Forum: Politik
Wiedervereinigung: Platzeck kritisiert westdeutsche "Anschlusshaltung"

Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.

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schensu 29.08.2010, 16:46
60. ;o)

Zitat von Alf.Edel
Tja, was soll man dazu sagen? Wer hat wohl die ganzen Milliarden eingesackt? Vermutlich war es so, daß die ganzen abgewrackten DDR-Betriebe nicht mehr wert waren? Ich denke, international hat man den Wert der DDR damals massiv überschätzt! Da ist die BRD wohl auf die sozialistische Propagandamaschine mit den täglichen Jubelmeldungen aus der "Aktuellen Kamera" reingefallen... Und dann kommt man halt nur mit einem Negativsaldo aus der ganzen Sache raus. Ist wie bei einer Insolvenz... Vermutlich wäre es mit diesem Wissen überhaupt nicht zu einem Anschluß der DDR gekommen? Dann hätten Sie und einige andere hier ein Refugium, um Ihren sozialistischen Träumen nachzuhängen und Ihre marxistischen Ideale zu verwirklichen. Das wäre bestimmt schön, oder?
Schön wäre es, wenn sich an diesen "netten" Versuch der Darreichung diffusen Bauchgrummelns nach übermäßigem Genuss mainstreamiger Seichtinfos und überheblicher aber gleichwohl überflüssiger Vorschläge ein paar belegte Fakten anschließen würden.

Was halten Sie z.B. von folgender Aussage:
"...dass der Vermögenstransfer einerseits den Transferbedarf Ostdeutschlands mitbegründet, andererseits aber möglicherweise auch dazu beigetragen hat, die Transferleistungen für Ostdeutschland ökonomisch zu ermöglichen."
Quelle: U. Busch, "Am Tropf", S. 114

Wie bewerten Sie folgende Tatsache:
"Die privaten Netto-Geldvermögen wuchsen sprunghaft ab 1991 an, der Zuwachs betrug 1991 76,43 Mrd. Euro, 1992 79,01 Mrd. Euro und im Krisenjahr 1993 noch 72,46 Mrd. Euro."
Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistische Sonderveröffentlichung Nr. 4, S. 42 ff.

Vielleicht trägt diese Art Medizin zu einer "Heilung" des Wahrnehmungssinns mancher bei. Sie mag zwar bitter schmecken, aber Sie wissen ja: Nur dann hilft sie. ;o)

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Steve Holmes 29.08.2010, 16:50
61. .

Zitat von flower power
Sorrý, aber die Wiedervereinigung hätte anders laufen müssen, mit mehr Ehrlichkeit und Achtung vor den Ostdeutschen Mitbürgern.
Es war ein Beitritt in ein bestehendes System der Bundesrepublik Deutschland und nicht die Schaffung eines neuen Systems von zwei gleichen Partnern. Und zwar auf Wunsch und Antrag durch die damalige DDR, die Pleite war und am Boden lag.

Zitat von flower power
Nicht alles war schlecht in der DDR.
Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Sie war jedoch nicht überlebensfähig und es war nicht der Wunsch ihrer Bürger einen eigenen Staat weiter zu führen der im Vergleich sehr arm gewesen wäre. Sie wollten lieber vom den enormen Transferleistungen profitieren.

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waldemar.l. 29.08.2010, 16:52
62. Ist dieser...

Zitat von sysop
Die Einheit hält er zwar für eine "große Leistung", doch mit ihrem Ablauf ist Matthias Platzeck nicht einverstanden. Im SPIEGEL übt der SPD-Politiker Kritik an der westdeutschen "Anschlusshaltung" - und fordert einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin.
Platzzeck mit Sarrazin befreundet, weiß daß jemand?

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waldemar.l. 29.08.2010, 17:07
63. Also,...

