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Wahlen in Brasilien: Angst vor der Diktatur
DPA

Jair Bolsonaro kündigt "umfassende Säuberung" an, spottet über das "Geflenne" der Kritiker - und wird mit seinem hartrechten Kurs wohl Brasiliens neuer Präsident. Unter seinen Gegnern macht sich Panik breit.

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butzibart13 27.10.2018, 23:32
30. Der Weg in eine Diktatur

Ich war letzten Sonntag in Rio und bin an der Copacabana in das Wahlkampfgetöse der Bolsonaro-Anhänger geraten. Ein relativ martialisches Auftreten dieser Leute mit ihren gelb-grünen T-shirts evtl. mit Aufschrift, Feuerwerk, Singen der Nationalhymne sowie ein rockerähnlicher Motorradkorso sollte ihre Kampfbereitschaft unterstreichen. Die Gegner um Haddad verhielten sich wesentlich zahmer. Es scheint, dass man satt ist von den korrupten Zuständen unter Lula, Rousseff und Temer und verfällt dann prompt ins Gegenteil. Nach Meinung des weiblichen Guide unserer Reisegruppe ist Bolsonaro noch dümmer als Trump, aber wahrscheinlich brutaler.

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josef2018 27.10.2018, 23:37
31. Immer

dann, wen sich Menschen von der Politik über viele Jahre verraten fühlen, Verbrechen nicht wirklich bekämpft werden, die Armut der Masse steigt und wenige sich gierig die Taschen füllen, immer dann ist der Weg frei für solche Despoten.
Das hat sich in der Historie schon so oft wiederholt und trotzdem lernen die Politiker nichts daraus, sondern machen weiterhin eine Politik für die Wirtschaft und den ihnen nahestehenden Gefolgsleute und nicht für das Volk.
Oder warum wohl neigt sich das Pendel in so vielen Ländern immer weiter nach Rechts?

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margo. 27.10.2018, 23:40
32. Falsche Annahme

Ich kann absolut nachvollziehen, dass es Menschen, in Anbetracht ihrer Lebensumstände einfach reicht. Es ist genug. So viel Elend und Kriminalität welches sie Tag für Tag sehen und erleben müssen, kann verständlicherweise den Wunsch hervorrufen, ES REICHT JETZT zu sagen, und auch noch einen politischen Arm für diesen Wunsch zu unterstützen. Es ist handeln aus der ausweglosigkeit. Leider wendet sich das Blatt gerne mal schnell und unvorhersehbar. Ja, unvorhersehbar, da der Alltag es oft gar nicht zulässt solche Kandidaten kritisch zu hinterfragen. Und die Alternative wäre?

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mvla 27.10.2018, 00:07
33. Panikmache hilft auch nicht weiter ...

Wenn Jair Bolsonaro am kommenden Sonntag die Stichwahl gewinnt, dann ist das in erster Linie ein Votum gegen die brasilianische Arbeiterpartei PT, die von 2002 bis 2016 an der Macht war und nicht ein Votum für ihn. Die Ablehnung gegen die PT ist mittlerweile so groß, dass eine Mehrheit der Wähler offenbar eher gewillt ist, einem rechtsradikalem Populisten die Stimme zu schenken, als dem Kandidaten der PT. Wird deswegen die brasilianische Demokratie zusammenbrechen und das Land in eine Diktatur abgleiten? Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich. Für weitreichende Änderungen braucht der Präsident die Zustimmung von Kongress und Senat und dort ist Bolsonaros Partei von einer Mehrheit meilenweit entfernt. Er wird Bündnisse eingehen und Zugeständnisse machen müssen, ansonsten droht ihm das gleiche Schicksal wie seiner Vorgängerin Dilma. Die Realpolitik wird vermutlich dazu führen, dass ein Großteil seiner radikalen Rhetorik nicht umgesetzt wird. Und ein Militärputsch à la 1964 ist beliebig unwahrscheinlich, zumal Bolsonaros Rückhalt in der Armee gar nicht so groß ist - immerhin wurde er ja dort unehrenhaft entlassen.
Dass die Fälle von Gewalt, die es leider im Wahlkampf gab, insbesondere der Mord in Bahia, total inakzeptabel sind, versteht sich von selbst - das sehen sicherlich auch die Mehrheit der Wähler so.
Allerdings, wer heute auf die Straße geht um für die PT Werbung zu machen, geht nicht nur ein persönliches Risiko ein, sondern muss sich auch fragen lassen, warum er/sie sich für eine Partei einspannen lässt, der es in Wirklichkeit nur um eines geht: dem eigenen Machterhalt und dem Zugang zu staatlichen Pfründen. Alles andere ist nur sozialdemokratisch angehauchte Rhetorik ...

