurieren, Eskalation pur

Brasilianer scheinen eine schlecht informierte Gesellschaft vorzustellen, dabei hätten sie durchaus die Möglichkeit eine nahezu adäquate politische Gestalt in Präsidentenpose auf den Philippinen zu bewundern, der Typ heißt Duterte. Wesentlich anders wird es ihnen auch nicht ergehen, wenn sie als Zuträger ihrer Stimmchen in einem letzten Aufbäumen von Demokratie diesen machtgeilen Bolsonaro auf den Präsidentenposten hieven. Man könnte direkt meinen, dass Menschen denen die Lebensqualität gekürzt werden soll, dies in masochistischer Unterwerfung sich herbeiwünschen. Eins werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit noch erfahren dürfen, nämlich dass dieser Bolsonaro sich um ihr Wohlergehen einen Dreck kümmern wird und den Prozess des Umschaufelns von Privilegien und Wohltaten von unten nach oben forcieren und den Schutz ihrer bisherigen Rechte als lästiges soziales Blendwerk lächelnd verramschen wird, um sie den Oligarchen des Landes gefügiger zu machen. Vielleicht werden sie auch noch mit Unterstützung des Militärs ihren Bolsonaro als ausgekochten Autokraten kennenlernen dürfen.

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josef22 26.10.2018, 21:35
16.

Die Brasilianische Arbeiterpartei PT würde ich jetzt nicht bedingungslos als "Linksradikale" einordnen und leere Regale gab es während der letzten 12 Jahre die ich in Brasilien verbracht habe, auch nie - noch nicht mal während des LKW-Fahrerstreiks vor ein paar Monaten. Herr Glüsing hat Recht wenn er sagt, die PT hätte besser auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Für die Populisten war es ein einfaches, sich auf die Arbeiterpartei einzuschießen und das Volk glauben zu machen, dass mit Bolsonario alles besser werden wird. Wenn man die Entwicklung der letzten Wochen und Monate verfolgt, so kann man sich leicht vorstellen, wie es anfangs der 30er Jahe in Deutschland zugegangen sen muss: auch damals hatte ein Vielparteiensystem in der Bevölkerung für Unmut, hohe Arbeitslosigkeit und eine wirtschaftliche Krise gesorgt. Wenn das Volk nach einem starken Mann ruft, gibt es immer einen Verrückten, der sich be- oder gerufen fühlt. So auch hier in Brasilien. Einfache Parolen wie Sicherheit, Familie und Gott an erster Stelle ist das was die Leute hören wollen. Dazu dann noch ein Feindbild wie heute die PT, morgen werden es dann schon die Indios, Schwarzen und Homosexuellen sein. Und endlich darf dann der Regenwald oder besser das, was noch übrig ist, ohne schlechtes Gewissen abgeholzt werden! Das Szenario ist düster, aber all das scheint den Brasilianer nicht zu interessieren. Wahrscheinlich hatte Joseph Marie de Maistre halt doch Recht, als er sagte: "Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient!"

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Sokrates II 26.10.2018, 21:46
17. Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Viele Menschen hier in Brasilien sagen, dass man nicht weis ob Bolsonaro nunmehr gut oder schlecht fuer das Land sein wird.
Mit Haddad und seiner Entourage ist man sich da aber ganz sicher: " Katastrophal fuer das Land."
Die Klassen A / B / C waehlen Bolsonaro, weil Sie Sicherheit und wirtschaftlichen Aufschwung erhoffen.
Die Klassen D und E waehlen Haddad weil er Preisregulierung beim Gas, Anhebung des Mindestlohnes ueber die Inflationsrate und 20% mehr an Bolsa Familia (Sozialhilfe) verspricht.
Damit sind auch die fuenf Regionen Brasiliens verteilt. Ausser dem armen Nordosten waehlen alle den Kandidaten der PSL.

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oldman2016 26.10.2018, 22:01
18. Gefährliche Situation

Die politische Lage in Brasilien ist auch deswegen eskaliert, weil die bekannten sozialen Probleme nicht gelöst werden konnten oder wollten.
Aber Brasilien ist weit. Italien ist näher und für Europa gefährlicher. Putin, Erdogan, Oban und Kaczyński sind nur die Vorboten des Endes der freiheitlichen Demokratie, wie wir sie kennen. In Rumänien läuft rechtsstaatlich auch nicht alles einwandfrei. Dazu politische Morde an unbequeme Journalisten auf Malta und in der Slowakei wegen Korruption und Verbindung zwischen Politik und Mafia. Gut dass wir in Deutschland auf einer Insel der Glückseligen leben. Dabei herrscht unter dem Deckmantel des Rechtsstaates und der sozialen Marktwirtschaft schon seit Jahren der Geruch von faulendem Fleisch. Dazu brauche ich nicht nach Brasilien schauen.

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Löwe1 26.10.2018, 22:05
19. Pest oder Cholera

Brasilien hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wir können hier aus der Komfortzone leicht schlaue Kommentare abgeben, Ihre Überschrift ist leider tendenziös. Das Wahlergebnis wird wahrscheinlich zeigen, dass weniger Brasilianer Angst vor der Diktatur haben, sondern die Mehrheit Hoffnungen in eine Regierung Bolsenaro setzt. Ob dies für das Land gut oder schlecht ist, wird die Zeit zeigen. Tatsache ist, dass die Linke und andere Parteien lange genug Zeit hatten einen mehrheitsfähigen Kandidaten aufzubauen. Lula wollte das Land zulange aus dem Gefängnis regieren und die Linke ist nicht unschuldig am derzeitigen Zustand von Brasilien. Eben deswegen war Bolsenaro schon mehrheitsfähig als der Spiegel noch geschrieben hatte, dass er ein Aussenseiter sei. Dies schreibt jemand, der keineswegs ein Freund von radikaler Politik ist, der aber etwas die brasilianischen Zustände und Befindlichkeiten kennt.

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