Zitat von Adran
Wir haben nach groben Schätzungen bereits in der Zeit 3 Millionen verloren, die wiederrum 1 mio durch die gegenrichtung ausgeglichen hat. Macht einen Saldo Verlust von 2 Mio. Bei 17 Mio einwohnern, ist das eine horrende Zahl. Was glauben sie wohl was der Zensus erst erbringt, und warum grade die neuen Länder schieß vor dem haben, wenn sich aus der Bevölkerungsentwicklung auch finanzielle Einbußen ergeben.. Wie hoch hätte es wohl noch sein können? Glauben sie etwas, dass die zahl höher gewesen wären? In berlin und Brandenburg fand defakto ein Bevölkerungssautausch statt. Wenn bei 2,55 Mio Brandenburgern, 1,5 Mio abwandern, und 1.4 Mio wieder zuziehen, dürfte das eigentlich alles sagen. Soviel auch zur "kleinen DDR", da von der Urbevölkerung kaum noch was da ist.. Als Urbrandenburger erkennt man seine Alte Heimat kaum wieder. In meinem Kleinen ört mit 700 Einwohnern, sind nahe zu 40 % zugezogene. In anderen Orten, grade im Speckgürtel, kann das locker 70-80% sein..
am Tag der Grenzöffnung haben sich allein bei mir vier befreundete Familien aus Brandenburg gemeldet, hier in BY. Später habe ich viel "Osis" in der ganzen Welt kennengelernt. Hatten und werden noch haben, einen guten Job im Ausland.

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Adran 29.08.2010, 18:00
64. Lesefutter..

@Brandredner:

hab mal folgendes Gefunden..
Bilanz und Perspektiven der
Transformationsforschung
Interview mit Michael Vester, Hannover


Das Interview lohnt sich..
Zitat von Interview
Die Leipziger Fallstudien in dem Buch haben bis in die Tiefe der Ge- schichte gearbeitet, zum Beispiel für das Braunkohlemilieu oder einzelne Facharbeitermilieus in Leipzig seit dem Kaiserreich. Man konnte zeigen, daß seit dem Kaiserreich immer wieder die gleiche Struktur wiederkehrt. Das stellte natürlich die Annahme systemtheoretischer, modernisierungs- theoretischer Ansätze in Frage, die die Gravitation historisch-gesell- schaftlicher Kräfte ausblenden. Solche Ansätze verkennen, daß Regionen ihre eigenen Milieus haben, die relativ stabil sind. Und diese sind wieder- um Produktivkräfte. Die Produktionsverhältnisse haben sich mehr oder weniger immer nach diesen Produktivkräften gerichtet, ein bißchen Marx würde ja nicht schaden. Das war eines unserer interessanten Ergebnisse. In Leipzig haben wir zum Beispiel herausbekommen, daß der Braun- kohlestandort von Espenhain dort eine von Staats wegen hingesetzte In- dustrie war, schon von den Nazis. In diesem Industriezweig gab es schon immer eine starke Spaltung zwischen einer sehr qualifizierten Ingenieurs- und einer sehr unqualifizierten Handarbeiterebene. Bei den Leipziger Kranbauern dagegen gab und gibt es die Struktur von hochqualifizierten Facharbeitern, deren Söhne und Töchter heute in vielen spezialisierten Berufen unterkommen können, weil sie das Können haben. Wir haben mit Brandenburg an der Havel eine Stadt kennengelernt, die schon Ende des 19. Jahrhundert aus dem ganzen Deutschen Reich wie ein Magnet die be- sten handwerklich arbeitenden Familien angezogen hat. Die Familien gibt es heute noch, die können das erzählen. Brandenburg hat eine der besten Automobilfabriken gehabt. Das war ein Produktionspotential, nach dem sich andere die Finger geleckt haben. Mit dieser Studie hatte man proto- typische Beispiele, wie man Deindustrialisierung, aber auch Reindustriali- sierung und industrielle Modernisierung beobachten könnte. Und da ha- ben wir auch mit den Gewerkschaften, in diesem Fall mit der IG Metall, gut zusammengearbeitet. Die Pilotstudie ist interessant, weil die Leipziger Partner es geschafft haben, die Stimme der Leute einzufangen. Da zeigt sich nämlich, daß es in der DDR in den Arbeitermilieus eine ganz lange, eigensinnige Ge- schichte gegeben hat. Etwa eines Morgens flatterte an einem Kran so ein Spruch: „So wie wir heute essen, werden wir morgen arbeiten!“, also eine Umdrehung der SED-Parole. Das hieß: wer hart arbeitet, soll gut leben. Und das ist auch die Mentalität: Man leistet etwas, aber dafür will man sich dann etwas leisten. Und da kann man sehen, was das für ein Volk ist, anders als das Bild von den angepaßten DDR-Bürgern.