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matty-b 27.10.2018, 00:53
34. @ben1409

"Zerstörung christlicher und göttlicher Werte"

Wenn eine Gruppe bestimmt, was die "christlichen" oder "göttlichen" oder "natürlichen" oder was auch immer Werte sind, und wenn sie bestimmt, was von anderen genommen werden kann (z.B. auch deren Leben), damit die "Ordnung der Werte" wiederhergestellt wird, dann nennt man das Faschismus.

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leserlich 27.10.2018, 00:57
35. mmmh

Zitat von ben1409
So ein einseitiger Artikel, geschrieben von einem vermutlichen PT Anhänger in Deutschland. Habe 6 Jahre in Brasilien gelebt. Meine Frau und deren Verwandte sind Brasilianer. Die meisten Brasilianer leben mit ständiger Angst überfallen zu werden. Kommt es dazu, werden die Familien der Banditen vom Staat versorgt während der Täter im Gefängnis sitzt, die Familie der Opfer geht leer aus. Seit Jahren ist PT an der Macht, und Brasilien ist in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die meisten PT Politiker sind korrupt und der Ex Präsident Lila zurecht im Gefängnis. Dann steht endlich mal einer auf um diesen Wahnsinn zu beenden und wird als Faschist und Rechtsradikaler abgestempelt. So etwas versteht die Welt nicht. Wenn Chaos herrscht, dann braucht es jmd der Ordnung schafft und daher wird Bolsonaro zurecht gewinnen. Das Volk ist PT und die zerstörerische linksextreme Politik vermischt mit Korruption und Zerstörung christlicher und göttlicher Werte Werte satt.
die vorgängerregierung hat sicher einiges dafür getan, unter großen teilen der bevölkerung als teufel zu gelten. doch sind wir mal ehrlich, was hat lula verbrochen, was andere vor ihm nicht auch schon getan haben und wofür sie nicht 12 jahre ins gefängnis gewandert sind? der schlüssel der korruption liegt in vielen dingen, wie z.b. in dem regierungssystem mit den ganzen splittergruppen, in der ökonomie, die die politik schmiert wo sie kann. das scheint in lateinamerika zum alltag zu gehören. der teufel ist überall. und jetzt will man ihn mit jemandem austreiben, von dem wohl viele brasilianer glauben, er sei eine art rache-engel der gerechtigkeit. aber er ist wohl eher der beelzebub. zumindest redet er so.

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aehne 27.10.2018, 01:36
36. Irgend irreal

Nachdem ich 25 Jahre in Brasilien lebe, bin ich über die augenblicklichen Änderungen dann doch etwas verwundert. Bei allen bisherigen Wahlen war kaum Interesse und noch weniger Diskussion angesagt. Die politische Bildung bewegt sich auf Kindergartenniveau.
Logik war nie ein starker Punkt des brasilianischen Charakters. Emotionen sind sehr stark. Deshalb auch ein wie üblich lächerlicher Wahlkampf mit den üblichen Falschmeldungen und Verleumdungen geführt wurde.

Nach der Absetzung der gewählten Präsidentin mit absolut fadenscheinigen Argumenten vor 2 Jahren, begann die Polarisierung.

Die ausserparlamentarische Minderheit ( Teile der Mittel- und Oberschicht) hatte mit dem Impeachment das Ergebnis der Wahlen geändert.

Durch Fehler der linken Arbeiterpartei (PT), die sich stark an den Empfehlungen ihres Parteivorsitzenden Lula orientiert hat, wurde das ganze ein entweder oder. Etwas wie "Freiheit oder Sozialismus".

