Forum: Politik
Wiedervereinigung: Platzeck kritisiert westdeutsche "Anschlusshaltung"

Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.

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Adran 29.08.2010, 12:22
20. oh backe..

Zitat von verwunderter
Beim Lesen dieses Satzes ist mir als lebenslänglichem und parteilosem Brandenburger die Kinnlade heruntergeklappt. Die Deindustrialisierung hat ihre Haupt-Ursachen nicht im Beitritt. Man muss ja nur mit Polen vergleichen und hochrechnen, was passiert wäre, wenn es keinen Beitritt gegeben hätte - mit einer zusätzlich erschwerenden, für die extrem marode Wirtschaft tödlichen Abwanderung der intelligenten Köpfe nach Westdeutschland.
Grade Polen ist ein bsp, dass es auch ohne WV gegangen wäre.
Allein mit der Einführung der DM, gab es einen Aufwertungsdruck, dass der Rest von Wirtschaftskraft in die Knie zwang.
Wenn die Deutsche Exportindustrie schon bei einem Wechselkurs von 1,60 $ zum Euro stöhnt, und schon abwanderungstendenzen sichtbar werden, wie sollte dann bitte, die schwache DDR Wirtschaft mit Ostprodukten zu Westpreisen noch irgendwas absetzen können?
Das war einer der vielen Knackpunkte, die jede Sanierung der Wirtschaft unmöglich machten, und damit den Todesstoß versetzt haben.
Und wenn ich das Märchen von der Abwanderung höre, wo allein Brandenburg 1,5 Millionen Bürger von 1990 verloren hat (umkehrbewegung 1,4 Mio dazu bekam, meist Berliner die aufs Land zogen) fass ich mich langsam an den Kopf..
Was hätte da noch schlimmer sein können??


Zitat von
Mir persönlich hat bis heute kein einziger Westdeutscher versucht, das Gefühl zu vermitteln, ich müsse alles wegwerfen, von wegen Stasi- und Ideologie-Verseuchung.
in den Forum sind sie eindeutig neu..
Das kriegt man hier pausenlos um die ohren gehauen..

Zitat von
Ich wundere mich vielmehr, dass der Spitzenvertreter der Partei, die seit 20 Jahren die Geschicke meines Bundeslandes in der Hand hat, und amtierende Ministerpräsident die Verantwortung für "viele gesellschaftliche Verwerfungen" auf eine westdeutsche "Anschlusshaltung" abwälzen will.
Das ist ja nun ziemlicher Blödsinn..
Sieht man sich an, was Brandenburg vorher für eine Universität und Hochschullandschaft hat, und was sie jetzt vorzuweisen haben, ist jawohl einiges passiert..
Grade dies wurde unter der Ampel angestoßen, und nachher von anderen Regierungen weiter geführt.
Nur Sachsen hat weniger Verschuldung pro Kopf unter den neuen Bundesländern.
Das sind durchaus Achtungserfolge..


Zitat von
Mit der vor über 20 Jahren gewonnenen Freiheit wurde auch die Eigenverantwortung errungen - und hierzu gehört auch Eigeninitiative. Was soll dieser ungesunde, kontraproduktive Drang nach "Anerkennung" und diese nicht nachvollziehbare Schuldzuweisung? Was soll das Verschweigen eigener Verantwortlichkeit? Was soll dieses unzutreffende Gejammere, es fehlten selbst kleinste symbolische Gesten? Als einzige, halbwegs plausible Erklärung bleibt nur zu vermuten, dass er für die Verbesserung der "Zusammenarbeit" mit seinem aktuellen Koalitionspartner ein gemeinsames Feindbild konstruieren möchte: das Böse im Westdeutschen. Aber selbst das wäre extrem kontraproduktiv und bedenklich. Langsam kriegt der Begriff "kleine DDR" seine alte Zweitbedeutung zurück: Der Doofe Rest (vgl. Pisa).
jaja die kleine DDR..
Ich kriegel mich hier langsam, wie oft der Begriff hervorgeholt wird..

met vriendlijken Groeten van Vlaaming.

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cosmo72 29.08.2010, 12:41
21. haben Sies noch nicht mitbekommen ?

