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Warnung des Lehrerverbands: "Unsere Schulen sind außer Kontrolle" - stimmt das?
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Bewaffnete Schüler, Gewalt, verbale Attacken: Der Lehrerverband warnt vor "amerikanischen Zuständen an deutschen Schulen". Die Statistik sagt etwas anderes, trotzdem ist was dran an den Vorwürfen.

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stefan7777 26.03.2018, 20:25
50. Die Durchmischung ist die wichtigste Maßnahme

Es dürfte gar keine Brennpunkt-Schulen geben. Das Problem des selbst verstärkenden hochschaukelns ist doch erkannt! Und liebe Helikoptereltern, auch wenn ihr glaubt eure zukünftigen Hochleistungskühe, äh sorry Kinder, müssen von den sozial belasteten und geistig minderbemittelten Kindern getrennt werden um ungestört zu paucken - dass Gegenteil ist der Fall! Beide Extremgruppen profitieren (nicht in "Brennpunktschulen") voneinander. Unsere Schule im Speckgürtel verkraftet so einige Schüler die leider nicht so viel von Zuhause mitbekommen können. Beobachtet man die leistungsfähigeren Schüler, ist es ein Phänomen wie diese ihre Menschlichkeit und Empathie einsetzen um die schwächeren zu fördern. Dass wiederum geht nur, wenn der Schulalltag dies zuläßt und die Lehrer selbst keine Helikoptereltern hatten und begreifen was in einer Klassengemeinschaft passiert. Die guten profitieren durch wiederholen und schulen ihre soziale Kompetenz, die schlechten lernen und blicken auf zu denen die ihnen wohlgesonnen sind.

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ondrana 26.03.2018, 20:25
51.

Zitat von el__cid
Wegen der Angst vor Gesichtsverlust und negativer Presse melden viele Schulen die Vorkommnisse gar nicht. In einigen Fällen wurde sogar auf Eltern von Opfern eingewirkt, damit diese keine Strafanzeige erstatten oder das Jugendamt einschalten. Dann tun alle überrascht, wenn es zu schwerwiegenden Taten von Jugendlichen kommt, die vorher nicht aktenkundig waren!
Das ist doch dummes Zeug.
Schulen melden Vorfälle grundsätzlich nicht, solange es sich nicht um kriminelle Handlungen handelt, die meldepflichtig sind.
Wo sollten Schulen dies auch melden? Wer sollte diese Vorfälle sammeln, wenn sie nicht meldepflichtig sind?
Wenn etwas gegen die Schulordnung verstößt, wird reagiert im Rahmen der Möglichkeiten des Schulgesetzes.
Die Konsequenzen werden nicht öffentlich gemacht, Datenschutz.
Wenn Eltern meinen, dass bestimmte Handlungen strafwürdig sind, steht es ihnen frei, dies bei der Polizei anzuzeigen.

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toc-ra 26.03.2018, 20:27
52. Es ist so schlimm

Ich kann mich da dem Beitrag von Ritter13 nur anschließen und sagen das es in NRW genauso ist. Ich bin Lehrer an einer Hauptschule im Ruhrgebiet. Das Problem ist schlicht. Die Eltern und Kinder dürfen machen was,wie und wann sie wollen. Es gibt keine Konsequenzen bei Regelverstößen. Und alles wird von Schulamt klein geredet. Hauptsache nicht öffentlich machen. Ich warte auf den Tag an dem ich körperlich verletzt werde. Und gehe mit Angst zur Schule. Es ist nur eine Frage der Zeit. Es wird immer schlimmer.

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Hans-Hermann K. 26.03.2018, 20:32
53. Ich kann

