Forum: Politik
Zum Tode Helmut Kohls: Das Zentralgestirn
DPA

Gefeiert, gedemütigt, gehasst, geehrt - Helmut Kohls Politikkarriere war ein großes Wechselspiel. SPIEGEL-Autor Gerhard Spörl hat sie jahrelang beobachtet. Ein Rückblick.

Seite 4 von 6
Izmir..Übül 17.06.2017, 16:22
30.

Zitat von irobot
Annexion? Die DDR-Bürger haben uns doch die Bude eingerannt, nicht anders herum.
Allerdings! Ich erinnere mich noch genau an die Sprechchöre "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, gehn wir zu ihr".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luny 17.06.2017, 16:24
31. Überkapazitäten

Zitat von Izmir..Übül
Und ich kann's nicht mehr hören, dass die Subventionierung und Sanierung einer maroden Volkswirtschaft mit Aberhunderten Milliarden zunächst DM, später Euro, für den staatlichen Geldgeber so ein tolles Geschäft gewesen sein soll. Ohne die Wiedervereinigung hätte die alte BRD eine Billion Euro, die als Transferleistungen in den Osten flossen, weniger Staatschulden. Natürlich war das auch ein öffentliches Konjukturprogramm für die westdeutsche Privatwirtschaft, aber eben alles auf Pump und Kosten der Steuerzahler. Die Wiedervereinigung selbst hatte überhaupt kein inhärentes "wirtschaftliches Potential", da die DDR-Wirtschaft nicht nur kriselte, sondern komplett am Ende war.
Hallo Izmir...übül,

nach meiner Erinnerung stürzte sich die Wirtschaft West auf den
neu gewonnenen Markt der ehemaligen DDR. Dort gab es einen
großen Nachholbedarf an allem.

Der Gebrauchtwagenmarkt war in kürzester Zeit leergefegt, der
Versandhandel blühte, zumindest solange die Bürger der ehemaligen
DDR noch zahlungsfähig waren bzw. einen Arbeitsplatz hatten.

In Deutschland ist das wie in der EU- bzw. der EUR-Zone.

Wenn man gleiche Verhältnisse anstrebt, findet eine Nivellierung
statt, die durchaus nach UNTEN sein kann.

Findet auch noch eine Umverteilung von UNTEN nach OBEN statt,
verstärkt sich dieser Effekt.

Und nein, ich unterstütze das nicht, ganz im Gegenteil.

LUNY

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ungarn 17.06.2017, 16:36
32. Herr Bundeskanzler Helmut Kohl...

......als Franzose behalte ich - und werde es immer - in meinem Gedächtnis behalten, dass Sie der Vereinigungskanzler gewesen sind - der richtige Mann am richtigen Ort- und wie Sie im Mémorial von Verdun die Hand vom frz Präsidenten Mitterand gehalten haben : Sie sind ein großer Staatsmann ! Die Deutschen können stolz auf Sie sein, denn die Europäische Union wäre nicht das, was sie geworden ist, d.h. dass es seit Jahrzehnten nie wieder Krieg in Europa gegeben hat : Hut ab, Herr Bundeskanzler !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luny 17.06.2017, 16:40
33. Nachfrage

Zitat von Berg
2 Mio SED-Genossen verließen ihre Leitungs- und Führungsposten in Wirtschaft, Industrie, Forschung, Verwaltung, schmissen die Macht auf die Straße. Gott sei Dank!! Die neuen Bundesländer MUSSTEN und MÜSSEN 100pro West ausgerichtet werden! Und das ist auch geschehen.
Hallo Berg,

persönlich fand ich genau das befremdlich. Es war atemberaubend,
wie schnell sich die Leistungsträger der ehemaligen DDR ihrer
Verantwortung entledigten.

Warum war das so, frage ich Sie, der in der ehemaligen DDR lebte?

Meine Erfahrung beschränkt sich leider auf gelegentliche Besuche
von Verwandten in der ehemaligen DDR.

Dort traf ich die politisch total Überzeugten. Die Mehrheit versuchte
nur, sich irgendwie in diesem System zu arrangieren. Das ist mein
subjektiver Eindruck.

LUNY

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 17.06.2017, 16:40
34. ...

Das In-den-Himmel-heben Kohls nach seinem Tod ist ja schlimmer als erwartet. Wenn es falsch sein soll, Schlechtes ueber Tote zu reden, dann ist es meiner Meinung nach aber ebenso falsch, Dinge so gut darzustellen, wie sie es nie waren. Kohl war eine sehr schwierige Persoenlichkeit, die Rachsucht, die mangelnde Empathie gegenueber seiner Familie, all das wurde ja schon genannt. Er hat sicher auch seine Verdienste und alle haben recht, die, die meinen, er habe vor allem Glueck gehabt, die, die meinen, er habe das Gespuer fuer eine einmalige politische Situation gehabt, ja, ALLE haben sie recht. Aber es ist uninteressant. Kohls Wiedervereinigung und seine Sympathie fuer Europa gehen gerade den Bach runter, vor allem aufgrund mangelnder Solidaritaet unter den Deutschen und zwischen den Deutschen und den anderen Europaern. Hoert ihr, es ist unwichtig, diesem Menschen zu huldigen, denn vor allem war er auch nur das, ein Mensch, wo es wichtigere Dinge zu schreiben gaebe. Man laechelte im Westen ueber den sozialistischen Personenkult, aber man sieht den Balken im eigenen Auge nicht. Am Ende bleibt der Mensch Kohl, alles andere ist laecherlich (wie nebenbei gesagt, bei allen anderen "wichtigen" Menschen auch).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
derHamlet 17.06.2017, 16:45
35.

