Forum: Politik
Wiedervereinigung: Platzeck kritisiert westdeutsche "Anschlusshaltung"

Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.

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verwunderter 29.08.2010, 15:13
40. Eigenverantwortung, Eigenverantwortung, Eigenverantwortung ...

Zitat von Adran
In berlin und Brandenburg fand defakto ein Bevölkerungssautausch statt. Wenn bei 2,55 Mio Brandenburgern, 1,5 Mio abwandern, und 1.4 Mio wieder zuziehen, dürfte das eigentlich alles sagen. Soviel auch zur "kleinen DDR", da von der Urbevölkerung kaum noch was da ist.. Als Urbrandenburger erkennt man seine Alte Heimat kaum wieder. In meinem Kleinen ört mit 700 Einwohnern, sind nahe zu 40 % zugezogene. In anderen Orten, grade im Speckgürtel, kann das locker 70-80% sein..
Genau, den übriggebliebenen Ostdeutschen gibt es nur noch fern ab von Berlin in der finsteren Provinz, in der es kaum Zuzug, geschweige denn ausreichend Nachwuchs gibt. Da sind die jungen Hoffnungsträger oftmals längst abgehauen, es bleiben überwiegend Rentner, Verwaltungsbeamte, Arbeitslose, Ostalgiker. Verirrt man sich mal in so eine Gegend, wird man überwiegend von grimmigen Gesichtern angestarrt, manch ein Ausländer hätte sofort das Gefühl von Fremdenfeindlichkeit.

Jetzt stellen Sie sich das ganze Szenario mal vor, wenn es keinen Grund für einen Zuzug z.B. in den Speckgürtel gäbe und noch mehr Leute die Flucht ergriffen hätten. Das Land wär jetzt schon so gut wie tot. Die Hochschullandschaft gäbe es so auch nicht - eine Vielzahl von Forschungsinstituten wird im übrigen zu mindestens 50 % vom Bund finanziert, auch an den Universitäten wird viel von Drittmitteln getragen, die nicht aus Brandenburg kommen.

Die Wirtschafts- und Währungsunion gab es seit dem 1.7.1990, also auch schon vor dem Beitrags-Beschluss der Volkskammer Ende August 1990. Und in Polen ging es in den 90ern ganz heftig zu - Inflationsraten von teilweise über 70 % im Jahr, schließlich 1997 eine Währungsreform 10.000 Zloty zu 1 Zloty, Arbeitslosigkeit auch oberhalb von 15 % .... Unvergessen die vielen polnischen Hochschulabsolventen, die ihr Glück auf den Polenmärkten in Deutschland suchten oder auch heute noch als billige Arbeitskräfte für Ernte oder Malerarbeiten nach Deutschland oder noch weiter gen Westeuropa kommen.

Umso unverständlicher ist immer noch die Verantwortungsabwälzung für die "gesellschaftlichen Verwerfungen" auf die gemeine westdeutsche "Anschlusshaltung" ... Erfolge will man sich an die eigene Brust helfen - an den Problemen sind immer die bösen Anderen schuld. Gesund ist was anderes, die Jagd nach Anerkennung ("Respekt") im Zusammenhang mit ständigen Schuldzuweisungen an den Anderen ist ziemlich bedenklich .... ;-)

Die kleine DDR spielt sich zum Glück nur noch in den Köpfen einer Minderheit ab, auf die aber immer mehr die andere Bedeutung von "DerDoofeRest" zutrifft. Vgl. auch die erschreckenden Unterschiede der Bildung zwischen Schülern im Speckgürtel und in der Provinz: http://www.pnn.de/titelseite/324124/

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ingrid wild 29.08.2010, 15:29
41. Ich bitte um Entschuldigung

Zitat von Adran
Grade mit dem letzten Satz haben sie sich für jede Diskussion disqualifiziert.. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Fläminger, meine Heimat verlasse, halte ich für sehr gering. Das ist die Heimat meiner Vorfahren.. Politische Systeme kommen und gehen, wir bleiben, und so hielt es meine Familie schon seid Jahrhunderten. Und mal so nebenbei, Stamme ich grade von Niederländern, Flamen ab.. Meine Familie lebte schon in der Heimat, da war von Deutschland noch nicht mal die Rede..
Meine Papiere sind leider bei der Sintflut untergegangen. Ansonsten kann ich es nur bedauern dass Sie und Ihre Familie nicht gefragt wurde als es um die Wiedervereinigung

