Forum: Politik
Wie gut ist die neue Führung für die SPD?

Der Kanzlerkandidat ist gekürt, Franz Müntefering ist zurück und sogar ex-Kanzler Schröder mischt bei der SPD wieder mit. Ist die Partei nun aus der Krise und gut aufgestellt für künftige Wahlkämpfe?

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SaJaSen 12.09.2008, 08:52
1.

Sorry, aber hätte man nicht im alten Thread weiter diskutieren können?

Zum Thema: Schaut man sich die vergangenen Erfolge der SPD unter Brandt, Schmidt und Schröder an, so war der Wechsel an der Parteispitze notwendig und mit Steinmeier und Müntefering sind die Chancen zur CDU aufzuschließen wieder gewachsen. Wahlen werden nicht durch eine Klientenpolitik gewonnen - wie es die Linke versucht - sondern dadurch dass man versucht die Mehrheit der Wähler politisch zu erreichen und anzusprechen. Es geht darum die Wechselwähler, die traditionell zwischen SPD, FDP und CDU wechseln politisch zu überzeugen, dass die Konzepte der SPD besser sind als die der konkurrierenden Parteien. Dies traue ich Steinmeier und Müntefering zu, da diese integrativ wirken und nicht wie die SPD-Linke und die Linke auf den Klassenkampf setzen, der in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß ist.

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Coolie 12.09.2008, 09:02
2.

Zitat von sysop
Der Kanzlerkandidat ist gekürt, Franz Müntefering ist zurück und sogar ex-Kanzler Schröder mischt bei der SPD wieder mit. Ist die Partei nun aus der Krise und gut aufgestellt für künftige Wahlkämpfe?
Nein. Jedenfalls ist bisher nichts in dieser Richtung zu entdecken. Wer gestern zufällig die Sendung "Maybritt Illner" gesehen hat, durfte feststellen, dass die Gräben zwischen den "Seeheimern" und den "Linken" in der Partei noch nie so tief waren. Wenn die SPD es nicht schafft, ein Wahlprogramm auf die Beine zu stellen, in dem der Schwerpunkt auf bezahlbare, soziale Gerechtigkeit liegt, dann siehts düster aus.

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venicius 12.09.2008, 09:06
3.

Zum erneuten Richtungswechsel der SPD hin zur Mitte (nach Rechts):

MMn ist diese Wendung hin nach Rechts das einzig Vernüntige, was die SPD in dieser Situation tun kann. Sie hat große Anteile der Wählerschaft an die LINKE verloren. Die CDU ist unverändert stärkste Partei. In dieser Situation zu versuchen, von der LINKEN die alten Wählerschaften wieder zurück zu gewinnen würde an der Gesamtsituation nichts ändern, sondern nur innerhalb der Blöcke Verschiebungen bedeuten. Die rechtskonservative Mitte stünde dem unverändert stark gegenüber und bedeutete keine Veränderung innerhalb der Parteieinlandschaft.

Einzig vernünftiger Weg kann für die SPD also nur sein, sich weiter zur Mitte (nach Rechts) zu begeben und zu versuchen, neue Wähler von CDU und FDP zu sich herüber zu ziehen, und so das konservative Lager zu schwächen. Ideal wäre die Herbeiführung einer Spaltung der CDU, wie es innerhalb der SPD geschehen ist. Der aktuelle Wahlkampf in Bayern und die vorgebliche Sozialdemokratisierung der CSU macht deutlich, dass dies nicht unmöglich ist.

Der Kurs der SPD ist also daher vernünftig, weil mit der Rückeroberung der nun LINKEN Wähler weiterhin keine Wahlen/Macht zu gewinnen ist. Dies erscheint nur möglich durch Schwächung der CDU/FDP und vergrößerung der Rechts-SPD in diese Richtung. Dass die CDU diese Gefahr erkannt hat wird dadurch deutlich, dass selbst hier eine aus CDU-Kreisen zumindest kritisierte Sozialdemokratisierung stattgefunden hat.

Die Stärkung der LINKEN hat also zu einem Auseinanderreißen der SPD geführt. Die SPD musste sich, um künftig Aussicht auf Wahlerfolge zu haben nach Rechts wenden und hier Kompetenzen gewinnen. Um dem stand zu halten versucht die CDU sich gleichsam nach Links zu wenden, wogegen sich der rechts CDU-Flügel zu wehren versucht. Gleichsam wird der rechts CDU-Flügel versuchen, die Partei weiter nach Rechts zu ziehen, während der linke Flügel den konservativen Kompetenz-Angriff der SPD abzuwehren hat.

Weitere Linkspolitik der SPD wäre also langfristig gesehen nicht produktiv. Die SPD könnte hierbei nichts gewinnen, sondern lediglich alte Verluste rückgängig zu machen versuchen, was die alten Verhältnisse mit einer moderat schwachen Linken gegenüber einer starken konservativen Mitte nur wiederherstellen würde. Ein möglicher Gewinn liegt für die SPD nur dort, wo sie die Konservative Mitte und damit CDU/FDP schwächen und für ihr eigenes Lager gewinnen kann. Daher ist die Wendung der SPD hin nach Rechts nur konsequent und einzig erfolgversprechend, daher einzig logischer Schritt.

Ich bin ganz bestimm kein Anhänger der SPD, um das mal klarzustellen. Die Sympathien, die ich weiterhin in geringem Maße für sie hege, stammen eher aus ihren historischen Wurzeln und der Tradition. Vielleicht nennt man es bestenfalls Nostalgie.

