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Wahlkampf in Frankreich: Unsympath jagt Publikumsliebling
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François Hollande führte in Umfragen haushoch, doch plötzlich holt sein Widersacher Sarkozy auf. Der Grund: Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat ist einfach zu brav - und der Amtsinhaber hat gute Freunde bei der Presse.

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Deep Thought 02.03.2012, 18:08
10. "Blasser Hollande" ??

die Umfrageergebnisse sind schon sehr erstaunlich:

Bei Sarkozy:

- der Bonus des Amtsinhabers: nicht nur verpufft, nein, sogar ins Gegenteil verkehrt. Kein Wunder angesichts der selbst für den Dümmsten Wähler überdeutlich sicht- und spürbare Diskrepanz zwischen den größenwahnsinnigen Vorhaben und Sprüchen Sarkozys, der NICHTS von seinen in seiner durchaus beeindruckenden Rede 2007 gehalten hat.
Selbst den Franzosen, die den Präsidenten stets gerne als einen gewählten König ansehen, ist SARKO nur noch peinlich.

Zu offensichtlich seine 180° Wende bei Ghadaffi, seine Instrumentalisierung des Libyenkonflikts, um sich als großer Napoleon zu präsentieren.

Zu offensichtlich sein Versuch, die ultrarechten Front Nationale Wähler durch medienwirksame Vertreibung von Romas aus Frankreich für ihn zu begeistern. Ich möchte nicht wissen, wieviele Franzosen jüdischer, algerischer oder afrikanischer Abstammung da an gewaltsame Vertreibung von eigenen Angehörigen vor einigen Jahrzehnten unter Collaboration oder Occupation denken mussten, als Nachfahren von Unterdrückten der aggressiven Kolonialpolitik Frankreichs, ein sehr unrühmliches Kapitel.
Zudem sehen sicherlich viele arabischstämmige und maghrebinische Bürger wieder die üblen Ausfälle Sarkos als Innenminister vor Augen, wo er bei den Unruhen in den Vorstädten meinte, man Müsse "mit dem Kärcher durch die Stadtviertel ziehen" ... Schon damals ist der versuch, sich mit neonazi-Sprüchen bei den FN-Wählern anzubiedern, gescheitert - aber Sarko wäre nicht Sarko, wenn er daraus lernen würde...

Gleich dreifach Hochnotpeinlich sein durchsichtiger Versuch, die 1-2 Mio Wähler mit armenischen Wurzeln durch ein rasch durchgepeitschtes gesetz zu begeistern, welches das leugnen des Völkermordes an den Armeniern durch die Türken unter Strafe stellt:

1) ist bereits der zeitlich Zusammenhang mit der nahen Wahl entlarvend und entwertet die aktion im besten Fall, im schlechteren erkennt man den hemmungslosen Opportunisten und Populisten
2) macht er sich bei den allermeisten Türkischstämmigen Wählern definitiv unwählbar
3) Wurde das in typischer Sarko-Manier unüberlegt durchgepeitschte Gesetz vom obersten gerichtshof einkassiert, weil es - auch das noch! - "gegen die Meinungsfreiheit verstößt!!" Trara! Tusch!

Bruni, die bereits zuvor serienweise mächtige Männern zugetan war, hilft da auch nicht viel

der letzte Fauxpas war die extrem peinliche Anbiederung an die Kanzlerin. jeder weiß, daß Sarko bei Ihr in der EU als Tiger sprang und als Teppichvorleger landete. DAs Interview hat dazu nur noch die passenden Bilder geliefert.

Ganz Frankreich lachte wochenlang über diesen mißglückten Versuch. Zudem bewundert der Durchschnittsfranzose HEIMLICH ! zwar deutsche Tugenden und erst recht die Stabilität selbst in Krisen - aber er möchte weißgott nicht in seiner nationalen Selbstverliebtheit mit der Nase darauf gestoßen werden.

Zudem werden die Franzosen da eine andere Parallele ziehen:

Hollande, der (auch in diesem Artikel) als Farblos belächelt wird, tritt gegen einen lauten und selbstverliebten Sarko an.

Das erinnert doch stark an den Wahlkampf der "Farblosen" merkel gegen den Sarko sehr ähnlichen (und nach 7 Jahren abgewirtschafteten)Schröder.

wer damals gewonnen hat, wissen wir.

