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Zwei Jahre in den USA: Amerikas Angst, Amerikas Mut
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Zwei Jahre war Veit Medick US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE. Mit seiner Familie lebte er in einem Vorort von Washington DC. Er lernte dort viel über die Psyche Amerikas - und über Deutschland.

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banjodido 20.07.2017, 14:00
80.

Zitat von Mr Bounz
Ich würde die Sache mit dem Haus wirklich ganz anders interpretieren. 1. In D werden Häuser bewahrt weil Sie es Wert sind, weil eine echte Substanz vorhanden ist. 2. Das Alte Haus war "Papp" Müll und nichts Wert 3. Das Neue Haus ist nichts Neues, es ist ein altes (Papp) Haus, nur Größer.
Ganz so einfach ist es nicht. Im Grunde handelt es sich bei den meisten Haeusern um Fachwerkhaeuser. Diese sind aber nicht mit Mist und Stroh verkleidet sondern mit Holz.
Im Sueden der Staaten habe ich viele dieser Hauser nach einem Hurricane neben dem Fundament gesehen. Sie wurden einfach vom Sturm runtergeblasen, waren ansonsten aber heil. Nach dem Hurricane hat ein Kran die Haueser einfach wieder an Ort und Stelle gesetzt. Sind also recht stabil die Haeuser. Grosser Vorteil, relativ guenstig und schnell zusammenzubauen.

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mazzmazz 20.07.2017, 14:05
81. Stimmt schon zu Teil

Ich bin seit 25 Jahren sehr häufig in den USA. Aktuell so 7 Monate p.a.
Das Land ist einerseits recht heterogen, was aber hauptsächlich am jeweiligen Wetter liegt und an Stadt-Land-Unterschieden, wie ich meine.
Andererseits funktioniert vieles sehr homogen über das ganze Land hinweg. Die Hauptstraßen werden von immer denselben Kettenfirmen wie CVS, Wells Fargo, Walmart gesäumt und sehen, bis auf die Unterschiede in der Vegetation, recht gleich aus.
Die leeren Straßen in den Schlafstädten kenne ich aus den USA auch. Genauso wie aus Deutschland, UK und Frankreich. Wobei dies jeweils nicht überall im Land so ist.
Nördlich Boston habe ich einige quirlige Kleinstädte mit netter Nachbarschaft erlebt. Genauso wie südlich München oder westlich von Paris an der Atlantikküste.
Dass man um DC herum nur geistige Ödnis und Langeweile findet, liegt wohl v.a. an der Überzahl von Anwälten, Journalisten (sorry), Politikern und Lobbyisten, die dort leben.
Ziehen Sie in ein Eck, wo Geschäftsleute leben. Da passiert dann auch was.
Was die Angst betrifft: meine These ist, dass die protesantischen Puritaner daran schuld sind. Die haben diese spiessigen Regeln aus Europa mitgebracht und als sie von Armut und Katholizismus aus Europa vertrieben wurden, gab es in der neuen Welt kein Regulaitv mehr außer dem der Indianer, die man ja schnell ausrottete.
Die Puritaner konnten ihren religiösen Wahn voll ausleben. Deshalb heiraten die Amis dauernd, küssen sich beim 2. und schlafen miteinander beim 3. Date, trinken aus Tüten und ziehen 3-jährigen Mädchen Bikinioberteile an.
Je nach Staat werden diese Regeln enger oder weiter auisgelegt. Utah ist die Pest, Californien ebenso. on wegen Hippies in San Francisco. Lauter Nerds mit den gleichen Label-T-Shirts, die höchstens im Web rebellisch sind. Florida ist vergleichsweise cool. Neuengland ist zwar spiessig, aber den wohlhabenderen Ecken in Deutschland sehr ähnlich. Nette, entspannte Leute. Und auf den Dörfern sogar so etwas wie "Stadlfeste".
Den Bible-Belt muss man natürlich meiden. Der Rust-Belt, weiter ausgelegt mit Chicago, Detroit, Cleveland, Minneapolis, hat auch einiges zu bieten. Die großen Seen mit endlosen Naturstränden. Man kann fischen, grillen, motorbootfahren, trinken. Juckt keinen. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo man kaum noch grillen darf und der Angelschein einem spanischen Unistudium entspricht.
Was die Waffen betrifft: "stand your ground" gibt es nicht in jedem Staat. Ich habe dort gerne eine Waffe im Haus und hätte das auch gerne in D. Einen Einbrecher würde ich sofort umlegen. Egal wo auf der Welt. Hier dann halt mit einem Küchenmesser. Klare Eigentumsverhältnisse, klare regeln, klares Risiko.
In Schulen, Autos oder Bars hat eine Waffe m.E. jedoch nichts zu suchen
Ach ja, das Dating in den USA: ab ca. 30 Jahren ist das nicht mehr so eng. Ich habe in den vielen Jahren festgestellt, dass man sogar in Boston schneller mal ein nettes Wochenende mit einer Frau verbringen kann, als in Städten wie München, Hamburg oder gar Wiesbaden (brrrr.).

