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Zivilisatorischer Fortschritt: Ein schlechter Witz, und Du bist raus
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Die Gesellschaft ist nicht zwischen arm und reich gespalten, sondern zwischen den Rohen und den Überempfindlichen. Warum nimmt sich die Linke nicht mal der emotional Minderbemittelten an, statt sie ins gesellschaftliche Aus zu stellen?

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MiguelD.Muriana 18.01.2018, 19:40
30. Am schlimmsten

sind immer noch diejenigen, die sich mit Rechtfertigungen wie „das wird man ja mal sagen dürfen“ (als wenn einem in Deutschland seit 1990 das Wort verboten würde wie früher in der Diktatur des Proletariat) empfindlich auf Kritik an ihren hasserfüllten Äußerungen reagieren. Demokratie beinhaltet nunmal nicht nur die Möglichkeit seine eigene Meinung zu äußern sondern auch andere und sogar gegenteilige Meinungen hören zu müssen. Das kann man nur verhindern, in dem man in seiner Wahrnehmungsblase des Internets verbleibt oder in ein Land eigener Wahl (z.B. Polen, Ungarn, Russland) auswandert, um endlich der Mehrheitsmeinung anzugehören...

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vera gehlkiel 18.01.2018, 20:08
31.

Was die objektiv stattfindende Verrohung oder eben auch Nichtverrohung der Gesellschaft betrifft, dazu hilft, wenn man tatsächlich um entemotionalisierende Vernunft bei einem durchaus wichtigen Thema bemüht ist, die unvoreingenommene Statistik. Komisch, dass die gleichen Leute, die einen Sarrazin dafür feierten, dass er ohne Ende Statistik schrägstmöglich zusammenlötete, ganz drauf verzichten können, auch nur einen Fitzel Statistik zu bringen, wenn sie einen solchen Text wie den vorliegenden abfassen oder kommentieren. Und klar, festes Schema, immer muss die gemeinsame metaphysische Wirkursache des "Werteverlustes" herhalten, um anstrengende Frauen, überkompensierende Linke und dumpfe, ortlose oder rechte Prolos zusammenzuspannen. Die passiv im rein Deskriptiven verharrende Angstlust, welche dieses bei den Lesenden erzeugt, soll dann anscheinend die Quintessenz dessen sein, was vom bürgerlichen Konservatismus irgendwie in die neue Zeit gerettet werden muss, oder wie jetzt?! Dass die Tendenz zum ewigen Handyabusus, selbst wenn sich dem kleinen Kameraauge eine schreckliche Realsituation darbietet, vielleicht einfach auch damit zusammenhängt, dass die Leute einer permanenten Reizüberflutung unterliegen, es hier also weniger um "Verrohung" und mehr um "Entsubjektivierung" geht, fällt dabei untern Tisch. Darauf hinzuweisen wäre ja auch ein Verstoss gegen das Lindnersche Gebot des "Digital first, Bedenken second", und damit linksgrüner Rigorismus. Dass #MeToo eine digital generierte, viral um sich greifende Revolution ist, bei welcher die Frauen um die Rückeroberung der subjektiven Empfindsamkeit, um die Reindividualisierung einer vom Konsumismus und damit von Klischees entsetzlich glattgebügelten Gesellschaft kämpfen, bleibt bei der irrationalen Form des gesunden Menschenverstandes, die man uns hier anbietet, ebenfalls komplett ausgeblendet. Der oben verlinkte Herr Maack hingegen hat was verstanden! Nämlich dass der Kampf, den die Frauen um ihre Autonomie kämpfen, ein Kampf ist, der für uns alle, Männer wie Frauen, und was dazwischen liegt, etwas bringen soll, bringen muss. Es wird uns gemeinsam freier machen, wenigstens ein Stück weit. Unter anderem auch von unangemessenem intergeschlechtlichem "Witzelzwang" vielleicht endlich erlösen. Sogar womöglich etwas an die Stelle setzen, was schlicht und einfach erwachsener ist, und darum am Ende tatsächlich witzig sein könnte.

