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40 Jahre Hotel Neptun: Fünf-Sterne-Broiler und Meerblick

Einst*Perle des DDR-Tourismus, heute Thalasso-Tempel: Ein Warnemünder Wahrzeichen feiert 40 Jahre Hotel-Geschichte. Prominente Gäste, Prunk und Gegrilltes haben das Neptun berühmt gemacht. Nun kriegt das Haus am Strand Nachwuchs.

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ostseestern 31.05.2011, 13:41
1. Einfach nur arm

Dass der Spiegel nicht mehr DER Spiegel ist, ist nicht neu. Beati pauperes spiritu.

Bereits 2009, der NDR konnte noch recherchieren, strahlte selbiger eine seines gleichen suchende Reportage über das Hotel Neptun und die Verbindungen der damaligen staatstreuen Führung mit der heutigen politischen und wirtschaftlichen Elite aus.

Hier nachzusehen: NDR-Reportage - Hotel der Spione Teil1

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wfm 31.05.2011, 16:52
2. Ich geb's zu...

... ich bin nachtragend. Anfang der 80er Jahre machte ich mit meiner Familie in der Nähe Urlaub. Wir waren so dreist und wollten doch tatsächlich in diesem Hotel mal schön zu Mittag essen. Das höhnische Grinsen des diensthabenden Einlasswächters werde ich nie vergessen. Ganz knapp ein
"heute nicht". Ich halte mich immer noch daran.

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teletubbi 31.05.2011, 17:08
3.

Zitat von ostseestern
Dass der Spiegel nicht mehr DER Spiegel ist, ist nicht neu.
Richtig !
Besonders fällt auf, dass der SPIEGEL die dreisten Verharmlosungen der Hotelleitung unkommenntiert wiederkäut.
Auch längst belegte Fakten werden in schöner tschekistischer Tradition geleugnet:
"So ist laut Stasi-Unterlagen-Behörde in Rostock bekannt, dass von der Gründung bis zur Wende rund 250 inoffizielle Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes im Hotel tätig waren.
Solche Details aus der DDR-Vergangenheit stellt der 41-jährige Zöllick nicht in Abrede. Er fügt jedoch hinzu: "Da ist viel Abenteuererzählerei dabei." Zudem werde auch heute manchmal überwacht, nun aber offiziell, wie er betont."

Zitat von ostseestern
Bereits 2009, der NDR konnte noch recherchieren, strahlte selbiger eine seines gleichen suchende Reportage über das Hotel Neptun ...
Danke für die Erinnerung an diese hervorragende Dokumentation !

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parallelwelten 31.05.2011, 18:55
4. ...

Zitat von wfm
... ich bin nachtragend. Anfang der 80er Jahre machte ich mit meiner Familie in der Nähe Urlaub. Wir waren so dreist und wollten doch tatsächlich in diesem Hotel mal schön zu Mittag essen. Das höhnische Grinsen des diensthabenden Einlasswächters werde ich nie vergessen. Ganz knapp ein "heute nicht". Ich halte mich immer noch daran.
Etwa zur selben Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit einer Freundin aus der Westdeutschen Vertretung in Ostberlin einen Kurztrip nach Warnemünde zu unternehmen. Vor dem Restaurant standen viele Menschen an, die dort zu Mittag essen wollten. Obwohl etwa 3/4 der Tische nicht besetzt waren, wurden ihnen der Zutritt verwehrt. Meine Freundin zog mich an der wartenden Schlange vorbei, zeigte Ihren Diplomatenpass den beiden Türwächtern und wir hatten sofort einen Tisch nebst zwei Kellnern, die uns bedienten. Für mich war dieses ein beschämendes Gefühl.

Die Krone des Zweiklassenspieles aber war der Besuch der Sky-Bar am Abend. Es gab für die Anwesenden aus Partei und Gewerkschaften alles an West-Alkoholika und West-Zigaretten zu kaufen, während man den Mädchen vom Berliner Ensamble auf die nackten Busen starren oder dem Conférencier zuhören konnte, der die neuesten DDR-Witze zum besten gab, für die der einfache Bürger eingesperrt worden wäre.

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ThorstenNYC 31.05.2011, 18:57
5. Restaurant geschlossen – Stalins Schuld!?