allen, die mit dem Thema "Schule" befasst und betroffen sind den auf Youtube zu sehenden und von der ARD-Panorama-Moderatorin Anja Reschke im Jahre 2014 an einer Schule in Hamburg-Wilhelmsburg gedrehten Bericht empfehlen. Er traegt den Titel: LehrerInen am Limit!" Es handelt sich um eine 6te Klasse mit 22 SchuelerInnen, von den ca. 80% einen Migrationshintergrund haben. 6 Schueler gehoerten eigentlich auf die Sonderschule, aber die sind ja abgeschafft worden. Frau Reschke hat als Co-Lehrerin diese Klasse 4 Wochen lang begleitet. Ich bin nach diesen Bericht entsetzt und schockiert und mir fehlen die Worte angesichts der Respektlosigkeit und Null-Bock-auf Schule-Einstellung! Wenn das die zukuenftigen Facharbeiter und Leistungstraeger fuer das Exportland Deutschland werden sollen, kann ich unseren Politikern fuer Schule und Bildung nur gratulieren! Wir ziehen uns hier die naechsten Langzeitarbeitslosen und Hartz IV Empfaenger heran!
Es wird einem regelrecht schlecht, wenn man das sieht und keiner tut etwas Konkretes dagegen. Ich frage mich, anhand dieses berichtes, wie es wohl jetzt, 4 Jahre spaeter an diesen Brennpunktschulen aussieht. Die Statistiken sind doch eh alle geschoent und den glaubt doch sowieso kein Mensch mehr!

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barstow 26.03.2018, 20:33
54. Das ist das Thema

Zitat von slider
Als Vater von drei Kindern in Berlin sehe ich ich über Jahrzehnte wie sich die "Schule" entwickelt ( Erstes Kind 1981 , drittes Kind 2005 geboren). Es werden nicht alle Gewalttaten gemeldet, es könnte ja den "guten Ruf" der Schule beschädigen.
Das ist das Thema. Es wird totgeschwiegen, den es kann nicht sein, was nicht sein darf. Wahrscheinlich sprechen auch Lehrer in DE bestimmt Themen nicht an, da sie sich sonst Problemen und einer Hetzjagd ausgesetzt sehen. Gab ja genuegend Beispiele dazu inder Vergangenheit.

Freunde von uns haben in Berlin ihre Kinder von einer oeffentlichen Schule auf eine private Schule gegeben. Sie wollten ihre Kinder einfach nicht der Gewalt aussezten die sich dort entwickelt hat. Man hat ihnen durch die Schulleitung nur Steine in den Weg gelegt. Wenigstens ein paar "normale Kinder sollten doch an der Schule verbleiben" war das Argument. Was aus denen wird, ist dann zweitranging. Hauptsache der Rektor hat Gesinnungstreu gehandelt.

Was die amerikanischen Verhaeltnisse betrifft kann ich nur sagen, dass es auch dort auf die Schule ankommt. Wir wohnen in den USA und unseren Kinder gehen dort zu Schule. Der grosse Unterschied: Hier wird nicht totgeschwiegen.

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womo88 26.03.2018, 20:39
55. Lehrerverband?

Ich habe jetzt erst mal schauen müssen. Lehrerverband? Der Begriff war mir in 30 Jahren Schule noch nicht untergekommen. Und tatsächlich, es handlet sich um den konservativen Deutschen Philologenverband, der nur 90.000 Mitglieder vertritt. Da wäre es doch eigentlich angesagter, sich beim Gegenmodel, der GEW zu erkundigen. Die vertreten ca. 280.000 Lehrer und sind etwas fortschrittlicher. Typische SPON-Recherche! Es gibt keinen Deutschen Lehrerverband!

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mina2010 26.03.2018, 20:40
56. Statistiken haben nur einen Zweck,

sie dienen der Argumentation unsere Politiker.
Oder: Ich glaube jeder Statistik, die ich selbst gefälscht habe ... soll es auch schon bei Gutachten gegeben haben ... was uns nicht passt wird gestrichen.
Ich bin so etwas mit dem schulischen Umfeld in "durchmischten" Gebieten konfrontiert.
Würde man bei jedem Fehlverhalten eine Meldung an das Schulamt machen, bliebe kaum noch Zeit, den eigentlichen Job zu erledigen.
Dass was man sich heute von Erst- und Zweiklässlern bieten lassen muss, wäre noch vor Jahren undenkbar gewesen.
Rückhalt bei den Ämtern ... Fehlanzeige, die armen, geschundenen Eltern haben immer recht.
Das "Bürgertum" hat Angst, dass die freie Entfaltung oder die Karriere ihrer Sprößlinge gefährdet ist. Hartz-IV hat gelernt, dass wir Anspruch auf Familienhelfer, Psychologen etc. haben, dann können Kita, Hort und Schule ja auch gleich die Erziehung übernehmen.
Selbst in der Grunschule gibt es Jungen und Väter mit Migrationshintergrund, die ein echtes Problem damit haben, sich von einer Frau etwas sagen zu lassen. Kommte bei uns in Kitas, Hort und Grundschulen wohl öfter vor.