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ingrid wild 29.08.2010, 15:32
42. Nun ja

Zitat von verwunderter
Genau, den übriggebliebenen Ostdeutschen gibt es nur noch fern ab von Berlin in der finsteren Provinz, in der es kaum Zuzug, geschweige denn ausreichend Nachwuchs gibt. Da sind die jungen Hoffnungsträger oftmals längst abgehauen, es bleiben überwiegend Rentner, Verwaltungsbeamte, Arbeitslose, Ostalgiker. Verirrt man sich mal in so eine Gegend, wird man überwiegend von grimmigen Gesichtern angestarrt, manch ein Ausländer hätte sofort das Gefühl von Fremdenfeindlichkeit. Jetzt stellen Sie sich das ganze Szenario mal vor, wenn es keinen Grund für einen Zuzug z.B. in den Speckgürtel gäbe und noch mehr Leute die Flucht ergriffen hätten. Das Land wär jetzt schon so gut wie tot. Die Hochschullandschaft gäbe es so auch nicht - eine Vielzahl von Forschungsinstituten wird im übrigen zu mindestens 50 % vom Bund finanziert, auch an den Universitäten wird viel von Drittmitteln getragen, die nicht aus Brandenburg kommen. Die Wirtschafts- und Währungsunion gab es seit dem 1.7.1990, also auch schon vor dem Beitrags-Beschluss der Volkskammer Ende August 1990. Und in Polen ging es in den 90ern ganz heftig zu - Inflationsraten von teilweise über 70 % im Jahr, schließlich 1997 eine Währungsreform 10.000 Zloty zu 1 Zloty, Arbeitslosigkeit auch oberhalb von 15 % .... Unvergessen die vielen polnischen Hochschulabsolventen, die ihr Glück auf den Polenmärkten in Deutschland suchten oder auch heute noch als billige Arbeitskräfte für Ernte oder Malerarbeiten nach Deutschland oder noch weiter gen Westeuropa kommen. Umso unverständlicher ist immer noch die Verantwortungsabwälzung für die "gesellschaftlichen Verwerfungen" auf die gemeine westdeutsche "Anschlusshaltung" ... Erfolge will man sich an die eigene Brust helfen - an den Problemen sind immer die bösen Anderen schuld. Gesund ist was anderes, die Jagd nach Anerkennung ("Respekt") im Zusammenhang mit ständigen Schuldzuweisungen an den Anderen ist ziemlich bedenklich .... ;-) Die kleine DDR spielt sich zum Glück nur noch in den Köpfen einer Minderheit ab, auf die aber immer mehr die andere Bedeutung von "DerDoofeRest" zutrifft. Vgl. auch die erschreckenden Unterschiede der Bildung zwischen Schülern im Speckgürtel und in der Provinz:
http://www.sachsen-macht-schule.de/s...327.htm?id=198

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schwarzer Schmetterling 29.08.2010, 15:42
43. ich wähle zwar die Sozis nicht,

Zitat von sysop
Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.
aber daran ist nicht der Herr aus Babelsberg schuld.

Seine Worte werden ihm viel Ärger einbringen - soviel sei gewiss.
Eines aber hat er vergessen - es war keine WIEDERVEREINIGUNG sondern ein Anschluss, also eine Unterordnung. Eine wirkliche Wiervereinigung war nicht gewünscht, sie hätte nicht nur eine wirkliche deutsche Verfassung gebracht, sondern auch viele Bürger und Politiker des Westens zum Umdenken gezwungen. Dieselben, die sich großkotzig hinstellen und behaupten: Wir Deutschen haben die Mauer weggerissen. Irrtum - es waren die DDR-Bürger. Soviel dazu.