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derandersdenkende 02.03.2012, 18:16
11. Herr Berlousconi

Zitat von lupenrein
Die Presse fungiert - das gilt auch für andere 'Demokratien' - quasi als graue Eminenz und hat mehr Einfluss aif Wahlergebnisse als Parteien oder die Kandidaten selbst. Sarkozy har die Presse hinter sich. Deshalb glaube ich, dass er es wieder einmal schafft....
besitzt einen großen Teil der Medien in seinem Land und mußte trotzdem gehen.

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dr.gerstel 02.03.2012, 19:16
12. Genauer hinsehen, bitte!

Zitat von sysop
François Hollande führte in Umfragen haushoch, doch plötzlich holt sein Widersacher Sarkozy auf. Der Grund: Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat ist einfach zu brav - und der Amtsinhaber hat gute Freunde bei der Presse.
Die aktuellen Umfragen unterstreichen nicht die Aussagen Ihres Artikels. Zwar gibt es eine leichte Annäherung von 1 - 2 Prozent, die sich aber durch die Rücktritte anderer eher rechtsverorteter Parteiführer zugunsten von Sarkozy (Boutin, Morin, etc.) erklären. Im Ganzen gibt es keine Annäherung. Außerdem: Die Umfragen zum viel wichtigeren zweiten Wahlgang am 6. Mai erklären Hollande mit 54 -58 Prozent zum eindeutigen Sieger. Wichtig wird werden, ob Marine Le Pen im Rennen bleibt, ihr fehlen noch rund 50 Stimmen, um überhaupt zum 1. Wahlgang antreten zu dürfen. Sollte es nicht dazukommen, wird dies Sarkozy von seiten des FN angekreidet werden. Le Pens Stimmen sind somit nicht gleich die von Sarkozy.
Die massive Unterstützung seitens der Freunde des Präsidenten, d.h. des Herausgebers des "Figaro" als auch des Eigners von TF1 haben bisher keine Trendwende zugunsten Sarkozys bewirkt. Sarko ist in Frankreich seit Jahren in einem Beliebtheitstief, aus dem er sich nicht befreien kann. Nun versucht er mit den alten, noch ein wenig nationalistischeren Tönen Boden gut zu machen. Doch bisher scheinen die Franzosen nur froh zu sein, ihn endlich loszuwerden.

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n+1 02.03.2012, 21:41
13.

Zitat von geronimo49
und kann beim besten Willen ihren Artikel nicht nachvollziehen. Dass Sarko hier als faehig gelte, ist fuer mich nicht nachvollziehbar und wird wohl auch von den Franzosen genau umgkehrt gesehen. Sarko hat bislang nicht geliefert, ist ein penetranter Egomane, der staendig in wilden Aktionimus verfaellt. Sein Verhalten laesst stark zu wuenschen uebrig. Im Uebrigen bestaetigen die letzten Umfragen ihre These auch nicht. Ich wuerde mich schon sehr wundern wenn Sarko nochmal gewaehlt wuerde. Hier gibt es alle 15 Minuten fuer irgendeinen Dreck eine "Sondage".
vom Egomanen Sarko werden wir uns wohl verabschieden.
Dafür kommt dann ein sozialistischer Phrasendrescher der soliden (und hierzulande sattsam bekannten) Art. Ein heimeliger Wolkenkuckucksheimler halt. Wo ist das Problem?

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seine-et-marnais 02.03.2012, 22:30
14. Umfragen werden sehr oft manipuliert

