Forum: Politik
Widerstand aus Madrid: Spanien droht mit Brexit-Blockade - wegen Gibraltar
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Die Brexit-Verhandlungen stürzen Großbritannien in ein politisches Drama, die EU demonstriert weiterhin Einigkeit. Doch nun zeigt sich der erste Riss: Spanien droht, das Austrittsabkommen zu verhindern.

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Elementar 19.11.2018, 21:11
40. Geht's eigentlich noch? Hoheitsgebiete bleiben unberührt vom Brexit!

Jetzt tritt erst mal das Vereinigte Königreich samt Nordirland, Gibraltar und Überseegebiete aus der EU aus. Dieser Prozess ist Ende März 2019 abgeschlossen. Dann wissen wir, zu welchen Bedingungen der Austritt erfolgt ist, im Moment sieht’s nach einem harten Brexit aus – dann ist das halt so, davon geht die Welt nicht unter. Die Hoheitsgebiete trennen sich an den bisherigen Binnengrenzen, aus denen werden ganz normale Außengrenzen, nämlich der verbleibenden 27 EU-Staaten und des UK. Alles ganz logisch und normal, für die Pendler und grenzüberschreitende Familienverbindungen gibt es dann Visa, wie sonst auch auf der Welt, Erleichterungen etc. alles verhandelbar und dafür wird man hoffentlich die verbleibenden Monate nutzen. _ An die EU: Lasst das mit der Zollunion und ähnlichen „Hebeln“, das UK will die komplette Unabhängigkeit, lasst sie ziehen! _ An die ganzen Schreiber hier, die hier von „Wiedervereinigungen“ schwafeln oder gar die Queen zum „Eintages-Putsch“ aufrufen, wie ich neulich hier im Forum lesen musste, um das Unvermeidliche noch zu stoppen. Die bestehenden Grenzen bleiben unverändert, damit das klar ist. Das gilt auch spanische Heißsporne, die meinen sie müssen jetzt über 300(!) Jahren daherkommen und Forderungen stellen und selbst Gebiete jenseits der iber. Halbinsel besitzen. Geht’s noch? Es ist offensichtlich so einigen nicht klar, dass irgendwelche Gebietsansprüche zu Krieg in Europa führen! Oder zweifelt irgendjemand an der Ernsthaftigkeit der Briten, dass zu tun - Stichwort „Falklandinseln + Krieg“?!

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eric111 19.11.2018, 21:13
41. Wohne in der Nähe

Ich wohne in der Nähe Gibraltars, kenne schon seit Jahrzehnten, was dort abgeht und es ist nicht so, wie es den Anschein hat.

Spanien und Großbritannien verstehen sich prächtig. Seitdem der Brexit erstmals erwähnt wurde, sind beide Seiten auf ein bilaterales Abkommen aus, da es zum einen viele Spanier gibt, die in England arbeiten, viele Engländer, die sich in Spanien niedergelassen haben und auch was Gibraltar selbst betrifft eben Spanier der Grenzstadt La Línea, welche in Gibraltar arbeiten und sehr viele Gibraltarer, welche in Spanien ihren Erst- oder Zweitwohnsitz haben, u.a. auch der Premierminister Gibraltars, welcher in den noblen Zonen bei San Roque und Sotogrande, unweit von Marbella wohnt.

Allerdings gibt es auch Streitpunkte. Aber eher auf kleinerer Ebene. Es geht hier nicht darum, dass Gibraltar wieder Spanisch wird. Kaum ein Spanier interessiert Gibraltar. Was schon interessiert ist, dass keine Provokationen kommen. Und die gab es zu Hauf: illegale Landaufschüttung Gibraltars, der Status als Steuerparadies, das hohe Aufkommen von Schmugglern.

Spanien und Großbritannien verhandeln bereits, seitdem der Brexit erstmals genannt wurde. Keine der beiden Parteien ist daran interessiert, die Grenze zu schließen.

Aber Spanien will nicht in einem eiligen Kompromisspakt zwischen der EU und GB haben. Was strittig ist, ist die Seezone Gibraltars. Lt. Jahrhunderte altem Vertrag, welcher Gibraltar England vermachte, gehört zu Gibraltar ausdrücklich keinerlei Seezone. Spanien besteht darauf, dass Gibraltar zwar ihren Hafen bewirtschaften können und die Seegebiete außerhalb spanischer Hoheitsgewässer, während Gibraltar auf eine 3- oder 12-Meilen-Zone besteht.