Zitat von luny
Hallo Aschie, Ihren Ansatz halte ich für überaus diskussionswürdig. Anspruch und Wirklichkeit klaffen ziemlich weit auseinander. Der Berufspolitiker, seine Karriere fest im Blick, verspricht das Blaue vom Himmel, macht aber anschließend etwas komplett anderes, sobald seine Machtposition gesichert ist. Für die Wähler, die ihm auf den Leim gegangen sind, ist das natürlich enttäuschend. Von einem Wirtschaftsmanager erwartet niemand, daß er sich für das Wohl der Belegschaft einsetzt. Allerdings wird er von der Belegschaft auch nicht gewählt. LUNY
Guten Tag luny,

selbstredend wähle ich mir meinen Arbeitgeber aus, und wenn er mich schlecht behandelt, gehe ich.
Allerdings legitimiere ich ihn nicht, wie bei Politikern, über mein Leben zu entscheiden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Izmir..Übül 17.06.2017, 16:53
36.

Zitat von heiko1977
Ja und hat mit diesem Verhalten dafür gesorgt, dass die westdeutschen Sozialsysteme und Rentenkassen durch die Wiedervereinigung schamlos geplündert wurden. Es hätte durchaus weiter zwei Deutschlands geben können hätte sich niemand dran gestört, was ja auch die Forderung der Leipziger Montagsdemos und der Bürgerbewegungen wie Neues Forum, Demokratie jetzt etc. auch war. Diese wollten keine Vereinigung sondern einer Reformierung des staatskapitalistischen Systems der DDR zu einem demokratischen Sozialismus.
Ja, aber die Bürgerrechtler waren schnell marginalisiert, weil es der Bevölkerungsmehrheit letztlich eben mehr um ihr ganz persönliches Wohlergehen (D-Mark, Westwaren, Reisefreiheit) als um irgendwelche hehren politischen Ideale ging, was ich übrigens auch niemandem moralinsauer vorwerfe. Daher hieß es auf den Montagsdemos auch sehr bald nicht mehr "Wir sind DAS Volk", sondern "Wir sind EIN Volk".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luny 17.06.2017, 16:55
37. Erstaunlich

Zitat von domino31
Helmut Kohl ist tot, ja! Er hat wie alle Menschen Positives und Negatives geleistet. Aber welche Hass - und Verachtungsdiskussion hier teilweise geführt wird, ist angesichts des Todes unwürdig.
Hallo Domino31,

die Kommentare reichen von Haß bis zur Lobhudelei.

Das liegt u. a. an der langen Amtszeit des Wiedervereinigungs-
kanzlers.

Als Wessie war ich davon überzeugt, daß er nach zwei Amtszeiten
definitiv abgewählt werden würde.

Er rettete sein Amt nur mittels der Wiedervereinigung.

Das Gift der politischen Macht ist wirkungsvoll.

Ich bin dafür, die Amtszeiten auf zwei Legislaturperioden zu be-
grenzen, egal, ob Kanzler, Minister oder Abgeordneter.

Das diente dem Selbstschutz, um zu vermeiden, daß die Politiker
komplett abheben und sich für das Maß aller Dinge halten.

LUNY

Beitrag melden Antworten / Zitieren
competa1 17.06.2017, 16:59
38. Sie als Franzose ..

Zitat von Ungarn
......als Franzose behalte ich - und werde es immer - in meinem Gedächtnis behalten, dass Sie der Vereinigungskanzler gewesen sind - der richtige Mann am richtigen Ort- und wie Sie im Mémorial von Verdun die Hand vom frz Präsidenten Mitterand gehalten haben : Sie sind ein großer Staatsmann ! Die Deutschen können stolz auf Sie sein, denn die Europäische Union wäre nicht das, was sie geworden ist, d.h. dass es seit Jahrzehnten nie wieder Krieg in Europa gegeben hat : Hut ab, Herr Bundeskanzler !
..sollten aber auch wissen,dass Mitterand sein Placet zum Beitritt der DDR von Kohls Zustimmung ´zur Einführung des EURO abhängig gemacht hat.Darunter wird Europa noch Jahrzehnte leiden....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jamguy 17.06.2017, 17:02
39.

Zitat von lasorciere
Sagen wir es mal so: er hatte das Glück, gerade zu dem Zeitpunkt Kanzler zu sein, als die Politik Gorbatschows die Wiedervereinigung bewirkt hat. Denn nicht Kohl hat die beiden deutschen Staaten vereint, sondern die treibende Kraft waren wir, das Volk. Ansonsten kann man ihm keine besonderen Erfolge zuschreiben.
Kohl hätte alles so gelassen wie es war und erwähnte selber damals das Er weder die EU noch der € gut heisen würde und was die Wiedervereinigung anbelangt kam die rein wegen der Pleite der UDSSR die im Zwang waren den gesammten Ostblock abzustosen den sonst wär alles heute noch wie vor 30J.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 4 von 6