Forum: Politik
Wahlkampf: Deutsche Post verteidigt Datengeschäfte
DPA

Die Deutsche Post soll einem Medienbericht zufolge persönliche Daten anonymisiert an die FDP und CDU verkauft haben. Das Unternehmen und die Parteien verteidigten die Praxis nun.

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Referendumm 01.04.2018, 18:12
10.

Zitat von ichbinswieder100
Bei Geschlecht, Alter, Wohnsituation, Familienstruktur, Wohnumfeld, Kaufkraft und Pkw-Besitz kann ich mir noch erklären, wie diese Daten erhoben werden. Hier entsteht bei mir schon ein ungutes Gefühl, daß diese Daten von den Brief-/Paketzustellern offensichtlich erfasst werden. Bei Bankverhalten und Bildung frage ich mich aber schon, wie diese Daten erhoben werden. Es wäre schön, wenn sich die Post hierzu mal äußern würde.
Brief-/Paketzusteller sollen diese Daten NICHT erheben, sondern SPON schreibt doch:

"Nach eigenen Angaben kaufe die Post außerdem statistische Daten von Behörden, unter anderem dem Kraftfahrt-Bundesamt oder dem Vermessungsamt."

Hierbei sollte man vor allem das "unter anderem" beachten!

siehe: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-und-fdp-sollen-daten-von-deutscher-post-gekauft-haben-a-1200776.html

Der Knaller sind doch solche Datensätze:
"Angaben zu Kaufkraft, Bankverhalten, Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnsituation, Familienstruktur, Wohnumfeld und Pkw-Besitz"

"Doch durch die Vielzahl von Einzelinformationen (über 1 Milliarde Einzelinformationen - für ca. 20,0 Mio. Häuser mit rund 34 Mio. Haushalte in Deutschland) und deren Kombinationen seien Aussagen ... für einzelne Gebäude mit mindestens sechs Haushalten möglich."

Da nützt irgend eine Anonymisierung rein gar nichts - mit diesen Datensätzen lassen sich die Menschen in einzelnen Gebäuden eindeutig feststellen. Oder denkt jemand, dass zwei Personen die selbe Kaufkraft, das selbe Bankverhalten, das selbe Geschlecht, das selbe Alter, die selbe Bildung, die selbe Wohnsituation, die selbe Familienstruktur, das selbe Wohnumfeld und das selbe Auto (Pkw-Besitz) haben?
Das ist doch ein Witz - bei diesen Angaben kann man gleich hinschreiben, es ist Hans / Maria Mustermann.

P.S.: Das Kleinreden dieses Datenskandals ist eine Frechheit - dass die Post sämtliche Webseiten, wo die Post mit diesem "Datenschatz" gworben hatte, nunmehr "offline" sind, spricht Bände.

"Die Deutsche Post hat Kritik an der Weitergabe von Kundendaten im Bundestagswahlkampf zurückgewiesen. Das Tochterunternehmen speichere und verarbeite "personenbezogene Daten bei strikter Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes", teilte ein Sprecher mit."
Ja, und warum werden dann die entsprechenden Post-Webseiten vom Netz genommen? Ist doch alles gemäß dem "Bundesdatenschutzgesetz" gelaufen - oder etwa doch nicht?

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thenovice 01.04.2018, 18:22
11.

[...]jeder, der in Deutschland eine Adresse hat, automatisch in den Post-Datenbanken. Um die Weitergabe der Daten zu verhindern, müsse der Nutzung schriftlich widersprochen werden.[...] Ich wüsste nicht, jemals auf diesen Umstand hingewiesen worden zu sein... auch ist mir völlig neu, das die Post überhaupt solche Daten besitzt/erhebt... Muss ich in Zukunft erfragen was der Postbote von mir in irgendwelchen dubiosen Datenbanken einträgt? Irgendwie krank... und es ist ja auch nicht so, dass ich mit meinen Daten eine Dienstleistung bezahle wie bei Facebook und Co... Hier bitte ich um eingehende journalistische Aufklärung/ Klarstellung... es ist wohl nötig

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Referendumm 01.04.2018, 18:30
12.

