Forum: Politik
Was sich 2018 ändern muss: Die Deutschen sind zu anspruchslos
DPA

Gute Vorsätze fürs neue Jahr - die sollte vor allem der Staat fassen. Hier sind fünf Dinge, die wir uns 2018 nicht mehr gefallen lassen sollten.

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BettyB. 01.01.2018, 14:20
10. Ignoranz oder Ablenkung

Da der Staat selbst keine Vörsätze treffen kann, sondern nur Personen, die im Name des Staates handeln, stellt sich die Frage, ob Augstein dieses nicht weiß, oder aber von der Verantwortung der individuellen Handlungsträger abzulenken versucht. Und zu den Handlungsträgern gehören eben nicht nur "Spitzenpolitiker" sondern auch jene, die ihnen durch Wahl oder Wahlenthaltung direkt oder indirekt zur Macht verholfen haben. Ja, Organisationen und Organisationsformen beeinflussen Handlungsrahmen, für Handlungen selbst sind aber Menschen zuständig, auch wenn das selbst manche "Luhmänner" zeitweise nicht zu begreifen scheinen. Sich hinter der Kritik von Organisationen zu verstecken, ist aber leider ein probates, aber bedauerliches Mittel von Wissenschaftlern und Journalisten, bewusst oder auch unbewusst wirklich Schuldige nicht zu benennen, um somit nicht wirklich anzuecken.

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ohne_mich 01.01.2018, 14:20
11. Märchen "Leistungsprinzip"

Zitat von Nordstadtbewohner
"Der Staat duldet die krasse Ungerechtigkeit im Land. (...) Wenn es um den Abstand zwischen Gutverdienern und Einkommensschwachen geht (...)" Herr Augstein, ich kann Ihre Behauptung nicht nachvollziehen. Was Sie erwähnen, ist keine "krasse" Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip des Leistungsprinzip in einer Leistungsgesellschaft. Wer viel schafft und sich beruflich stark engagiert, der hat nun mal ein höheres Einkommen als jemand, der es nur zu einer Anlerntätigkeit gebracht hat. Das ist nichts Schlimmes. Sie fordern indirekt die Abschaffung des Leistungsprinzips, wenn Sie fordern, dass man den finanziellen Abstand zwischen Leistungsträgern und Minderleistern verringern solle. Das gab es mal in der ehemaligen DDR. Dort verdienten Industriemanager soviel wie ein einfacher Arbeiter. Das führte in der Konsequenz zum wirtschaftlichen Niedergang der ehemaligen DDR. Sie negieren in Ihren Kolumnen regelmäßig das Leistungsprinzip, welches es in Deutschland und anderen westlichen Staaten möglich macht, in Wohlstand und Frieden zu leben. Zum Glück zeigen die aktuellen Wahlen, dass die von Ihnen und anderen Sozialisten angezettelte Neidkampagne nicht mehrheitsfähig ist, wie der Wahlkampf von Martin Schulz gezeigt hat.
Und mit völligem Recht negiert Augstein es.

Zeigen Sie doch einmal auf, wo ein "Manager" zweihundert Mal mehr "leistet" als beispielsweise ein Altenpfleger, gemessen an seinem Einkommen.

Das "Leistungsprinzip" ist eine genauso elitäre Augenwischerei wie der angebliche Trickle-Down-Effekt.
Daß der gemeine Bürger mit diesen Floskeln nur verschei....Verzeihung, ruhig gestellt werden soll, muß endlich in der kollektiven Wahrnehmung ankommen.

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bernhard.geisser 01.01.2018, 14:22
12.

Nicht die schwarze Null ist das Problem beim Investitionsstau zur Modernisierung der verlotternden Infrastruktur, da liegt Herr Augustin falsch. Gesellschaft und Politik bieten in Deutschland sehr gute Grundlagen für die Reichen um den Reichtum zu mehren, natürlich nicht zuletzt auch durch den erheblichen Einfluss der Vermögens-Elite selber auf die Politik. Vor roten Zahlen beim Staatshaushalt ist eine angemessene Beteiligung der profitierenden Vermögens-Elite anzustreben.

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780 01.01.2018, 14:22
13.