Das ist der Knackpunkt. Der steht aktuell nicht zur Verhandlung. Man kann auch bilaterale Abkommen über alle anderen Aspekte schließen, ohne vom jeweiligen Standpunkt der Seezone abzuweichen.

Was aber Spanien nicht will ist, dass die EU nun Spanien hier ein Ei ins Nest legt und seine Auslegung der Seerechte zum Nachteil Spaniens auslegt, nur um die Brexit-Verhandlungen schneller zu beenden. Deshalb ist eine Ausklammerung Gibraltars oder wenn man so will das Veto-Recht Spaniens, dass es kein vorschnelles Abkommen gegen seine Interessen zulässt, das Thema.

Nicht um Großbritannien zu ärgern. Denn beide Staaten verstehen sich bestens und kommen schon zu einer Regelung oder lassen dieses konkrete Thema eben für die nächstne 100 Jahre offen.

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AlBundee 19.11.2018, 21:16
42.

Wenn die Grossen Briten ihre havarierten Atom U-Boote nicht alle zwei Jahre ausgerechnet im Hafen von Gibraltar reparieren würden, sich nicht permanent mit der spanischen Schiffahrt in den Haaren liegen läge und Steuer- und Handelsrechtlich nicht ein Gebaren an den Tag legen würde, das man heute wie im 18. Jahrhundert als Freibeuterei bezeichnen kann, was eigentlich auch dem Rest der EU sauer aufstossen müsste, wären vielleicht auch die Beziehungen mit Spanien etwas entspannter. Gibraltar liegt in Europa, Ceuta und Melilla nicht. Es gehört zu GB, Ceuta und Melilla nicht. Deswegen ist es Bestandteil der Brexit-Problematik, Ceuta und Melilla nicht. Spanien lag mit Nordafrika in der Conquista und Reconquista 800 Jahre lang im Krieg und hat daher ein nachvollziehbares Sicherheitsbedürfnis. Der Beitrag, den Spanien Jahrzehntelang in der Europäischen Grenzsicherung geleistet hat, ist zudem nicht hoch genug einzuschätzen. Ceuta und Melilla sind derzeit die einzigen Nordafrikanischen Küsten, die sich nicht fest in der Hand von Menschenschmugglern befinden und von europäischen Interessen kontrolliert werden, dennoch war Spanien immer zur Stelle, als es galt abgewiesene Flüchlingsschiffe aufzunehmen, und den grössten Anteil von NGO-Hilfsorganisationen für Flüchtlinge in Seenot stellen Spanier. Deswegen ist manches unreflektierte und offenkundig uninformierte Franco- und Südländer-Geblubber hier einfach unerträglich.

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loncaros 19.11.2018, 21:26
43.

Zitat von TanjaFladra
Nicht in der Vergangenheit! Gibralatar wurde im 18 Jahrhundert an die Briten verloren. Damals war die Art der Landnahme völlig zeitgemäß. Aber seit 1945 hat die Welt beschlossen, das geht nicht mehr, das gilt allerdings nur für Neufälle. Also bitte nichts vergleichen was man nicht vergleichen kann.
Siegermächtelegislatur, ohne dass die Staaten, denen das Empire die vergangenen Jahrhunderte systematisch die besten Teile weggenommen hat, dagegen protestieren konnte.

Wie wäre es mal mit, DAS geht nicht mehr?!

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derblaueplanet 19.11.2018, 21:28
44. Wir leben in einer Zeit

Zitat von frankfurtbeat
stellt sich die Frage warum Merkel und Co nicht auch GB sanktionieren. Gibraltar ist spanisches Festland und wurde von england annektiert. Bei der Krim wettern alle gegen Russland - bei den Golan-Höhen, bei Gibraltart ist die annektion selbstverständlich und wird gebilligt? Wo leben wir denn eigentlich?
wo selbst derjenige, der von Politik und Geschichte nicht die geringste Ahnung hat, die Möglichkeit erhält, sich vor vielen Leuten öffentlich mit seiner peinlichen Unwissenheit zu brüsten, ohne rot zu werden, weil er sich oft einfach hinter einem falschen Namen tarnen darf.
Nur so viel: Gibraltar wurde im Frieden von Utrecht den siegreichen Briten zugesprochen, nachdem es von einer britisch-niederländischen Armee im spanischen Erbfolgekrieg erobert worden war. Ob die Golanhöhen völkerrechtlich legitimiert (durch das Recht auf Selbstverteidigung) oder nicht legitimiert durch Israel annektiert wurden, ist strittig. Unstrittig völkerrechtswidrig ist aber die Annexion der Krim.