Zitat von tkedm
Wenn die Post solche Details über Haushalte hat, sollte man vielleicht mal überprüfen, ob die es mit dem Postgeheimnis so genau nehmen.
Mit der Weitergabe all dieser Informationen verstößt die Dt. Post m.E. schon vehement gegen das Postgeheimnis, welches bekanntlich sehr sensibel verfasst wurde.

Wie schon mal erwähnt, stammen die Daten lt. SPON-Meldung unter anderem:

"Nach eigenen Angaben kaufe die Post außerdem statistische Daten von Behörden, unter anderem dem Kraftfahrt-Bundesamt oder dem Vermessungsamt."

siehe: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-und-fdp-sollen-daten-von-deutscher-post-gekauft-haben-a-1200776.html

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p.u. baer 01.04.2018, 18:48
13. Viel Aufregung um eine lange gelebte Praxis. Kein Vergleich zu faceboo

Ach, jetzt regen sich alle auf, weil sie erstmals von etwas erfahren, was seit Jahrzehnten praktiziert und datenschutzrechtlich mehrfach durch diverse Parlamente und Regierungen geprüft und abgesegnet wurde.
Das ist wirklich kein Hexenwerk. Da werden nicht einmal die Briefträger gefragt, wie einige im Forum mutmaßen.

Mit welcher Wahrscheinlichkeit in welchen Wahlkreisen welche Partei gewählt wird, kann jeder aus den öffentlichen Ergebnissen der Bundestagswahlen ableiten. Jede Partei macht in den eigenen Hochburgen halt stärker Wahlkampf, weil es sich dort am meisten lohnt.
Aus diversen anderen Dateien (KFZ-Melderegister, Einkommensstatistiken etc.) lassen sich dann auch noch weitere Daten für bestimmte Gebiete anreichern. Die Post-Datenbank sagt dann höchstens, daß in dieser Straße oder Gegend eben soundsoviele Haushalte (Sprich Briefkästen) existieren. Und dann stellt man der Post für diesen Straßenzug die entsprechende Zahl an Briefen/Postkarten etc. zur Verfügung und diese Briefe werden dann als Postwurfsendung eingeworfen.

Boooh. Wie überraschend. Woher kommen wohl sonst die Postwurfsendungen in Ihren Briefkasten?

Es gibt noch andere Datenbanken, die z.B. durch Preisausschreiben oder Bestellungen bei Versandhäusern etc. angereichert werden. Da gibt es tatsächlich ganz umfangreiche Datensammlungen, aber diese zu kaufen -und dann noch Briefe hinzusenden, ist ziemlich teuer, so daß niemand alle Daten dieser Adressen kaufen wird.

Und die Firmen, die sich damit beschäftigen unterliegen dem ziemlich strengen, deutschen Datenschutz.
Wer da nicht gespeichert werden will und keine Briefe bekommen möchte, kann sich seit Ewigkeiten in die Robinson-Liste eintragen lassen und wird dann geblockt.

Also: Bitte erst informieren, dann aufregen. Aber Aufregen ist halt einfacher und für den Online-Journalismus lukrativer.

Was bei Google und Facebook an Daten gewonnen wird geht über diese klassische Adressammlung extrem weit hinaus - und bei Facebook wurden die Daten von Leuten erhoben, die nur mit Menschen bekannt waren, die einer Forschungsarbeit zugestimmt haben. Das ist ein ganz anderes Kaliber. Äpfel kann man nicht mit Schlangen vergleichen.