Zitat von Nordstadtbewohner
"Der Staat duldet die krasse Ungerechtigkeit im Land. (...) Wenn es um den Abstand zwischen Gutverdienern und Einkommensschwachen geht (...)" Herr Augstein, ich kann Ihre Behauptung nicht nachvollziehen. Was Sie erwähnen, ist keine "krasse" Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip des Leistungsprinzip in einer Leistungsgesellschaft. Wer viel schafft und sich beruflich stark engagiert, der hat nun mal ein höheres Einkommen als jemand, der es nur zu einer Anlerntätigkeit gebracht hat. Das ist nichts Schlimmes. Sie fordern indirekt die Abschaffung des Leistungsprinzips, wenn Sie fordern, dass man den finanziellen Abstand zwischen Leistungsträgern und Minderleistern verringern solle. Das gab es mal in der ehemaligen DDR. Dort verdienten Industriemanager soviel wie ein einfacher Arbeiter. Das führte in der Konsequenz zum wirtschaftlichen Niedergang der ehemaligen DDR. Sie negieren in Ihren Kolumnen regelmäßig das Leistungsprinzip, welches es in Deutschland und anderen westlichen Staaten möglich macht, in Wohlstand und Frieden zu leben. Zum Glück zeigen die aktuellen Wahlen, dass die von Ihnen und anderen Sozialisten angezettelte Neidkampagne nicht mehrheitsfähig ist, wie der Wahlkampf von Martin Schulz gezeigt hat.
Das was Sie schreiben, ist eine uralte Ideologie, die stimmt schon lange nicht mehr.
Was war das denn z. B. für eine Leistung des Management, die die Diselgeschichte so richtig schön gegen die Wand gefahren hat, auch noch mit verbrecherischen Zügen, aber die Manager bekommen Abfindungen in Millionenhöhe, ein sein ganzes Leben lang schuftender Facharbeiter bekommt höchstens Harz IV, wenn er entlassen wird.
Wer hat jetzt mehr geleistet?

Und das ist nur ein Beispiel unter vielen. Hildebrandt sagte schon, und das ist ca 15 Jahre her, die Politik hat nur den Spielraum, den die Konzerne ihr lassen.
Großartig.

Wenn wir nicht schaffen, die Finanzen gerecht zu verteilen, und davon sind wir Lichtjahre entfernt, werden wir in der digitalisierten Welt einige Superreiche haben und eine Mehrheit, die entweder ein Sklavendasein führt oder im absoluten Elend versinkt.

Tolle Leistung, in der Tat.

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der_glückliche 01.01.2018, 14:26
14. Die Erbschaftsteuer...

...ist genau der falsche Punkt, um das Thema Ungerechtigkeit im Steuerrecht festzumachen. Diese Steuer hat deshalb Begünstigungen für Betriebsvermögen, da es a) wenig Sinn macht, bereits versteuertes Vermögen erneut zu besteuern, nur weil es unentgeltlich den Eigentümer wechselt und b) wegen des unentgeltlichen Wechsels des Eigentums beim Begünstigten nicht wie bei einem Verkauf zu einem Geldzufluss kommt, mit dem man die Steuern bezahlen kann. Also bleibt nur die Chance, Schulden zu machen oder - und das ist meistens der Fall - den größten Kostenfaktor zu senken: den Personalaufwand. Ich finde es daher erstaunlich, dass ausgerechnet Sozialisten immer nach mehr Bestandsbesteuerung rufen. Kann aber vielleicht auch einfach daran liegen, dass sie es nicht verstanden haben.

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max-mustermann 01.01.2018, 14:29
15.

Zitat von Nordstadtbewohner
Was Sie erwähnen, ist keine "krasse" Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip des Leistungsprinzip in einer Leistungsgesellschaft. Wer viel schafft und sich beruflich stark engagiert, der hat nun mal ein höheres Einkommen als jemand, der es nur zu einer Anlerntätigkeit gebracht hat. Das ist nichts Schlimmes.
Hören sie doch bitte mit diesem ewigen neoliberalen Märchen von den angeblichen Viel- und Minderleistern auf. Oder wollen sie allen ernstes den Menschen die das Land wirklich am laufen halten wie, Krankenschwestern, Pflegekräfte, Kindergartenpersonal usw. usw. unterstellen sie würden keine Leistung erbringen und deshalb zu recht so wenig verdienen ?

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cat69 01.01.2018, 14:30
16. Steuereintreiber Augstein

Nichts ist wirklich wichtig, am ehesten noch Sicherheit, da sollte man private Wege forcieren. Und Erben zu besteuern ist x-mal besteuertes Geld erneut zu besteuern. Wirklich originell. Mir wäre noch eingefallen, Recht sollte Recht bleiben. Das wäre schon die halbe Miete.

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olli0816 01.01.2018, 14:31
17. Ja, Deutschland ist nicht perfekt.