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Hamberliner 19.11.2018, 21:39
45.

Zitat von frankfurtbeat
stellt sich die Frage warum Merkel und Co nicht auch GB sanktionieren. Gibraltar ist spanisches Festland und wurde von england annektiert.
Nach dem Frieden oder Vertrag von Utrecht hat die spanische Krone den Briten das unbefristete Nutzungsrecht über die Stadt, den Hafen und die Festung gewährt. Annektiert haben die Briten nur die Teile der Halbinsel, die sich außerhalb dessen befinden, etwa das Flughafengelände.

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Elementar 19.11.2018, 21:41
46.

Zitat von bigkahoona
Die sogenannten "Falklands" sind für Großbritannien doch nur von Interesse, weil dort Gasvorkommen vermutet werden. Wegen der paar Schafe und Tonnen von Mövenscheiße kann es nicht sein. Jeder Argentinier, ob rechts, links, oder liberale Mitte, hat zum Herrschaftsanspruch der Briten auf diesen Felsen im Meer, tausende Meilen von "Homeland" entfernt eine sehr klare Meinung die uns alle eint: Fuck off, Brittania. Das Empire kommt nicht zurück. Die Briten sollten sich langsam daran gewöhnen.
Das sind nicht die sog. sondern die Falkland Islands, streichen sie den anderen Begriff aus Ihrem Gehirn. Das ist unbestreitbares UK-Hoheitsgebiet, hören Sie auf, Fakten zu hintertreiben, falls Sie Krieg mit dem UK haben möchten, nur zu, bitte auf Ihre eigene Kappe. Wir kümmern uns wieder um Sie, wenn Sie im Zinksarg einreisen...

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n.schutta 19.11.2018, 21:42
47. Gibraltar - ich fasse es nicht

Moin,

Die streiten sich jetzt ernsthaft über ein paar km² mit 35 tsd Einwohnern? Wie bei einer Trennung, gemeinsame Wohnung wird aufgelöst und wegen einer strittigen Tafel Schokolade fligen die Fetzen. Ganz früher spielte das mal eine wichtige Rolle aber das ist doch längst egal. Meine Fresse, was für Idioten. Auf beiden Seiten.

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vulcan 19.11.2018, 21:55
48.

Zitat von moev
Also bei NI und Gibraltar kann man das sicher so sehen. Die Falklands sind aber so weit von Argentinien weg, da ist dessen Anspruch nur minimal größer als der von GB. Dann eher in die Unabhängigkeit entlassen.
So weit sind die Falklands von Argentinien nicht weg. Ändert aber nichts. Die Inseln sind britisch und Punkt. Da will auch niemand 'in die Unabhängigkeit entlassen' werden.

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Liberalitärer 19.11.2018, 21:56
49. Nichts Neues an der südlichen Front

Zitat von n.schutta
Moin, Die streiten sich jetzt ernsthaft über ein paar km² mit 35 tsd Einwohnern? Wie bei einer Trennung, gemeinsame Wohnung wird aufgelöst und wegen einer strittigen Tafel Schokolade fligen die Fetzen. Ganz früher spielte das mal eine wichtige Rolle aber das ist doch längst egal. Meine Fresse, was für Idioten. Auf beiden Seiten.
Nein, was den Brexit betrifft sind das weitgehend innpolitische Belange des UK. Was Spanien und Gibraltar betrifft, das gibt den üblichen Ärger, aber mehr auch nicht. Wahlkreismäißig ist Gibraltar nach Südwestengland verortet, etwas kurios, aber na gut. Außer ein paar Touristen auf Mallorca, die gibt es auch aus D, wird sich da nicht viel tun - meine "begründete" Vorhersage.

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