Zitat von ingrid wild
Natürlich wurden Fehler gemacht. Aber das weiss man jetzt, 20 Jahre später. Damals waren ganz andere Zeiten. Überall gibt es Licht und Schatten, trotz allem bin ich dankbar für die Wiedervereinigung - egal was linke Ossis, linke Wessis, rechte Ossis, rechte Wessis oder sonstwer sagen oder schreiben. 37 Jahre DDR sind genug - wer sie wieder haben will soll sich selber eine gründen. Am besten weit weit weg von mir!
Die DDR 3.0 entsteht gerade um sie herum!

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Hovac 29.08.2010, 12:43
22. Das

kotzt einen doch langsam an, keine Statistik, keine Meldung in der ewig gestrige Schreiberlinge keine Ost-West Trennung machen. Kann man damit immer noch provozieren? Wo liegt da der Sinn, wollen einige den Graben immer noch bewußt hochhalten. Es haben alle profitiert, und sein es nur das die Großunternehmen durch den größeren heimischen Markt eine bessere Ausgangsposition für die Globalisierung hatten.
Wir haben 16 Bundesländer - fertig. Immer diese die anderen sind Schuld, aber was will man von Politikern unseres Demokratursystem auch schon erwarten.

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Hovac 29.08.2010, 12:44
23. Illusion

Zitat von Kermit2
Wenn die ostdeutsche Industrie auf hohem Niveau war, hätte es die Vereinigung nicht gegeben. Hätte der Staat DDR nicht längst den finanziellen Offenbarungseid abgelegt, wäre die Revolution 1989 keinesfalls unblutig verlaufen. Wer hat den geschrien:Kommt die D Mark nicht zu uns gehen wir zu ihr? Wir im Westen bedauern das keinesfalls, die Vereinigung hat uns so schon sehr weit nach unten gezogen. Wir wurden nicht gefragt, haben auch nichts gefordert, zahlt auch keiner Soli-Zuschlag für uns obwohl auch unsere Länder/Kommunen Kosten haben. .
Nach unten gezogen?
Ganz im Gegenteil, die jetzigen Probleme aus dem demokratischem Wandel und der steigenden Überfremdung sind dank Wiedervereinigung 15 Jahre nach hinten geschoben worden.

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Adran 29.08.2010, 12:51
24. Natürlich Dacord--nie wieder DDR

Zitat von ingrid wild
Natürlich wurden Fehler gemacht. Aber das weiss man jetzt, 20 Jahre später. Damals waren ganz andere Zeiten. Überall gibt es Licht und Schatten, trotz allem bin ich dankbar für die Wiedervereinigung - egal was linke Ossis, linke Wessis, rechte Ossis, rechte Wessis oder sonstwer sagen oder schreiben. 37 Jahre DDR sind genug - wer sie wieder haben will soll sich selber eine gründen. Am besten weit weit weg von mir!
Das geht mir genauso..
Unabhängig von den Fehlern, die da gemacht wurden..
Eine Neue DDR never, nein Danke, ein versuch hat mehr als gereicht.
Dann doch bitte an Mäusen vorher ausprobieren.
Aber Unabhängig davon, wäre eine Aufarbeitung der Ereignisse und ein gemeinsames Verstehen angezeigt.
Aus fehlern muss man lernen, aber dafür brauch man erstmal eine Fehleranalyse, und die fehlt gänzlich.
Mittlerweile scheint man ehr dazu zu neigen, alles was falsch lief, gleich mal der DDR und den Ostdeutschen in die Schuhe schieben zu wollen, und das ist offen gesagt, viel zu kurz und einfach gedacht..

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solarfighter 29.08.2010, 12:53
25. Kleiner Rückblick in die Geschichte

Zitat von Kermit2
Wenn die ostdeutsche Industrie auf hohem Niveau war, hätte es die Vereinigung nicht gegeben. Hätte der Staat DDR nicht längst den finanziellen Offenbarungseid abgelegt, wäre die Revolution 1989 keinesfalls unblutig verlaufen. Wer hat den geschrien:Kommt die D Mark nicht zu uns gehen wir zu ihr? ...
Ganz so einfach war es dann doch nicht. Die DDR hatte wesentlich weniger Schulden, als die West-Länder. Die Wiedervereinigung war einfach auch der bequeme Weg aus dem Sozialismus, der natürlich von den omnipräsenten West-Medien gepuscht wurde. Die Bürgerrechtler im Osten, die erst einmal ein eigenes Konzept für die DDR entwickeln und dann auf Augenhöhe mit der BRD diskutieren wollten, wurden durch die Propaganda genadenlos marginalisiert.