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stefan_eb 20.07.2017, 14:06
82. Treffende Beschreibung

Danke für den Artikel und das Teilen Ihrer Eindrücke. Eine treffende Beschreibung des Lebens in den USA, zumindest jenes Teiles des Landes in dem wir mittlerweile auch seit einigen Jahren leben. Er gibt auch das wieder, was wir persönlich erleben. Es ist ein beeindruckendes Land mit großartigen Menschen, voller unaufgelöster Widersprüche. Manches werden wir vermutlich nie verstehen, aber wir erfahren auch sehr viel Positives. Mit Vorurteilen und Pauschalisierungen wird gerne leichtfertig umgegangen. Ein Leben im Ausland schärft den Blick, nicht zuletzt auch auf die eigene Kultur. Eine sehr bereichernde Erfahrung, in jeder Hinsicht.

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mazzmazz 20.07.2017, 14:06
83. Stimmt schon zu Teil - Fazit

Fazit: vieles in den USA ist enger, wegen der unwritten rules. In D fühle ich mich stellenweise etwas freier. Aber es gibt auch genügend Punkte, die in den USA um Welten besser sind als hier. Spass macht es in beiden Ländern nur, wenn man Geld hat. Noch ein Vorteil: wer in den USA irgendwie arbeiten kann, macht alles, um sein Geld zu verdienen. Allein schon aus Stolz. Ein deutscher Arbeitsloser kann reihenweise Jobs ablehnen, die er für nicht adäquat hält. Ein US-Arbeitsloser bewegt seinen Hintern. Er zieht ggf. 3.000 Meilen weiter für einen Job. Mehr Eigenverantwortung, weniger Steuern, und hunderttausende tolle Gebrauchtwagen mit V8 Saugmotor, die außerhalb Californiens keinen Ökoterroristen zum Opfer fallen.
Beruflich allerdings kann man in D mehr machen. Die angestellten Amerikaner sind im Schnitt langsamer, umständlicher und lassen um 5 den Stift fallen. Das Bankensystem ist in den 80ern stehen geblieben. Auf dem Land ist Strom schon mal Glückssache. Aber trotzdem werde ich meine späten Jahre wohl eher in den USA verbringen wollen. In einem Staat, in dem geraucht und getrunken wird. Denn die zunehmende Altersbräsigkeit in der D versinkt und auch die Islamisierung, sind nicht mehr meine Welt. Merkel hat es versaut und es wird 30 Jahre brauchen, das aufzuräumen. Da ich sie nicht gewählt habe, müssen Sie das ohne mich und mein Geld tun.

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alpstein 20.07.2017, 14:07
84.