Was das Klagen über die Deindustrialisierung betrifft - es wurde genug gewarnt vor der schlechten Produktivität und der einseitigen Ost-Orientierung im Osten. Verkauft wurde aber durch den Staat an oft windige Geschäftsleute, die oft die eigene Konkurrenz kauften und dann dicht machten.
Den mit der Deindustrialisierung verbundenen Mezzogiorno-Effekt kann man nicht mehr rückgängig machen. Der Osten wird in Zukunft viel Platz und Raum bieten.

Was den Komplettumzug betrifft - haha - müsste erstmal die Beamtenmafia neutralisiert werden - das aber ist ein Wunschtraum.

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flower power 29.08.2010, 16:02
44. Richtig

Zitat von Lebesque
Das haben wir vor 20 Jahren als junge Westdeutsche auch kritisiert. Die Vereinigung kam uns eher vor, wie eine Annektion der DDR. Vor allem, weil sich die Regierung Kohl den westdeutschen Industriebossen gebeugt und die ganze ostdeutsche Industrie platt gemacht hat, die doch auf einem hohen Qualitätsniveau war und gute Absatzmärkte in Osteuropa hatte. Tut mir leid liebe Ostdeutsche! Wir im Westen bedauern das auch. Wir hatten halt eine korrupte Regierung damals. Und einer der damals mit an der Schrauben gedreht hat ist heute noch dabei.
....auch bitte nicht die schleimigen Wendehälse vergessen. Die dem Westen nach dem Wort redeten und nur an ihren vorteil dachten. Diese sind auch Schuld an der Niedermachung der Ost-Industrie. Dazu gehört auch Kohl´s Mädchen.... Sorrý, aber die Wiedervereinigung hätte anders laufen müssen, mit mehr Ehrlichkeit und Achtung vor den Ostdeutschen Mitbürgern. Nicht alles war schlecht in der DDR. Ich als Wessi habe das nahe miterlebt, wie die Treuhand - welch ein blöder Name - den ganzen Osten verhauen hat. Alles zum wohle der Wessi-Industrie.

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Zorpheus 29.08.2010, 16:08
45. Ergänzung

Wobei, ich würde die Hauptursache für die Probleme doch eher in der fehlenden Erfahrung der Führung sehen.
Aber Platzeck hat in so fern Recht, dass sie der Westen nicht so verhalten hat, wie man es hier erwartet hat.
Im Westen ist bei Verhandlungen jeder selbst dafür verantwortlich, seine eigenen Interessen zu wahren. Im Osten ist die Einstellung dazu anders. Hier schaut man immer, ob die andere Seite gut weg kommt und mit dem Ergebnis leben kann, und das hat man auch vom Westen erwartet. Unsere Politiker waren nicht sehr gut darin, unsere Interessen zu erkennen, und die Westlichen haben sich garnicht um unsere Interessen gekümmert. Die "Ossis" haben erwartet, dass der Westen den Osten nicht über den Tisch zieht und gesamtheitlich durchdachte Vorschläge macht. Das wäre auch im Interesse des Westens gewesen, weil wir dann jetzt besser zusammenleben würden. Aber diese Sichtweise kennt man dort glaube ich kaum...

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Adran 29.08.2010, 16:20
46. Erster Teil..

Zitat von verwunderter
Genau, den übriggebliebenen Ostdeutschen gibt es nur noch fern ab von Berlin in der finsteren Provinz, in der es kaum Zuzug, geschweige denn ausreichend Nachwuchs gibt. Da sind die jungen Hoffnungsträger oftmals längst abgehauen, es bleiben überwiegend Rentner, Verwaltungsbeamte, Arbeitslose, Ostalgiker. Verirrt man sich mal in so eine Gegend, wird man überwiegend von grimmigen Gesichtern angestarrt, manch ein Ausländer hätte sofort das Gefühl von Fremdenfeindlichkeit.
Also doch ein zugereister, und kein Urbrandenburger..
Hab ich es mir doch gedacht..

