Forum: Politik
Was sich 2018 ändern muss: Die Deutschen sind zu anspruchslos
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Gute Vorsätze fürs neue Jahr - die sollte vor allem der Staat fassen. Hier sind fünf Dinge, die wir uns 2018 nicht mehr gefallen lassen sollten.

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zudummzumzum 01.01.2018, 14:42
20. Mehr Staat = mehr Murks

Nennen wir es nicht Staat, sondern Gemeinwesen. Also nicht das Konglomerat von Beamten und Politikern (also die Anderen), sondern das Wir, zu dem auch die Beamten und Politiker gehören. Und dieses Gemeinwesen ist tatsächlich abgewirtschaftet.
Der Grund hierfür sind die vielen NICHT geführten Debatten, der ausgebliebene Streit über den Weg in die Zukunft. Aber wie will eine Gesellschaft einen Weg in die Zukunft anlegen, wenn ihre Mitglieder noch nicht mal fähig sind, sich über Notwendigkeit und Verlauf einer Stromtrasse von Nord nach Süd zu einigen? Und das ist nur ein klitzekleines Beispiel.
Wer daran "der Politik" die Schuld gibt, versucht nur, sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen. In der Demokratie ist Politik nicht die da oben, sondern wir alle. Insbesondere dann, wenn es unbequem wird!
Wo sind denn die Themen, mit denen wir die Zukunft gewinnen? Was ist wirklich wichtig? Ist das wirklich die Frage einer Bürgerversicherung, oder vielleicht doch vielmehr Fragen des Arbeitsrechts (Leiharbeit, Zeitarbeit, Mindestlohn, Weiterbildung, ...)? Ist es die Frage, ob und wie hoch der Elternbeitrag zur KiTa sein darf (betrifft 6 Jahre im Leben), oder die Frage, was und wie in der Schule gelernt wird (betrifft 10 Jahre und mit längerer Nachwirkung)? Geht es um Elterngeld / Herdprämie und Rentenpunkte oder viel mehr um die Frage, wie Familie funktionieren kann, wenn die Erziehenden zu dem Drittel der Gesellschaft gehört, das regelmäßig nachts, an Wochenenden und Feiertagen arbeiten muss?
Wenn wir wollen, dass endlich mal Reformen angeleiert werden, müssten wir VORHER mal die Prioritäten diskutieren. Solange wir das nicht machen, lähmen wir die Politik. Denn die kann sich ja auch nicht mit Reformen profilieren, die kaum jemand wirklich will.
So lange also unser Staat dermaßen ziellos und visionsfrei durch die Gegenwart wabert, brauchen wir davon nicht mehr, sondern weniger. Mehr von diesem Staat bedeutet einfach nur noch mehr Murks. Mehr Demokratie wagen war die Antwort auf basisdemokratische Bewegungen und solange die fehlt, tun wir gut daran, möglichst wenig Geld in den großen Pott zu werfen. Dann lieber die Steuergelder bei den Privaten lassen, selbst wenn davon die Reichen immer reicher werden. Denn davon, dass der Staat mehr hat, geht es den Armen auch nicht besser-

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jan.22301 01.01.2018, 14:47
21. Analyse richtig . . .

Augsteins Analyse des Staatsversagens ist richtig. Und dann? Seine Forderung nach "mehr Staat" ist die falsche Schlußfolgerung. Der Staat, den wir heute haben, hat uns zu der Bananenrepublik gemacht, in der wir leben. Deswegen ist seine Forderung falsch. Was wir für 2018 fordern müssen, nicht etwa wünschen, das ist ein besserer Staat. Einer, der sich an den Bedürfnissen seiner Bürger orientiert. Einer, in dem die Staatsdiener, vom Kanzleramt, vom Kabinett, vom Bundestag bis zu jeder einzelnen Amtsstube dem Wohl des Bürgers und des Gemeinwesens dienen. Und nicht nur den eigenen Interessen.

Eine höhere Quantität von Staat, wie Augstein sie will, geht an der Sache vorbei. Er sollte einen zweiten Gedanken auf das verwenden, was er so schreibt.

Wir brauchen einen besseren Staat. Den bekommen wir nur, wenn wir die verbrauchten Machteliten in den 'etablierten' Parteien zum Teufel jagen. Und neues Personal mit klügeren Einsichten und besseren Absichten die Führung der Parteien und in der Folge die Führung des Landes übernehmen.

Bedenken wir also gut, was wir tun, wenn wir in 2018 erneut wählen müssen.

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Sandlöscher 01.01.2018, 14:51
22. Werter Herr Augstein

gehe soweit mit Ihrer Analyse konform. Es fehlt hier schlichtweg ein Aufstand der Anständigen, der eigentlich aus der Politik kommen müsste. Leider wird das Ausbleiben und die nächste GROKO wird schon dafür sorgen, dass alles möglichst so weitergeht (Billigjobs, prekäre Arbeitsverhältnisse, absenken des Rentenniveaus etc.). Der Deutsche ist perse obrigkeitshörig. Er wird bald bis 70 arbeiten gehen, eine Rente auf Grundsicherung erhalten und dann brav auf dem Amt eine Wartemarke ziehen, um seine Grundsicherung zu beantragen. Alternativlos, damit es der Wirtschaft und den Aktionären gut ergeht oder willkommen in Merkels marktkonformen Demokratie!