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ogoehni 18.01.2018, 20:47
32. Warum so aggressiv?

Ich bin Fleischhauer Fan. Diese Kolumne greift mehrere Probleme auf, es fehlt dabei ein roter Faden, der ein Thema richtig und umfangreich beschreibt. Ich hoffe seine nächste Kolumne beschreibt ein Problem komplexer. Schön zu lesen, wie die linken User sich über jede Aussage aufregen. Scheinbar ,,getroffene Hunde bellen" so der Volksmund. Hoffe, dass diese hundertjährige Beschreibung auch angegriffen wird, weil sie den Linken nicht mehr korrekt erscheint.

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Schlaflöwe 18.01.2018, 21:15
33. "Die Gesellschaft ist nicht zwischen Arm und Reich gespalten"?

Indem Sie, Herr Fleischhauer, Nebelkerzen werfen, betreiben Sie die Geschäfte der neoliberalen Umverteiler.

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a.b. surd 18.01.2018, 21:35
34. Ihren Hilferuf ...

habe ich zur Kenntnis genommen, Herr Fleischhauer. Aber halten Sie sich wirklich für so bedeutsam, dass sich die Linke Ihres Problems annehmen sollte. Scheidungen scheinen nicht nur Spuren, sondern tiefe Gräben zu hinterlassen. Ich wünsche Ihnen gute Besserung - auch in der Hoffnung, dass sich dann Ihr Blick ein wenig erweitert. Mein Mitgefühl haben Sie schon lange.

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Wirbelwind 19.01.2018, 09:54
35. Herr Fleischhauer spricht mir aus der Seele

Herr Fleischhauer spricht mir aus der Seele. Über diese Zusammenhänge habe ich auch schon des öfteren nachgedacht.
Nicht alle Menschen kommen mit Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gleich gut klar. Ich proklamiere daher in Menschenrecht auf ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Kosntanz.

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tuedelich 19.01.2018, 09:56
36.

Warum nimmt sich die Linke nicht mal der emotional Minderbemittelten an, statt sie ins gesellschaftliche Aus zu stellen?

Wieso denn nur die Linke? Oder traut Herr Fleischhauer nur dieser eine Lösung zu? ;-)

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annoo 19.01.2018, 10:39
37. Herr Fleischhauer,

normalerweise kann ich keinen Artikel von Ihnen lesen, ohne dass mir die Galle hochkommt, dieser hat mich zum Nachdenken angeregt.

Ihre Einteillung in empathisch und wenig empathisch: Unterschiedliche Charaktere gibt es religions-, herkunfts, und geschlechtsunabhäng. Sie sind in der Soziologie tatsächlich ein vergleichsweise wenig beachteter Part. Vielleicht findet die Einteilung in unterschiedliche Typen auch deshalb weniger Beachtung, weil andere Differenzierungsmerkmale wie zum Beispiel Religion (u.a. Kopftuch) oder Geschlecht (i.d.R. optisch zuordenbar) offensichtlicher sind und sich daher besser für stereotype Kategorisierungen eignen.

