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Wahlkampf: Deutsche Post verteidigt Datengeschäfte
DPA

Die Deutsche Post soll einem Medienbericht zufolge persönliche Daten anonymisiert an die FDP und CDU verkauft haben. Das Unternehmen und die Parteien verteidigten die Praxis nun.

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ichbinswieder100 01.04.2018, 16:39
1. Woher kommen die Daten?

Bei Geschlecht, Alter, Wohnsituation, Familienstruktur, Wohnumfeld, Kaufkraft und Pkw-Besitz kann ich mir noch erklären, wie diese Daten erhoben werden. Hier entsteht bei mir schon ein ungutes Gefühl, daß diese Daten von den Brief-/Paketzustellern offensichtlich erfasst werden. Bei Bankverhalten und Bildung frage ich mich aber schon, wie diese Daten erhoben werden. Es wäre schön, wenn sich die Post hierzu mal äußern würde.

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io4.blower 01.04.2018, 16:57
2. Adressen sind Personenbezogene Daten

siehe http://ec.europa.eu/justice/smedataprotect/index_de.htm
Wer nur sagt, man habe die Daten Anonymisiert, denen sollte man nicht glauben. Nachweise sind erforderlich.
Von Löschfristen habe man wohl auch nichts gewusst.

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julia_jost 01.04.2018, 16:59
3. Guten Morgen

Wer hat hier die letzten 50 Jahre verschlafen? Auch ohne Digitalisierung haben wir Ende der 50 ziger, Jahre schon genau sortierte Adressen von der Post für Werbesendungen gekauft.Die Adressen waren damals schon sortiert nach Branchen , Berufen, Wohngebieten Ausbildung u.s.w. Die Direktwerbung war darauf aufgebaut. Selbst Adressen Material von Versandhäusern , Kirchen / Konfessionen hat man angekauft, je nach Preis, sogar bereits als Adressaufkleber. Adressenverkauf war ein gutes Zusatzgeschäft für jeden der über dieses Material verfügte, sogar die Standesämter haben das Material , Heirat , Geburten und Sterbefälle, zu Geld gemacht.
Nie wurde der Bürger darüber informiert,daß seine Daten verkauft wurden.
Woher kommt nun plötzlich die moralische Entrüstung??

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tkedm 01.04.2018, 17:17
4.

"Laut "Bild am Sonntag" ist jeder, der in Deutschland eine Adresse hat, automatisch in den Post-Datenbanken. Um die Weitergabe der Daten zu verhindern, müsse der Nutzung schriftlich widersprochen werden."

Und warum ist das so? Mir war nicht bekannt, dass ich bei einem Ein- oder Umzug einen Vertrag mit der Post abschließe, der so eine Klausel beinhaltet. Wenn das so ein Opt-Out ist, ist das ein Unding. Und datenschutztechnisch sogar schlimmer, als der aktuelle Facebook-Skandal. Und bei der Gelegenheit sollte man mal erfragen, woher die Daten stammen. Wenn die Post solche Details über Haushalte hat, sollte man vielleicht mal überprüfen, ob die es mit dem Postgeheimnis so genau nehmen.

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eigene_meinung 01.04.2018, 17:17
5.

Ich wüsste schon gerne, welche Daten die Post von mir gespeichert hat. Ich habe ihr jedenfalls dazu niemals eine Berechtigung gegeben und ich bin auch noch nie von ihr darauf hingewiesen worden. Somit konnte ich auch nicht widersprechen. Oder muss ich jetzt jede Firma und jede Einzelperson separat anschreiben und jeglicher Datensammlung vorsorglich widersprechen? Das kann doch wohl nicht die Rechtslage sein. Was sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte dazu? Was sagt das zuständige Ministerium dazu? ...

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muttischroeder 01.04.2018, 17:22
6. Fassungslos

Warum verkauft die Deutsche Post für ein paar Kröten Daten an Parteien? Einfach nur schändlich! Erfasste Daten dürfen nur für den jeweiligen Vorgang gespeichert werden und sind dann zu löschen (Datenschutz). Das muss ich jedes Jahr in der Datenschutzschulung lernen.