Sind wir ja auch nicht, jeder einzelne von uns. Den genannten Punkten kann ich weitestgehend zustimmen, obwohl mir noch andere einfallen. Da wäre z.B. die Flüchtlingsproblematik, der soziale Wohnungsbau. Renten und Sozialversicherungssysteme generell (bin jetzt für keine Bürgerversicherung mit Monsterbehörde dahinter), Investitionen in Zukunftstechnologien (Die IT-Infrastruktur ist zugegeben mies, aber wir sind in vielen Bereichen generell kein Hightechland mehr) oder das absurde H4-System mit den ganzen Unterdrückungsmaßnahmen.

Bei der Ungerechtigkeit bin ich nicht 100% bei ihnen. Ja, gegenwärtig gibts noch kein System, wie man die Zementierung der Vermögen etwas abbauen könnte. Die Amerikaner sind da zwar in ihren Bemühungen etwas weiter, aber dort ist die Ungleichheit noch viel höher als hier. Der größte Knackpunkt ist die Definition "Ungleichheit" und was der einzelne aus eigener Kraft anfangen kann, um da raus zu kommen. Jetzt etwas, was Linke nicht gerne hören: Die viel zu hohen Steuern sind mit Schuld daran, dass es für arme sehr schwierig ist, sozial aufzusteigen und eigenes Vermögen zu entwickeln. Es sind ja nicht nur die EST und die MwSt, sondern auch die sehr hohen Abgaben und indirekten Steuern auf Artikel und staatliche Dienstleistungen, die bei armen und mittleren Einkommen überproportional zu Buche schlagen. Das schafft sehr viel Ungerechtigkeit und mit den willkürlichen Transferzahlungen wird das eben nur marginal abgedeckt.

Das Hauptproblem der Anspruchslosigkeit liegt daran, dass wir uns gewöhnt haben, völlig unakzeptables inkompetentes polirisches Personal zu tolerieren, weil wir uns daran gewöhnt haben. Seien wir ehrlich: Die beiden großen Parteien bieten keine großartige Entwicklung an. Die Grünen haben sich inzwischen überlebt. Die FDP kommt gerade etwas wieder, ist aber primär eine Ein-Mann-Show und obwohl so etwas wie digitale Investitionen enthalten ist, fehlt es an vielen Ecken. Die AfD war vielleicht zu Beginn mal interessant (obwohl nie auf meiner Linie) bzgl. der intelligenten Leute als Professorenpartei. Davon ist kaum mehr was übrig. Die Linken finde ich nicht zeitgemäß, da das Konzept sich überlebt hat. Und nun?

Letztendlich geht es immer weiter. Aber ehemals starke Länder können wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückfallen. Das alte Rom überlebte immerhin 1.000 Jahre, China war ein paar Hundert Jahre äußerst schwach. Das einzig tröstliche dabei: Irgendwann besteht die Möglichkeit einer neuen visionären Generation und dann wirds wieder besser. Nur gegenwärtig sind wir meilenweit davon entfernt. Unsere Gesellschaft ist reichlich verstaubt, wenn man sich die Kommentare zu neuen technologischen Entwicklungen anschaut. Einfach nur gruselig, von daher ist die Entwicklung durchaus verständlich.

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hanfbauer2 01.01.2018, 14:40
18. Mehr Staat wagen?

Beim Ausbau des Überwachungsstaates klappt es ja: (vorläufig ausgesetzte) Vorratsdatenspeicherung, ZITiS, Gesichtserkennung (flächendeckend geplant), INDECT, automatisierter Scan von Autokennzeichen, usw.
Nur für mehr Polizisten-Stellen scheint es nicht zu reichen - da fehlt der innovative Kick den unsere Politiker über alles lieben. Ein paar Blumentröge vor den Weihnachtsmärkten sind billiger...

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johankaiser 01.01.2018, 14:42
19.

Wir brauchen höhere Steuern um damit soziale Härten auszugleichen. Wir brauchen auch höhere Steuern um umweltpolitische Fehlentwicklungen in eine nachhaltige Entwicklung zu bringen. Das kann leider nur der Staat leisten da das Individuum in der Mehrheit zu egoistisch agiert, den mündigen Bürger gibt es nicht, wir brauchen mehr gelenkte und gesteuerte Demokratie. Es ist auch gut dass unsere Politiker daruaf reagieren, siehe Energiewende, Anti-Hetz-Gesetze, politische Aufkläung in den öffentlichen Medien,... aber wir brauchen noch viel mehr ordnungspoltitische Entscheidungen (AfD Verbot, E-Auto Vorgaben, ...)

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