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Steve Holmes 29.08.2010, 18:35
65. .

Zitat von Mulharste
Ferner war der Ausruf "kommt die D Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr" auch symbolhafter gemeint, als der überlegene Wessi meint.
Der Ausruf war sehr konkret gemeint. Die Menschen wollten Massenhaft dem System entfliehen. Erinnern sie sich nicht mehr an die Massen von DDR Bürgern die Zuflucht in BRD Botschaften gesucht haben? Oder die Menschen die Freiheit und Leben riskierten um die Grenze zu überwinden. Immer nur in eine Richtung.

Das westliche System war dem Kommunismus überlegen. Die Menschen haben das erkannt und wollten sich nicht länger unterdrücken lassen. Sie wollten den Anschluß. Es war ganz bewußt keine Vereinigung gleicher Partner.

Anders als in den übrigen Länder des Warschauer Blocks wurden die DDR Bürger dabei von ihren Landsleuten aus dem Westen mit gigantischen Transferleistungen gehätschelt.

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Diomedes 29.08.2010, 18:42
66. Der Versäumnisse des Aussitzenden

Es ist bedauerlich, dass es der Aussitzende versäumt hat, nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Kolonie - in der deren Scheren schlimmer wüteten als die Belgier es im Kongo taten! - jenseits der Elbe, eine strenge antikommunistische Restaurationspolitik zu betreiben: Was zum einen das Verbot aller kommunistischen Parteien, deren Nachfolgeorganisationen und natürlich die Reinigung des Landes überhaupt, also mit öffentlichkeitswirksamen Prozessen gegen die Hauptschuldigen und der Einrichtung von Spruchkammern, die in Unbelastete, jugendliche Mitläufer, Minderbelastete und Belastete einteilen, damit der morbide Boden auf dem die sozialistische Tyrannei gewachsen ist gründlich ausgetrocknet worden wäre; und zum anderen die Rücknahme allen sozialistischen Unrechts, was die Restauration der Besitz- und Eigentumsverhältnisse vor Aufrichtung der sozialistischen Tyrannei beinhaltet; zwar war der Aussitzende durch die feindlichen, fremden Mächte in vielen gebunden; doch hätte er spätestens nach Abzug der letzten russischen Besatzungstruppen weitgehend freie Hand gehabt, wenn auch die Geisel der amerikanischen Vorherrschaft zur ewigen Schande Deutschlands bis zu diesem Tag bestand hat!

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Alf.Edel 29.08.2010, 18:48
67. Apropos Medizin