Zitat von geronimo49
und kann beim besten Willen ihren Artikel nicht nachvollziehen. Dass Sarko hier als faehig gelte, ist fuer mich nicht nachvollziehbar und wird wohl auch von den Franzosen genau umgkehrt gesehen. Sarko hat bislang nicht geliefert, ist ein penetranter Egomane, der staendig in wilden Aktionimus verfaellt. Sein Verhalten laesst stark zu wuenschen uebrig. Im Uebrigen bestaetigen die letzten Umfragen ihre These auch nicht. Ich wuerde mich schon sehr wundern wenn Sarko nochmal gewaehlt wuerde. Hier gibt es alle 15 Minuten fuer irgendeinen Dreck eine "Sondage".
Ich bin eher durch Zufall auf eine Umfrage gestossen wie sie auch schon mal im Spon gemacht wird, eine 'Leserumfrage'. Wie beurteilen Sie xxx und dann darf jeder mitstimmen.
Diese Umfrage war unter msn und wurde als Umfrage msn und M6 (seichter TV-Sender) bezeichnet. Also bei Umfragen ueber 'Volksnaehe' und Beliebtheit der Praesidentenkandidaten habe ich einige Tage diese Umfragen betrachtet, schlichtweg weil ich meinen Augen nicht getraut habe. Nur die Prozentzahlen blieben auf eine gewisse Zeitdauer bei stark steigenden Abstimmungszahlen gleich. Ich weiss nicht ob diese Umfragen serioes sind, aber wenn diese 'Beliebtheit' sich in % bei der Wahl auessert, dann ist das eine Bombe. Ich habe auch nie gehoert dass da irgendetwas Schalgzeilen gemacht haette, aber leider wissen wir ja wie sehr heutzutage mit Zahlen manipuliert wird.
Rein rechnerisch, Hollande kann im 2. Wahlgang mit den Stimmen der Mélenchonwaehler und Jolywaehler rechnen, einem betraechtlichen Teil der Bayrou- und selbst der Le Pen-Waehler. Die Waehler rechtsaussen werden sich wohl kaum zu Sarkozy bewegen, eher zum Nichtwaehlen oder zu Hollande.
Ich denke dass Sarkozy, wenn er in den 2. Wahlgang kommt, einen selten dreckigen Wahlkampf fuehren wird, indem er Hollande sozialo-kommunistische Machenschaften unterstellen wird, den Untergang Frankreichs, sprich Europas beschwoert. Meiner Meinung nach wird dies sehr sehr dreckig. Ein Glueck fuer Deutschland, die Merkel ist im TV-Interview so abschreckend angekommen dass sie sich jetzt wahrscheinlich aus diesem Wahlkampf heraushalten muss.

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autocrator 03.03.2012, 19:28
15. 7 Wochen & Griechenland

noch 7 Wochen: Alles wird davon abhängen, was in Griechenland passiert. Sollte es in den nächsten 7 Wochen fallenhat Hollande keine Chance. Bleibt es - unter gewaltigen Kosten auchfür die Franzosen - stehen, sehe ich für Sarkozy schwarz, der Polit-Frust der Wähler mit dem derzeitigen System dürfte zu groß sein.

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n13l5 04.03.2012, 13:16
16.

Zitat von sysop
François Hollande führte in Umfragen haushoch, doch plötzlich holt sein Widersacher Sarkozy auf. Der Grund: Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat ist einfach zu brav - und der Amtsinhaber hat gute Freunde bei der Presse.
Gute Freunde in der Presse hat nur einen Grund.

Solange Sarkozy so genannte Euro Rettungspackete schnuert, von denen das meiste Geld auf dem einen oder anderen Weg beim Wallstreet Bankenkartel ankommt, wird er auch die Unterstuetzung der global zu 90% gleichgeschalteten Presse haben.

Denn das Geld das wir nach Griechenland oder Portugal schicken kommt dort ja keineswegs an, es geht direkt an die privatwirtschaftlichen Zocker die ueber Jahre schon fette Risiko Zinssaetze kassiert haben, und, und das Risiko jetzt auf Europa's Steuerzahler abgewaelzt haben.

Und unsere Regierungen stehen wie Rehe in der Nacht auf einer Autobahn, fixiert vom Scheinwerferlicht heranrasender Lastwagen.

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abtg.d 06.03.2012, 09:26
17.

Zitat von n+1
vom Egomanen Sarko werden wir uns wohl verabschieden. Dafür kommt dann ein sozialistischer Phrasendrescher der soliden (und hierzulande sattsam bekannten) Art. Ein heimeliger Wolkenkuckucksheimler halt. Wo ist das Problem?
Das Problem ist die nicht nur irrwitzige, sondern gefährliche Schnapsidee, den Fiskalpakt neu zu verhandeln. Und die naiven Ideen, die Hollande allgemein von Wirtschaft hat.
Er scheint ein Sozialist der alten "Öffnet-die-Geldschleusen"-Schule zu sein. Bei seinem Sieg könnten die ganzen gemeinsamen Bemühungen der letzten Monate, die die Euro-Krise vorerst beruhigt haben, Makulatur sein.
Haben wir alle schon vergessen, was Realitätsverweigerer wie Berlusconi anrichten können?
De Gaulle postulierte einmal: "Ich oder das Chaos!" Hollande sieht verdächtig danach aus, als wäre er das Chaos.

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