Zitat von spiegelfechte
" Diese paranoide Angst der Amerikaner habe ich schon in den 90-igern so empfunden und hatte in diesem Jahr das Gefühl es ist noch ausgeprägter [...]" hat hier der Herr Busch geschrieben. Bei uns ist es eben umgekehrt: wir sind naiv und kümmern uns nicht um unsere Sicherheit und fordern sie vom Staat. Wir sind dann sehr überrascht, wenn der uns sagt, dass er diese Sicherheit nicht immer garantieren kann (will?) s. Grenzsicherung, Proteste in HH usw. USA hat auf manchen Gebieten eine erfrischend härtere und konsequentere Gangart. Ja, und uns würde es gut tun, wir hätten mehr "Angst" vor der Polizei, dann wären sicher solche Ausschreitungen gewisser Herrschaften gegen die Polizei wie man sie seit Jahren auf youtube sehen kann, nicht möglich. Ich fühle mich übrigens jedesmal in der Schweiz weit unfreier und beobachtet.
schönes, wahrscheinlich unfreiwilliges Beispiel wie die Medien ("youtube") Ängste befeuern,. Jetzt muss man sich nur noch ein reines Privatfernsehen vorstellen das diese Ängste täglich thematiert.

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zephyros 20.07.2017, 14:07
85. sehr guter Artikel

da versteht einer sein Handwerk. Weiter so.

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mathias.hoelzer 20.07.2017, 14:10
86.

Zitat von heinzgünther
Das kann ich so nicht bestätigen, allerdings habe ich auch nur wirklich erfahrungen aus zwei mittelamerikanischen ländern. Dort jedoch sieht es zwar über den Tag auf den straßen voll aus, aber wer kann fährt auto, am besten in die Mall. Cafes und bars mit plätzeb an der straße gibt es kaum. Bei einbruch der dunkelheit (18uhr) sind die straßen ausgestorben, es ist einfach zu gefährlich.
Stimmt. Das ist von Land zu Land unterschiedlich und ganz sicher nicht pauschal zu übertragen. Wollte nur sagen, dass ich das eben auch in Deutschland (also die leeren Strassen) so erlebt habe und es ganz stark auf die Wohngegend ankommt.

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yesyoucan 20.07.2017, 14:19
87. Wunderbar!

Ich kenne die USA gut. und ihre Schilderung trifft den Kern. Ihre Artikel habe ich immer sehr geschätzt. Ich werde sie vermissen.

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bigmitt 20.07.2017, 14:24
88. Respekt Herr...

...Medick. Schöner Artikel dessen Ansichten und Empfindungen in den USA ich absolut zustimmen kann.
Ich habe meine Frau ( US Amerikanerin) in Deutschland kennengelernt und Sie war absolut geschockt das Kinder hier alleine , zu Fuss zur Schule gehen, oder das Gebäck noch verkauft wird obwohl sich eine Biene draufgesetzt hatte...
Düsseldorfs OB Geisel hat mal gesagt das " alle Stereotypen die man Amerikanern nachsagt stimmen und man sie nicht trotz., sondern gerade deswegen mögen muss"
Recht hat er.

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martin58 20.07.2017, 14:33
89. Gut getroffen

Ich lebe seit über 30 Jahren in Maryland, habe schon 1985 in Bethesda gelebt und die Wandlungen des Landes gesehen. Die 80iger waren anders, voller Optimismus und dem Gefühl, daß wir die Kulturrevolution der 60iger ausbauen und auch die Machtstrukturen von der letzten Generation beerben. Clinton-Gore 1992 war so voll Hoffnung. Die einfacheren Leute hatten mehr Geld was auch mehr Parties, mehr Ausgelassenheit, mehr soziales Leben bedeuteten. Seit dem Coup vom 11. September 2001 herrscht Angst und der ewige Krieg. Viele meiner Immigrantenfreunde wollen weg. Dafür sind wir nicht gekommen. Der Traum wurde zum Alptraum.

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