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Ringmodulation 01.04.2018, 17:35
7. Anonymisierung

Diese "Anonymisierung" der Daten hält genau so lange, bis die Interessierten sich noch einen zweiten Satz "anonymisierte" Daten über denselben Personenkreis kaufen. Spätestens aus der Kombination der beiden "anonymen" Datensätze fallen direkt personenbezogene Daten an.
Wenn das "strikt" ist, dann ist das Bundesdatenschutzgesetz nicht strikt genug.
Ganz konkret frage ich mich zudem, wozu die Post wissen muss, wen man wahrscheinlich wählt. Inwiefern ist das für den Betrieb eines Versanddienstleisters erforderlich?

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meier12 01.04.2018, 17:56
8.

"Im Rahmen des Messverfahrens wird Ihre bei einem Kooperationspartner der CONSENTRIC Adressmatching Technologie hinterlegte Liefer- oder Rechnungsadresse einer so genannten Mikrozelle der Deutschen Post Direkt GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Post, zugeordnet", laut Homepage der Deutschen Post. Der Gesetzgeber hat im Bundesdatenschutzgesetz den Handel mit unseren Daten - ohne uns zu fragen oder eine Zustimmungslösung einzubauen - erlaubt. Kooperationspartner sind etwa arvato Bertelsmann, Finanz Informatik GmbH & Co. KG (wertet die Adressen der Sparkassenkunden aus), Fiducia & GAD IT AG (wertet die Adressen der Volksbankkunden aus), aber auch die SPH AG e-Commerce Systemhaus, wobei ich mich frage, ob die etwa die Adressen aller Versandhandelkunden auswerten. Angeblich ist die Einzelperson in dieser Datenauswertung über "Mikrozelle" nicht auswertbar, warum bekomme ich dann aber grundsätzlich nie Parteiwerbung der CDU oder der FDP, der Nachbar aber schon? Da der einzige Hintergrund für eine solche Adressauswertung zielgerichtetere Werbung und Kostenersparnis durch Auslassung bestimmter Adressaten ist, sollte dieser Adresshandel auch ganz schnell wieder verboten werden. Bedauerlicherweise ist die Verstrickung der Politik mit den Unternehmen aber weiterhin so groß, dass es nicht um das Recht der Bevölkerung auf Anonymität, sondern immer nur und das Füllen der Konten der Unternehmen geht. Wenn der Bürger selbst seine Daten verkaufen könnte, würde das noch Sinn machen. Das Bundesdatenschutzgesetz geht aber davon aus, dass in der Gewinnkette der Bürger derjenige ist, der seine Daten entgeltfrei herauszugeben hat. Man kann es aber auch von einer anderen Seite sehen. Dadurch, dass der Staat diesen Adress- und Datendiebstahl gestattet, erhält auch er Zugriff auf Daten, die er anderweitig nur durch Gesetzesbrüche erhalten könnte. Immerhin sind das quasi öffentlich zugängliche Datensammlungen, die sehr wohl letztlich personifiziert werden können, da sie an der Urquelle der Person zugeordnet werden können. Der Nutzung zu widersprechen, ist fast schon sinnlos. Um den Widersprechenden zu identifizieren und sich gemäß seines Widerspruches seiner Daten, die er etwa auf Websiten allein auch durch den Besuch hinterlässt, zu enthalten, muss der Widersprechende einen Cookie sozusagen am Leben erhalten, über den er überhaupt als der Widersprechende erkannt werden kann. Es ist eine Schande für dieses Land, dass es nicht reicht, zu widersprechen, sondern dass der Prozeß der Datengewinnung so gehalten ist, dass das Löschen von Cookies und Browserverläufen etc. absurderweise immer wieder dazu führt, dass man wieder und wieder in die Fänge der staatlich genehmigten Datenmafia gerät. Ich bezweifele, dass der Gesetzgeber die Widerspruchslösung so gedacht hatte. Aus meiner Sicht liegt hier ein Gesetzesverstoß vor, da der Widerspruch ständig wiederholt werden muss.

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LaReunion 01.04.2018, 18:03
9. Wie Bankdaten erhoben werden?

Fragt sich das hier jemand ernsthaft? Dann bitte mal an die eigene Bank oder die Schufa wenden. Oder an den Mobilfunkanbieter.
Hier wird eine einfache Sache aufgebauscht, weil es so schön zu der Cambridge Analytica Story passt. Mit Sicherheit besitzt die Post weder derart persönliche Daten, wie es hier gemutmaßt wird (und wie sie jeder hier lustigerweise freiwillig bei Facebook bereitstellt), noch würde sie sie verkaufen.

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