Forum: Politik
Wulffs Affären: Unheimliche Verfolger

Die Berichterstattung über die Verfehlungen des Bundespräsidenten geht in die fünfte Woche, trotzdem finden viele Deutsche, dass Christian Wulff im Amt bleiben soll. Neben Mitleid für den Verfolgten bewegt viele dabei auch Unbehagen über die Macht der Medien.

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tblog 10.01.2012, 14:33
280. Stil und Format

Zitat von sysop
Tatsächlich drückt sich in den Umfragen neben Mitleid für den Verfolgten auch ein Unbehagen über die Macht der Verfolger aus.
Die Analyse von Herrn Fleischhauer ist absolut zutreffend und enthält in meinen Augen keine Bewertungen; insofern scheint mir auch seine politische Grundhaltung in diesem Zusammenhang unerheblich.
Was man Herrn Wulff auf Basis des öffentlich Bekannten vorwerfen kann, sind eine Reihe von Stillosigkeiten und unwürdigen Tricksereien - selbst seine Behauptung, es sei ihm bei den "Bild" - Anrufen nur um eine Verschiebung gegangen, ist aber als Unwahrheit nur zu vermuten und nicht zu beweisen.

Stil und Format hat Herr Wulff aber noch nie gehabt und seine dilettantischen Fehler reichen von der großmäuligen Unterschätzung des Herrn Piech nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten bis zu seiner Forderung, Herrn Sarrazin abzusetzen nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten (was für einen Juristen ein besonders dämliches Eigentor war).

Die Durchschnittlichkeit von Herrn Wulff ändert aber nichts daran, dass der gleiche Bild Vertreter, der sich bis zuletzt öffentlich für den Betrüger zu Guttenberg eingesetzt hat, sich nun in den Talkshows genauso lautstark moralisch über Herrn Wulff ereifert. Das ist einfach absurd - und in der Tat empfinde ich das als provozierende Machtdemonstration der Bild Zeitung.

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Teambrightly 10.01.2012, 15:13
281.

Zitat von lighter
Wer nachlesen will, wie diese Kampagne inszeniert wurde, sollte den Titel des heutigen Berliner Tagesspiegel lesen. Da steht nämlich das Drehbuch aus dem Hause Murdoch dafür, das schon einmal im Falle Clintons angewendet wurde: "Wie macht man einen SKandal?" Haargenau nach diesem Drehbuch wurde und wird verfahren. Wir befinden uns gerade bei Punkt 9 des Fahrplans: 9. Streue Gerüchte über die Suche nach Nachfolgern! Im heutigen Spiegel wunderbar nachzulesen. Es handelt sich also eindeutig um eine bewusst inszenierte und gesteuerte Kampagne, um einen Mann aus dem Amt zu schiessen. Aber wozu diese Kampagne? Was steckt dahinter? Das könnte die Antwort sein:

Frappierend, wie akribisch sich Presse und TV an diesen Fahrplan halten. Und wie perfekt er funktioniert.

Insbes. Wirkung von Punkt 8. "Streue immer mal wieder Gerüchte, dass es da noch mehr „im persönlichen Umfeld“ des Angegriffenen gebe, das enthüllt werden könnte." direkt zu verfolgen:
Die aufgehetzte Meute krakehlt nach Herzenslust nach einer "Aufdeckung aller Karten", ohne zu wissen, was sie damit eigentlich meint. Ist ja auch schnuppe, denn Punkt 6.: "Das Ursprungstehma spielt keine Rolle mehr".

Die Vorwürfe gegen Herrn Wulff wurden schon mehrmals sachlich entkräftet, aber da sind wir wieder bei Punkt 6.

Hinter der Inszenierung stecken schlicht wirtschaftliche Interessen. So eine Schmierenkomödie setzt Emotionen frei und bringt deshalb weitaus mehr Umsatz als ein gut recherchierter, objektiv dargestellter - aber dafür langweiliger - Sachverhalt. Berufsethik muss man sich leisten können.

Dazu kommt vermutlich verletzte Eitelkeit diverser Springer-Schreiberlinge, die Herr Wulff, seit er Bundespräsident ist, nicht mehr beorzugt behandeln mag.

Interessant auch, wie sauer die Presse immer noch auf Herrn Köhler ist, der einfach die Segel strich, bevor das Schlachtfest überhaupt beginnen konnte. Was das gekostet haben muss! Die entgangenen Erträge müssen jetzt schleunigst wieder reingeholt werden.

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nudelsuppe 10.01.2012, 23:27
282.

Zitat von Mononatriumglutamat
... Schließlich war es eine bodenlose Unverschämtheit, ein Geschichtchen mit einem drei Jahre zurückliegenden Privatkredit ausgerechnet dann aufzudecken, als Herr Wulff auf Staatsbesuch im Ausland war und sich nicht wehren konnte. ...
Blöder Vergleich: Mord verjährt auch nicht. Der Zeitpunkt der Aufdeckung ist nicht relevant. Der Herr Wulff kann sich auch bei einem Auslandsaufenthalt wehren. Er hat doch ein Mobiltelefon? Und telefonisch hat er sich auch bei der Bild-Zeitung gemeldet. Schlechte Ausrede.

