Forum: Reise
Abgebrochene Langzeitreisen: Wenn der Traum zerplatzt
Konrad Amandi / Weltreise.de

Was, wenn der große Traum gar nicht traumhaft ist? Wenn die Weltreise zur Qual wird? Drei Langzeitreisende erzählen, warum sie früher als geplant wieder zu Hause eintrudelten.

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Poco Loco 25.05.2016, 09:50
20. Zuviel Planung....

.....oder auch eine zu große Erwartungshaltung sind bei solchen Reisen eher hinderlich. Man sollte auch vieles auf sich zu kommen lassen und dabei flexibel bleiben. Wenn das Reiseziel oder das Guesthouse usw. nicht gefällt, dann zieht man eben weiter, niemand findet auf Anhieb den idealen Platz sofort und gleich. Und ehrlich gesagt, wg. einer ungeduldigen Frau würde ich meine Reise niemals abbrechen, die Liebe kann auch etwas warten wenn sie etwas wert ist, ansonsten ist es eh nicht die Richtige.

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jupp78 25.05.2016, 10:01
21.

Zitat von widower+2
Die Beziehung des Fahrradfahrers wird nicht mehr lange halten. Ist er doch quasi gezwungen worden (oder hat sich erpressen lassen), seinen großen Traum aufzugeben. Das wird er seiner Freundin immer und immer stärker bewusst oder unbewusst zum Vorwurf machen. Das hält keine Beziehung auf Dauer aus.
Da glaube ich nicht wirklich daran.
Für mich klingt die Nummer mit der Beziehung ein gutes Stück weit vorgeschoben. Natürlich wird es einer der Gründe gewesen sein (allerdings von beiden Seiten), aber bei weitem nicht nur. Der gute Mann wird reisemüde gewesen sein. Das aber jemand zu erklären, ist viel schwieriger, als die Nummer mit der Beziehung.
Die Freundin wird einfach gespürt haben, dass er nicht mehr will, aber es sich selbst nicht eingestehen kann. Da hat sie es auf ihre Kappe genommen und gesagt, dass sie möchte, dass er nach Hause kommt.

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syracusa 25.05.2016, 10:05
22.

Zitat von jujo
Ich erkenne bei keinem der geschilderten Fälle ein Scheitern. Die Abbrüche oder die Aufgaben der Reisen hatten doh alle gute und nahvollziehbare Gründe.
Gute Gründe hat einer, der einen Marathonlauf abbricht, auch. Ich glaube, Ihre Definition des Begriffs "Scheitern" ist ziemlich singulär.

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hup 25.05.2016, 10:15
23. Jahresreise mit Beziehung kaum zu vereinbaren

Langzeitreisen haben etwas mit Selbstverwirklichung zu tun, dem Gegenteil einer Partnerschaft, die auf ständigen Kompromissen beruht. Für viele Paare sind schon 14 Tage gemeinsamer Urlaub eine Beziehungsprobe, wer also gemeinsam eine Langzeitreise plant sollte schon lange zusammen sein und sicher wissen, dass man unabhängig von stützendem Alltag und Routine zusammen funktioniert.
Noch schwieriger ist natürlich, wenn der Partner gar nicht mitkommt und die Reise des Partnersinnerlich nicht 100% unterstützt, d.h. nicht mit der temporären aber langen Trennung zu Recht kommt.
In dem Beispiel des Radfahrers sehe ich in den Beispielen auch das einzig fundamentale Problem, denn wer nicht aus eigener Einsicht oder nach gereifter Erfahrung abbricht, sondern jemand anders "zu liebe", der wird den Abbruch immer als Verhinderung einer Selbstverwirklichung empfinden, und damit wird der Partner immer der, der verhindert hat, ob das ausgesprochen wird oder nicht.