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alterknacker54 01.01.2018, 14:52
23. Ein Gutes Neues, Herr Augstein!

Leider ist Ihre Aufzählung sehr zutreffend und leider ist sie nicht vollständig. Aber wir leben in einer Demokratie und offensichtlich geht es den meisten Michels so gut, dass sie satt und zufrieden immer wieder Mutti wählen. Dabei stinkt hier der Fisch vom Kopfe her und da müsste was verändert werden! Will sagen: Wir brauchen nicht noch mehr von dieser Art Staat - bloß nicht! - wir brauchen einen anderen Staat - dringenst!

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gerd.lt 01.01.2018, 14:55
24. 12 lange Jahre

Alles richtig - aber was folgt? Nichts! Die Hauptverantwortlichen sind die Union, gefolgt von der SPD! Das deutsche Volk sehnt sich danach, dass gerade diese Parteien wieder eine Regierung bilden - noch Fragen? Danke Herr Augstein für Ihre Kolumne - für die späten Geschichtsbücher, den dann wird man sich vielleicht erinnern - da war doch mal was? Passieren, heute, jetzt, in 2018 folgende, wird nichts! Meine Erfahrung nach 12 langen Jahren Merkel.

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heinzerichii 01.01.2018, 14:56
25. Vor allem braucht es mehr..

..GEZIELTE Investitionen (genau da wo die Anreize erwartet werden, dort dann neue Arbeitsplätze und Einkommen für Bürger sowie daraus resultierend Nachfrage nach Produkten, geschaffene nutzbare Angebote) statt pauschale Steuersenkungen. Dennoch einen besseren Ausgleich zwischen Arm und Reich anstreben. Die "Reichen" dürfte es am Wenigsten schmerzen etwas abzugeben - der Ausgleich trägt zu einer friedlicheren, entspannteren und sichereren Gesellschaft bei und dient somit auch "Reichen". Weiterhin einen neuen starken Fokus auf effizientere und somit zugleich ökologischere Wirtschafts-, Energie- und Infrastrukturpolitik legen.

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daggi.baehr 01.01.2018, 14:56
26.

Zitat von Nordstadtbewohner
"Der Staat duldet die krasse Ungerechtigkeit im Land. (...) Wenn es um den Abstand zwischen Gutverdienern und Einkommensschwachen geht (...)" Herr Augstein, ich kann Ihre Behauptung nicht nachvollziehen. Was Sie erwähnen, ist keine "krasse" Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip des Leistungsprinzip in einer Leistungsgesellschaft. Wer viel schafft und sich beruflich stark engagiert, der hat nun mal ein höheres Einkommen als jemand, der es nur zu einer Anlerntätigkeit gebracht hat. Das ist nichts Schlimmes.
Ich zähle mich auch zu den wertkonservativen Vertretern der Gesellschaft und stehe vonn und ganz zum Leistungsprinzip.

Auch bin ich der Ansicht, dass es durchaus keine Ungerechtigkeiten im Bildungssystem gibt, denn wer will und sich anstrengt, der kann in unserer Gesellschaft vieles erreichen. Man muss bei den sog. Verlierern hinterfragen, was sie genau wann in ihrem Leben falsch gemacht haben. Da wird man immer interessante Zäsuren finden. Ich bin entsprechend nicht der Ansicht, dass die Gesellschaft für Leute aufzukommen hat, die es selbst nicht für nötig erachteten sich um ihre eigene Weiterbildung zu kümmern. Die Suppe müssen die schon selber auslöffelnb und das ist keine Verpflichtung der Gesellschaft und schuldig daran ist sie auch nicht.

Aber ....

Es hat sich eine sehr unangenehme Finanzbranche ausgebreitet, die selber gar nichts mehr tut. Spekulanten sind dabei ganz vorne. Die verzocken das Geld anderer Leute und drücken sich dann noch mehrheitlich um die Steuern. Diese Gruppe zählen fraglos zu den unehrenhaften Berufen und die Rechtsanwälte um sie herum gleich mit.
Ich bin also der Ansicht, dass die Politik sehr wohl effektiv gegen Spekulationen vorgehen sollte, damit ehrliche Arbeit wieder aufgeweret wird.

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thoms1957 01.01.2018, 14:56
27. Das Leistungsprinzip wird überbewertet

Das Wort wird nur von Leuten benutzt, die es irgendwie zu Vermögen gebracht haben und für die Solidarität ein inhaltsleerer Begriff wenn nicht gar blanker Sozialismus ist. Der Tag hat 24 h. An einem Tag kann man durch ehrliche Arbeit nach Steuern 50 - 100 € verdienen. Und ab 150 € gehört man schon Eikommensmäßig zu den oberen 10 %. Wie kommt man zu Vermögen? Meistens doch durch Erbschaft oder indem man andere für sich arbeiten lässt. Das Leistungsprinzips ist meiner Meinung nach die Kunst, mindestens eines von beiden unter Steuervermeidung zu tun.