Hier war es dann "Patriotismus gegen Korruption" als Wahlthema der Rechten. Die ganzen Zentrumsparteien, die jahrzehntelang die Politik bestimmt hatten wurden einfach liquidiert, was vorallem daran lag, das sie alle immer schon recht korrupt waren.

Trotzdem wurden fast alle bekannten korrupten Politiker wiedergewählt. Sogar ein Clown, der seit 3 Perioden im Parlament sitzt hat es wieder geschafft.

Die Rechte ist mit dem Slogan "PT (linke Arbeiterpartei, seit 14 Jahren an der Macht)= Korruption auf eine zustimmende Masse gestossen. Wahlprogramm war gar nicht nötig.

Die Folgen der Wahl werden sein, daß es 4 weitere verlorene Jahre gibt in Brasilien. Möglicherweise eine Militärdiktatur. Aber da die Mehrheit des Volkes diese dann gewählt hat - kein Problem.

Brasilien hat schon mehr Unfähigkeit überstanden.

Die sozialen Problem wurden auch von der letzten Linksregierung nicht wirklich angegangen. Dazu ist die asoziale Elite des Landes auch viel zu stark.

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charlie95 27.10.2018, 01:39
37. Das ist falsch ....

Zitat von josef22
Wenn man die Entwicklung der letzten Wochen und Monate verfolgt, so kann man sich leicht vorstellen, wie es anfangs der 30er Jahe in Deutschland zugegangen sen muss: auch damals hatte ein Vielparteiensystem in der Bevölkerung für Unmut, hohe Arbeitslosigkeit und eine wirtschaftliche Krise gesorgt.
diese Krise ist , wie auch jegliche nachfolgende Wirtschaftskrise in US -Amerika erzeugt und verursacht worden.

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zeitgenosse99 27.10.2018, 02:15
38. Ein Ermächtigungsgesetz liegt vermutlich schon in einer Schublade

Erinnert doch alles stark an die dunklen Zeiten in einem Deutschland 1932 vor der Machtergreifung. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, hemmungsloses Vorgehen bis hin zu Morden durch Bolsonaros aufgehetze Anhängern gegen Homosexuelle, Schwarze, Linke, Indigene etc, vor der Wahl frisst Jair MESSIAS (!!) Bolsonaro nochmals etwas Kreide, bevor er dann als Präsident vermutlich umso heftiger loslegen wird, mit dem Militär ist er stark verbandelt, lobt Chiles Pinochet und dessen Folterschergen in den höchsten Tönen und wenn er dann mal Präsident ist, dann können die Brasilianer die Demokratie vermutlich so ähnlich schnell vergessen wie die Deutschen 1933 nach dem Ermächtigungsgesetz, denn die Macht wird dieser Typ wohl kaum mehr hergeben, dafür verachtet er die Demokratie in etwa ähnlich stark wie Hitler!
Nur wirtschaftlich hat er auch keinen Plan, vermutlich wird er irgendwas ähnliches tricksen wie damals die Nazis mit den MEFO Wechseln, Enteignungen oder ähnlichem. Zudem könnte es auch zu Kapitalflucht kommen, vor allem wenn die US Zinsen noch weiter ansteigen und das Brasilien ist heute schon mit 84% des BIP verschuldet.
Als Schweizer im Nachbarland Uruguay lebend hoffe ich dann nur nicht, dass es sich im Laufe der Zeit so weiter entwickelt wie ab 1939, wenn das Land wie das Reich damals hoch verschuldet ist und auf Raubzug gehen musste. Nur wir in Uruguay als die "Schweiz Südamerikas" sind dafür vermutlich zu klein und auch rohstoffmässig zu unbedeutend mit 3.5 Mio EW und 175'000 km2 - und die Schweiz wurde damals 1939-45 zum Glück auch weitgehend verschont von den Gräueln des Krieges.

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irrenderstreiter 27.10.2018, 02:39
39. wehret den Anfängen?

Wo war der Aufschrei hierzulande, als Präsidentin Dilma Rousseff unter fadenscheinigen Vorwänden gestürzt wurde? Guten Morgen!

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