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claude 01.04.2018, 18:54
14. Auflösung der Anonimität

Durch die Zusammenstellung von Daten aus verschiedensten Quellen, die alle, für sich alleine genommen, anonyme Daten sind, löst sich die Anonimität mit der Zusammenführung verschiedenster Datenlayer zunehmend auf.
Dass öffentliche Behörden, etwa das Bundeskraftfahramt, oder das Vermessungsamt, statistische Daten verkaufen,ist m.E.völlig ok.
Dass aber Kunden die Daten kaufen, um sie nicht zu eigenen Zwecken zu nutzen, sondern um die Daten an Dritte weiterzuverkaufen,ist der eigentliche Skandal hinter dieser Geschichte, meiner Meinung nach.
Es wäre dringenst angebracht, Kunden von behördlichen Daten zu verbieten, diese Daten an Dritte weiterzuverkaufen, falls dies durch das aktuelle Datenschutzgesetz nicht bereits geleistet wird.

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meier12 01.04.2018, 19:14
15.

Nachtrag: Die Deutsche Post Direkt als Tochter der Deutschen Post wirbt um ihre Adresshandelkunden wie folgt: „Die Basis für wirkungsvolles Dialogmarketing ist eine zielgruppengenaue Ansprache. Dazu können Sie aus einem umfangreichen Set an statistischen oder personenbezogenen Selektionsmerkmalen wählen. Mehr als 150 Einzelmerkmale aus dem mikrogeografischen System microdialog ermöglichen eine zielgruppengenaue Adressselektion: Statistische Daten zu Soziodemografie, zu Konsumvorlieben, zur Wohnstruktur und zur Region charakterisieren treffsicher Ihre gewünschten potenziellen Kunden. Mithilfe von Echt-Merkmalen, die personenscharf abgegrenzt sind, lassen sich Zielgruppen noch präziser selektieren und Streuverluste minimieren.“ Was die Deutsche Post Direkt unter personenschafter Abgrenzung versteht, würde schon interessieren. Insbesondere, da die Post zu dem Spiegel-Artikel ja negiert, dass eine Personenabgleichung mit den Daten möglich sein soll. Die Deutsche Post Direkt verspricht ihren Adressdatenkunden auch noch – mitten in dieser Darstellung der Zielgruppenbewerbung (die eigentlich anonym sein sollte) -, dass auch personengenau angeschrieben werden kann. Das ist für mich der Beweis, dass die Post die Zielgruppen- und Mikrozellendaten letztlich keineswegs von den Personendaten getrennt hält. Wer Spass daran hat, Unternehmen wie die Post mal zu quälen, sollte nun mal eine Auskunft über die dort gespeicherten Daten über ein Anschreiben an die Datenschutzbeauftragte, die auf der Homepage angegeben ist, verlangen.
Ich habe eben übrigens mal die Widerspruchslösungen laut Homepages der Deutschen Post und der Deutschen Post Direkt ausprobiert. Man findet sie bei Eingabe der Suchbegriffe Deutsche Post - Mikrozelle (eben dort auf der gefundenen Seite) und wenn man im zweiten Step Widerspruch eingibt und in einer weiter unten stehenden Zeile auf die Zeile "Wo finde ich die Datenschutzerklärung der Post" klickt. Nach dem Zwischenlöschen aller Cookies muss ich dann offenbar auf den Verbleib der Cookies 123.intelliad.de (Untertext nach Anklicken des Pfeils: Optout_ia_Tracking) und nuggad.net (Untertext nach Anklicken des Pfeils: Nugstopp) achten. Wie schon ein User meinte, die Optout-Lösung ist derb, da man im Regelfall zur Bereinigung alle Cookies löscht. Der Bundesdatenschutzbeauftragte sollte hier dringend mal die Spur aufnehmen, weil es nicht Sinn der Widerspruchslösung sein kann, dass man den Widerspruch ständig neu durchführen muss. Das muss im Unternehmen endgültig hinterlegbar sein. Mich würde auch noch interessieren, ob die Deutsche Post das Bankverhalten der Bürger kennt, weil sie mit den Adressunternehmen der Bank, die ich schon im früheren Post nannte, kooperiert.