Ich nehme eben auch an, dass die hier gefällte Entscheidung für den Rechts-Kurs eine langfristige Strategie beinhaltet. Münte ist kaum noch an Regierung, Amt und Würden interessiert. Möglicherweise interessiert ihn sein historisches Ansehen und sein Platz in der Geschichte der Partei und der BRD.

Dass die SPD-Führung nicht sehenden Auges und in vollem Bewusstsein unbeirrt dem Untergang ihrer Partei entgegengeht und damit dem absoluten Tiefpunkt und der entsprechenden historischen Bewertung ihres historischen Erbes und Ansehens anvisiert, sollte eigentlich jedem hier klar sein müssen.

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tzscheche 12.09.2008, 09:09
4. No Future !

Zitat von sysop
Der Kanzlerkandidat ist gekürt, Franz Müntefering ist zurück und sogar ex-Kanzler Schröder mischt bei der SPD wieder mit. Ist die Partei nun aus der Krise und gut aufgestellt für künftige Wahlkämpfe?
In der Geschichte nennt man sowas wohl Gegenreformation:-)
oder besser:Konterrevolution:-))

Dass die abgewrackte und zerrissene SPD ihre alte Wahlkampfmaschine wieder rausholt ist im Grunde traurig, zeigt es doch, wie nachhaltig die Partei ausgeblutet ist.
Erschreckend ist doch, wie wenig Zukunftsperspektive sich in diesen jüngsten "Entscheidungen" ausdrückt. Wenn jetzt Leute wie Struck von "Neuanfang" reden, klingt das für mich fast schon zynisch...

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Henner Dehn 12.09.2008, 09:17
5.

Zitat von SaJaSen
Sorry, aber hätte man nicht im alten Thread weiter diskutieren können? Zum Thema: Schaut man sich die vergangenen Erfolge der SPD unter Brandt, Schmidt und Schröder an, so war der Wechsel an der Parteispitze notwendig und mit Steinmeier und Müntefering sind die Chancen zur CDU aufzuschließen....
Ausser einen abgetauchten Steinmeier bei den wichtigen Fragen konnte ich da bisher nichts feststellen.

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SaJaSen 12.09.2008, 09:18
6.

Zitat von Coolie
Wer gestern zufällig die Sendung "Maybritt Illner" gesehen hat, durfte feststellen, dass die Gräben zwischen den "Seeheimern" und den "Linken" in der Partei noch nie so tief waren.
Die Gräben hat es immer gegeben und wenn ich mir die Gästeliste anschaue... Stegner, mehr Populist als Linker, der innerparteilich die Fahne in den Wind hält und als Landesvorsitzender schon längst abgewählt worden wäre, wenn man nicht den Gegenkandidaten solange "gut" zugeredet hätte bis dieser seine Kandidatur zurück zog (warum wohl), über Dreßler muss man nicht viel schreiben und zu Kahrs habe ich seit seinem "Verhalten" gegenüber Silke Dose meine eigene Meinung. Und Brigitte Seebacher-Brandt-Kopper ... Wasser predigen und Wein trinken? Jeder muss sich selbst ein Bild dieser illusteren Runde machen. Für mich ein weiterer Grund diese politische Volksverdummung von Illner - oder Will - nicht mehr anzusehen.

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SaJaSen 12.09.2008, 09:24
7.

[QUOTE=tzscheche;2733513]In der Geschichte nennt man sowas ... Konterrevolution
In der Geschichte wurde Konterrevolution immer als Gefahr für die eigene Macht gesehen. Wenn man nun von Seiten der Linken diesen Begriff hört, bedeutet dies nur, dass dieser notwendige Wechsel alles andere als Falsch war ;-)

Zitat von tzscheche
Dass die abgewrackte und zerrissene SPD ihre alte Wahlkampfmaschine wieder rausholt ist im Grunde traurig, zeigt es doch, wie nachhaltig die Partei ausgeblutet ist.
Tja, nur hat genau diese SPD 1998 die Wahl gewonnen (sicherlich hatte die Müdigkeit nach 16 Jahren Kohl dazu beigetragen). Ob die SPD wirklich abgewrackt ist - oder Störer, Querulanten etc inzwischen los wurde - wird sich zeigen. Die Zerrissenheit zwischen den Flügeln der SPD hat es schon immer gegeben, deshalb muss diese nicht überbewertet werden. Und gerade diese Zerrissenheit zwischen den Flügeln zeigt sehr deutlich, dass die Partei alles andere als ausgeblutet ist, es herrschen Konflikte, es herrscht Leben in der SPD.

Zitat von tzscheche
Erschreckend ist doch, wie wenig Zukunftsperspektive sich in diesen jüngsten "Entscheidungen" ausdrückt.
Ich sehe endlich wieder eine Zukunft - Dank dieser "Entscheidungen"!

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Morotti 12.09.2008, 09:26
8.

Zitat von SaJaSen
so war der Wechsel an der Parteispitze notwendig und mit Steinmeier und Müntefering sind die Chancen zur CDU aufzuschließen wieder gewachsen.
Was meinen Sie?

Die Prozente bei den Wahlen, oder die Annäherung an die Progamatik der CDU?

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Morotti 12.09.2008, 09:32
9.

Zitat von SaJaSen
Die Gräben hat es immer gegeben und wenn ich mir die Gästeliste anschaue... Stegner, mehr Populist als Linker, der innerparteilich die Fahne in den Wind hält und als Landesvorsitzender schon längst ....
Einen besseren Beitrag zur inneren Zerissenheit der SPD kann man nicht schreiben.

Wohin hängen Sie denn Ihre Fahne?

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