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Weltkriegsgedenken von Macron und Merkel: Die unvollendete Versöhnung
ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/REX

Angela Merkel und Emmanuel Macron wollen Europa mit ihrem gemeinsamen Weltkriegsgedenken im besten Licht zeigen. Aber die Versöhnung der Völker ist noch lange nicht vollendet.

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pacificwanderer 10.11.2018, 20:35
1. Der Tenor des Artikels ist purer Unfug,

seit Jahrzehnten (ca den 70ern) werden Deutsche in Frankreich und Franzosen in Deutschland mit Sympathie und Respekt empfangen. Die Jugendbewegung welche Adenauer und de Gaulle traegt mit Schueleraustausch, Auslandsstudium und offenen Grenzen erheblich dazu bei. Natuerlich muessen wir Deutschen uns fuer die Taten unserer Vorfahren schaemen.
Vergeben und fuer eine gemeinsame Zukunft arbeiten ist die gegenwaertige Maxime!

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theodtiger 10.11.2018, 20:42
2. Blickwinkel

Der Blickwinkel auf das schon Erreichte ist oft besser als das noch Fehlende zu kritisieren. Von den letzten 100 Jahren seit dem Ende des 1. Weltkrieges haben Deutschland und Frankreich nunmehr zwei Drittel (seit Sommer 1950 schon 68 Jahre) in zukunftsgerichteter Zusammenarbeit ihre Versöhnung vorangetrieben. Nachdem im Mai 1950 der französishe Aussenminister Schuman die Errichtung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vorgeschlagen hatte und diese in 1951 geschaffen wurde, sind sehr viele sinnvolle und wichtige weitere Integrationsschritte hin zur jetzigen EU gemacht worden, wobei Frankreich und Deutschland als der anerkannte Motor des Ganzen gesehen werden. Es ist wichtig dieses zu erhalten und auszubauen. Wesentlich dafür ist insbesondere, dass wir die rückwärtsgewandten Kräfte in Deutschland (AFD) und Frankreich (Front national) klein halten. Die kommenden Europawahlen sind dafür wichtig.

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hellocapetown 10.11.2018, 20:52
3. Danke ... einsichtiger Artikel...

... und rührende Fotos. Irgendwie vermisse ich jetzt schon unseren Engel (Angela)... die ich schon in den frühen 1990ern mit ihrer ausgewogenen und vorbildlich artikulierten Sichtweise als zukünftige Kanzlerin vorhergesehen habe. Veränderung mag notwendig und der Lauf des Lebens sein, aber ich fürchte wir werden ihrer Mütterlichkeit in einer immer härter werdenden Welt noch nachtrauern... hoffentlich gibt es keine voreiligen Neuwahlen.

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Overseasreader 10.11.2018, 20:54
4. Was sollen diese negativen Floskeln wie

" die unvollendete Versöhnung " und " die neuen Generationen der Deutschen und Franzosen müssen sich Versöhnung und Freundschaft stets neu erkämpfen" ? Fuer mich war der Anfang schon viele Jahre frueher geschehen als sich Adenauer und de Gaulle trafen, die eine wirkliche Freundschaft und Respekt verbanden. Genau das erwarte ich von beiden Nationen ohne Vorbehalt. Es ist so einfach.

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hdwinkel 10.11.2018, 20:56
5. Etwas kleinlich

Ich halte den Kommentar für etwas kleinlich. Mag schon sein, daß das Gedenken immer noch weitgehend getrennt stattfindet. Aber es gibt für mich keinen Zweifel, daß die damalige 'Erbfeindschaft' Geschichte ist. Und das ist nun wirklich ein Erfolg, der kaum zu überschätzen ist.
Wenn ich etwas zu bemängeln hätte, dann die Einengung des WK1 in der Berichterstattung auf Frankreich und Deutschland. Es heißt nicht umsonst ein Weltkrieg und auch die Staatsgäste repräsentieren das viel besser.

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jennerwein 10.11.2018, 21:05
6. Verständnis für französisches Empfinden

insbesondere auch, weil sich die schrecklichen Geschehen in Frankreich abgespielt haben. Viel ist von Schülern bis Politiker über alle Gesellschaftsschichten beigetragen worden. Doch ebenso grauenhaft, ja noch bestialischer war es in Rußland. Und da bin ich traurig, daß man unsererseits so wenig einbringt.

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jakker 10.11.2018, 21:23
7. Was soll dieser Artikel?

Für mich sind Franzosen genauso Nachbar wie Herr Müller nebenan. Und als Europäer ist es mir genauso wichtig, dass es Polen, Belgien, Österreich, Italien etc. gut geht und wir ein Verhältnis auf Augenhöhe pflegen.
Sicher waren die beiden Weltkriege eine unermessliche menschliche Katastrophe aber sie sind lange vorbei und ich, geboren 1963, sehe längst nur noch den gemeinsamen europäischen Gedanken ohne die Geschichte zu vergessen.

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upalatus 10.11.2018, 21:27
8.

Vor etlichen Jahrzehnten gabs zwischen Franzosen und Deutschen diesen heute und auch damals schon völlig inhaltsleeren Begriff der Erbfeindschaft, die in Kriegen ihre dummen und nutzlosen Höhepunkte fand. Scheinbar waren aber diese überbordend grausamen Konflikte notwendig, um beiderseits zu Erkenntnissen zu gelangen.

Niemand hat sich seinerzeit einen Zustand wie heute vorstellen können (so wie sich heute manche vieles nicht vorstellen können oder mögen), und trotzdem wurde es erreicht zu aller Seiten Vorteil. Wieviel Vergleichbares und bei anderen Themen war und wäre ebenso möglich und wird es bei entsprechender Ausdauer und Willen wahrscheinlich auch. Die Haupttriebfeder dazu sehe ich allerdings nicht so sehr bei den agierenden politischen Kräften, sondern in erster Linie in den Bevölkerungen selbst.

Darauf einen Pernod und mit Steinhäger nachgespült.

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at.engel 10.11.2018, 21:28
9.

Von Paris (bzw. auch Berlin) aus betrachtet, mögen die deutsch-französischen Beziehung, und ihre Entwicklung, immer noch als der zentrale Punkt der Geschichte (der letzten zwei Jahrhunderte) erscheinen, geht man weiter in den Süden, sieht das aber heute ganz anders aus. In den 1920er Jahren lebten knapp eine Million Italiener in Frankreich, allein in Marseille waren gut 20% der Bevölkerung Italiener, die zum Großteil schon vor 1914 dort lebten, auf die dann durch die Machtübernahme Mussolinis eine Unzahl italienischer Flüchtlinge stießen. Anfang der 1920er Jahre kamen da auch die Armenier an - knapp 10% in Marseille sind heute armenischer Abstammung, ab 1936 kamen auch gut eine halbe Million Spanier im Süden Frankreichs an, mit der Dekolonisation die Pieds Noirs (ungefähr eine Million) und die Juden (heute ungefähr 9% der Bevölkerung in Marseille) aus dem Maghreb. Und dann kamen natürlich Araber meist maghrebinischer Herkunft, teilweise aber auch aus dem Libanon, heute Komorer..
Kurz der Großteil der Franzosen im Süden hat über die Familiengeschichte einen ganz anderen Bezug zur französischen Geschichte. Wenn man da etwas vermitteln will, muss man auch aus diesem deutsch-französischen Fokus irgendwie wieder heraus... einen Weg finden, dieses Kapitel der Geschichte so zu vermitteln, das es auch alle Franzosen (und Deutsche) anspricht. Eine Art Symbol dafür, das Versöhnung immer möglich ist...

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