Gewählt wurde dann der Hansel, dem man ein gutes Feilschen für die Konditionen zutraute. Heute wissen wir, das der letzte Regierungschef der DDR ein Stasi-Spitzel und damit Marionette von Kohl gewesen war. Als der Lothar dann nach der Wiedervereinigung anfing zu mosern, wurde er auch gnadenlos abserviert.

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Zorpheus 29.08.2010, 13:07
26. nicht nur der Westen

Er hat ja Recht damit, dass bei der Vereinigung viel schief gelaufen ist, aber die Schuld allein dem Westen zu geben ist Unsinn, wir hier im Osten sind nicht ganz unschuldig.
Ich glaube es gab 3 wichtige Fehler:
1) die Umstellung der Währung 1:1 mit viel zu schnell steigenden Löhnen im Osten. Auch die Umstellung bei Umweltschutzauflagen hätte nicht so schnell, nicht ohne finanzielle Hilfen erfolgen dürfen.
2) die Entsorgung der gesamten ehemaligen Führungselite. Jeder Verantwortliche war in der DDR in der SED, und die Stasi dürfte auch zu vielen Kontakte gehabt haben. Mit der Wende ging die Macht komplett an Menschen, die keine Erfahrung mit der Führung des Staates hatten, da man ehemalige SED-Mitglieder kaum akzeptierte und jeder mit Stasi-Akte sofort entsorgt wurde.
3) das Nicht-Erlassen der Schulden der Betriebe. Diese waren eigentlich Schulden der DDR, die nur rein formal auf die volkseigenen Betriebe verteilt wurden. Das erschwerte zusätzlich den Firmen das Überleben

Die schnelle Vereinigung war das Werk der CDU auf beiden Seiten, die damit auf Stimmenfang gegangen ist. Vielleicht ging es aber auch nicht anders, weil die Besatzungsmächte die Vereinigung später vielleicht nicht akzeptiert hätten, oder das deutsche Volk gemerkt hätte, dass die Lohnunterschiede das unmöglich machen.
Die Entsorgung der Elite würde ich den Leuten zuschieben, die nach der Wende im Osten die Macht übernommen haben.
Das Nicht-Erlassen der Schulden war auch das Ergebnis von Unerfahrenheit und der übereilten Vereinigung.
Es war eine schwierige Situation ohne Präzedenzfall. Und man hat die Probleme auf beiden Seiten nicht vorher erkannt.

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Steve Holmes 29.08.2010, 13:10
27. .

Zitat von Lebesque
Das haben wir vor 20 Jahren als junge Westdeutsche auch kritisiert. Die Vereinigung kam uns eher vor, wie eine Annektion der DDR. Vor allem, weil sich die Regierung Kohl den westdeutschen Industriebossen gebeugt und die ganze ostdeutsche Industrie platt gemacht hat, die doch auf einem hohen Qualitätsniveau war und gute Absatzmärkte in Osteuropa hatte.
Also "wir", als damals junge Westdeutsche, haben das durchaus nicht so gesehen. Die DDR war Pleite und mußte saniert werden. Das haben die Westdeutschen teuer bezahlt.

Die "guten Absatzmärkte in Osteuropa" waren 1990 nicht mehr vorhanden. Nachdem die im Westen einkaufen konnten wollten die von DDR Produkten nichts mehr wissen. Wer kauft schon freiwillig einen Computer von Robotron wenn er einen von IBM, Apple, Dell, etc kaufen kann?

Ich erinnere mich noch an Besuche in Ostberlin vor der Wende und wie trostlos es da aussah. Zur Zeit bin ich zu Besuch in Deutschland und genieße den Charme und Luxus unter den Linden in Berlin.

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rathals 29.08.2010, 13:14
28. Platzeck

Zitat von sysop
Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.

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rathals 29.08.2010, 13:29
29. Platzeck kritisiert Anschlusshaltung

Für die vielen überflüssigen Politiker- wie auch er einer ist - wäre es besser, die Klappe zu halten. Gelder sind bisher genug geflossen und es werden weiterhin Zahlungen erfolgen. Wenn hohe Beträge nur zur Finanzierung eines aufgeblähten, überflüssigen Bundesland-Haushaltes benötigt werden, sollte man über eine Zusammenlegung mit anderen Bundesländer nachdenken und somit effizienter zu wirken, auch unter der Gefahr, dass dann viele Politiker H4-Unterhalt beziehen.

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