Zitat von wfm
Wir waren so dreist und wollten doch tatsächlich in diesem Hotel mal schön zu Mittag essen. Das höhnische Grinsen des diensthabenden Einlasswächters werde ich nie vergessen. Ganz knapp ein "heute nicht".
Du meine Güte! Dass ein Restaurant mal für eine geschlossene Gesellschaft reserviert ist, kommt auch im Westen vor.

Ich war als Teenager mal ein Wochenende mit einem Freifahrtschein der Reichsbahn (den es als »Bezahlung« für einen obligatorischen Arbeitseinsatz meiner Schulklasse im ansonsten mittellosen Reichsbahnausbesserungswerk unserer Heimatstadt gegeben hatte) an der Ostsee. Da ich keine Übernachtungsmöglichkeit hatte und es etwas zu frisch war, um am Strand zu schlafen, habe ich den größten Teil der Nacht im Restaurant des Neptun-Hotels verbracht (das anscheinend als einzige Gaststätte in Warnemünde bis weit nach Mitternacht geöffnet war).

Einem »Einlasswächter« bin ich dabei nicht begegnet. Ich habe mich die Speisekarte hoch und runter gegessen (die Essenspreise waren auch für einen Schüler wie mich erschwinglich), Pilsner Urquell für sagenhafte 4,50 Mark getrunken (das neunfache des normalen Kneipenbierpreises) und mich dabei wie ein König gefühlt. Die Kellner waren ausgesprochen freundlich (was für die DDR-Gastronomie wirklich nicht typisch war) und haben mich geradezu fürsorglich umsorgt, obwohl ich ganz offensichtlich weder Bonze noch Ausländer war.

Keine Frage, in der DDR hat sehr vieles genervt, es gab in wahnsinnig vielen Situationen staatliche Unterdrückung und Bevormundung – die ich wie alle nicht Privilegierten auch selbst erfahren durfte – aber eben nicht überall und immer.

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ThorstenNYC 31.05.2011, 19:09
6. Ossi am 10.11.89: »Endlich kann ich Himmer und Meer sehen!«

Zitat von
Und als das Dach sich öffnete und Himmel und Meer sichtbar waren, da kam Sehnsucht auf, nach Weite und Meer.
(Jürgen Seidel, seit 1971 CDU-Mitglied in der DDR und Meck-Pomm)

Auch wenn das nachträgliche Jammern über den Permaknast DDR für eine Blockflöte mglw. Parteiauftrag ist: Himmel und Meer waren auch vom öffentlichen und jedermann zugänglichen Strand aus sichtbar. ;-)

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jackweil 31.05.2011, 19:47
7. ...

Zitat von sysop
Einst*Perle des DDR-Tourismus, heute Thalasso-Tempel: Ein Warnemünder Wahrzeichen feiert 40 Jahre Hotel-Geschichte. Prominente Gäste, Prunk und Gegrilltes haben das Neptun berühmt gemacht. Nun kriegt das Haus am Strand Nachwuchs.
Bei aller Nostalgie und jetzt Thalasso-Firlefanz: das Ding sieht echt sche... aus, wirkt wie ein Fremdkörper am Strand und zu Tränen rührt es mich auch nicht, selbst, wenn das Dach auf geht. Aber nun gut, wer auf 70ziger Jahre Beton und 5 Sterne Broiler steht, nur zu.

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ThorstenNYC 31.05.2011, 20:07
8. :-Þ

Zitat von jackweil
wirkt wie ein Fremdkörper am Strand
Stimmt, weil es das einzige Hochhaus am Strand ist. :-Þ

Wäre es besser, wenn es in einem Meer von Bettenburgen – wie es an den meisten Großstadtstränden üblich ist – untergehen würde?

Welcher Großstadtstrand ist weniger zugebaut als der von Rostock-Warnemünde?

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saul7 31.05.2011, 20:42
9. ++

Zitat von ThorstenNYC
Du meine Güte! Dass ein Restaurant mal für eine geschlossene Gesellschaft reserviert ist, kommt auch im Westen vor.... Keine Frage, in der DDR hat sehr vieles genervt, es gab in wahnsinnig vielen Situationen staatliche Unterdrückung und Bevormundung – die ich wie alle nicht Privilegierten auch selbst erfahren durfte – aber eben nicht überall und immer.
Nein, gewiss nicht überall und immer, das wäre selbst in einem Überwachungsstaat wie der DDR nicht möglich gewesen...;-)))

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