Am besten ist es wirklich eine lange Reise beziehungsfrei zu beginnen (ggf. oberflächliche Beziehungen tatsächlich vor Reisebeginn beenden), nur dann ist man wirklich für alle Erfahrungen offen, und das ist durchaus nicht (nur) sexuell gemeint. Viel wichtiger ist es ohne mentalen Balast zu reisen um wirklich offen zu sein, Eindrücke spontan zu machen und flexibel zu reagieren, d.h. ohne Verpflichtungen wie Schulden, Karriere, Beziehung, Familie - eben frei in der Entscheidung. Wenn man solche Verpflichtungen bereits eingegangen ist, dann ist eine solche lange Reise, die harmonisch verläuft und ebenso endet, wohl eher die Ausnahme.

Sprich: Reise so lange du jung bist, oder nach grossen Umbrüchen und vor grundlegenden Neuorientierungen, dann wird jede Erfahrung der Reise, ob positiv oder negativ, dich bereichern. Reise mit Verpflichtungen und gegen ständige innere (und äussere) Widerstände, und die Reise wird dich (mental) dauerhaft mehr kosten als sie dir gibt. Und reise nie aus sportlichen Gründen oder um andere zu beeindrucken ("das muss ich schaffen bevor xy", "das muss ich xy beweisen"), das geht praktisch immer in die Hose, selbst wenn es "erfolgreich" durchgezogen wurde.

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Reiner_Habitus 25.05.2016, 10:19
24.

Die Welt ist halt nicht Deutschland. Die Zustände hier sind im Gegensatz zum Rest der Welt der reinste Luxus und irgendwann kommt halt der Tag an dem man auf den ganzen Dreck und das Elend keine Lust mehr hat.
Denn anfangs ist es spannend. Irgendwann wird es dann aber nervig und später entwickelt man gar fast schon Hass.

Ich meine Wenn man ständig drei Tage braucht um die Kleinigkeiten zu erledigen für die wir hier 5 Minuten benötigen, dann ist es für die meisten halt irgendwann frustrierend.
Mann kann natürlich vor Ort auch den ganzen für uns frustrierenden und sinnlosen Quatsch mitmachen und sich ganz entspannt anpassen aber selbst das ist keine Garantie dafür, dass es einem nicht irgendwann zu viel wird.

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Sal.Paradies 25.05.2016, 10:57
25. Zu viel Planung

Hr.Sommerer hat bestimmt nicht nur wegen der Kakerlaken seine Reise abgebrochen, sondern weil eine Weltreise einfach nicht sein Ding waren. Es hätte mehr geholfen, wenn er nicht ein Jahr lang geplant hätte faktisch 1 Jahr "durchhalten" zu müssen, weshalb er ja selbst sagt, er würde dies als "Scheitern" betrachten. Meine Frau und ich sind damals 6 Monate in SOA unterwegs gewesen und geplant war nur der Startort (Bangkok). Wie..wann..und..wo wir dann gelandet sind hatte immer damit zu tun, wen wir unterwegs getroffen hatten und welche Tips wir am besten fanden. Nach ca. 3 Monaten bekam meine Frau plötzlich extremes Heimweh und es ging er tagelang richtig schlecht. Ich hätte niemals gedacht, dass es so schlimm werden kann, aber sie hat echt gelitten. Nach 2 Tagen hatte ich ihr angeboten zusammen wieder nach Hause zu fliegen, verbunden mit der Bitte, uns noch ein paar Tage Zeit zu geben. Ich habe dafür gesorgt, dass sie (damals war das echt teuer) so lange sie wolle mit ihrer Familie telefonieren könne und nach 2 Tagen war der Spuk plötzlich vorbei. Diese Reise war "unsere" Reise und ich hätte niemals ohne meine Frau die Reise fortgesetzt, obwohl sie das angeboten hatte. Ein schöner Strand und ein schönes Erlebnis sind nicht einmal die Hälfte wert, wenn man sie (in meinem Fall) nicht teilen kann. Wichtig war, dass wir jeder dem anderen die Entscheidung überlassen hatten und keinen Ärger oder gar Zwang aufkommen ließen, sondern Empathisch reagiert haben. Wir waren damals noch nicht lange zusammen und diese Reise hatte uns mehr geprägt als alles andere. Wir hatten damals unterwegs einen Freund kennen gelernt der uns prophezeit hatte, wir würden uns nach nach dieser Reise trennen oder ewig zusammen leben. Er hatte recht, wir sind zusammen geblieben (jetzt 26 Jahre) und reisen heute mit unsere Tochter jedes Jahr nach SOA (findet sie super-toll) und genießen viele Orte noch mehr als damals, einfach weil es zu dritt noch mehr Spaß macht. Was uns damals geholfen hat, war, dass wir immer ausreichend lange an einem Ort geblieben sind, um uns örtlich auszukennen und sogar Freundschaften zu finden. Jede Woche 3x Unterkunft suchen und sich neu orientieren ist wirklich extrem anstrengend und Hitze/Lärm und viele..viele..Menschen die oft und zu jeder Uhrzeit etwas von einem wollen, können einen in den Wahnsinn treiben. Wir waren z.B. öfter in Indien und wer nicht lernt wirklich cool zu bleiben, denn kann ein solches Land mit dieser "Masse" an Menschen verrückt machen. 6-12 Monate an "einem" Stück zu reisen, verlangt einem alles ab, im Guten wie im Schlechten.... ;-)