Im Sprachgebrauch hat sich die Zuschreibung Andersdenkender als "Gutmensch" längst eingebürgert bei Menschen, die sich an den (rechten?) Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen - sie meinen damit Menschen, die zum Beispiel Geflüchtete nicht per se negativ einstufen. Genaugenommen teilt sich da die Gesellschaft noch nicht mal nur an der Fähigkeit, Emphathie für Andere zu empfinden, sondern an der Frage, wem man Empathie entgegenbringt und warum und wie. Da wird es dann schon kompliziert. Unterschiedlich empathische Menschen gab es schon immer, aber in Zeiten, in denen die Kluft größer wird zwischen arm und reich, prägen sich Charaktermerkmale an den Rändern stärker aus. Und natürlich kann sich jemand, der nicht um sein tägliches Brot fürchten muss, empathischer gegenüber anderen Gruppen verhalten und sich großzügig zeigen als jemand, der hauptsächlich damit beschäftigt ist, gerade so über die Runden zu kommen. So ist die Fähigkeit und das sich monetär und emotionales "sich leisten können" von Empathie durchaus eine Auswirkung der gesellschaftlichen Spaltung durch auseinanderklaffende Vermögensverhältnisse. Dass Sie, Herr Fleischhauer, mehr umgeben sind von Menschen, die sich eher sozial adäquat verhalten hat wahrscheinlich mehr damit zu tun, dass Ihr Freundeskreis wohl auch eher zu den Wohlhabenderen gehört und sich das verhalten in mehrerlei Hinsicht leisten kann und weniger, dass Ihre Freunde alle so gute Menschen sind. (Nu ja, Sie gehören ja auch zu denen, die nichts gegen Klassengesellschaften haben - ist ja auch leicht, wenn man der "richtigen Klasse" zugehört, gelle?!?)

Ich bin weit davon entfernt, social medias Schuld an irgendwas zuzuschrieben, aber ich glaube schon, dass der dort offenere Austausch von früher sozial sanktioniertem Verhalten (wer wäre denn auf die Idee gekommen, Rettungskräfte zu attakieren?) bestimmte, auch negative, Entwicklungen beschleunigt. Gaffer gab es schon immer, aber seit jeder immer ein Smartphon in der Tasche hat und viele sich durch spektakuläre Videos vom Unfallort Klicks in den sozialen Medien und damit Bestätigung versprechen, verschiebt sich die Grenze, was sozial akzeptiert ist und was nicht. Letztendlich ist das dann auch weniger eine Folge der unterschiedlichen menschlichen Charaktere sondern, wenn auch nur sehr indirekt, eine Folge der sozialen Spaltung in "bedeutungsvoll" und "bedeutungslos". Und dies adäquat zu messen ist sicher noch schwieriger als die Frage nach der Empahtiefähigkeit.

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Bondurant 19.01.2018, 11:05
38. Das ist so nicht richtig

Zitat von Schlaflöwe
Indem Sie, Herr Fleischhauer, Nebelkerzen werfen, betreiben Sie die Geschäfte der neoliberalen Umverteiler.
denn Fleischhauer hat recht: die Spaltung trennt nicht "arm" und "reich", sondern Lohnabhängige und Kapitalverwerter. Das wird immer mehr vergessen: viele, die landläufig durchaus als "reich" durchgehen, sind genauso vom Verkauf ihrer Arbeitskraft abhängig wie der kleine Angestellte. Nur kriegen sie (noch) mehr dafür. Das muss aber nicht so bleiben; auch gutbezahlte Handlanger sind nur das. Und "reich" sind im gewissen Sinne alle, die schon länger hier leben, jedenfalls im Vergleich zu denen, die noch komen wollen. Mit solchen Argumentationen muss man also aufpassen, dass man sich nicht selbst in einem Lagen findet, dem man gar nicht anzugehören glaubte.

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dione_gutzmer 19.01.2018, 11:09
39. Ach, die "sozial Besorgten" sollen ran?

Für die Verrohung und geistige Minderbemitteltheit sind doch, wie Jan Fleischhauer letztes Jahr mal geschrieben hat, die Eltern zuständig, die ihren Kindern nichts vorlesen. Warum sollten die von ihm so betitelten "sozial Besorgten" sich also kümmern? "Me first" (wie es anderen geht, interessiert mich nicht) ist übrigens eher eine rechte und elitäre Haltung, und diese spiegelt sich wider in den angesprochenen verrohten Verhaltensweisen. Diesmal will Jan Fleischhauer also die unschönen Folgen seiner eigenen unsozialen Haltung diejenigen tragen lassen, die dafür nicht verantwortlich sind. Er glaubt wahrscheinlich zu provozieren, aber provoziert nur die Erkenntnis, dass er ähnlich primitiv gestrickt ist wie die beschriebenen Mitbürger aus Regensburg oder Pusemuckel.

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