Aber wir haben ja jetzt ein neues Kabinett, die schaffen das schon ...
oder?

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jan_huus 26.03.2018, 20:53
57.

Herr Meidinger vertritt nicht "den Lehrerverband", er vertritt den Deutschen Philologenverband, ein Verband der sich in für das gegliederte Schulsystem (also gegen Gesamtschulen) ausspricht und dort fast ausschließlich die Gymnasien vertritt. Insofern hat er außer einer Dämonisierung der "Brennpunktschulen" keinerlei Ansatz für die Lösung/Reduzierung gesellschaftlichen bedingten Schulproblem außer dem Rückzug in seine alte verschrobene "früher war alles besser"-Argumente.

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kuschl 26.03.2018, 21:03
58. Die Sozialindustrie versorgt sich selbst

Das Problem der PC Presse ist, wie hier im Bericht so schön zu lesen, Probleme verschwiegen oder kleingeredet werden. Man will politisch nicht noch mehr Prozente an die Rechten verlieren und weist lieber nachgeordnete Behörden an, in diesem Sinne zu schweigen. Lieber pumpt man weitere Milliarden in die Betreuungsindustrie, mit fragwürdigem Erfolg, aber auch den kann man ja in ein paar Jahren schönreden, wenn man merkt, dass die versprochenen Facharbeiter auf dem Sachgebiet Hartz 4 arbeiten.

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interstitial 26.03.2018, 21:09
59. Symptomatik

Ich glaube, an Schulen zeigen sich nur die Symptoma eines anderen, unter Umständen viel gravierenderen gesellschaftlichen Problems: Die stagnierende vertikale Mobilität in Deutschland. Nicht nur werden die Armen mehr und ärmer, und die Reichen weniger und Reicher, wer einmal arm ist, bleibt es meistens auch, und seine Kinder und Enkel mit hoher Wahrscheinlichkeit auch. Dazu ist in Deutschland mehr als in den meisten anderen Industrienationen der schulische Erfolg mit der wirtschaftlichen Situation des Elternhauses verknüpft. Das führt dazu, dass Kinder "bildungsferner Schichten" (die in Wirklichkeit eher allgemein gesellschaftlich und ökonomisch unterprivilegiert sind) weniger Motivation haben, an ihrer Situation etwas ändern zu wollen, und auch weniger Motivation, soziale Normen und die Rechtsordnung anzuerkennen (da erfahrungsgemäß kein positiver Effekt für ihr Leben zu erwarten ist), was zu erhöhter Wahrscheinlichkeit von straffälligem Verhalten führt. Absolutes Gift ist es, in dieser Situation räumliche Segregation zuzulassen: Wer Ghettobildung duldet, oder stadtplanerisch gar fördert, wird Brennpunktschulen ernten.
Dass alle diese Faktoren in D mit hoher Wahrscheinlichkeit Menschen mit Migrationshintergrund betrifft, sagt nichts gutes über die deutsche Willkommenskultur aus, hier sind die Folgen mangelnder (sozialer wie politischer) Intergrationsbereitschaft auf deutscher Seite zu sehen. Und diese Probleme sind nicht neu, das ging mit der "Gast"-arbeiterära los: Da dachte man, die gehen ja eh gleich wieder, wozu soll man mit denen reden, wozu soll man ihren Kindern Jobs anbieten, warum sollen die nicht alle auf einem Haufen in den schäbigen Blocks wohnen, wo sonst keiner hin will, und wieso soll man für die diese Blocks renovieren?
Unser großes Problem sind nicht ungezogene Kinder und der Umgangston im Internet, unser problem ist eine Gesellschaft, in der Ungleichheit und Undurchlässigkeit zunehmen. Das ist ein gesellschaftliches und politisches Versagen, und Symptompfuscherei an den Schulen wird nichts bringen, dazu sind die probleme soziologisch zu deutlich als weltweit vergleichbar beschrieben und belegt. Prost Mahlzeit!

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