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redwed11 01.01.2018, 14:57
28.

Zitat von Nordstadtbewohner
"Der Staat duldet die krasse Ungerechtigkeit im Land. (...) Wenn es um den Abstand zwischen Gutverdienern und Einkommensschwachen geht (...)" Herr Augstein, ich kann Ihre Behauptung nicht nachvollziehen. Was Sie erwähnen, ist keine "krasse" Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip des Leistungsprinzip in einer Leistungsgesellschaft. Wer viel schafft und sich beruflich stark engagiert, der hat nun mal ein höheres Einkommen als jemand, der es nur zu einer Anlerntätigkeit gebracht hat. Das ist nichts Schlimmes. Sie fordern indirekt die Abschaffung des Leistungsprinzips, wenn Sie fordern, dass man den finanziellen Abstand zwischen Leistungsträgern und Minderleistern verringern solle. Das gab es mal in der ehemaligen DDR. Dort verdienten Industriemanager soviel wie ein einfacher Arbeiter. Das führte in der Konsequenz zum wirtschaftlichen Niedergang der ehemaligen DDR. Sie negieren in Ihren Kolumnen regelmäßig das Leistungsprinzip, welches es in Deutschland und anderen westlichen Staaten möglich macht, in Wohlstand und Frieden zu leben. Zum Glück zeigen die aktuellen Wahlen, dass die von Ihnen und anderen Sozialisten angezettelte Neidkampagne nicht mehrheitsfähig ist, wie der Wahlkampf von Martin Schulz gezeigt hat.
Dass das Einkommen nicht immer etwas mit Leistung zu tun hat, kann man an vielen Beispielen festmachen. Wo soll den die ach so große Leistung deutscher Vorstandsmitglieder in Wirtschaftsunternehmen liegen, dass diese das zehn- bis fünfzigfache der Bundeskanzlerin an Einkommen bekommen. Wo liegt denn die Minderleistung der Siemens Beschäftigten, die wegen reiner Geldgier von maßlosen Investoren ihre Existenz verlieren.
Aber das schlimmste in diesem Land sind Menschen, die sich einbilden, ihre sogenannte Leistung sei so viel mehr wert als die Leistung aller Anderen. Dagegen werden die wirklichen Leistungsträger wie Polizisten, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Ärzte, Rettungskräfte und viele andere wirkliche Leistungsträger miserabel bezahlt.
Aber bei den selbsternannten Leistungsträgern handelt es sich meist um Leute, deren Leistung darin besteht, dass sie brutaler, skrupelloser und ohne jegliche Empathie gegen andere Menschen vorgehen. Aber ist das wirklich Leistung? Und dann meist auch noch in für die Gesellschaft völlig sinnlosen Bereichen. Wie wenig wirkliches Selbstbewusstsein muss jemand haben, der sich selbst als Leistungsträger bezeichnet und sich damit selbst erhöht.

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ernstmoritzarndt 01.01.2018, 14:59
29. Schiefes Bild

Die allgemeine Innere Sicherheit wird weniger von G 20, NSU - Morden usw. bestimmt als von der täglichen Unsicherheit, in die Otto - Normalverbraucher gestürzt wird: bei der nächtlichen Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel, der Erfahrung, daß die Polizei im Grunde genommen hilflos ist bei klassischen Straftaten, u. a. bei der tagsüber erforderlichen Bewachung von Bahnhöfen. Wenn ich während einer kurzen Wartezeit auf dem Hamburger Hauptbahnhof morgens gegen 7.00 h bis zu 6 Mal - teilweise aggressiv - angebettelt werde, um anschließend, wenn ich den Münchener Hauptbahnhof verlassen will, durch ganze Gruppen aggressiver Nichtreisender mit Migrationshintergrund hindurch muß. Das stört mich. Ein Problem sind umgekehrt keinesfalls die Anlaufschwierigkeiten der Bahnstrecke Berlin/München: gerade SPON wären die ersten, die bei dem allerkleinsten Unfall die beteiligten Bahnmitarbeiter, nicht zuletzt die Leitungsorgane der Deutsche Bahn AG, auf das schärfste attackieren würden, wenn auch nur einem Menschen ein Haar gekrümmt wird. Die Strecke wird in 3 bis 8 Monaten im Schnitt genauso pünktlich bedient werden, wie der Durchschnitt aller anderen Bahnstrecken. Die Sicherungssysteme müssen in unser aller Interesse so geschaltet sein, daß bei der kleinsten Unregelmäßigkeit alles so geschaltet/verlangsamt wird, daß nicht nur nach technischem, sondern auch menschlichem Ermessen ein Unfallereignis ausgeschlossen ist. Hinweis: Mit Vorständen, Aufsichtsräten und/oder Gesellschaftern der Deutsche Bahn AG bin ich weder verwandt noch verschwägert!

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