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Weinendes Flüchtlingsmädchen: Merkel verteidigt ihren Streichel-Auftritt
DPA

Hätte Merkel mehr Gefühl zeigen müssen, als die junge Reem in Tränen ausbrach? Die Kritik war heftig, die Bundeskanzlerin aber steht zu ihrer Reaktion: "Ich glaube, dass das ok so war."

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erdmann.rs 19.07.2015, 22:15
50. Reaktion der Kanzlerin

Frau Merkel hat vollkommen angemessen reagiert.
Dass das plötzliche Weinen des Mädchens sie sichtlich
berührt hat, war ihr anzumerken. Ihre Antworten waren
trotzdem sachlich und richtig, auch wenn sie das Kind
damit nicht unbedingt auf der Stelle trösten konnte.
Was andere Personen - vor allem Politiker - inzwischen
zu dem Fall verlauten ließen, ist schierer Populismus
und auf gar keinen Fall "zu Ende gedacht".
Frau Merkel hat auf die bestehenden Gesetze und auf
die gesamte Problematik - auch die der Integration -
hingewiesen. Am Fall dieses Mädchens, das seit 4 Jahren in Deutschland lebt und sehr gut deutsch spricht,
wird sehr schnell deutlich, dass noch vieles im argen ist.
Aber Frau Merkel ist Bundeskanzlerin und keine feudale
Herrscherin, die mal eben "aus dem Handgelenk heraus"
Recht sprechen - besser gesagt: Recht brechen - kann.
Sie hat aber zugesagt, dass alles dafür getan werden wird, damit niemand mehr nach 4 Jahren in Deutschland
immer noch nicht weiß, wie es für ihn weiter geht.
In Deutschland gibt es ca. 530 Ausländerbehörden, die
unterschiedlichste Aufgaben zu lösen haben. Die oberste
dieser Behörden mit etwa 300 Beschäftigten hat ihren
Sitz in Berlin. Dort werden ca. 400.000 Akten bearbeitet, also über 1.300 Akten je Sachbearb./Jahr,
also täglich 5 im Durchschnitt. Dabei darf man nicht vergessen, dass manche Fälle wegen fehlender Papiere,
Sprachschwierigkeiten usw. sehr aufwendig sind.
Hier ein paar Zahlen aus dem Jahr 2014:
291.852 Menschen haben vorgesprochen ; 111.573
Aufenthaltstitel wurden erteilt ; 9.600 Personen wurden
zur Ausreise verpflichtet ; 602 Personen wurden abgeschoben ; unter all diesen Personen waren 9.193
"echte" Asylsuchende.
Für 2015 sind noch deutlich höhere Zahlen zu erwarten.
Kritiker der "schleppenden Bearbeitung" von Anträgen
sollten mehrere Dinge nicht außer Acht lassen:
Die Zahl der (zu erwartenden) Flüchtlinge kann niemals
genau vorhergesagt werden. Die nötige Zahl an hierfür
geeigneten und ausgebildeten Sachbearbeitern kann nicht beliebig aufgestockt oder gleich vorgehalten werden. Für die erforderliche Infrastruktur (Büroräume,
bzw. Bürogebäude) gilt das natürlich erst recht.
Das Geschrei wäre nämlich auch groß, wenn hunderte
von Bearbeitern nichts oder nicht genug zu tun hätten.
Dann wäre wieder das "Beamten-Bashing" an der Reihe.
Die Vorwürfe, die Frau Merkel gemacht worden sind, waren zum Teil albern, zum Teil auch unverschämt und
gehässig. Das hat sie nicht verdient, finde ich.

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ueanegak 19.07.2015, 22:18
51.

Zitat von mangeder
Natürlich kann sie die Rechtslage ändern, sie ist schließlich die amtierende Chefin dieser Regierung! Wer sonst, wenn nicht die Kanzlerin sollte denn die Rechtslage ändern können? Unglaublich, wenn ausgerechnet Politiker, die an der Macht sind (und sie ist es schon seit 10 Jahren!) immer mit der Ausrede kommen, dass "die Rechtslage so ist" und sie "nichts ändern können". Wenn sie wollte, könnte die Kanzlerin und ihre Regierung jederzeit die Rechtslage und die Gesetze sinnvoll anpassen! Aber Merkel und ihre Union verweigen ja seit 10 Jahren ein sinnvolles Einwanderungsgesetz: http://www.tagesspiegel.de/politik/spd-vorschlag-zu-einwanderungsgesetz-funktioniert-das-punktesystem-aus-kanada/11453112.html
warum sollte merkel die rechtslage ändern? die merzahl der deutschen, scheint ja wohl cdu gewählt zu haben und damit wohl eine andere auffassung von einwanderung zu haben.

sie kann das gesetz gerne von mir aus noch restriktiver und gnadenloser machen. DAS will die mehrheit. sie gehören nur zur lautstarken minderheit.

machen sie sich das bewusst.

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extremepa 19.07.2015, 22:29
52. Überraschung

von Frau Merkel ein Ausspruch, dem ich als ausgesprochener Gegner ihrer
politischen Agenda unbedingt zustimme : "Was soll ich mich ärgern? Ich habe Probleme zu lösen."

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sic 19.07.2015, 22:31
53. Kritik nicht nachvollziehbar

Wer sich das Video komplett angesehen hat, wird feststellen, dass die Bundeskanzlerin nicht nur geduldig und zugewandt zuhört, sondern auch zutreffend und eingehend zur Sache spricht und sehr menschlich reagiert. Ihr kampagnenartig dennoch fehlende Empathie und Kälte vorzuwerfen (weil dies so gut zum gewünschten Vorurteil und ins Bild der Griechenland-Debatte passt? um dies wohlfeil für politische Interessen zu nutzen?), ist schäbig und nicht nachvollziehbar.