Zitat von
Jetzt stellen Sie sich das ganze Szenario mal vor, wenn es keinen Grund für einen Zuzug z.B. in den Speckgürtel gäbe und noch mehr Leute die Flucht ergriffen hätten. Das Land wär jetzt schon so gut wie tot. Die Hochschullandschaft gäbe es so auch nicht - eine Vielzahl von Forschungsinstituten wird im übrigen zu mindestens 50 % vom Bund finanziert, auch an den Universitäten wird viel von Drittmitteln getragen, die nicht aus Brandenburg kommen.
Leibnitz Institute werden zu 50% vom Bund, und 50% vom Land finanziert.
Helmholtz-Instute 90% Bund, und 10% Land. (Daher auch der Witz mit Schleswigholstein, die scheinbar eine Kreative Möglicheit fanden Geld zu sparen
http://www.academics.de/wissenschaft...ein_38752.html)
Und über Drittelmittelprojekte brauchen sie mich auch nicht aufklären, da ich an so einem Projekt grade beschäftigt bin.
Nebenbei hat der Zuzug schon 1990 begonnen, und die ersten waren wieder die Niederländer
http://www.d-nl.net/k_v/ava/archiv/a...#_Toc422822226




Zitat von
Die Wirtschafts- und Währungsunion gab es seit dem 1.7.1990, also auch schon vor dem Beitrags-Beschluss der Volkskammer Ende August 1990.
was gab es den da eigentlich noch zu wählen?
Und nebenbei, bin ich nicht gegen die WV, sondern wie sie ablief..

Zitat von
Und in Polen ging es in den 90ern ganz heftig zu - Inflationsraten von teilweise über 70 % im Jahr, schließlich 1997 eine Währungsreform 10.000 Zloty zu 1 Zloty, Arbeitslosigkeit auch oberhalb von 15 % .... Unvergessen die vielen polnischen Hochschulabsolventen, die ihr Glück auf den Polenmärkten in Deutschland suchten oder auch heute noch als billige Arbeitskräfte für Ernte oder Malerarbeiten nach Deutschland oder noch weiter gen Westeuropa kommen.
Was sie beschreiben, war die Blitztransformation in Polen.
Auch als Schocktherapie bekannt.
http://bti2003.bertelsmann-transform....de/169.0.html
Viele Wege führen nach Rom.
Allen geht gemein, dass Teile der Wirtschaft verschwinden, in dem Fall die unproduktiven, und es soziale Verwerfungen gibt (Massenarbeitslosigkeit usw)
Wie man transformiert, und welchen Zeitrahmen, inkl Sozialer Verwerfungen, bleibt jedem überlassen..

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Mulharste 29.08.2010, 16:23
47. -

Zitat von MichaelNW3
Die Kritik an den fehlenden Symbolen ist eine Frechheit. Mit dem Soli und dem Ostförderung sollten genug Symbole vorhanden sein. Während die Infrastruktur im Westen immer weiter den Bach runter geht, erblüht der Osten in neuem alten Glanz. Frau Merkel tut ja auch nach wie vor alles um ihre alte Heimat zu subventionieren.
Aus SIe haben wie so viele Westdeutsche den Soli nicht verstanden. Aber wir haben goldene Bürgersteige...jaja..schon gut.

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Adran 29.08.2010, 16:25
48. Wie wäre mal es mit lesen..

Zitat von ingrid wild
Meine Papiere sind leider bei der Sintflut untergegangen. Ansonsten kann ich es nur bedauern dass Sie und Ihre Familie nicht gefragt wurde als es um die Wiedervereinigung

Ich habe nirgendwo geschrieben, dass ich gegen die WV war, sondern nur darauf Aufmerksam gemacht, dass es andere Perspektiven gab.
Wenn sie dann unterstellen, dass man doch Abhauen kann, wenn es einen nicht passt, ist das nicht nur unverschämt, sondern auch im Kontext, eine Frechheit.
Weder einem Sorben, noch einem regionalbewussten Flamen, sollte man das an den Kopf knallen..

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schwarzer Schmetterling 29.08.2010, 16:27
49. und was

Zitat von flower power
Alles zum wohle der Wessi-Industrie.
bitte ist heute anders? Nichts.

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