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Sabin Chen 25.05.2016, 10:58
26. Afrika

hat ein Freund von mir abgebrochen, weil er das Elend nicht mehr ertragen konnte. Kinder, die in sauren Pfützen, offensichtlich gesundheitsschädlich, gespielt haben..permanent qualmende Müllkippen.. Zudem war er noch Vegetarier, was dort niemand verstand. Alles legitim. Ich war froh, als er heil wieder hier war.

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cor 25.05.2016, 11:08
27.

"Liebe ist doch ein sehr guter Grund, abzubrechen. Es sollte so sein."

Wenn ich das lese, kommt mir der Kaffee hoch. Nein, Herr "Fahrradfahrer", das ist es verdammt nochmal nicht. Mit einem Partner, für den man selbst solche vergleichsweise kurzen Lebensträume aufgeben muss, wird es keine Zukunft geben. Das war ein Fehler! Ich rede aus Erfahrung.

@SPON Vielen Dank für diesen Artikel. Sehr interessant. Gerne mehr davon.

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cor 25.05.2016, 11:11
28.

Zitat von MatthiasPetersbach
Wegen so nem "Sche+ss" wie dem oft selbst eingebildetem oder schöner vorgestelltem "Traum des Lebens" wird keine Liebe zugrundegehen.
Der war gut. Sie haben keine Ahnung, wovon Sie reden. Doch. Wenn der Lebenstraum ernst gemeint ist und dieser dem Partner nicht gewährt wird, wird JEDE Liebe zugrunde gehen!

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MatthiasPetersbach 25.05.2016, 11:23
29.

Zitat von syracusa
Gute Gründe hat einer, der einen Marathonlauf abbricht, auch. Ich glaube, Ihre Definition des Begriffs "Scheitern" ist ziemlich singulär.
Nöh. Ich seh in den geschilderten Fällen auch kein Scheitern - im Gegenteil.

Früher heimzukommen, weil man sich das anders vorgestellt hat/ einem das doch nicht so behagt/ die lange ziellose Distanz doch was anderes mit einem macht, ist nur vernünftig - nicht gescheitert.

Was sonst? Weiterfahren ohne Lust und Laune?

Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.

Der Unterschied zum Marathonlauf dürfte doch darin bestehen, daß man beim Marathonlauf einigermaßen abschätzen kann, was einem erwartet - und wie man reagiert.

Und auch DA kann ich jedem nur raten: Wenn einem das Paket "Marathon" incl. Anstrengung und Befriedigung keine Freude mehr macht, einfach aufhören. Ich empfinde das Gegenteil als Scheitern.

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