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thunderstorm305 19.07.2015, 22:44
54. Was ist denn das für eine Diskussion?

Hätte Frau Merkel einfach gesagt, "ja Du kannst bleiben", hätte sich jeder darüber aufgeregt, dass sie ihre Stellung dazu missbraucht und in Gutsherrenart Entscheidungen trifft, die ihr gar nicht zustehen. Deshalb war die Reaktion von ihr völlig richtig.

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palef 19.07.2015, 22:52
55. ...'dass das ok so war'...

...ist die Äußerung einer vollkommen unempathischen Person, der ein unfähiger Berater gesagt hat, das sei schon so ok gewesen. Da sie selbst keine Gefühlsregungen mehr hat oder ausdrücken kann, sage ich auch: das war ok so...passt zu ihr!

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münchen_giesing 19.07.2015, 23:09
56. Verlogen

""Jeder Einzelfall ist anders und muss geprüft werden, aber oft genug konnten wir eine Lösung finden", machte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) der Sechstklässlerin Mut." Ich finde die Antwort der Bundeskanzlerin wesentlich ehrlicher... Auch Frau Özoguz kennt den Fall nur aus der Presse. Somit ist eine Einschätzung gar nicht möglich...

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io_gbg 19.07.2015, 23:24
57.

Zitat von spon-facebook-10000209993
Was erwarten denn die Kritiker? Dass sie sagt "Hey, ich stell mich jetzt mal über die Gesetze und verspreche dir, dass du bleiben kannst"?
Nein, man sollte aber eine rationale und menschliche Politik einfordern.

Merkel hätte schon sagen können, dass offenbar etwas zutiefst im Argen ist, wenn ein Mädchen nicht in Deutschland bleiben kann, das ziemlich perfekt Deutsch gelernt hat, das mit einer Bundeskanzlerin ein Gespräch führen kann und allgemein einen recht intelligenten Eindruck macht.
Merkel hätte sagen können, dass diese unmögliche Asylpolitik komplett auf den Prüfstand müsste.

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Heliumatmer 19.07.2015, 23:57
58. Streicheln geht gar nicht

Merkels Verhalten war allenfalls tollpatschig, besser keinesfalls. Begründung: Zunächst glaubte ich, das Mädchen wäre noch 12 Jahre alt; das ist das normale Alter für eine Sechstklässlerin. Da gibt es noch keine Strafmündigkeit, da kann man ein Kind noch als Kind bezeichnen und es, als Fremde, wenn es denn unbedingt sein muss, auch streicheln. Reem ist aber 14 Jahre alt und nur deshalb noch in der sechsten Klasse, weil sie Einiges nachholen musste. Und sie hat sich sehr angestrengt und unaufgeregt vor der mächtigsten Frau der Welt nahezu fehlerfrei in einer Sprache geredet, die nicht ihre Muttersprache ist. Sie ist eine junge Frau, sie ist strafmündig und definitiv kein Kind mehr. Da ist es vollkommen unangebracht, sie streicheln zu wollen (ein sechzehnjähriges Mädchen hätte unter diesen Umständen genau so weinen können, auch eine erwachsene Frau). Zwischen 12 und 14 Jahren passiert Einiges, insbesondere bei Mädchen, das hätte Merkel wissen können, wusste sie aber offensichtlich nicht, war also sehr schlecht vorbereitet. PR, die komplett daneben gegangen ist; gefühlskalt war sie schon immer. Der Begriff "Mutti" passt zu ihr wie die Faust aufs Auge, nicht erst seit jetzt. Außerdem hätte sie Reem auf die neu werdende Gesetzeslage hinweisen können. Vielleicht kannte sie die aber selber noch nicht.

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The Independent 20.07.2015, 00:28
59. ...

Zitat von ueanegak
die merzahl der deutschen, scheint ja wohl cdu gewählt zu haben und damit wohl eine andere auffassung von einwanderung zu haben. sie kann das gesetz gerne von mir aus noch restriktiver und gnadenloser machen. DAS will die mehrheit.
Von den 61.946.900 Wahlberechtigten sind 2013 tatsächlich nur 44.309.925 (oder 71,5% der) Bürger auch wirklich zur Wahl gegangen, allerdings gab es nur 43.625.042 und 43.726.856 gültige Erst- bzw. Zweitstimmen. Von den gültigen Zweitstimmen entfielen 14.921.877 auf die CDU (34,1%).

Diese nur knapp 15 Millionen CDU-Wähler, angesichts der fast 62 Millionen Wahlberechtigten, als die MeHrheit der Deutschen zu bezeichnen, ist doch etwas gewagt. Die CDU hat "nur" den höchsten Prozentsatz der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen können. Allerdings ist die Zahl der Nichtwähler noch wesentlich höher, als die Gesamtzahl derer, die für die CDU votierten. Was die Mehrheit der Deutschen tatsächlich wählen würde, würde man vielleicht nur bei einer Wahlpflicht erfahren.
Was die Mehrheit will können SIE jedenfalls nicht aus dem Bundestagsergebnis ableiten. Nach den neuesten Umfragen würde übrigens eine Mehrheit für eine gesteuerte Einwanderungspolitik votieren, die qualifizierten Ausländern, und vor allem Ausländern mit sehr guten Deutschkenntnissen, die Möglichkeit gibt legal einzuwandern.

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