Zitat von schensu
Schön wäre es, wenn sich an diesen "netten" Versuch der Darreichung diffusen Bauchgrummelns nach übermäßigem Genuss mainstreamiger Seichtinfos und überheblicher aber gleichwohl überflüssiger Vorschläge ein paar belegte Fakten anschließen würden. Was halten Sie z.B. von folgender Aussage: "...dass der Vermögenstransfer einerseits den Transferbedarf Ostdeutschlands mitbegründet, andererseits aber möglicherweise auch dazu beigetragen hat, die Transferleistungen für Ostdeutschland ökonomisch zu ermöglichen." Quelle: U. Busch, "Am Tropf", S. 114 Wie bewerten Sie folgende Tatsache: "Die privaten Netto-Geldvermögen wuchsen sprunghaft ab 1991 an, der Zuwachs betrug 1991 76,43 Mrd. Euro, 1992 79,01 Mrd. Euro und im Krisenjahr 1993 noch 72,46 Mrd. Euro." Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistische Sonderveröffentlichung Nr. 4, S. 42 ff. Vielleicht trägt diese Art Medizin zu einer "Heilung" des Wahrnehmungssinns mancher bei. Sie mag zwar bitter schmecken, aber Sie wissen ja: Nur dann hilft sie. ;o)
Mein Gott, was für ein Deutsch im ersten Abschnitt! Da haben Sie vermutlich lange drüber gebrütet, und es ist doch wieder in die Hose gegangen... ;)
Ein wohlgemeinter Ratschlag: Versuchen Sie einfach, in verständlicher Sprache zu schreiben, da kann man nix falsch machen.

Zum zweiten Absatz:
Sie meinen Dr. Ullrich Busch von der Uni Bremen, der bei den Ausführungen in seinen Büchern gerne auf das Kapital von Marx verweist und im linksnet.de geführt wird? Sie bestätigen mich ja geradezu. Vielen Dank! ;)

Zu Ihrem dritten Absatz:
Was wollen Sie mir klarmachen? Das die Sachvermögensbildung der privaten Haushalte in diesen Jahren diese Werte erreicht hat? Ja und? Was hat das mit dem Thema zu tun? Ich kenne die Werte bis 1990 nicht, also kann ich da schlecht vergleichen. Falls Sie daran irgendetwas verschwörerisches finden, ist das Ihre Sache...

Sie sehen, Sie müssen mir schon mit stichhaltigeren Argumenten kommen, um mich von etwas zu überzeugen! Aber bitte keine linksideologischen Quellen oder Verschwörungstheorien, sondern echte Fakten! ;)

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Steve Holmes 29.08.2010, 18:51
68. .

Zitat von jolip
Ein gewisser Herr Rohwedder, seines Zeichens Chef der Treuhand, hatte behauptet, die DDR hätte einen Wert von 600 Milliarden DM.
Da hatte sich der Gute wohl deutlich verschätzt. Das geschieht häufig bei Bewertungen wenn man es mit Kriminellen zu tun hat. Bevor die Tricksereien bei MCI WorldCom bekannt wurden gingen die Investoren auch von einem hohen realistischen Börsenwert aus.

In der DDR herrschte ein kriminelles Regime das mit Hilfe des Geheimdienstes gezielt falsche Informationen verbreitete. Wie marode und wertlos die Wirtschaft der DDR war hat sich dann erst nach und nach herausgestellt.

Daher wundert es mich immer wieder wie viele Bürger immer noch die SED-LINKE wählen.

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Steve Holmes 29.08.2010, 18:57
69. .

Zitat von gaga007
Die sogenannte Wiedervereinigung war kein "Anschluß an den Westen" - sie wurde dem Westen aufgedrängt.
Natürlich war sie das und das Procedere dafür im Grundgesetz klar geregelt das die neuen Bundesländer damit für sich akzeptiert haben.

Zitat von gaga007
Die damalige Regierung hat das westdeutsche Volk nicht gefragt - warum wohl. Der westdeutsche Bürger hatte nicht das geringste Interesse an den "blühenden Landschaften".
Es hätte nichts genutzt die Bürger zu befragen denn eine Bürgerbefragung kann nicht das Grundgesetz ändern.

Zitat von gaga007
Außer hohen Kosten ist kein Vorteil erkennbar, der diese Wiedervereinigung rechtfertigen würde.
Wie schon gesagt ist es keine Vereinigung sondern ein Anschluß gewesen der auf Antrag der neuen Länder nach den Regeln des Grundgesetzes erfolgte.

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