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sarah_weinberg 01.04.2018, 19:18
16. oh gosh

mein Facebook US account ist zwoelf jahre alt. Hatte nie eine Anschrift, Telefon, email ist laenst ungueltig. Name nicht echt, nur mein Bild oder Bilder. Das kann jede, jeder machen. Meine Postings sind echt. Was weiss FB: das ich Kettelball mache, Yoga. Welche Movies ich mag, das ich celiac bin. Mal ehrlich "daten Krake" ich lach mich weg. das ich auf Linux bin, im Linux entwickler Forum und Intel genauso, so what. Ich habe 250 oder mehr meiener FB kontakte besucht. Ich bin Fotografin und Video Kuenstlerin. Take it or burn it

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scilt 01.04.2018, 19:18
17. Die ganze Aufregung über Facebook und Co ist ein Schmierentheater!

Erst mal im eigenen Haus aufräumen.
Die eigentliche Infamie liegt in dem Satz, der vorgibt, man könne widersprechen: Das richtet sich bestenfalls in Richtung Zukunft; kann ich aber keinesfalls überprüfen.
Zudem muss ich wissen: Wer sammelt über mich? Was sammelt er? Und seit wann? Wo kann ich widersprechen?
Einfach fair wäre es, wenn der leidenschaftliche Sammler VOR dem Sammeln mein Einverständnis einholt. Das jedoch muss er nicht (das betrifft nicht nur die Post, sondern z. B. auch Meldeämter...). Das ist offensichtlich Gesetz.
Und wer beschließt die Gesetze?
Richtig: Die Parteien.
Und wer hat von der Sammelwut der Post in diesem Fall (s.o.) profitiert?
Richtig. Die Parteien.

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Remannzipation 01.04.2018, 19:34
18. Nachsendeantrag

Wer der Deutschen Post aufgrund von Umzug einen Nachsendeantrag einreicht, liefert sich in dem Moment bzgl. Datenschutz ans Messer. Der Antrag ist der Persilschein für die Weitergabe durch die Post, bspw. an die GEZ. Naja, wenigstens ist man dann in den relevanten Kanälen stets mit seiner aktuellen Adresse gelistet und braucht nichts weiter zu unternehmen, Hauptsache bequem.

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meier12 01.04.2018, 19:42
19. Und die Post als Datenspinne in der Mitte des Netzes ...

Und nun noch - Zitat von der Homepage der Deutschen Post für die Adresskäufer - how it works: "Ein unbekannter Internet-User besucht Ihren Webshop und interessiert sich für eins Ihrer Produkte. Er schließt keinen Kauf ab und ist nicht eingeloggt. Der potenzielle Kunde wird mit Hilfe des CONSENTRIC Cookies bis auf die Mikrozelle genau identifiziert und lokalisiert. Die Interessen des Kunden werden durch den Abgleich mit den Daten der Deutschen Post konkreter definiert. Vollkommen automatisiert wird ein individuelles, auf die Interessen des potenziellen Kunden zugeschnittenes Mailing erstellt. Der Kunde erhält ein physisches Mailing mit Produktangeboten auf Basis seines Surf- und Kaufverhaltens. Die Performance des ausgesendeten Mailings wird über alle Kanäle gemessen. Die Daten führen zu Empfehlungen für weitere Maßnahmen." Die Mikrozelle besteht laut Deutscher Post aus durchschnittlich 6,6 Personen. Die IP-Adresse wird, wenn ich das richtig deute, mit sonstigen Daten der Post zusammengeführt (was das schon beschriebene und von der Post auch so bekanntgegebene "personengenaue" Mailing erlaubt). Die Post weiss also sehr wohl, wer da auf der Website welches Produkt angesehen hat. Ansonsten würden die IP-Adressen von 6,6 Personen mit deren Internetverhalten zusammengeführt und das Mailing darauf abgestimmt werden. Dann erhielten 6,6 Personen, also eine Mikrozelle, Mailings zu allen Interessen aller 6,6 Personen. Das ist Unfug. Die Post liefert meines Erachtens schon mit den Erläuterungen für die beworbenen Adresskäufer einen ersten Verdacht, dass sie die angeglich anonymisierten Daten auch personalisieren kann. Allein das sollte nun zu einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen den Bundesdatenschutz führen.

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