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kongo-otto 11.01.2012, 21:47
283.

Zitat von sysop
Die Berichterstattung über die Verfehlungen des Bundespräsidenten geht in die fünfte Woche, trotzdem finden viele Deutsche, dass Christian Wulff im Amt bleiben soll. Neben Mitleid für den Verfolgten bewegt viele dabei auch Unbehagen über die Macht der Medien.
Herr Fleischhauer, gratuliere zu diesem Artikel. 100% Übereinstimmung.

Wurde Zeit dass die Rolle der Medien beleuchtet wurde. Ich empfinde ein Unbehagen über Wulffs Verhalten, aber noch viel mehr über die Pressekampagne, die ihn scheinbar fertigmachen will. Was da der Hintergrund ist mag man sich gar nicht vorstellen. Sehr beunruhigend, dass Spiegel und Süddeutsche und Andere bei einer von Bild geführten Kampagne mitmachen.

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Benutzernameoptional 11.01.2012, 22:17
284. Deutscher Journalismus

Zitat von habgenugvondenlügen
...Unbehagen über Medien feststellt. Sehr richtig, Herr Fleischhauer mit dem "Unbehagen über die Macht der Medien", die Sie ansprechen. Auch mir kommen die viel zu ungeschoren davon - im Vergleich zu der berechtigten Namensnennung bei Politik und Politikern sowie bei Kapital und ihren Managern "über Verfehlungen" dieser allein aus den letzten 30 Jahren. Denn die Medien, zuvorderst die Hauptmedien, haben doch Politik und Kapitalwirtschaft fast durchgängig in den letzten 30 Jahren begleitet - als Übersetzer und Überbringer der Ziele, Botschaften und Sprache von Politik und Kapital, für die Bevölkerung übersetzt und überbracht. Und ob dieser hofnahen Begleitung herrschender Politik und herrschenden Kapitals über Jahrzehnte erzeugen Medien nicht nur bei Ihnen, Herr Fleischhauer, Unbehagen, sondern auch bei mir. Haben doch "die Medien" wie Sie es nennen, einen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wullf jahrelang als Hoffnungsschimmer in Politik für unser Land gepriesen, als integere CDU-Führerpersönlichkeit mit Werten wie Ehre, Glaubwürdigkeit, Geradlinigkeit, Disziplin sowie Zielstrebigkeit und Bescheidenheit zugleich. Nur eine Frage hätte ich ob Ihres Unbehagens über die Medien am Beispiel Wulff abschließend. Welche Aufgabe und Rolle hatten Sie, Herr Fleischhauer, eigentlich in den letzten Jahren in unserem Lande inne? Doch nicht eine wie die in Medien?
Falsch. Beschäftigen Sie sich mal mit Fakten:

Zitat von gnaeuspompeius
Bei der Betrachtung der "vierten Gewalt" sollte man sich ständig vor Augen halten, dass diese eben auch nur aus Menschen mit gewissen Präferenzen besteht: ~ 50% der Politikjournalisten zählen sich offen zum rot/rot-grünen Spektrum, ~17% zum schwarz-gelben. (Quellen: (->Folie 10) und ) Das sich daraus eine -nicht nur empfundene- Schieflage bei der vierten Gewalt ergibt, mit allen ihren Auswirkungen wie momentan zu erleben, versteht sich wohl von selbst.

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Dr_EBIL 12.01.2012, 19:52
285. Paranoia

unheimliche Verfolger?

Herr Fleischhauer, Sie können beruhigt sein. Selbst so Unmenschen wie mich interessiert es nicht, was mit ihrem Buddy, wenn auch wahrscheinlich nur im Geiste, passiert. Höchstwahrscheinlich wird der arme Mann den kleinen Sturm erfolgreich aussitzen in guter, alter Profipolitikermanier. Daraus dürfen sie auch ruhig ableiten, die Mehrheit der Deutschen würde hinter Wulff und somit auch hinter Ihnen stehen. Ich helfe Ihnen immer gerne. Das wissen sie doch.

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Gerhard_Rohlfs 15.01.2012, 16:12
286. Hallo Herr Fleischhauer, bekommen wir nun morgen die Fortsetzung?

Zitat von sysop
Die Berichterstattung über die Verfehlungen des Bundespräsidenten geht in die fünfte Woche, trotzdem finden viele Deutsche, dass Christian Wulff im Amt bleiben soll. Neben Mitleid für den Verfolgten bewegt viele dabei auch Unbehagen über die Macht der Medien.
Wie gesagt, ein guter Artikel.
Über die Folgen, nämlich über das Unbehagen, das diese Kampagne bei den Bürgern auslöst.

Bekommen wir nun auch die Fortsetzung?
Über das WARUM der Kampagne?
Schon klar, die ganzen Peanuts, die man bei Wulff ausgegraben hat.
Aber WARUM hat man vor ein paar Monaten überhaupt begonnen, diese Peanuts auszugraben?
Sie bräuchten noch nicht einmal die Konsequenzen zu fürchten, wenn Sie über dieses WARUM schreiben:
Selbst Sie danach Schreibverbot bekommen sollten,
dann maximal für ein paar Monate.
Bis die Rettungsblase platzt und das Staatsschiff auf Grund läuft.

Also.

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